Logo
///  >

Interviews : Schätze Südostasiens -- mit der Blackmagic Pocket ins ARTE-Programm

von Di, 2.September 2014 | 4 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Zum Drehkonzept der Doku-Reihe
  Die Pocket Cinema Camera im Einsatz
  Außerdem: Flugaufnahmen mit Quadcoptern

Als vor gut 10 Jahren die ersten, kleinen DV-Camcorder in die Hände von Dokumentarfilmern fielen, war die Begeisterung groß. Plötzlich war es möglich, mit kleinen Teams, geringen Budgets und wenig Aufwand Filme zu realisieren, die z. T. selten gesehene Einblicke boten, da die (Amateur-)Kameras dazu auch sehr unauffällig waren. Am Videolook störte man sich anfangs noch nicht so sehr wie später, als der Reiz des Neuen verflogen war, und die absolute Schärfentiefe, sichtbaren Bildzeilen und ausgewaschenen Farben immer mehr ins Auge stachen.

Fast forward -– heute haben wir Kameras, die nicht nur sehr klein sind, sondern dabei auch ein hochwertiges Bild produzieren, das im Falle der Blackmagic Pocket Cinema Camera sogar im professionellen 4:2:2 Farbraum kodiert wird – man erhält also sendekonformes Material. Als die Kamera angekündigt wurde, liefen bei der Berliner Produktionsfirma Story House Productions gerade die Vorbereitungen für die ARTE-Doku-Reihe „Schätze Südostasiens“ – mit möglichst leichter Ausrüstung sollten fünf Länder bereist und vorgestellt werden. Die kleine Blackmagic Pocket mit ihren Spezifikationen kam da gerade recht – ohne sie wäre die Reihe in dieser Form vermutlich nicht entstanden.



Wir haben uns mit Christian Schidlowski unterhalten, der die Idee zu dem Projekt hatte und bei zwei der Filmen selbst Regie führte. Er dreht seit fünfzehn Jahren Filme für das Fernsehen (etwa für ARTE, WDR und 3sat), auch aber nicht nur in Asien, und ist jeder technischen Neuentwicklung aufgeschlossen, die den Drehalltag erleichtert oder besondere Aufnahmen ermöglicht. Wie sich im Laufe des Gesprächs herausstellte, kamen bei den Filmen übrigens neben der Blackmagic Pocket auch einige Phantom Quadcopter zum Einsatz...



Zum Drehkonzept der Doku-Reihe



/// Was ist das für eine Doku-Reihe, erzähl doch mal ein bißchen.

Wir haben in fünf Ländern gedreht -– Laos, Vietnam, Thailand, Kambodscha, Myanmar, also kontinentales Südostasien. Es geht dabei um Land und Leute, in jedem Film macht man eine Reise einmal quer durchs Land. Man sieht sehr viel Landschaften, man reist mit den typischen Verkehrsmitteln. Auf dem Weg machen wir immer wieder Station und treffen dort Leute, machen kleine Portraits.



/// Hattet ihr die vorher recherchiert?

Teils, teils -– 50% standen als Person fest vorher, bei den anderen wiederum gab es einen Typus, den wir gesucht haben, z. B. einen Rikscha-Fahrer in Saigon zum Beispiel, da sind wir hingefahren und wußten, wir suchen uns einen vor Ort.

Pro Land waren wir 24 Tage zu viert unterwegs, jeweils ein Regisseur, der auch den Ton gemacht hat, ein Kameramann, der mit der Blackmagic Pocket gedreht hat, ein Stringer, also jemand der aus dem jeweiligen Land kam und gedolmetscht und die Organisation gemacht hat, und dann hatten wir immer noch einen Fotografen dabei [von dem alle Abbildungen in diesem Text stammen / Anm. d. Red.].


/// Was war deine Rolle bei dem Projekt?

Ich bin Head-Autor, habe mir das Ganze ausgedacht, vorgeschlagen und verkauft, und auch zwei der Filme gedreht (Vietnam und Thailand). Für die anderen drei Filme habe ich mir andere Regisseure gesucht und Workshops mit ihnen veranstaltet, damit alles wie aus einem Guß ist. Wir haben lange über Stil geredet, und darüber was wir zeigen wollen, bestimmte Sachen die wir nicht zeigen wollen.

/// Was wolltet ihr denn nicht zeigen?

Beispielsweise aktuelle Sachen, das ist nicht das Thema bei ARTE Entdeckung. Die Filme sollen zeitlos sein, so daß man sie in 5-6 Jahren immer noch anschauen kann, ohne das Gefühl zu haben, das ist völlig inaktuell. Wir zeigen das Land, seine Geschichte, seine Traditionen, das Selbstverständnis der Menschen. Wir versuchen zu ergründen, was dieses Land im Inneren zusammenhält, das ganze eingebettet in möglichst schöne, große, attraktive Bilder von Landschaften. Diese Filme sollen letztendlich Lust machen, dort hinzufahren.



/// Und diese großen Bilder habt ihr also mit der kleinen Pocket Cinema Camera gedreht. Freut uns übrigens, daß das noch geklappt hat, wir hatten ja damals geholfen, den Kontakt herzustellen...

Ja, uns kam diese Kamera sehr zupass, da sie einerseits seht schöne Bilder liefert, die man auch toll graden kann, das Material erfüllt auch die ganzen Anforderungen der Sender, aber man bewegt sich wie ein Fisch im Wasser damit.

/// Gibt es denn diese strengen Senderichtlinien überhaupt noch? Man sieht ja ständig DSLR-Material im TV...

Das kommt auf den Sendeplatz an und den Sender. Bei ARTE ist es dasselbe wie bei der BBC, und bei den meisten anderen ist es auch so, daß es für die langen, großen Dokus immer noch 4:2:2 sein muß. Das steht im Vertrag. Ich habe auch schon Filme gemacht, bei denen ich mit einer Canon 5D gedreht habe, aber dafür brauchst du eine Sondergenehmigung von der Redaktion und der Produktionsleitung, die du unter Umständen bekommst, aber evtl. bekommst du dann auch ein bißchen weniger Geld. Ich habe eigentlich jahrelang darauf gewartet, daß eine kleine Kamera rauskommt, die 422-fähig ist, und plötzlich war sie da.

Die Pocket Cinema Camera im Einsatz


4 Seiten:
Einleitung / Zum Drehkonzept der Doku-Reihe
Die Pocket Cinema Camera im Einsatz
Außerdem: Flugaufnahmen mit Quadcoptern
  

[43 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Stefko    22:41 am 16.12.2014
Es gibt nun übrigens Sendetermine: Ab 12.01.15 19:30-20:15 jeden Tag ein Teil (insgesamt 5 Teile) Die Tage danach werden sie direkt hintereinander wiederholt. Ansonsten einfach...weiterlesen
WoWu    16:34 am 28.9.2014
Wir liefern überwiegend an Broadcaster und machen den grössten Teil des Umsatzes mit Stationen in Südamerika und Asien. Der Content, den wir herstellen wird, je nach Thema,...weiterlesen
Rick SSon    16:13 am 28.9.2014
Na klar, Internet gibts überall, genauso wie junge Leute. Okay, vll. überlebens ein paar Lokalsender, aber womit will der Staat auf Dauer Gebühren rechtfertigen, wenn sich...weiterlesen
[ Alle Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


Interviews: Hajo Schomerus So, 24.August 2003
Gleich mit zwei MiniDV-Produktionen war der Kameramann Hajo Schomerus auf der Berlinale 2003 vertreten: Für das hervorragend fotografierte Roadmovie „Golden Lemons“ -- seit letzte Woche auch in ausgewählten Kinos zu sehen -- begleitete er zusammen mit dem Regisseur Jörg Siepmann die Punkband „Die Goldenen Zitronen“ auf einer Tournee durch Amerika. Der Spielfilm „Narren“ von Tom Schreiber entstand in der Reihe „radikal digital“, und wurde mit der Sony VX 2000 und dem P+S Technik Mini 35 Digital Adapter gedreht. Wir wollten näheres dazu erfahren.
Tips: 5 Licht-Tricks für ein gelungenes Interview Mo, 17.August 2020
Obwohl moderne Kameras immer lichtempfindlicher werden, kann man sich das Thema Beleuchtung beim Filmen nicht sparen -- im Gegenteil, denn Licht gestaltet das Bild, modelliert und bringt Tiefe. DoP und Oberbeleuchter Tobias Lindner, der auch Workshops zum Thema Licht gibt, hat für uns fünf Tipps rund ums Thema Licht bei Interview-Situationen zusammengestellt.
Fokus Indie-Film: From North to South - Dreherfahrungen mit der Sony A7S II entlang eines Längengrades Di, 4.August 2020
Zwar dreht sich bei slashCAM vieles um die Filmtechnik, doch noch spannender ist ja eigentlich, was man damit anstellen kann. Diesmal sprechen wir mit Alessandro Rovere, dessen Film From North to South aktuell im Rahmen einer Ausstellung zu sehen ist -- über das Drehen mit der Sony Alpha 7S II, über Drohnenaufnahmen, Software-Abomodelle, Sound Design, und vieles mehr.
Fokus Indie-Film: Märchen statt Realismus - Interview zur Entstehung von O Beautiful Night (Regie / Kamera) Di, 18.Juni 2019
In Kürze kommt mit "O Beautiful Night" ein Debütfilm mit Seltenheitswert in die Kinos: eine deutsche Produktion, die beispielsweise Witz hat, ohne albern zu sein. Wir haben uns mit dem Regisseur Xaver Böhm und der Kamerafrau Jieun Yi über sehr neonlastige Bilder unterhalten, darüber wie man eine märchenhafte Stimmung erzeugt, wie sich die Produktion eines echt gedrehten Films von animierten Filmprojekten unterscheidet u.v.m.
Ratgeber: Können erweiterte Low-ISO Einstellungen einen ND-Filter ersetzen? Mi, 26.Dezember 2018
Test: FiLMiC Pro mit dem iPhone Xs - Perfekte Partner? Do, 8.November 2018
Kurztest: Apple iPhone Xs - Bildqualität beim Filmen in 4K Do, 11.Oktober 2018
Fokus Indie-Film: Sag dem Wind, dass ich bald komme -- Workflowstrategien und Kamera-Setup bei einer Langzeitdoku Mo, 6.August 2018
Fokus Indie-Film: Mystery-Thriller: INGENIUM -- Debüt von Steffen Hacker Di, 15.Mai 2018
News: Neue EU-Datenschutzvorschriften vs. Kunsturhebergesetz -- unsichere Zeiten für Filmer und Fotografen Di, 8.Mai 2018
Fokus Indie-Film: The strongest man of Berlin -- anamorphotisch gedrehtes Sportlerportrait (RED, Blackmagic, Iscorama) Mo, 23.April 2018
Fokus Indie-Film: "Phantomschmerz" - Produktion auf Kino-Niveau - gedreht auf Ursa Mini Pro und Sigma Cine Primes Mi, 14.März 2018


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:



update am 28.November 2020 - 18:02
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*