Logo
///  >

Erfahrungsberichte : Einspruch gegen die YouTube Content-ID -- ein Selbstversuch

von Mo, 7.September 2015 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Auf der Suche nach Hintergrundmusik
  Die YouTube ContentID
  "Übereinstimmende Inhalte von Drittanbietern"
  YouTube ContentID -- Einspruch erheben
  Claim released, aber nur für dieses Mal...



Die YouTube ContentID



Lange Zeit (und zT. noch immer) stand Google unter Beschuß durch die Musik- und Filmindustrie, da viele der auf YouTube hochgeladenen Videos entweder komplett oder in Teilen Kopien von geschützen Werken darstellen. Zur Erkennung von Rechteverletzungen hat Google daraufhin ein eigenes Content-ID System implementiert. Es basiert auf einer riesigen Datenbank, in welcher Contentanbieter ihre Werke eintragen lassen bzw. hinterlegen können, allerdings haben keine Einzelpersonen, sondern nur Distributionsfirmen Zugang zum System. Sie fungieren als eine Art Zwischenhändler, und vertreiben die Musik etwa auf allen möglichen Onlinewegen, und laden die von ihnen vertriebenen Stücke meist auch automatisch in das ContentID-System.

Bei jedem Video-Upload wird geprüft, ob Material aus dieser Datenbank enthalten ist -- selbst kürzere Passagen werden beim Scan erkannt (wenn auch gelegentlich nur vermeintlich). Ist dies der Fall, können verschiedene Maßnahmen ergriffen werden, je nach Präferenz des in der Datenbank eingetragenen Urhebers. Wenn er möchte, kann das Video gesperrt werden, doch deutlich beliebter scheint eine andere Variante zu sein: das Video wird monetarisiert, also Werbung dazu eingeblendet, die Einnahmen fließen (ganz oder teilweise) an den eingetragenen Rechteinhaber.

Eine an sich pragmatische Lösung, vor allem um den Vorwurf zu entkräftigen, Google verdiene mit dem widerrechtlich hochgeladenen Content Geld, während die eigentlichen Rechteinhaber leer ausgehen. Doch hat das System auch Nebenwirkungen -- so kommt es einerseits immer wieder zu bizarren Fehlerkennungen durch die ContentID, andererseits werden zT. haltlose Copyright-Ansprüche angemeldet. Wobei wir wieder bei unserem Fallbeispiel wären.




"Übereinstimmende Inhalte von Drittanbietern"



Nachdem wir zunächst einen ziemlich netten Track gefunden hatten, der unter einer CC-Lizenz veröffentlicht wurde und beim schnellen Wurf auf die Tonspur sogar richtig gut mit den Bildern funktionierte, stachen uns einige Kommentare ins Auge, wonach gelegentlich Clips, welche diese Musik verwendeten, auf YouTube wegen Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material verwarnt wurden. Allerdings offensichtlich dann auch wieder zugelassen -- irgendwie seltsam, irgendwie verwirrend. Und vor allem recht beunruhigend, sollte die Musik doch gerade einfach und korrekt zu verwenden sein.

Als Uploader kann man sich zwar gegen den Vorwurf wehren, indem man zB. nachweist, daß man die betreffende Musik korrekt lizensiert hat (siehe unten), doch kann es durchaus länger dauern, bis die Situation aufgeklärt wird. Auch schienen uns die Umstände einigermaßen unsicher und umständlich, da ja eine Übereinstimmung mit einem anderen Song behauptet wurde, wir aber nur auf die Creative Commons Lizenz des eigentlich von uns verwendeten Tracks verweisen könnten. Und so beschlossen wir, lieber eine Runde weiterzusuchen, und uns dabei auf die Kaufportale für lizenzfreie Musik zu konzentrieren, bei welchen -- so unsere Annahme -- man mit dieser Problematik nicht konfrontiert werden dürfte. "Our tracks won´t get flagged" steht beispielsweise bei Premiumbeat zu lesen, einem der größeren Anbieter -- klingt vielversprechend.

Doch weit gefehlt, wie wir feststellten: nachdem wir nämlich endlich ein passables Stück gefunden hatten, das nicht übermäßig GEMA-frei klang, bescheinigte uns YouTube beim Test-Upload umgehend eine Übereinstimmung mit Inhalten von Drittanbietern... Und nicht etwa mit dem Original-Track von Premiumbeat, sondern mit einem uns völlig unbekannten Songtitel. Welcher allerdings durchaus vertraut klang, nämlich genauso wie der Originaltrack, nur wurde er besungen. Somit hatten wir auch bei der Kaufmusik eine ähnliche Konstellation, nur akuter: während beim CC-Track nur eine hypothetische Gefahr bestand, die Musik könnte abermals von Dritten im ContentID-System registriert werden, war es hier tatsächlich so.

Und so nahmen wir für unseren Videoclip vom Premiumbeat-Track wieder Abstand (welcher ohnehin ja nur zweite Wahl war), beschlossen aber gleichzeitig, diesem Thema später nochmal etwas näher nachzugehen -- ob ein Einspruch gegen den Claim in einem Fall wie diesem Erfolg haben kann, wollten wir im Selbstversuch doch einmal ausprobieren.


Einleitung / Auf der Suche nach Hintergrundmusik
YouTube ContentID -- Einspruch erheben


5 Seiten:
Einleitung / Auf der Suche nach Hintergrundmusik
Die YouTube ContentID / "Übereinstimmende Inhalte von Drittanbietern"
YouTube ContentID -- Einspruch erheben
Claim released, aber nur für dieses Mal...
  

[10 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
MBM    16:14 am 30.10.2015
Bei mir ist das regelmäßig mit Stücken wie "Jingle Bells" passiert. Irgendwer macht eine Christmas-Dance-Version davon, verkauft sie bei iTunes und der iTunes-Provider erkennt...weiterlesen
StanleyK2    12:33 am 29.10.2015
Einmal mehr gab es Ärger mit Contend-Id. Alles wie gehabt. Neu in diesem Zusammenhang war, dass es keinerlei Benachrichtigung gab. Nur zufällig beim Blättern im Video-Manger von...weiterlesen
WeiZen    02:55 am 17.10.2015
Ja hatte ich auch, in aller Regelmäßigkeit bei jedem Clip der das gleiche Musikstück hatte. Nicht immer wurde meinem Einspruch sofort stattgegeben, aber ich habe immer...weiterlesen
[ Alle Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


News: Showtime: Apples Kriegserklärung an Netflix und Co. - bald über 1 Millarde Apple Medien-Nutzer weltweit? Di, 26.März 2019
Apple hat gestern auf seinem "Showtime-Event" wie erwartet keine neue Hardware, sondern in erster Linie Medienangebote vorgestellt, die auf der bereits vorhandenen und zukünftigen Hardware laufen sollen. Damit kündigen sich gewaltige Verschiebungen in der internationalen Medienbranche an und Netflix und Co werden sich warm anziehen müssen ...
Berichterstattung: Netflix an Filmemacher: Suchen Content. Bieten weltweites Publikum (Berlinale Talents) Mi, 27.Februar 2019
Netflix, der neue Big Player der Filmbranche, nutzte eine Einladung im Rahmen der Berlinale, um eine Botschaft an Nachwuchsfilmer zu senden: wir wollen produzieren, produzieren, produzieren -- und sind auch bereit, auf risikante Ideen zu setzen. Aber welche Art Projekte interessiert Netflix besonders?
Glosse: Blender und die Ohnmacht vor der Youtube-Willkür Di, 19.Juni 2018
Wer aktuell den Youtube-Kanal der Blender-Foundation aufruft bekommt eine merkwürdige Fehlermeldung zu sehen: "This Video contains content from BlenderFoundation. It is not available in your country."
Editorials: Fehlende Sensationen aber deutlicher HDR-Trend zur // IBC 2017 Fr, 22.September 2017
Die IBC 2017 in Amsterdam ist vorbei und wir sind noch am Aufarbeiten der letzten Informationen. Auffallend war dieses Jahr das Fehlen bahnbrechender Neuigkeiten sowie der ungebrochene (Aufwärts-)Trend in Richtung HDR.
Essays: Kühler Kamera-Herbst 2016 Mo, 18.Juli 2016
Editorials: 4K - Voll-Korn? Do, 3.September 2015
Editorials: Vom unvermeidbaren Kampf der Settop-Boxen in 2014 Fr, 21.März 2014
Editorials: Popcorn Time - Zukunft oder Verderben der Filmindustrie? Mo, 17.März 2014
Editorials: 4K und das Backkatalog-Problem Mo, 23.September 2013
Editorials: Sonys Playstation 4(K)? Mi, 16.Januar 2013
Buchkritiken: Kann man denn davon leben? Mo, 21.November 2011
Editorials: YouTube, Gema und die Telekom Do, 2.Juni 2011


[nach oben]


[nach oben]
















passende Forenbeiträge zum Thema
Filmportale:
Cutter für Youtube Projekt gesucht
Suche jemanden der meine Youtube Videos schneidet.
Unbeliebtestes YouTube-Video des Jahres kommt von YouTube selbst
YouTube Rewind 2018: Was waren die Top-10 Trending YouTube-Videos in 2018?
Youtube Schlafzimmer
YouTube down - User wählen verzweifelt Notrufnummer
PeerTube: eine freie P2P-Alternative zu YouTube
mehr Beiträge zum Thema Filmportale


Specialsschraeg
20. Februar - 1. März / Berlin
Berlinale
22-27. Februar /
Berlinale Talents
11-18. März / Regensburg
Internationale Kurzfilmwoche Regensburg
18-22. März / Hofheim
Naturfilmfestival im Taunus
alle Termine und Einreichfristen


update am 18.Februar 2020 - 15:02
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*