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Test : Sennheiser MKH 8060 im ersten Test: Die neue slashCAM Audio-Referenz? Inkl. MKH 416 Vergleich

von Mo, 23.Januar 2023 | 3 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Sennheiser MKH 8060 (vs MKH 416) Handling und Specs
Sennheiser MKH 8060 und 416: Klangpraxis
Fazit



Die 8000er Serie stellt die aktuellste Version von Sennheisers weit etablierter, professioneller MKH-Serie dar. Innerhalb des 8000er Mikrofon-Portfolios ordnet Sennheiser dem (aktuell kaum verfügbaren) MKH 8060 Richtrohrmikrofon die Anwendungsbereiche Spiel- und Dokumentarfilm, Outdoor- sowie Studioaufnahmen zu. Damit darf es durchaus auch als moderne Variante des Sennheiser MKH 416 gelten, das nach wie vor das Richtrohr-Referenzmikrofon bei slashCAM darstellt - Zeit für eine neue Referenz?



Sennheiser MKH 8060 (vs MKH 416) Handling und Specs



Beim ersten in die Hand Nehmen des Sennheiser MKH 8060 fällt zunächst auf, wieviel kompakter und leichter es im Vergleich zu unserem MKH 416 baut.

Sennheiser MKH 8060


Mit angeschraubtem XLR-Modul misst das MKH 8060 gerade mal 178 mm (145 mm ohne XLR Modul) bei 110g (von uns gewogen). Das – in unseren Augen bereits recht kompakte - MKH 416 bringt es auf 25 cm bei 168 g (von uns gewogen).

Ebenfalls auf den ersten Blick fallen die unterschiedlichen Oberflächen auf – vor allem bei direktem Licht: Während der schwarze Oberfläche des MKH 416 sichtbar Licht reflektiert, ist beim MKH 8060 überhaupt keine Reflexion zu sehen. Sennheiser setzt beim MKH 8060 auf eine neuere Variante der bekannten Nextel-Beschichtung, die auch vom Griffgefühl eher an Samt als an Metall (wie beim MKH 416) erinnert.

Sennheiser MKH 416 oben, MKH 8060 unten


Damit fällt das neue MKH 8060 – obwohl es den helleren, braunen Farbton besitzt – bei direktem Scheinwerfer- oder Tageslicht deutlich weniger auf, als das schwarz lackierte MKH 416.

Beim Durchmesser blieb das Sennheiser MKH 8060 dem MKH 416 mit 19mm treu, so dass Mikrofonklammern (oder Kamera-/Mikrofonschellen) des MKH 416 problemlos weiter am MKH 8060 genutzt werden können.

Schauen wir auf die technischen Daten des MKH 8060 fällt gegenüber dem MKH 416 auf, dass es Sennheiser geschafft hat den Ersatzgeräuschpegel als das Eigenrauschen des Mikros (s. hierzu mehr auf slashCAM noch einmal mehr auf 11dB (A) zu senken, was einen hervorragender Wert darstellt.

Polardiagramm und technische Daten Sennheiser MKH 8060



Sehr spürbar im Betrieb ist darüber hinaus die höhere Empfindlichkeit des MKH 8060 gegenüber dem MKH 416. Hier heisst es bei der Aufnahme aktiv den Preamp höher pegeln, wenn man die dB-Werte des MKH 416 denen des MKH 8060 anpassen möchte. Den kräftigeren „Output“ des MKH 8060 kann man auch ganz gut an den technischen Daten ablesen: Während das MKH 416 einen Feldleerlauf-Übertragungsfaktor (1 kHz) von 25 mV/Pa besitzt, liegt das MKH 8060 bei stattlichen 63 mV/Pa. Letzteres dürfte auch all denjenigen, die auf weniger hochwertige PreAmps angewiesen sind (beispielsweise bei interner Kamera-Audio-Signalverarbeitung) zu Gute kommen.

Die für einen möglichst breiten Einsatz vielleicht wichtigste Neuerung besteht bei der 8000er Serie jedoch im bereits kurz angeklungenen modularen Aufbau. So lässt sich das Interferenzrohr vom XLR-Modul des MKH 8060 abschrauben und hier Filtermodule wie das MZF 8000 (LowCut und -10dB Pad) oder für besonders kompakte Mikro-Setups die XLR Einheit via MZL 8003 Kabelmodul vom Mikro weg versetzen (auch Scnwenkverbinder sind möglich).

Mikrofonmodule und Zubehör für das MKH 8060


Im Video-Umfeld sehen wir hier vor allem das bei Handling-Noise, Infraschall-Effekten und lauten Umgebungen zum Einsatz kommende MZF 8000 Modul als interessante Ergänzung an.
Interessant ist auch ein kurzer Blick auf den unterschiedlichen Frequenzgang des MKH 8060 im Vergleich zum MNKH 416.

Ganz gut ist beim MKH 416 die vergleichsweise abrupte Höhenanhebung um die 3.500 kHz zu sehen.

Frequenzgang Sennheiser MKH 416


Diese bewußte Höhenbetonung stammt aus der analogen 70er Jahre Aufnahmepraxis und dem damit einhergehenden Bedürfnis für eine bessere Sprachverständlichkeit bei Bandaufnahmen (inkl. High-Frequency Cut) zu sorgen.

Wir persönlich sind mit dem auf hohe Sprachverständlichkeit ausgelegtem Klang des MKH 416 sehr vertraut und schätzen die damit einhergehende stärkere Konsonantenbetonung durchaus. Allerdings benötigt das MKH 416 immer auch etwas Nachbearbeitung, um es weniger „hart“ zu tunen.

Frequenzgang Sennheiser MKH 8060


Schaut man auf den Frequenzgang des MKH 8060 sieht man zwar auch eine Betonung im sog. Präsenzbereich (was für auf Sprachaufnahmen ausgerichtete Mikrofone auch sinnvoll ist) aber die Anhebung des MKH 8060 startet viel früher noch unterhalb von 1kHz und steigt deutlich gemäßigter an.



Sennheiser MKH 8060 und 416: Klangpraxis



Für unseren Klangvergleich haben wir uns das MKH 8060 und das MKH 416 an unterschiedlichen Zoom Audio Recordern (Zoom H8 und H5) auf unterschiedlichen Achsen sowie auch mit Störgeräuschen von der Seite und mit Wind angehört.

Die Mikroposition war etwas Oberhalb des Sprechers (typische Angelposition) in einem gewöhnlichen nicht schalloptimierten (aber mit Regalwände und Teppich versehenen) Redaktionsraum – also in etwa so, wie wir das Mikro auch in der Praxis einsetzen. (und ja, wir sind auch der Meinung, dass man Richtrohr-Mikrofone für Voice-Over einsetzen kann aber das ist ein anderes Thema...).

Die Files haben wir der Einfachheit halber in höherwertigere MP3s konvertiert und bis auf eine minimale Pegelangleichung unbearbeitet gelassen.

On Axis

1. Sennheiser MKH 8060 / On Axis (MP3 / 48 kHz, 16 Bit)


2. Sennheiser MKH 416 / On Axis (MP3 / 48 kHz, 16 Bit)


Uns fällt es tatsächlich recht leicht, das MKH 416 herauszuhören. Der etwas trocken, härtere Klang mit der recht markanten Höhenbetonung ist „das“ Markenzeichen des Sennheiser MKH 416.

Im direkten Vergleich hierzu klingt das Sennheiser MKH 8060 deutlich ausgewogener. Man kann mehr Low-End und Mitten hören und insgesamt ergibt sich ein natürlicheres Klangbild. Während man beim MKH 416 eigentlich fast nie um etwas Nachbearbeitung herum kommt – selbst wenn man „nur“ ein neutrales Klangbild erreichen möchte - erhält man beim Sennheiser 8060 eine im Vergleich natürlichere Ausgangsbasis, die man in unseren Ohren problemlos auch unbearbeitet belassen kann.

Die Erklärung hierfür hatten wir uns bereits bei den Frequenzgängen der beiden Mikrofone im oberen Kapitel angeschaut. Während das MKH 416 mit einer stark definierten Höhenanhebung arbeitet, geht das MKH 8060 hier deutlich moderater und mit breiteren Mitten sowie einer minimal stärkeren Bassbetonung zu Werke. Out of the Box sehen wir beim Thema „natürlicher Klang“ das MKH 8060 klar vor dem MKH 416. Wer hingegen mehr Reserven für höhere Sprachverständlichkeit benötigt oder eine neutrale Ausgangsbasis im unteren Frequenzbreich (für entsprechende EQ-Sessions) zu schätzen weiss, ist mit dem MKH 416 nach wie vor gut beraten.

Off Axis

1. Sennheiser MKH 8060 / Off Axis (MP3 / 48 kHz, 16 Bit)


2. Sennheiser MKH 416 / Off Axis (MP3 / 48 kHz, 16 Bit)


Da das MKH 416 deutlich beim Pegeln vor Ort deutlich mehr Gain benötigt, als das MKH 8060, sollten unsere Off-Axis Aufnahmen mit dem MKH 8060 und den MKH 416 nicht als technisch einwandfreie Messungen betrachtet werden. In der Theorie mag das MKH 416 mit seiner etwas stärkeren Richtwirkung einen Tick mehr Dämpfung für Seitengeräusche bringen.

In der Praxis hören wir jedoch eher die unterschiedlichen Frequenzgänge. Während die Off-Axis vom MKH 416 erneut stark höhenbetont dämpft, agiert das MKH 8060 viel ausgewogener. Für unsere Ohren macht die ausgewogenere Dämpfung von Seitengeräuschen über ein möglichst breites Frequenzband in den meisten Fällen mehr Sinn. Von daher würden wir trotz der vlt minimal höheren Richtwirkung des MKH 416 eher zum MKH 8060 tendieren, wenn es um Aufnahmen in Umgebungen mit mehr Störgeräuschen geht.

Mit Seitengeräusch und Wind

1. Sennheiser MKH 8060 / Side Noise (MP3 / 48 kHz, 16 Bit)


2. Sennheiser MKH 416 / Side Noise (MP3 / 48 kHz, 16 Bit)


Das Thema „Dämpfung von Seitengeräuschen“ wird nochmal prägnanter, wenn wir eine Situation mit Wind und Störfrequenzen von der Seite schaffen. Normaler Weise würde man hier mit Windkorb und Fell arbeiten. Aber wir wollten einmal den Grenzbereich der Mikros ausprobieren und haben sie „nackt“ einem moderaten Windstrom und Ventilatorgeräusch von der Seite ausgesetzt. Eingesprochen wurde On-Axis.

Hier zeigt sich nochmal deutlicher das breitere Dämpfungsspektrum des Sennheiser MKH 8060. Während das MKH 416 deutlicher mit Windzug-Dynamik und dem Ventilator zu kämpfen hat, kommt das MKH 8060 hier sehr viel besser mit zurecht. Tatsächlich sind uns keine anderen Richtrohmikrofone in diesem Segment bekannt, die ein solch gutes Wind/Seitengeräusch-Blocking mitbringen – ziemlich beeindruckend und für uns damit ein weiterer Hinweis darauf, dass man das kompakte Sennheiser MKH 8060 zur Not auch mal direkt an der Kamera riskieren kann.



Fazit



Das Sennheiser MKH 8060 hinterlässt einen hervorragenden Eindruck. Klanglich arbeitet es Out-Of-The-Box hörbar natürlicher als das MKH 416 mit seiner prägnanten Höhenbetonung. Und bei der Dämpfung von Wind- und Seitengeräuschen kann es trotz kürzerem Interferenzrohr am MKH 416 in unserem Testsetup vorbeiziehen. Hinzu kommen neben der kompakten Bauweise ein geringeres Gewicht, clevere, modulare Optionen und Dank neuer Lackierung eine bessere Haptik sowie kaum vorhandene Lichtreflexionen. Darüber hinaus benötigt das MKH 8060 weniger Verstärkerleistung und dürfte im Grenzbereich sogar noch etwas weniger Eigenrauschen mitbringen. Mit einer UVP von 1.500,- Euro liegt das Sennheiser MKH 8060 oberhalb des MKH 416 - bietet dafür jedoch auch deutlich mehr Leistung.

Damit setzt sich das Sennheiser MKH 8060 deutlich vom altgedienten MKH 416 ab. Letzteres bleibt beim Thema Konsonaten und Sprachverständlichkeit eine Klasse für sich und dürfte allein wegen seiner weiten Verbreitung gepaart mit hoher Solidität noch bei vielen Bewegtbildproduktionen zu hören sein. Bei uns hat das Sennheiser MKH 8060 jedoch sehr klare Ansprüche auf die neue Richtrohrmikrofon-Referenz hinterlassen. Wir werden es ab jetzt häufiger im Einsatz haben und darüber berichten (und gelegentlich sicherlich auch mal als On-Camera-Mikrofon ausprobieren … ). Mir hierzu demnächst auf slashCAM ...



(Aktuell ist das Sennheiser MKH 8060 auf Grund von Komponentenknappheit eher schwer verfügbar. Sennheiser rechnet damit, dass sich die Liefersituation in ca. 1 Monat entspannen soll ...)


  

[118 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Pianist    13:22 am 2.2.2023
Ja, das stimmt. Früher waren viele Hörfunkreporter mit einem MD 21 ohne jeglichen Windschutz draußen unterwegs. Übrigens auch heute noch ein sehr gut klingendes Mikrofon...weiterlesen
ruessel    13:17 am 2.2.2023
Also 3 Hz konnte ich schon an einer Kugelkapsel selber messen - am Ozzi. Aber in der Praxis, Kugel geiler im Klang als Niere UND vor allen Dingen sehr, sehr Windunanfällig...weiterlesen
Pianist    13:14 am 2.2.2023
Tja, und die Kugel setzt eben schon bei fünf bis sieben Hz (theoretisch bei null Hz) ein. Diese ganzen Zusammenhänge muss man kennen, oder sich die Erfahrungen eben mühsam...weiterlesen
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update am 5.Februar 2023 - 18:02
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