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Editorials : Quo volas, WiDi? Findet Intel den Weg in die Fernseher?

von Di, 27.Dezember 2011


Mit LG hat sich ein erster Hersteller nun dazu bemüßigt gefühlt, Intels Wireless Display Technologie in ein paar Fernseher zu integrieren. (Nicht viel) genauer gesagt sollen ein paar ausgewählte High-End 3D Modelle auf der CES 2012 vorgestellt werden, die Intels drahtlose Bildübertragungstechnologie ohne zusätzliche Hardware "empfangen" können.

Wir beobachten WiDi schon eine Weile und sind bezüglich Intels Marketing-Verhaltens etwas irritiert. Doch vielleicht sollten wir eine kurze Klärung für alle Leser vorausschicken, die nicht auf dem laufenden sind:

Via Wireless Display (oder eben kurz WiDi) lassen sich digitale Bild- und Tonsignale über eine direkte WLAN-Verbindung zwischen Sender und Empfänger übertragen. Der WLAN-Router wird dabei durch die direkte Verbindung der beiden Geräte umgangen, kann aber parallel dennoch weiter angesprochen werden (um z.B. Streaming-Inhalte für die Übertragung zu empfangen). Somit ist WiDi eine Konkurrenz zu Wireless HDMI oder auch zu Apples Airplay.

Die Grundlage bietet dabei Intels im Prozessor integrierter Quick-Sync Encoder, der seit der Einführung von Sandy Bridge Prozessoren Anfang 2011 in der Lage ist, Bildsignale praktisch ohne Prozessorbelastung zu encodieren. Bei WiDi wird diese Encoding-Einheit dazu genutzt, den Bildschrirmpuffer, der bei der integrierten Grafik ebenfalls im Prozessor vorliegt, in Echtzeit zu komprimieren. (Anmerkung am Rande: Es gibt dabei eine Übetragungslatenz von ca. 500ms, weshalb WiDi für Gamer nicht sonderlich interessant ist).

Das komprimierte Signal wird dann drahtlos über eine normale WLAN-Verbindung übertragen und an anderen Stelle von einer WLAN-Settop-Box oder ähnlichem decodiert und via HDMI an einen Fernseher weitergerreicht. Da die bisher erhältlichen Settop-Boxen nicht sonderlich teuer sind, gehen wir davon aus, dass Intel zur Kompression normales h.264 oder VC-1 einsetzt, das ja sehr effizient (quasi als Hardware-Codec) im Prozessor vorliegt.

Die Demonstrationen die wir bisher gesehen waren ziemlich überzeugend. Jedoch schafft es Intel gleichzeitig, die Technik trotz offizieller Markteinführung fast komplett von potentiellen Kunden abzuschotten. Nicht nur dass es verwirrenderweise bereits zwei Standard-Version gibt, von der nur die neuere auch 1080p beherrscht, ist ein Liste, welche Geräte denn nun WiDi senden können nirgendwo zu finden. Intel will momentan (Dezember 2011) nur Laptops WiDi senden lassen, und diese dürfen neben speziellen Core-Prozessoren auch nur mit einigen auserwählten Intels Wireless-Chips ausgestattet sein. Fremdhersteller lassen eine Treiber-Installation scheitern.

Die Laptop-Hersteller selber bewerben WiDi kaum und Intels Hinweis beim Einkauf auf den WiDi-Aufkleber auf der Packung zu achten, ist beim nicht gerade unüblichen Online Shopping nicht hilfreich. Auch in Preissuchmaschinen lässt sich nach WiDi nicht filtern, unter anderem, weil viele Hersteller diese Information oft selber gar nicht in ihren Datenblättern führen. Und eine Stichprobe in einem Saturn-Markt ergab, dass auch die Verkäufer nicht genau wissen, welcher Laptop denn nun im Sortiment WiDi-tauglich ist (sofern sie überhaupt wussten, was der WiDi-Aufkleber auf einigen Geräten bedeutete). Unsere Frage nach dem günstigsten WiDi-Laptop im Markt konnte jedenfalls niemand mit Sicherheit beantworten.

Genauso unverständlich ist, weshalb Intel nicht Nettops oder normale PCs per WiDi senden lässt. Mit einem ArbeitsPC an einen Fernseher im Nebenzimmer Filme zu streamen dürfte doch einige Anwender interessieren. Zumal man sich damit einen separaten HomeMedia-PC evtl. sogar komplett sparen kann. Gerüchteweise sollen die im Januar endlich verfügbaren, neuen Atom-Prozessoren ebenfalls WiDi-zertifiziert werden, allerdings aufgrund ihrer reduzierten Rechenleistung nur in SD senden können. HD-Streaming soll bis auf weiteres nur mit Core i3/i5/i7-Laptops möglich sein. Das dürfte für die meisten Home-Media PC-Bastler dann ein weiterer Grund werden, wieder einen Bogen um den Atom zu machen.

Es sollte doch eigentlich klar sein, dass solange Intel nicht den Sendekanal offener gestaltet, es für keinen Fernseher-Hersteller interessant ist WiDi in massentaugliche Serienmodelle einzubauen. Und eben darum verwundert es umso mehr, dass gerade LG diesen ersten Schritt wagt. Vielleicht (und hoffentlich) hat Intel hier durchscheinen lassen, dass die Technologie bald in Form eines einfachen Treiber-Updates plötzlich auch jedem Desktop-Core i3/i5/i7 der zweiten Generation zur Verfügung stehen wird. Denn das wäre ein verdammt cooler Schritt von Intel, der für viele Heimanwender neue Anwendungsgebiete für ihre Rechner eröffnen würde...

Doch wie es gerade aussieht, versucht Intel WiDi erst einmal als verkaufsförderndes Alleinstellungsmerksmal für Laptops in der 1000 Euro-Klasse zu etablieren. Dank grauenhaftem Marketing weiß jedoch kaum ein Laptop-Käufer in dieser Liga überhaupt von seinem elitären Glück. Vielleicht schielt er sogar neidisch auf Apples Ipad mit dessen AirPlay-Möglichkeiten...


  

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