Logo Logo
///  >

Test : Nikon Z9 in der Praxis: Nonstop 8K 10 Bit Aufnahme, N-Log, internes ProRes, Hauttöne, 120p...

von Fr, 24.Dezember 2021 | 6 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Nikon N-Log und Hauttöne
120 fps 4K Zeitlupe
AF-Performance
Stabilisierung
Nikon Z9: Hitzelimits?
Nikon Z9: Akkuperformance
Fazit



Mit seiner Z9 Flaggschiffkamera hat Nikon für ziemlichen Wirbel in der Videocommunity gesorgt und tatsächlich reiben auch wir uns leicht verwundert die Augen ob der technischen Leckerbissen, die Nikon hier seiner Z9 spendiert hat: Interne 10 Bit ProRes Log Aufnahme bis 4K 60p, interne 8K 10 Bit N-Log Aufnahme (demnächst sogar in RAW), verbesserte AF-Funktionen, duale CFexpress Cardslots, neues Hitzemanagement uvm. Wie gut schlägt sich die Nikon Z9 also in der Video-Praxis?

Nikon Z9


Die von uns hier getestete Nikon hatte zwar bereits die Firmware 1.0 – es handelt sich hierbei jedoch um ein Vorserienmodell (mit dem wir noch keine Labortests machen dürfen). Alle Aussagen stehen also noch unter einem leichten Vorbehalt. Da wir die Nikon Z9 nur sehr kurz hatten, wird es einen ausführlichen Handlingtest bei uns geben, sobald wir das Serienmodel (am liebsten mit der RAW-Firmware) bei uns zum Test haben.

Vorab unser Testdreh mit Caro an einem kalten Berliner Wintertag:


Wir haben uns hier sowohl das neue, interne 10 Bit 8K N-Log, das ebenfalls interne 10 Bit 4K ProRes N-Log, die 120 fps Zeitlupe, die Hauttöne, die AF-Funktionen, die Bildprofile und die Stabilisierungsleistung der Nikon Z9 angeschaut.

Zum Einsatz kamen neben der Nikon Z9 das aktuelle Nikkor Z 24-70mm 1:2,8 S, unser Eclipse Vario ND Filter, eine 512 GB SanDisk Pro CFexpress Karte und das Sachtler Flowtech75 mit FSB 8 Kopf. inen ausführlichen Handlingtest geben, sobald wir das Serienmodel (am liebsten mit der RAW-F



Nikon N-Log und Hauttöne



Aktuell stellt Nikon offizielle N-Log LUTs sowohl für die Nikon Z6 als auch für die Nikon Z7 zur Verfügung – für die Nikon Z9 fehlt noch eine entsprechende LUT. Wendet man die verfügbaren Z6/Z7 LUTs auf das Nikon Z9 N-Log Material an, ist das Ergebnis noch etwas „off“. Wir haben in DaVinci Resolve entsprechend zur manuellen Farbkorrektur gegriffen und sind hier mit überschaubarem Aufwand zu recht brauchbaren Ergebnissen gekommen.

Gute Hauttöne bei überschaubarem Aufwand in der Postproduktion


Man spürt beim Umgang mit dem Nikon Z9 Log-Material, wieviel Potential hier bei der Hauttonwiedergabe steckt.

Sollte Nikon in Zukunft noch stärker auf den Videobereich fokussieren (wovon wir ausgehen), würden wir uns neben einer offiziellen REC 709 LUT vor allem auch über flachere 709-nahe LUTs freuen (wie es teilweise die Konkurrenz anbietet).

Insgesamt hinterlässt das N-LOG-Material der Nikon Z9 bei unserem ersten Hands-On einen recht organischen Eindruck. Während wir beim 8K 10 Bit H.265 25p Material einen angenehmen Mix aus guter Auflösung und reduzierter digitaler Nachschärfung ausmachen, fällt das 4K ProRes 50p Material im Vergleich hier deutlich softer aus.

Wir vermuten, dass bei 4K 50/60p noch kein echtes 8K Downsampling, sondern eine Art Lineskipping stattfindet – genaueres können wir hierzu sagen, sobald wir uns die Z9 im Testlabor anschauen konnten.

Wer mit der Nikon Z9 vor allem in LOG aufnehmen möchte, dem empfehlen wir einen externen Monitor für die Belichtung zu nutzen - Dank Fullsize HDMI-Anschluß ist die Nikon Z9 hier bestens für vorbereitet.

Aktuell bietet die Nikon Z9 leider kein internes Waveform-Monitoring und auch die Belichtungsanzeige liess sich im Videobetrieb nicht aktivieren. Für die Beurteilung der Belichtung ist man daher entweder auf die Zebraanzeige angewiesen (die sich als 8Bit-Range und nicht in Prozent) einstellen lässt oder auf das (eher kleine) einblendbare Histogramm.

Noch immer warten wir auf die erste Vollformat DSLM die als Belichtungshilfe False Color mitbringt – hier tun sich in unseren Augen für Nikon bei einem künftigen Firmwareupdate einige Chancen auf.

Und apropos Firmwareupdate: Richtig spannend wird es bei der Nikon Z9 mit dem bereits für Frühjahr angekündigten 8K RAW Firmwareupdate. Damit sollen dann neben internem 8K RAW 60p auch ProRes RAW HQ und vor allem echtes 8K Downsampling für 4K 50/60p Formate möglich werden. Wir erwarten hier insgesamt nochmal einen deutlichen Sprung bei der Videoqualität.



120 fps 4K Zeitlupe



Mit deutlich aufgewerteter Funktionalität zeigt sich auch die Zeitlupen-Funktion der Nikon Z9. Diese bietet jetzt erstmalig 120 fps auch in 10 Bit Nikon N-Log und in 4K. Wir schätzen hierbei vor allem die N-Log-Option, weil dies das Matching mit 8K und 4K N-log Material deutlich vereinfacht.

Die Datenrate des Nikon Z9 10 Bit 4K N-Log 120p Materials (H.265) liegt bei schlanken 135 Mbit/s – zum Vergleich: Intern aufgenommenes 4K ProRes HQ 50p liegt bei 1,42 Gbit/s. Die starke Datenreduktion spiegelt sich auch in etwas geringer auflösendem Zeitlupenmaterial und erhöhter Nachschärfung wieder.

Damit kommt die Nikon auflösungstechnisch nicht ganz an das Niveau der beim Thema Vollformat-Zeitlupe Klassenbesten Sony A7S III heran – bietet Dank 10 Bit und Log aber trotzdem ein in dieser Klasse sehr gutes Ergebnis.



AF-Performance



Bei der Autofokusperformance im Videobetrieb fällt zunächst die beachtliche Reichweite auf, über die hinweg die Augen- und Gesichtserkennung der Nikon Z9 arbeitet. Wir sehen hier Nikon auf ähnlichem Niveau wie Sony agieren.

Der AF der Nikon Z9 bietet zahlreiche Einstellungs- und Finetunemöglichkeiten. Bei unserem kurzen Hands-On hatten wir vor allem die AF-Geschwindigkeit etwas erhöht, womit wir bei unseren Testshots recht gut hingekommen sind. Bei einigen Situationen hätten wir vermutlich zusätzlich auch von einer leichten Erhöhung der Reaktivität profitiert. Hier gilt es in der Zukunft noch mehr Erfahrungen für optimale Einstellungen zu sammeln.

Besonders gut gefallen hat uns erneut die Umsetzung des manuellen Override-Modus des Nikon AF-Systems. Man kann zu jeder Zeit manuell in den AF eingreifen und diesen ab dem gerade aktuellen Schärfepunkt von Hand weiter führen. Möchte man erneut an das AF-System übergeben, reicht ein Klick auf die AF-Taste und der AF-übernimmt quasi nahtlos.

Gerade für Bewegtbildanwendungen ist dies ein hervorragendes System und unserer Meinung nach eines der besten manuellen Fokus-Override-Systeme am Markt.



Stabilisierung



Die Nikon Z9 verfügt wie alle Vollformat Nikon DSMLs über eine Sensorstabilisierung. In unseren Augen eine der wichtigsten Stabilisierungssysteme überhaupt für Filmer, weil sich hiermit auch Aufnahmen mit manuellen Objektive, die bekanntlich viel im Filmbereich genutzt werden, stabilisieren lassen.

Wer hingegen mit AF-/System-Objektiven unterwegs ist, erhält bei modernen DSLM-Systemen die bestmögliche Stabilisierungsleistung im Verbund aus optischer Objektivstabilisierung und Sensorstabilisierung.

Die besten kombinierten Stabilisierungssysteme erlauben mittlerweile in vielen Situationen selbst mit bewegter/laufender Kamera das Weglassen von externen Stabilisierungssystemen wie Gimbaln, Steadicams etc.

Das Nikkor Z 24-70mm 1:2,8 S verfügt (leider) über keine optische Bildstabilisierung. Trotzdem arbeitet die Sensorstabilsierung gut genug, um bei moderaten Bewegungen eine gute Stabilisierung zu ermöglichen. Vor allem bei den Eröffnungsshots mit Caro ist dies gut zu sehen.

Will man hingegen mit der Nikon Z9 im Gehen filmen, würden wir im Verbund mit dem Nikkor Z 24-70mm 1:2,8 S eher zu einem Gimbal raten (oder zusätzlich nach einem stabilisierten Objektiv Ausschau halten).



Nikon Z9: Hitzelimits?



Beim Thema Wärmemanagement kommen wir klar zur Referenzleistung der Nikon Z9. Wir haben die Nikon Z9 bei Raumtemperatur quasi 90 Minuten im Dauerbetrieb laufen lassen. Hierbei haben wir mit der Nikon Z9 jeweils 30 Minuten in den maximalen PAL-Betriebsmodi aufgenommen: 4K/120p, 8K/30p und 4K ProRes/60p und dies alles quasi am Stück – lediglich mit Umschalt- bzw. Formatierpausen - ohne eine einzige Hitzeunterbrechung.

Nikon selbst gibt bei der Nikon Z9 einen Nonstop Betrieb für 8K 30p von bis zu 125 Minuten an: Einen Wert, den wir nach unseren Messungen für durchaus realistisch halten.

Damit empfiehlt sich die Nikon Z9 insbesondere für Aufgabenstellungen, bei denen Nonstop am Stück in hoher Auflösung aufgenommen werden muss wie bsp. Veranstaltungen/Events. Dank ihrer dualen Cardslots sind hier Aufnahmezeiten über das Fassungsvermögen einer einzelnen CFExpress Karte hinaus kein Problem.



Nikon Z9: Akkuperformance



Von allen aktuellen spiegellosen Flaggschiffkameras bietet der Akku der Nikon Z9 aktuell die höchste Kapazität mit stolzen 3300mAH (36 Wh). Die schlägt sich einerseits zwar auch im Gesamtgewicht des Kamerasystems nieder (mit 1.321g / Gehäuse + Akku ist die Nikon Z9 spürbar schwerer als die Canon Eos R3 und Sony A1) aber auch in einer hervorragenden Akkuperformance, welche die Langlauffähigkeiten der Nikon Z9 noch einmal deutlich unterstreicht.

Nach knapp 2 Stunden Dreh im On/Off Betrieb hatten wir noch 70% Akkuladung – ein hervorragender Wert. Je nach Drehsituation sollte man somit sogar mit einem Akku durch einen Drehtag kommen. Doch auch wenn eine Akkuladung nicht reichen sollte, hat die Nikon Z9 noch einen Akku-Trick im Ärmel:

Mit USB-C Netzteilen mit höherer Leistung (z.B. MacBook Netzteil u.ä.) lässt sich die Nikon Z9 auch im laufenden Betrieb laden. Wir haben probeweise in 8K 25p über 20 Minuten mit verbundenem USB-C-Netzteil gefilmt ohne dass sich die Akkuladung verringert hätte: Coole Sache.



Fazit



Unser Vorserienmodel der Nikon Z9 zeigt eindrucksvoll Nikons Potential, im Rennen um die beste Vollformat DSLM für Video neu mitzumischen. Ihre Stärken liegen in der internen 4K ProRes Log Aufnahme, bei internem 10 Bit 8K Nikon N-Log sowie bei ihrem hervorragenden Akku- und Wärmemanagement.
Letzteres prädestiniert die Nikon Z9 im Verbund mit ihrem dualen CFexpress Cardslots vor allem für lange Nonstop Aufnahmen für Veranstaltungen/ Events etc. Auch bei der AF-Performance braucht sich die Nikon Z9 nicht vor der Konkurrenz zur verstecken.
In ihrer aktuellen Version kommt die Nikon Z9 zwar in unseren Augen noch nicht ganz an die Videoqualität der besten Vollformat DSLMs von Sony und Canon heran, aber bereits im Frühjahr dürfte sich das schlagartig ändern. 
Denn hier steht dann ein mächtiges Firmwareupdate an, mit dem die Nikon Z9  die erste Vollformat DSLM werden könnte, die intern in 8K RAW 60p aufnimmt. Zudem sollte dann die 4K 10 Bit 60p Fullsensor-Auslesung auch ohne Lineskipping erfolgen. Darüber hinaus stehen dann auch ProRes RAW Optionen an. (Zusätzlich würden wir noch für Waveform-Monitoring und ein Paar Z9 LUTs plädieren).
In der Nikon Z9 lauert also ein echtes Videomonster, auf das wir schon sehr gespannt sind ...


  

[65 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
pillepalle    15:48 am 10.1.2022
Der Chef-Youtuber darf natürlich nicht fehlen und muss sie auch mal begrabbeln :) https://youtu.be/NIk2DfZZEbM VG
pillepalle    10:32 am 7.1.2022
@ iasi Die Z9 kann doch noch gar kein RAW. Zu RAW findest Du etwas bei den anderen Kameras. Bei der Z9 sind die N-Log Spezifikationen und die Handbücher. @...weiterlesen
iasi    10:23 am 7.1.2022
Im PDF-Handbuch ist schon mal gar nichts zu finden. Und auch im Referenzhandbuch kann ich nichts über Raw Video entdecken. https://onlinemanual.nikonimglib.com/z9/de/index...weiterlesen
[ Alle Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


Test: Canon EOS R3 Sensor Test - 6K Large Format RAW für 6K! Di, 21.Dezember 2021
Kurz vor Weihnachten konnten wir endlich auch einmal die Canon EOS R3 durch unser Testlabor schicken, weil wir kurzfristig eine finale Version der Kamera in die Hände bekamen. Also, was bietet das aktuell größte EOS R Modell für Filmer?
Test: Sony A7 IV Sensor-Test - heimlicher S35-Spezialist? Mo, 13.Dezember 2021
Die neue Sony A7 IV bietet interne 10 Bit 4:2:2 S-Log-Aufzeichnung für Filmer. Bekommt man hier nun eine A7S III für 2/3 des Preises?
Test: Rode Wirelesss Go II - die beste 2-Kanal-Funkstrecke für Indies inkl. Pro-Funktionen? Mo, 29.November 2021
Mit der digitalen Wireless Go II Funkstrecke hat Rode seiner Einsteiger-Funkstrecke eine 2-Kanal Option an die Seite gestellt, die neben der bekannten Nutzung als drahtloses Clip-On Mikro oder Lavalier-System jetzt auch über eine interne (Backup) Aufnahmefunktion, einen erweiterten Funktionsradius und die Option den Empfänger via USB-C auch an mobilen Geräten als Audio-Streaming-Lösung zu betreiben …
Test: Canon EOS R3 im Praxistest: 12 Bit 6K RAW 50p, Hauttöne, LOG/LUT, Stabilisierung, DJI RS2 uvm … Fr, 24.September 2021
Hier unsere ersten Aufnahmen und Erfahrungen mit Canons neuer spiegellosen Flaggschiffkamera Canon EOS R3. Folgende Fragen haben wir uns gestellt: Wie zuverlässig arbeitet der Dual Pixel AF? Wie verhält sich das 12 Bit 6K RAW Material in der Postpro? Macht der neue Eye Control AF für Video Sinn? Wie gelingt die Hauttonwiedergabe? Wie einfach lässt sich die EOS R3 auf den DJI Ronin RS2 montieren? Wie gut ist die Stabilisierungsleistung im 6K RAW Videobetrieb? ...
Test: Canon EOS R3: Aufnahmezeiten und Hitzelimits bei 6K 12 Bit 25p/50p RAW und 4K All-I 50p Fr, 17.September 2021
Test: EOS R5 und Ninja V+: Canon vs ProRes RAW in der Praxis: Belichtung, Hauttöne, Postpro Do, 2.September 2021
Test: Canon EOS R5 ohne Hitzelimit bei 8K 25p und 5K 50p ProRes RAW mit dem ATOMOS Ninja V+ ? Mo, 23.August 2021
Test: Die Nikon Z 6II im Lesertest - 3x ProRes RAW in der Praxis Mi, 18.August 2021
Test: Vergleich: Sony A1 vs Canon EOS R5 in der Praxis - welche Highend Video-DSLM wofür? Fr, 25.Juni 2021
Test: Sony A1 in der Praxis: Die beste Vollformat DSLM für Foto und Video? 8K 10 Bit, 4K 120p, Hauttöne uvm. Mi, 9.Juni 2021
Test: Panasonic GH5 II - zweite (R)evolution? Mo, 31.Mai 2021
Test: Blackmagic 6K RAW mit der Panasonic S1H und dem Video Assist 12G in der Praxis Do, 27.Mai 2021


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:



update am 19.Januar 2022 - 18:02
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*