Wissen Konsistente Farben für Filmprojekte - ACES in Theorie und Praxis Teil 1: Die Basics

Konsistente Farben für Filmprojekte - ACES in Theorie und Praxis Teil 1: Die Basics

Jeder hat schon davon gehört, aber die wenigsten nutzen es für ihren persönlichen Workflow: Die Rede ist von dem Academy Color Encoding System, kurz: ACES. Wir wollen einmal die Basics des Industriestandards für Farben beim Film beleuchten.

Jeder hat es schonmal gehört, aber die wenigsten nutzen es für ihren persönlichen Workflow: Die Rede ist von ACES, dem Academy Color Encoding System, welches von sich behauptet, DER Industriestandard für Farben beim Film zu sein.



ACES ist im letzten Jahrzehnt tatsächlich ein weltweiter Standard für die genormte, digitale Farben geworden, aber ebenso für die Verwaltung von Farb-Workflows und die Erstellung von Presets für die Auslieferung und Archivierung von Filmen. ACES kann mittlerweile den gesamten Prozess der Filmproduktion abdecken - von der Bildaufnahme über die Bearbeitung, VFX, Präsentation und Archivierung bis hin zum späteren Remastering.



Unter anderem soll ACES also einen nahtlosen Austausch von Kinofilmen unabhängig von der Quelle ermöglichen und dabei auch einheitliche Schnittstellen für das komplette Prozedere mitbringen. Dies geht dann soweit, dass sogar Kameraprofile für die Produktion in einen kompletten ACES Workflow eingebunden werden können.



Die folgende Grafik bringt auf den Punkt, was man mit ACES gegenüber analogem Film oder Video erreichen will. Eine hohe Dynamik, eine breite Gamut und all dies in feinsten Abstufungen sollen im Workflow bis zum Mastering erhalten bleiben:



Konsistente Farben für Filmprojekte - ACES in Theorie und Praxis Teil 1: Die Basics : workflow


Dieser Artikel will zuerst erklären, was es mit ACES konkret auf sich hat, um im zweiten Teil exemplarisch zu zeigen, wie eine ACES-Pipeline unter Resolve in der Praxis eingerichtet und genutzt werden kann.




Die ACES Pipeline

Eine typische ACES-Pipeline umfasst eine Reihe verschiedener Farbräume mit speziellen Konvertierungskurven. Alles was in das System hineingeht, sollte eine Input Device Transform (IDT)-Funktion mitbringen, Alles was aus dem System herauskommt, braucht eine Output Device Transform (ODT)-Funktion. Für deren korrektes Verhalten sorgen im besten Fall die Hardware-Hersteller, alternativ nutzt man vordefinierte Profile und Parameter. Jede Bildtransformation wird durch einen Datensatz beschrieben, der mathematische Funktionen und Matrixtransformationen enthalten kann.



Alle Berechnungen in ACES erfolgen in Fließkommazahlen (FP16/FP32) und sind szenenbezogen (scene referred). Das ist insofern relevant, weil es damit de Facto kein Clipping im ACES Farbraum gibt.



Als kurze Erklärung dazu vielleicht noch einmal kurz der Unterschied zwischen Display Referred und Scene Referred: Bei einem Display Referred Farbraum haben gibt es immer einen ganz konkreten Referenz-Weißwert. Beispielsweise wird eine Helligkeit von 100 Prozent immer mit exakt 100 Nits wiedergegeben. Man bezieht sich bei den Werten also immer auf ein konkretes Ausgabemedium, z.B. ein Referenz Display mit 100 Nits.



ACES (aber beispielsweise auch HLG) ist dagegen bewusst ohne einen festen Helligkeits-Referenzwert definiert, was als "scene-referred" oder auch relativ bezeichnet wird. Ohne weitere Output-Anpassungen wäre auf einem 100 Nits Display ein 50 prozentiger Grauwert dann deutlich dunkler, als auf einem 500 Nits Display. Die relative Helligkeit wäre jedoch weiterhin auf beiden Displays gleich verteilt.



Diese relative "scene referred"-Helligkeit ermöglicht unter anderem das Arbeiten mit Werten kleiner als 0 und größer als 1 - eine theoretische Ober- oder Untergrenze gibt es nicht. Und darum auch kein Clipping. Auch die ACES-Gamut clippt nicht an irgendwelchen Display-Spezifikationsgrenzen, sondern erstreckt sich über alle Farben, die ein Mensch theoretisch unterscheiden kann.



Diese Eigenschaften qualifizieren ACES besonders als "Intermediate Farbraum", also als Arbeitsfarbraum, in dem man verlustfrei Farben hin- und hertransformieren kann.



ACES kann (auch für zukünftige Farbräume) jede mögliche und sichtbare Helligkeits-/Farbkombination verlustfrei speichern. Man kann tatsächlich jeden aktuell nutzbaren Farbraum verlustfrei in ACES speichern, bzw. abbilden. Oder praktisch gesagt: Man kann beispielsweise jeden Rec709-Wert in ACES speichern, aber nicht jeden ACES Wert in Rec709.





Konsistente Farben für Filmprojekte - ACES in Theorie und Praxis Teil 1: Die Basics : ACES Farbraum


Wer also mit mehreren Kameras arbeitet (und diese auf der Timeline kombinieren will), nutzt hierfür am besten einen verlustfreien Arbeitsfarbraum (Intermediate), der so groß ist, dass er alle Farbräume der genutzten Kameras umfasst. Und in diesem Farbraum arbeitet man dann auch bis zum finalen Export des Projektes. (Eine ähnliche Idee verfolgt übrigens auch der neue Resolve Intermediate Farbraum, jedoch wollen wir in diesem Artikel bei ACES bleiben.)



Beim Herausspielen kann man sein Projekt an diverse Export-Farbräume anpassen, die aktuell ebenfalls allesamt kleiner als ACES sind. Und auch hier gilt: Ist ein Projekt in ACES gespeichert, sollte man auch noch in hundert Jahren diesen Master in einen dann aktuellen Farbraum abbilden können - und erhält immer noch exakt die Farben, die der Regisseur heute bei der Produktion gesehen und gewählt hat.




Leserkommentare // Neueste
macaw  //  08:34 am 16.9.2021
Vielen Dank an euch alle! Eure Antworten haben enorm weiter geholfen! :)
mash_gh4  //  00:37 am 16.9.2021
Ein ganz einfaches beispiel, wo diese vorteile einer physikalisch korrekten abbildung von licht- und farbwerten sehr deutlich zu tage tritt, betrifft die ganzen...weiterlesen
Paralkar  //  22:21 am 15.9.2021
Wie schon gesagt, du hast ein viel viel größeren Farbraum und auch ein viel größeren Dynamikumfang, Nehmen wir als Beispiel non Color managed Workflow in ner Rec 709 Timeline,...weiterlesen
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