Logo Logo
/// 

Ratgeber : Können erweiterte Low-ISO Einstellungen einen ND-Filter ersetzen?

von Mi, 26.Dezember 2018


Manche Kameras bieten die Möglichkeit mit einem erweiterten ISO-Bereich zu arbeiten. Und so kann es verlockend wirken, diese erweiterten Belichtungsmöglichkeiten auch zum Filmen zu benutzen. Gerade in Log (wie aktuell bei der Canon EOS R) ist es beispielsweise möglich, auch mit ISO Werten unter der Base ISO von 400 zu arbeiten. Bei überbelichteten Motiven lässt sich hiermit theoretisch der Griff zum ND-Filter sparen, wenn man die Empfindlichkeit des Sensors noch bequem um bis zu zwei Blendenstufen absenken kann. Könnte man meinen. Doch in der Praxis spricht einiges dagegen…

Wir wollen dies an einem kurzen Beispiel erläutern: Wir haben mit der Canon EOS R ein Überbelichtetes Motiv in ISO400, ISO200 und ISO100 bei aktivierter Log-Einstellung gefilmt. Canon markiert die nach unten erweiterten ISO-Bereiche in der Kamera mit dem Buchstaben L. Ein Blick auf den Waveform-Monitor zeigt schnell, warum man diese erweiterten Einstellungen höchstens nutzen sollte, wenn keine spätere Nachbearbeitung des Materials mehr möglich ist:



Senkt man die ISO in der Kamera ab, so werden die immer noch geclippten Highlights mit nach unten gezogen. Der Sensor übersteuert an dieser Stelle immer noch, nur werden die Werte einfach dunkler "nach unten" ins Bild geschrieben. Dies kann man gut daran erkennen, wie das überbelichtete Highlight Tableau im Waveform-Monitor nach unten wandert (siehe Pfeile).

Setzt man stattdessen einen ND-Filter ein, so liegen die Highlights im Waveformmonitor weiterhin an der Oberkante (oder clippen bestenfalls gar nicht mehr). Einen ND-Filter können solche erweiterten ISO-Einstellungen daher nicht sinnvoll ersetzen. Gleichzeitig verliert man bei der Nutzung der "synthetischen ISOs" bis zu zwei Blenden Dynamik in den Highlights, die in den Schatten nicht hinzugewonnen werden.

Falls man keinen ND-Filter nutzen (oder die Belichtungszeit verkürzen) kann, dürfte eine Aufnahme mit ISO400 dazu in der Nachbearbeitung noch mehr nutzbare Details in den Schatten und Mitten aufweisen, als die erweiterten ISOs, welche die Schatten und Mitten in Aufzeichnungsbereiche schieben, in denen viel weniger Abstufungen innerhalb einer Blendenstufe vorliegen.

Aus diesen Gründen sind Low-ISO Einstellungen leider kein nützlicher Ersatz für einen zusätzlichen ND-Filter.


  

[23 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
WoWu    03:03 am 30.12.2018
Stimmt ... nicht solange es hier Vollpfosten gibt.
cantsin    00:13 am 30.12.2018
Dazu gab es seit dem Release der Kamera offizielle (und hier schon zuvor diskutierten) Daten und Schaubilder von Blackmagic: http://www.aramk.us/wp-content/uploads/ ... 60x700...weiterlesen
Darth Schneider    22:05 am 29.12.2018
Vielleicht auch schon vorher...Ist ja auch irgendwie logisch...kein soo grösser Sensor. Gruss Boris
[ Alle Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


Ratgeber: Kameradrohnen und rechtliche Vorschriften -- was man beachten sollte Mo, 30.Juni 2014
Zur Zeit explodiert die Nutzung von Drohnen - seien es privat oder kommerziell genutzte. Drohnen werden immer billiger und vor allem auch für den Einsatz als ferngesteuerte Kameradrohnen immer attraktiver. Für alle potenziellen Piloten von Multikoptern sind deswegen dies folgenden Informationen über den rechtlichen Rahmen des Kameradrohneneinsatzes interessant.
Grundlagen: Wie filmt man am besten für eine Computational Postproduction? Di, 31.Januar 2023
Wer für seine Aufnahmen in der Nachbearbeitung maximalen Bildverbesserungs-Spielraum erhalten will, sollte die folgenden Tipps im Auge behalten...
Fokus Indie-Film: Fußballer-Portrait Ausherzspiel - auf der Suche nach cinematischer Stimmung mit kleinen Mitteln Do, 28.Juli 2022
Die YouTube-Doku Ausherzspiel begleitet den gebürtigen Stuttgarter Odysseas Vlachodimos, Stammtorhüter bei Benfica Lissabon, durch seinen Alltag - wir haben Yannick Galaske zum Dreh befragt (verwendet wurde die BMPCC 6K/Pro) und natürlich auch, wie man einen Profi-Fußballer wie "Ody" überhaupt vor die Linse bekommt.
Fokus Indie-Film: Windstill - von der HFF direkt auf die große Leinwand Mi, 17.November 2021
Aktuell ist in ausgewählten Kinos ein beeindruckender Debütfilm zu sehen, der im Rahmen eines Regie-Studiums an der HFF München entstand. Mit ihrem Abschlussfilm Windstill hat es sich Nancy Camaldo nicht gerade einfach gemacht, sondern eine intensive Betrachtung ihrer drei Protagonisten inszeniert. Über das Bildkonzept, die Arbeit mit den Schauspielern und die verwendete Kamera konnten wir Nancy einige Fragen stellen.
Fokus Indie-Film: Mini-Doku-Serie JUGENDLAND - Produzent C. Heymann über Authentizität und Technik Do, 11.März 2021
Fokus Indie-Film: Cyberpunk 2077 Phoenix Program -- Actionkamera ist eine Kunst für sich Mo, 22.Februar 2021
Fokus Indie-Film: Horror/Mystery Kurzfilm Blinder Himmel -- (fast) alles aus einer Hand Mi, 13.Januar 2021
Tips: 5 Licht-Tricks für ein gelungenes Interview Mo, 17.August 2020
Fokus Indie-Film: From North to South - Dreherfahrungen mit der Sony A7S II entlang eines Längengrades Di, 4.August 2020
Fokus Indie-Film: Märchen statt Realismus - Interview zur Entstehung von O Beautiful Night (Regie / Kamera) Di, 18.Juni 2019
Test: FiLMiC Pro mit dem iPhone Xs - Perfekte Partner? Do, 8.November 2018
Kurztest: Apple iPhone Xs - Bildqualität beim Filmen in 4K Do, 11.Oktober 2018


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:



update am 5.Februar 2023 - 15:02
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*