Interviews : Nichts ist schneller versaut als ein stereoskopisches Bild: Einleitung
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Interviews : Nichts ist schneller versaut als ein stereoskopisches Bild

von Mi, 29.September 2010 | 7 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Digitaltechnik machts möglich – und komfortabel
  Konvergenz-Philosophien, Depth Grading und Schärfe-Interpolation
  3D für Consumer, geht das?
  3D im Kino – physikalische Grenzen, subjektive Wahrnehmung
  Von der 2D-Filmgestaltung zu 3D

Derzeit gelangen erste Camcordermodelle in den Handel, mit denen sich stereoskopische 3D-Aufnahmen einfach machen lassen. Ob es diesmal tatsächlich gelingen wird, 3D als ein FormatFormat im Glossar erklärt für die Massen zu etablieren? Unter anderem darüber haben wir mit Josef Kluger gesprochen. Er produziert seit über zehn Jahren in 3D (zuletzt für die BBC und Sony) und wirkt maßgeblich bei mehreren großen Forschungsprojekten mit. In unserem Gespräch ging es außerdem um verschiedene Konvergenz-Philosphien (vorher oder nachher?), ungünstige Brückentechnologien (aus 2D mach 3D), kollidierende Tiefeneindrücke (ist es vorne? ist es hinten?), Adaptionsprozesse im Gehirn (mehr! mehr!), und nicht zuletzt auch um die Scheu der Filmemacher, Neuland zu betreten...

Seit über zehn Jahren produziert Josef Kluger mit seiner KUK Filmproduktion GmbH in München unter anderem stereoskopische Filme, dabei wurde ein kompletter Aufnahme- und Postproduktions-Workflow für alle wesentlichen Bereiche der stereoskopischen Filmaufnahme selbst entwickelt. Die Firma zählt mittlerweile zu den renommiertesten 3D Pionieren Europas, und ist Partner in den EU Forschungsprojekten 3D4YOU und MUSCADE, sowie im deutschen Forschungsprojekt PRIME (gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie), bei dem in Zusammenarbeit mit dem Heinrich Hertz Institut Berlin und dem Fraunhofer Institut Erlangen neue 3D Produktionstechniken entwickelt werden.
Schon 2004 wurde ein 12 min. Imagefilm für Robert Bosch GmbH über Innovationen in der Automobiltechnik in 3D realisiert. Es folgten ua. ein Film über das 24h-Rennen am Nürburgring (15min / 2007 / mehr Info) sowie der zusammen mit der BBC produzierte, erste Pilotfilm im Bereich 3D Naturfilm, PEREGRINE (dieser wurde auf der NAB 2010 gezeigt / mehr Info). Im Auftrag von Sony und des DFB dokumentierte Kluger und sein Team das Training der Nationalmannschaft in Südtirol in 3D, und -- ganz aktuell -- auch die Proben von Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern. Letzteres hatte unlängst auf der IFA Premiere.



Herr Kluger, Sie beschäftigen sich ja schon seit vielen Jahren mit 3D -- wieso diese Spezialisierung?

Die KUK-Filmproduktion gibt es seit 1992. Wir haben uns von einer Produktion von Image-, Corporate- und Industriefilmen zu einer Firma entwickelt, die Spezialformate produziert für Themenparks, Weltausstellungen und Großevents. Spezialformate sind zum Beispiel 360-Grad Projektionen, Motion Ride Filme mit bewegten Plattformen, alle möglichen Multiscreen-Formate. Und in diesem Bereich war es für uns klar, daß wir uns für ein Komplettangebot auch um 3D kümmern müssen. Themenparks haben immer wieder diese sogenannten 4D-Theater ausgestattet, wo zu den 3D-Effekten auch verschiedene Bewegungseffekte hinzukommen, haptische Effekte, physikalische Effekte wie Wasserspritzen, wie...

... Smell-o-vision...

Genau -- das war schon immer ein Medium für den Themenpark, das die Immersivität gestärkt hat. Also war es einfach wichtig, das gesamte Spektrum anbieten zu können. Und es war für mich auch als Möglichkeit, das Publikum mehr einbeziehen zu können als beim normalen 2D-Film, sehr spannend. Denn das ist ja was man immer versucht, mit den großen Attraktionen, daß man soviel Immersivität schafft wie möglich und das Publikum wirklich eintauchen läßt. Deshalb haben wir 2000 mit den ersten Tests begonnen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir alle Aufnahme- und Postproduktionstechniken selbst entwickelt, denn es gab ja kein 3D-Rig zu leihen, außer in den USA vielleicht ein-zwei, und genauso war es auch im Bereich Postproduktion. Die Geräte, die Hardware und Software, die heute zur Verfügung steht, um diese zwei Streams für das linke und rechte Auge parallel, gleichzeitig in Realtime zu bearbeiten, davon war man 2000 noch weit entfernt. Also haben wir selbst Möglichkeiten geschaffen, auf einem HD-Stream mit entsprechenden Spiegelvorsätzen ein Bild in 3D schneiden zu können. Da haben wir wirklich Pionierarbeit geleistet -- uns erstmal für Eigenproduktionen mit dem Thema beschäftigt und uns fit gemacht, sodaß wir dann auch relativ früh für erste Themenparks und Kunden wie beispielsweise Bosch 3D-Produktionen realisieren konnten. Anfangs haben wir noch auf 35mm gedreht, bzw. Super 35mm, und dann haben wir natürlich sehr schnell die High Definition Digitaltechnik verwendet um zu produzieren.



Auch wieder mit eigenen Formaten?

Immer mit eigenen Rigs, bis heute. Was wir in der Postproduktion heute aber eingekauft haben, ist ein Piranha-System, bei dem man in der Lage ist, mit Dual-Stream zu arbeiten, also 2x Full HD unkomprimiert in das System zu streamen, dort zu bearbeiten, geometrisch und farblich die Ströme anzupassen, und die Bearbeitungsschritte über zwei Beamer in Realtime auf der Silberleinwand projizieren zu können.



Artikel-Inhaltsverzeichnis:
Einleitung
Digitaltechnik machts möglich – und komfortabel
Konvergenz-Philosophien, Depth Grading und Schärfe-Interpolation
3D für Consumer, geht das?
3D im Kino – physikalische Grenzen, subjektive Wahrnehmung
Von der 2D-Filmgestaltung zu 3D
    

[6 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
domain    17:58 am 6.10.2010
Ja das ist richtig. Die Objektive müssen natürlich nicht immer genau auf Unendlich gerichtet sein, also parallel stehen, sondern es kann auch ein Kompromiss für etwas nähere...weiterlesen
rakzak    17:09 am 6.10.2010
Die 750er Pansonic bzw die Vorsatzlinse hat doch aber eine feste Konvergenz, glaube die konvergiert bei 1,5m. Also alles, was weiter weg als anderthalb Meter von der Kamera ist...weiterlesen
domain    10:24 am 6.10.2010
Einen interessanten Aspekt bei stereoskopischer Darstellung hat Josef Kluger angesprochen, nämlich die Grundsatzfrage, ob sich ein Stereobild vom real entfernten TFT bzw. von...weiterlesen
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