Stabilisierung und Rolling Shutter
Leider bietet die Canon EOS R keine Sensorstabilisierung. Damit ist sie sensorstabilisierten Systemen klar im Nachteil. Hinzu kommt, dass die Canon EOS R mit stärkerem Rolingshutter zu kämpfen hat, wo ebenfalls eine zusätzliche Stabilisierung gut getan hätte. Zwar lässt sich eine elektronische Stabilisierung bei der Canon EOS R dazuschalten aber diese benötigt nochmal mehr Crop und führt damit auch zu einem schlechteren Debayering.

Wir würden für den mobilen Betrieb der Canon EOS R deshalb stets zu stabilisierten Systemen wie Gimbals oder Gidecams raten und auf jeden Fall ein Objektiv mit optischer Bildstabilisierung wie das hier genutzte RF 35mm F1.8 Macro IS STM dazunehmen.
Wo Canon bei künftigen Sensorauslesungen ebenfalls noch etwas Arbeit vor sich hat, ist die Reduktion des Rolling Shutters. In unserem Testvideo ist der Canon EOS R Clip vor allem auf Grund des eher ausgeprägten Rolling Shutters weniger „ruhend“ als das Bild der Nikon Z6.
4K Crop
Ein klares Manko stellt für uns der 4K Crop mit einem Faktor von 1,74 bei der Canon EOS R dar. Damit liegt die Canon EOS R bei der 4K Aufnahme beim Sensorreadout zwischen MFT und APS-C.
Wer also Vollformatlook mit der Canon EOS R benötigt, muss in HD filmen (wo sie auch das beste Downscaling hinbekommt). Wer umgekehrt eher im Telebereich arbeitet und viel Reichweite benötigt, wird auch in 4K bei der Canon EOS R fündig.
Wie der 1.7x Crop in der Praxis aussieht, sieht man recht gut bei unseren AF-Vergleich mit fixem Standpunkt. Die Canon EOS R und die Nikon Z6 befinden sich am gleichen Standpunkt mit gleicher 35mm Brennweite:

Unterm Strich fühlt sich der starke Crop im 4K Videobetrieb der Canon EOS R nicht zeitgemäß an.
Handling Verarbeitung
Das Handling der Canon EOS R teilt sich für uns in zwei Kategorien: Allgemeine Ergonomie und Schalterlayout.

Insgesamt bewegt sich die Verarbeitungsqualität der Canon EOS R auf Canon-typischem, hohem Niveau. Stabiles Magnesiumgehäuse, perfekt sitzende Objektive ohne Spiel, gegen Staub- und Spritzwasser abgedichteter Cardslot und insgesamt hochwertige Schalter und Bedienelemente sprechen für Canons jahrzehntelange Erfahrung im Bau von hochwertigen Kameragehäusen und die Canon EOS R macht hier keine Ausnahme.

Auch die Griffausformung, Daumenauflage, und Daumenrad befinden sich alle an der richtigen Stelle. Persönlich hätten wir das Zeigefingerrad gerne etwas weiter vorne oder unterhalb der Auslösers gesehen – auch empfinden wir den AF-On Button gelegentlich als etwas schwer in der Daumenmulde aktivierbar aber das fällt alles eher unter persönlichen Geschmack. Insgesamt liegt die Canon EOS R sehr gut in der Hand und dies gilt insbesondere auch für größere Hände. Das Schalterkonzept der Canon EOS R ordnen wir grundsätzlich eher zu Consumer als zu Pro ein.

Im Videobetrieb gut gefallen hat uns der zur Seite ausklappbare 3,15“ Touchscreen der Canon EOS R. Damit stellt die Canon EOS R die derzeit einzige Vollformat Spiegellose dar, die über ein entsprechendes Klappdisplay verfügt und dürfte zusammen mit der guten Video AF-Performance auch YouTuber glücklich machen. Auch wir schätzen zur Seite klappbare TFTs eher als die nur winkelbare Variante.
Als zu umständlich empfanden wir hingegen die Auswahl des jeweiligen Aufnahmemodus bei der Canon EOS R.Wer beispielsweise von der manuellen Videoaufnahme zur manuellen Fotofunktion wechseln will, muss 3 Knöpfe bzw. Touchdisplay-Buttons drücken. Hier hätten wir uns ein externes Moduswahlrad gewünscht.
Die neue touchbasierte Multifunktionsleiste der Canon EOS R sorgt derzeit für recht hitzige Diskussionen - vor allem unter Fotografen. Uns hat sie - mit einer Einschränkung - recht gut gefallen: Wir haben auf die Swipe-Bewegung (über die gesamte Taste) das Kopfhörervolume gelegt, auf einen Rechts-Klick den Fokusassistenten und auf einen Links-Klick das Peaking. Für uns hat das im Aufnahmebetrieb gut funktioniert.

Allerdings würden wir nur in Ausnahmesituationen für die Aufnahme zentrale Funktionen wie bsp. die Blende auf die „Touchbar“ legen. Dafür bietet sie für unseren Geschmack zu wenig Kontrolle – für das Ein/und Ausblenden von Menüoverlays funktioniert sie hingegen gut und vereinigt 3 Funktionen in sich. Somit stehen also 3 zusätzliche extern aufrufbare Funktionen bei der Canon EOS R via Multifunktionsleiste zur Verfügung und je mehr externe Funktionen desto besser ...
Der OLED Viewfinder der Canon EOS R (3.69 MP(1280x960) gehört mit zum Besten was derzeit im Viewfinderbereich zu haben ist. Unser Tip für einen bestmöglichen Betrieb: Wer das Sucherformat 2 aktiviert, hat nahezu alle Aufnahme-Infos am Rand und nicht als Overlays über den Sucherbild. Schön zu sehen, dass Canon hier mitgedacht hat.
Was uns bei der Canon EOS R (und bei der Nikon Z6/Z7) fehlt, sind ein zweiter Cardslot als Backup und ein XLR-Modul für kompakte, externe Audiosteuerungen, wie es Panasonic und Sony für ihre Spiegellosen Systemkameras via intelligentem Blitzschuh anbieten. Hier sehen wir sowohl bei Canon als auch bei Nikon noch etwas Luft nach oben. Und (wie auch die Nikon Z6) verbaut Canon bei der EOS R leider keinen HDMI-Anschluss in Standardgröße. Entsprechend empfehlen wir mit HDMI-Kabel-Klemmen oder Cages im 10-Bit Aufnahmebetrieb zu arbeiten, wenn ein zuverlässiges externes Recording gewährleistet werden soll.
Die Akkuleistung der Canon EOS R hat uns gut gefallen. Drei Stunden im On/Off 4K Aufnahmebetrieb bei Temperaturen um die 2 Grad haben den LPE6N Akku (1865 mAh / 14 WH) gerade mal zu ¼ belastet.




















