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Interviews : Erste 90 Minuten Doku für arte u. ARD auf Canon EOS 7D

von Di, 14.September 2010 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Die Charité
  DSLR-Dreh
  Postproduktion



Die Charité



Ok, lass uns über die Charité sprechen: Wie geht man an die Charité heran – das ist ja nicht irgendein Kreiskrankenhaus sondern DIE CHARITÈ.

Ja, klar, aber DIE CHARITE ist ja jetzt auch öffentlichkeitsfreundlich wenn man ein Projekt hat, das mehr sein will als sagen wir mal eine normale Reportage. Die Dramaturgin hatte bereits Kontakt zu einigen Chefärzten aufgebaut und da war klar: Man will was machen, was rund um den Mythos Chefarzt geht. Die möglichen Protagonisten waren dann auch schenll gefunden. Also sprich: Du gehst hin, bzw. wartest, bis du irgendwann einen Termin kriegst, was schon ziemlich lange dauern kann und sitzt dann vor einem Chefarzt oder wie sie in der Charite heißen „Klinik-Direktor“ und musst dich in ziemlich kurzer Zeit entscheiden, ob der medizinische Bereich, in dem er wirkt, der richtige fürs Fernsehen ist. Am wichtigsten natürlich: ist der Mensch, der Charakter der richtige? Plus die große, große Voraussetzung, dass du eine vertrauensvolle Zusammenarbeit benötigst.

Still aus „Die Chefärzte der Charité“



Auch der ausgewählte Chefarzt muss den Film und damit die zum Teil tägliche Nähe über Wochen hin wirklich wollen. Ich hatte ja nicht vorein kleines Filmchen über die Charité zu machen, sondern wollte wirklich zeigen, was hinter den Kulissen passiert, den Alltag von Chefärzten widerspiegeln. Das hat vorausgesetzt, dass auch sie sich mit der Idee des Films anfreunden und man sich völlig frei von Zensurgedanken bewegen kann. Man ist also wie im Irakkrieg embedded in eine Struktur und dann wird im Nachhinein im Gentlemansagreement festlegt, was man behandelt. Dass man vielleicht die ganz blutigen Sachen weglässt wenn es zuviel für den Zuschauer werden könnte etc. Aber die Entscheidung was in den Film kommt, behalte ich mir vor.

Das stelle ich mir sehr zeitintensiv vor: Man muss das Vertrauen gewinnen alle Beteiligten – nicht nur der Ärzte auch der Patienten – ich würde nicht gern im Krankenhaus gefilmt werden ... schätze das geht de meisten so ... oder .. also wie macht man das ?

Ja genau das war die entscheidende Frage – wie macht man das, ohne dass man in der ersten Minute gleich hochkantig rausfliegt (lacht)

Da muss man sagen hilft die Hierarchie der guten alten preussischen Medizin: Wenn der Chef sagt: Ich find das gut, ich mach da mit, dann ist der Weg schonmal zur Hälfte geebnet, d.h, solange der Chef Dienst hat, wird keiner rummucken. Wenn er sagt, es darf gefilmt werden, dann darf gefilmt werden. Fertig. Sein Wort zählt – das ist ein großer Vorteil. Trotzdem muss man das Vertrauen der Gesamtmaschinerie gewinnen, bis diese das Gefühl hat : Ja, wir können dich auch auf Patienten und uns selbst loslassen. Und das kostet dann natürlich Zeit: In unserem Fall ca. 3 Monate. Ich war immer wieder vor Ort um Arbeitsabläufe, Räumlichkeiten und Menschen kennenzulernen bis zu dem Punkt, wo das nötige Vertrauen aufgebaut war.

Drehsituation Regisseur, Kamera und Protagonistin



Warst Du dann auch „Undercover“ im weissen Kittel unterwegs ?

Ja, klar. Bei entsprechenden Visiten wurde man dann „upgegraded“, ich durfte einen Assistenzarztkittel tragen – so kommt man doch noch um das Studium herum (lacht) ...

Und sieht die Welt aus Weisskittelperspektive ...

Phantastisch. Wildfremde fragen dich, wie lange sie noch im Bett liegen müssen. „Ärztliche Kollegen“ schrezen mit dir auf dem Gang über andere Abteilungen.Der schönste Satz kam hierzu von einem Oberarzt: Vorsichtig, mit diesem Teil dürfen sie hier alles machen ... mehr braucht es nicht ... mit diesem Kittel tragen sie Verantwortung. Aber das hat natürlich geholfen Sachen zu betrachten ohne erkannt zu werden als „Der Fremde“, das war sehr wichtig, um nicht über die Menschen hinwegzurollen sondern sie von Innen heraus zu verstehen..

Wie sah es eigentlich mit Sterilität aus ? Musstet ihr die Kameras und Euch ständig einsprühen ?

Kamera nein, Kameramann ja – die Technik ist grundsätzlich sauberer als der Kameramann (lacht). Du musst einen kompletten Kleidungswechsel machen, Atemschutz, die Haare und, und, und ... die Technik darf natürlich nicht gerade vom Außendreh kommen mit einem Stativ, das gerade im Blumenbeet stand und dann in den OP soll – das geht natürlich nicht.

Still aus „Die Chefärzte der Charité“



Für eine gewisse Grundreinigung der Technik musst du immer sorgen. Ansonsten gilt ein Sperrbereich rund um die Operationstische von ca. 1- 1.5m – da darfst du nicht ran. Es sei denn, du machst alles extra-steril. D.h. da wird dann wie die andere Technik im OP auch alles abgeklebt. Du bekommst eine Plane, wo nur das Objektiv rausguckt und wo nichts runter rieseln kann. Bsp. vom Schneckengang, Objektivtubus etc. Das kam aber selten vor und wir haben dafür gesorgt, dass das Equipment bestmöglich sauber war.

Was gab es noch für zeitliche Koordinaten beim Film ? 3 Monate vor Ort Recherche ist ja bereits eine genannte, aber wie habt ihr die Arbeitsabläufe im Krankenhaus mit eurem Zeitbudget koordiniert?

Es war auf jeden Fall arbeitsintensiv, sowohl an Stunden als auch an Tagen. Die große Gefahr bei so einem Film ist, dass man zum reinen Sammler wird und dann irgendwann mal vor einem Wust von Material steht und dann sagt: was mach ich jetzt daraus. Um das auszuschließen, habe ich in den 3 Monaten Recherche ein Drehgerüst gebaut, in dem drin stand, was ein filmisches Thema sein könnte; Man verteilt also gewisse Qualitäten an Erkrankungen und an Vorgänge. Ganz abstrakt: eine schwere Operation mit langem Genesungs-Verlauf, eine rein technische OP von Muskel oder Knochen. Wenn Du diese Art der OP nach der Recherche-Phase auch beim Dreh wiederfindest, gut. Wenn nicht, dann versuchst du etwas zu finden, was dem von der Intensität, der Energetik her nahekommt – dann funktioniert es auch.

Wie habt ihr euch den Patienten genähert ? Das sind ja teilweise sehr heftige Schicksale, mit denen ihr da konfrontiert werdet und bei denen die Menschen ihr Einverständnis geben müssen, vor großem Publikum präsent zu sein.

Im Vorfeld des Films habe ich schon gedacht: das wird das schwerste überhaupt. Doch dann hat sich gezeigt, dass es eine relativ einfache Angelegenheit gewesen ist, wenn du es richtig angehst.Zuerst ist Respekt und Zurückhaltung wichtig. Also zwei Eigenschaften, die man vom Fernsehen ersteinmal nicht erwartet. Zweitens: wenn der Chefarzt jemanden vorschlägt und vorfühlt, ob da Interesse besteht, dann ist da schon die Hälfte der Arbeit gemacht. Der größte Vertrauenspartner, den sich der Kranke erhofft ist natürlich das Krankenhaus und sein Operateur und in dem Fall eben der Chef selbst. Und wenn der etwas vorschlägt gibt’s zum einen die Neigung , dass man nicht sofort nein sagt, es sei denn man hat wirklich Kameraangst oder möchte nicht Deutschland/Frankreich-weit gezeigt werden und zum anderen gibt es Leute die sagen, genau weil ich so eine schwere Erkrankung habe, möchte ich das die das filmen und zwar so wie es wirklich ist. Weil ich ein Beispiel geben möchte für andere - dass auch wenn man schwer erkrankt ist, es immer noch eine Tür, ein Fenster gibt, wo Licht durchfällt, wo es Hoffnung gibt.
Letztlich habe ich die Erfahrung gemacht: Je schwerer und abstrakter die Erkrankung ist, desto mehr haben die Leute das Gefühl, dass sie nicht einen Teil ihrer selbst bloslegen, sondern wirklich nur ihre Krankheit ... Der Tumor wird nicht als Teil ihrer selbst empfunden, sondern ist der Feind im Kopf. Letztendlich dokumentiert man dann also, wie der Feind bekämpft wird.
Wenn es sich nicht um eine schwere Kranheit handelt wird es viel schwieriger. Zum Beispiel bei einer Geburt. Eine Frau, eine Paar zu finden das ihren „schönsten Augenblick im Leben“ mit einer großen Öffentlichkeit und einem Film-Team teilt, ist sehr schwer zu finden und braucht auch viel Glück.

Drehsituation Regisseur, Kamera bei OP



Aber einen Patienten mit geöffneten Schädel zu filmen, kein Problem, machen sie mal.
Trotzdem müssen die geeigneten Protagonisten gefunden werden: Eloquenz, Transparenz, die Persönlichkeit spielen für solch ein Filmvorhaben die entscheidende Rolle. Es müssen mehrere Faktoren zusammen kommen, die Krankheit und der Mensch und wie immer bei solchen Sachen hilft Glück: Wenn man redlich daran arbeitet, öffnet sich plötzlich die Tür und man kriegt Sachen geliefert, wo man zuvor dachte: Solch eine Situation darfst Du sicher nie filmen..

Wie lange habt ihr insgesamt gedreht in Tagen oder Stunden ?

Faktische Drehtage hatten wir so 33, 35. In Stunden ist das schwer auszudrücken. An manchen Tagen hat man relativ kurz gedreht. Vielleicht maximal acht Stunden. Aber dann passiert es dir immer wieder mal, dass du bei einem Notfall dabei bist.Du beginnst ganz normal um 06:00 Uhr morgens, endest um 18:00 und später um 21:30 Uhr am Abend sitzt du im Kino und wirst angerufen: Wir haben jetzt einen schweren Notfall – da gehst du dann mit auf die OP und bist um 06:00 Uhr morgens wieder draußen. Das gehört dann einfach mit dazu.

Einmal Ärzte Arbeitszeiten bitte …

Ja genau …aber das hilft ...wenn sie sehen, dass du genauso wenig Pause machst wie sie, dann wirst du eher akzeptiert …

Du weisst jetzt ganz genau, wenn du mal in Charité müsstest, von wem du operiert werden willst …

Ja, sogar welchen Anästhesisten ich gerne hätte.

Und welche Krankenschwester sich um Dich kümmern darf …

Ja genau.

Welches Drehverhältnis hattet ihr ?

Das ist schwer zu sagen – wir haben zum Teil auf 2 Kameras gedreht – das ganze Projekt hat sich nochmal gedreht und gewendet und anders entwickelt … so dass wir zum Teil doppelt gedreht hatten …

Einleitung
DSLR-Dreh


Canon EOS 7D
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