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Test : Panasonic GH5 - Neue Funktionen und aktuelles Fazit

von Do, 23.März 2017 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


LUT-Preview
Externe Qualitäten
Üppige Funktionsvielfalt
Fokussieren
Fazit



Die GH5 soll nun wie angekündigt im Handel erhältlich sein. In diesen Tagen dann tatsächlich eine Kamera zu bekommen dürfte allerdings vielleicht gar nicht so einfach werden, weil Panasonic schon mehrfach bekannt gab, die Nachfrage unterschätzt zu haben. Bevor man nun blind zugreift, wollen wir auch noch ein paar Worte zu den neuen Features der GH5 verlieren...

Wir hatten zwar schon diverse GH5 Hands-On, Sensor- und 10 Bit Tests gemacht, jedoch fehlt noch unsere grundsätzliche Meinung zu den den zahlreichen Neuerungen der Kamera. Der hiermit auf dem dem Fuße folgt…

Auch wenn die aktuelle Firmware-Nummer die Bezeichnung 1.0 trägt, sind noch nicht alle Funktionen in der Kamera implementiert, die Panasonic der GH5 auf den Weg mitgeben will. So sind schon jetzt zwei weitere Firmware-Updates bis Sommer angekündigt, die vor allem weitere Aufzeichnungsformate mit sich bringen sollen. Unter den Missing Features finden sich nicht nur All-Intra-Modi in 4K mit bis zu 400 Mbits, sondern unter anderem auch ein sehr interessantes Hybrid-Log-Gamma-Bildprofil zur HDR-Aufzeichnung.





LUT-Preview



Praktisch ist in diesem Zusammenhang, dass die GH5 nun auch eine LUT-Preview auf dem Display unterstützt, wenn das V-Log Update installiert ist. Und nicht nur das. Man kann sogar eigene Preview-LUTs in der GH5 in vier separaten LUT-Slots ablegen. Diese dürfen jedoch keine .cube-Files sein, sondern müssen im VARICAM 3DLUT-Format vorliegen, das man an der Endung .vlt erkennt. Da dieses Format schon weitaus länger als die GH5 existiert, können gängige Tools wie Resolve oder LUTCalc bereits solche LUTs auch schreiben bzw. konvertieren. In einen Clip “einbacken” kann man diese LUTs jedoch (noch?) nicht.

Schade finden wir, dass Panasonic nach wie vor noch einmal ca. 100 Euro zusätzlich für das V-Log Update verlangt. Sony liefert dagegen S-Log kostenlos mit den meisten Kameras mit. Und selbst Canon soll sich nun angeblich bewegen und der Canon 5D Mk4 ebenfalls zur NAB 2017 ein kostenloses C-Log-Update spendieren.



Externe Qualitäten



Eine Frage bewegt natürlich auch GH4-Umsteiger: Werden nun externe Recorder wie der Atomos Shogun an der GH5 obsolet?



Nicht unbedingt, denn auch für diese Anwender hat Panasonic noch ein Bonbon in der Tasche: Extern kann die GH5 nun 10 Bit 4:2:2 mit 50/60 Hz ausgeben. Da Atomos zusätzlich eine ProRES-Aufzeichnung mit hoher Datenrate bietet, bekommt man nach wie vor nur in dieser Kombination die volle Qualität des Sensors ohne starke Kompressionsartefakte aus der Kamera zu Gesicht. Was natürlich auch für 24fps gilt.

Doch die stärkere H.264-Kompression in der Kamera hat auch Vorteile, welche die GH5 ebenfalls zu nutzen versteht: Denn in 4K60p mit 8 Bit 4:2.0 bietet eine einfache 64 GB SD-Karte fast 1 Stunde Aufnahmezeit, die durch den zweiten Slot nahtlos verlängert werden kann. Da auch kein 30 Minuten Aufnahmelimit existiert, empfiehlt sich die GH5 auch für lange Mitschnitte in 4K mit 60p. Somit nähert sich die GH5 auch dem Einsatzbereich typischer Camcorder an. Der mitgelieferte Akku hielt bei uns bei einer durchgehenden 4K 60p-Aufnahme ca. 1,5 Stunden durch.

Es ist dabei schon eine Ingenieursleistung für sich, den Sensor und die Prozessoren in einem staub- und Spritzwasser-geschützten Gehäuse bei hohen 4K Frameraten ausreichend kühl zu halten. Überhitzungsprobleme gab es bei unseren Langzeitaufnahmen mit der GH5 nicht.

Höchst spannend aber noch nicht in unserer Redaktion gelandet ist das externe XLR-Modul, welches sogar eine interne Audioaufnahme mit 24 Bit in 96 KHz ermöglichen soll. Doch auch ohne dieses Modul gibt es selbstredend einen Mikrofon-Eingang und eine Kopfhörer-Ausgang, die beide manuell pegelbar sind.



Gegenüber einem echten Camcorder vermissen wir eigentlich nur eine Zoomwippe und einen integrierten ND-Filter (der sich natürlich auch manuell vor ein Objektiv schrauben lässt.)



Üppige Funktionsvielfalt



Die Menüs der Kamera sind noch üppiger geworden und stellen beeindruckend dar, welcher Funktionsumfang sich in dem kleinen Gehäuse verbirgt. Somit ist die GH5 auch irgendwie ein Gegenentwurf zu zahlreichen Cine-Kameras, die in der Regel eher wenig Einstellmöglichkeiten bieten. Dies führt auch dazu, dass die eingeblendeten Display-Informationen den Nutzer fast schon erschlagen, zumal sich seitlich auch noch virtuelle Funktionen im Touchscreen ausklappen lassen. Mit ein paar mal Drücken auf den Display Button lässt sich das Display aber schnell freiräumen, falls man freie Sicht wünscht.

In den Menüs selbst lassen sich Feinheiten wie Zebra-Level oder Schwarzpegel bestimmen, aber auch nicht unwichtige Details, ob die Audioausgabe “live” auf dem Kopfhörer-Ausgang liegen soll oder ob man eine verzögerten Kontrolle des aufgezeichneten Tons vorzieht. Der Audiopegel kann während der Aufnahme auf dem Touchdisplay verändert werden. Es gibt ein Vektorskop und einen Waveform Monitor, die zwar in der Display-Lage verschiebbar jedoch nicht in der Größe veränderbar sind. Die Audiopegel und die Signal-Monitore sind dabei sehr reaktiv. Aber auch andere Hilfen stehen zur Verfügung, wie der künstliche Horizont oder eine variabel einstellbare Zebra-Belichtungshilfe.

Eine wirklich coole Funktion hat Panasonic für die freie Belegung der Funktionstasten implementiert: Drückt man eine der Tasten länger als 2 Sekunden, so erscheint ein 16 Seiten-Menü im Display, aus dem man die gewünschte Funktion für diese Taste auswählen kann. Intuitiver geht es wohl kaum.



Fokussieren



Die Autofokus-Funktionen sind ebenso üppig, dass man sich alleine damit sehr lange auseinandersetzen kann und sollte. So lässt sich unter anderem die Geschwindigkeit des Autofokus anpassen, um zu schnelle Fokus Verlagerungen zu vermeiden. Eine absolut intuitive Einstellung, die mit Canons DualPixelAF zu vergleichen wäre ist uns dabei bis jetzt noch nicht gelungen. Allerdings kann man im Continuous Autofocus bis zu 15 Gesichter speichern oder Objekte zum Tracking definieren. Nach etwas vorarbeit an der Szene folgt dann auch der Autofokus wie gewünscht. Weiters lassen sich auch noch Fokus Transitions fest definieren und abfahren.

Das manuelle Fokussieren ohne externen Vorschaumonitor funktioniert ebenfalls sehr nach unserem Geschmack. So genügt ein Doppelklick auf die gewünschte Stelle im Display um den gewünschten Bereich zu vergrößern. Die Vergrößerung kann dabei frei mit dem Blendenrad eingestellt werden, was zudem alternativ mit einer Spreiz-Fingergeste auf den Touchscreen möglich ist.



Die Auflösung des Displays und des Suchers genügt in der Vergrößerung, um wirklich feinste 4K-Details sicher einzustellen. Peaking kann hierbei zusätzlich aktiviert werden. Der OLED-Sucher selbst gefällt uns gut, auch wenn er -wie viele Konkurrenten auch- bei 24fps-Aufzeichnung ruckelt. Daran ändert auch eine Einstellung der Systemfrequenz auf 24Hz nichts. Das Display bleibt dagegen in jedem Modus durchgehend ruckelfrei. Eine Umstellung der Systemfrequenz erfordert übrigens nach wie vor einen Neustart der Kamera, aber keine Neuformatierung der Karte wie bei einigen Sony- oder Canon-Modellen.



Fazit



Mit der GH5 liefert Panasonic ein beeindruckendes Stück Technik ab. In dieser Größe bei versiegeltem Gehäuse eine reibungslose interne 10 Bit-4:2:2-Aufnahme hinzubekommen ist schon alleine bemerkenswert. Dazu gibt es aber noch viele andere wichtige und außergewöhnliche Funktionen wie einen Waveform-Monitor, den bewegten Sensor mit der damit verbundenen DUAL-IS-Stabilisierung, Backup-Recording auf 2 Slots oder die 24 Bit/96KHz-Audio-Aufzeichnung über das optionale XLR-Modul. Solche Funktionen dürften auch einige Profis aufhorchen lassen, die eine besonders kompakte Lösung suchen. Und machen die GH5 gleichzeitig zu einer extrem universellen Lösung für viele Einsatzgebiete.

Als einzige wirkliche Schwäche des Konzepts sehen wir persönlich den relativ kleinen Sensor, der leichte Einbußen bei der Dynamik und dem Low-Light Verhalten gegenüber Super35mm-CineKameras bewirkt. Und dagegen kann man sogar eingeschränkt noch mit Focal Reducern gegensteuern. Die 4K-Auflösung der GH5 ist dagegen durch das Downsampling des Sensors tadellos und in Kombination mit der kurzen Rolling Shutter- Auslesezeit aktuell in dieser Preislage einzigartig.

Dass dies alles nicht kostenlos zu haben ist, ist ja schon seit einigen Monaten klar. Die geforderten 2.000 Euro für den Body erscheinen uns dennoch fair bepreist, auch wenn sich die GH5 damit immer mehr von ihren Ursprüngen als RebelCAM entfernt hat. Voll ausgestattet mit V-Log, XLR und einem universellen Zoom-Objektiv kann man auch leicht die 3.000 Euro Marke sprengen.

Man muss weiters anerkennen, dass Panasonic mit der GH5 die Latte für 4K-fähige Hybridkameras überdeutlich erhöht hat. Während fast alle anderen Hersteller mit Kamera-Updates in den letzten Jahren nur sehr wenig Neuigkeiten für Filmer einführten, strotzt die GH5 nur so vor spannenden Funktionen die erst einmal erkundet werden wollen.

Wir warten nun gespannt auf das 400 MBit/s Update und würden es sehr begrüßen, wenn Panasonic eine verbindliche V-Log L LUT für die GH5 zur Verfügung stellen würde. Denn erst damit lässt sich ein runder Log-Workflow für die Nachbearbeitung einrichten. Dafür müssen allerdings die Schnittprogramm-Hersteller auch noch ihre Hausaufgaben machen. Ein weiterer Artikel zu dieser Thematik ist auch schon in unserer Pipeline...


Panasonic GH5im Vergleich mit:

Listenpreis: 1999 €
Markteinführung: März 2017
Sensorgrößen-Klasse:
Micro Four Thirds
Mount: Micro Four Thirds

Platz 8 DSLR/DSLM Bestenliste
Blackmagic Design Pocket Cinema Camera 4K
Listenpreis: 1399 €
Sensorgrößen-Klasse: Micro Four Thirds
Canon EOS-1D X Mark II
Listenpreis: 6299 €
Super35 / APS-C

  

[27 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Fan    11:17 am 25.3.2017
Hallo, welche Speicherkarte sollte ich einsetzen, wenn ich z.B. den 6K-Fotomodus nutzen möchte ? Muss es eine UHS-2 Karte sein, oder reicht ein schnelles UHS-1 Modell...weiterlesen
CameraRick    11:11 am 25.3.2017
Das macht eine Alexa tatsächlich genau so. Ich verstehe dass das nervt, nur kann die wenigste Software vernünftig damit umgehen. Premiere und AE können zB keine Sequenzen oder...weiterlesen
iasi    22:00 am 24.3.2017
apropo Funktionen: Wie ist das denn nun mit den 6k-Serienaufnahmen?
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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update am 16.August 2022 - 17:39
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