Nach Martin Scorsese haben sich nun auch weitere Hollywood-Größen zum Einsatz von KI in der Filmproduktion geäußert: beispielsweise George Lucas, der Schöpfer des Star Wars Epos. In einem sehr lesenswerten Interview mit dem britischen Film- und Kulturmagazin A Rabbit’s Foot zeigt sich der 82-Jährige ausgesprochen enthusiastisch: "Künstliche Intelligenz bedeutet, dass es für uns viel einfacher ist, Filme zu machen."

Die Einwände von KI-Skeptikern vergleicht Lucas mit dem Festhalten an Pferd und Kutsche zu Beginn des Automobilzeitalters, wörtlich: "Das ist ungefähr so, als säße man hier und sagte: ‚Nun, ich glaube, Pferd und Kutsche sind wirklich das Wahre. Diese Autos gehen kaputt, sie brauchen Benzin, es gibt alle möglichen Probleme mit ihnen und schon bald werden sie zu Panzern umgebaut, und dann werden sie Menschen töten. Es ist schrecklich.‘"
Aufhalten lasse sich die Entwicklung - wie jede technische Neuerung bisher - laut Lucas ohnehin nicht: "Man kann nichts dagegen tun. Das ist Fortschritt, das ist die Zukunft." Immerhin äußert sich Lucas nicht ganz unkritisch - auf mögliche Manipulationen angesprochen, argumentiert er, dass KI auch gleich Werkzeuge liefern könne, um Fälschungen zu erkennen und ihre Herkunft nachzuverfolgen. Verantwortlich für einen illegalen oder missbräuchlichen Einsatz bleibe letztlich der Mensch.
Technik als Mittel zum Zweck
Lucas positive Haltung zu KI überrascht nicht. Während manche Filmemacher digitale Werkzeuge als Bruch mit der Tradition des Kinos verstehen, betrachtet er technologische Veränderungen seit jeher als natürliche Weiterentwicklung der bewegten Bilder. Kino sei keine bestimmte Technik, sondern eine Idee, erklärt er im Interview.

Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Laufbahn. Weil die etablierten Effektstudios seine Vorstellungen für Star Wars nicht umsetzen konnten, gründete Lucas 1975 Industrial Light & Magic. Später trieb Lucasfilm unter anderem computergestützten Filmschnitt, digitale Tonbearbeitung, CGI-Figuren, virtuelle Kulissen und den Einsatz digitaler Kinokameras voran. Die Star-Wars-Prequels wurden durch ihn zu wichtigen Wegbereitern einer weitgehend digitalen Produktionsweise.
Lucas wollte nach eigener Aussage dabei nie einen Technologiekonzern betreiben: Er habe schlicht die benötigten Werkzeuge haben wollen. Technik war für ihn nie Selbstzweck, sondern sollte Bilder ermöglichen, die sich sonst mit den vorhandenen Produktionsmitteln nicht oder nur zu hohen Kosten realisieren ließen. Entsprechend scheint er KI vor allem als weitere Möglichkeit betrachten, eine filmische Vision schneller und unmittelbarer auf die Leinwand zu bringen.
Aber was versteht Lucas überhaupt unter KI?
Offen bleibt allerdings, was George Lucas im Kontext der Filmproduktion genau unter künstlicher Intelligenz versteht. Im Interview unterscheidet er nicht zwischen assistierenden KI-Werkzeugen für Schnitt, VFX, Rotoskopie oder Postproduktion und generativer KI, die Drehbücher, Storyboards, Bilder, Stimmen oder auch komplette Videosequenzen erzeugt.
Zudem ist Lucas hat seit seinem letzten Film, "Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith" von 2005 kein Filmprojekt mehr angestoßen - seine Aussagen sind daher eher als grundsätzliche Haltung, denn als Bericht über eine konkrete KI-Produktion zu verstehen. Lucas widmete sich in den letzten Jahren dem Aufbau des Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles, das zugleich der Anlass für das Interview war.
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Lucas, Cameron und die Grenzen der KI
In seiner Technikbegeisterung ähnelt Lucas James Cameron. Auch der Avatar-Regisseur setzte wiederholt auf neue Technologie in der Filmproduktion wie Performance Capture, virtuelle Kameras, stereoskopisches 3D und digital Welten. Auch Cameron sieht in KI das Potenzial, Produktionskosten zu reduzieren und Prozesse effizienter zu gestalten.
Cameron zieht jedoch bei den Einsatzgebieten von KI eine deutliche Grenze. Er lehnt die Vorstellung ab, Schauspieler mittels Prompts zu ersetzen. Vereinfacht gesagt betrachtet Lucas KI als nächste zwangsläufige Stufe der digitalen Filmrevolution, verteidigt aber nachdrücklich die menschliche Performance und kreative Kontrolle als zentral für innovative Filme.
Nolan warnt vor dem gläsernen Trojanischen Pferd
Noch skeptischer äußert sich Christopher Nolan, dessen vollständig analog auf IMAX-Film gedrehte Homer-Adaption The Odyssey gerade in den Kinos angelaufen ist. In einem aktuellen Interview bezeichnet er KI als ein Trojanisches Pferd, bei dem allerdings jeder wisse, dass sich die Griechen darin verstecken. Es sei geradezu durchsichtig und aus Glas gefertigt. Nolan wertet das ausgeprägte Misstrauen vieler Menschen, insbesondere der jüngeren Generation, als gesund. Neue Technik könne große Vorteile bringen, müsse aber ebenso kritisch betrachtet werden wie die Motive der Unternehmen, die sie zur Verfügung stellen.

Kane Parsons: Kunst darf nicht an KI ausgelagert werden
Eine besonders kritische Position gegenüber KI vertritt überraschenderweise mit Kane Parsons der jüngste Erfolgs-Regisseur, der als Schöpfer des "Backrooms" Films gerade einen überraschenden Blockbuster-Erfolg erzielt hat. Parsons lehnt generative KI bei der Produktion ausdrücklich ab. Stattdessen ließ er große Teile der Backrooms als reale Kulissen errichten und ergänzte lediglich unmöglich zu bauende Bereiche durch klassische VFX und Blender.
Parsons sieht Kunst als eine Möglichkeit, das eigene Leben und persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Deshalb erkenne er keinen Wert darin, Teile dieses Vorgangs an eine Maschine auszulagern. Bereits eine per generativem Füllen getroffene und letztlich genau dadurch willkürliche Gestaltungsentscheidung könne sein Interesse an einer fiktionalen Welt untergraben: Wenn an einer Stelle ohne inhaltliche Absicht generiert werde, könne dies schließlich überall der Fall sein.
Angesichts der immer mächtiger werdenden KI-Tools in der Filmproduktion (und auf allen Ebenen), wird uns diese Diskussion wohl noch sehr lange beschäftigen. Dabei sind zunehmend KI-kritische Positionen zu hören, denn zwar kann KI bei vielen Workflows helfen, doch billig produzierter AI-Slop droht letztlich, alle Medien zu überschwemmen.


















