Konkurrenzkampf eskaliert DJI verklagt Insta360 wegen Patentverletzung

// 16:00 Di, 24. Mär 2026von

Der andauernde Konkurrenzkampf zwischen DJI und Insta360 spitzt sich weiter zu: jetzt hat DJI in China eine Klage wegen Patentverletzung eingereicht. DJI wirft Insta360 (bzw. deren Muttergesellschaft Arashi Vision) vor, mit sechs Patenten, die Technologien wie Drohnenflugsteuerung, Konstruktionsplanung und Bildverarbeitung betreffen, die Rechte DJIs verletzt zu haben.


DJI verklagt Insta360 wegen Patentverletzung



Wem gehören die Patente?

DJI zufolge sollen die betreffenden Technologien von Ingenieuren entwickelt worden sein, die ursprünglich bei DJI beschäftigt waren und ihre Patente innerhalb nur eines Jahres nach ihrem Ausscheiden bei DJI und Wechsel zu Insta360 eingereicht haben. Dies würde einen klaren Verstoß gegen chinesische Urheberrechtsgesetze darstellen, nachdem solche Patente – sofern sie das vorherige Arbeitsgebiet betreffen – automatisch dem vorherigen Arbeitgeber zustehen.



Insta360 Antigravity A1 vs DJI Avata 360
Insta360 Antigravity A1 vs DJI Avata 360



Insta360 weist die Vorwürfe zurück

Insta360s Gründer JK Liu hat in einer Stellungnahme die Vorwürfe des Patentklaus von Seiten DJIs zurückgewiesen und betont, dass sämtliche von Insta360 verwendeten Technologien in jahrelanger eigenständiger Forschung entwickelt wurden. Die betroffenen Patente seien zudem schon viele Jahre alt und zum größten Teil gar nicht in Produkten eingesetzt worden. Glelichzeitig wirft Insta360 DJI vor, dass einige von ihren Modellen im Bereich 360°-Kameras denen von Insta360 erstaunlich ähnlich sähen und Insta360 bisher nur von einer Klage abgesehen hat, weil es als viel kleineres Unternehmen mit seinen Ressourcen haushalten müsse. Als Beleg postete er auf dem chinesischen sozialen Netzwerk Weibo auch einige Vergleiche von DJI und vorhergehenden Insta360 Produkten.



Product Comparison Osmo360 vs Insta360 Accessories
Produktvergleich Osmo360 vs Insta360 Zubehör


Im Falle einer direkten Bedrohung wie der jetzigen Klage kündigte JK Liu aber an, den Rechtsstreit auszutragen – wie im Falle einer Patenklage von GoPro in den USA – ein Prozess, der von Insta360 gewonnen wurde.



Hier seine (leicht gekürzte) Stellungnahme:



Im Kern geht es darum, dass einige ehemalige DJI-Mitarbeiter nach ihrem Wechsel zu Insta360 Patente angemeldet haben, und DJI nun meint, diese müssten ihnen gehören. Wir stellen dazu Folgendes klar:





1. DJI fordert, dass sämtliche Patentrechte an Erfindungen, die von ausgeschiedenen Mitarbeitern innerhalb eines Jahres nach ihrem Austritt entstehen, DJI zustehen sollen. Nach derzeitigem Belegstand handelt es sich dabei durchweg um Ideen, die innerhalb von Insta360 entstanden sind. ...



2. Zu dem Vorwurf, die Erfinder seien bewusst verschleiert worden: Bei vielen unserer Patente verbergen wir bei der Anmeldung in China zunächst die Namen der Erfinder ... – genau dafür wurde dieses System ja geschaffen. Wäre unser Motiv tatsächlich das von DJI unterstellte, hätten wir diese Patente gar nicht unter den Namen dieser Erfinder angemeldet.



3. Außerdem stammen die meisten betroffenen Drohnen-Patentanmeldungen bereits von vor vier oder fünf Jahren ... und wurden am Ende gar nicht verwendet.


4. Dass GoPro und DJI uns verklagen, ist aus der Perspektive großer Unternehmen, die Marktanteile verlieren, nachvollziehbar. Umgekehrt würden auch DJIs Produkte in den Schutzbereich vieler unserer Patente fallen. Trotzdem haben wir nicht von uns aus geklagt.



5. Als kleines Unternehmen investieren wir vorrangig in Forschung und Entwicklung ... Der Gesamtmarkt ist dadurch um mehr als 80 Prozent gewachsen. Wenn wir jedoch verklagt werden, geben wir das nötige Geld aus: Im Rechtsstreit gegen GoPro haben wir gewonnen. In diesem Fall ist unsere Haltung dieselbe.



6. Zur „patentrechtlichen Nuklearwaffe" würden wir greifen, wenn das Unternehmen im Patentbereich substanziell blockiert wird – etwa wenn wir keine Drohnen mehr bauen dürften.



7. Im Fall von DJIs Klage sollte man das reguläre Verfahren abwarten. Den Großteil unserer Ressourcen werden wir weiterhin in die sieben oder acht neuen Produkte investieren, die noch in diesem Jahr erscheinen sollen. ...



8. Zusammenfassend: Wir respektieren geistiges Eigentum, aber ebenso die Fakten und rechtsstaatlichen Verfahren. Wir fürchten keine Patentklage. Waffen setzt man nur ein, wenn es wirklich nötig ist.




Höhepunkt eines langen Konkurrenzkampfes

Es ist wohl kein Zufall, dass DJI ausgerechnet jetzt, wenige Tage vor dem Start der 360°-Drohne Avata 360 am 26. März, die in direkter Konkurrenz zu Insta360s bereits auf den Markt gebrachten Antigravity A1 steht, diese Klage erhebt. Dem voraus geht ein schon länger anhaltender Schlagabtausch der einstweilen in getrennten Bereichen tätigen Unternehmen - DJI Drohnen und Gimbals, Insta360 360°-Actioncams - mit Produktvorstellungen, die jeweils direkt mit Modellen des anderen konkurrieren.



DJI Avata 360
DJI Avata 360


Angefangen hatte der direkte Konkurrenzkampf mit der im Herbst 2021 herausgekommenen DJI Action 2, einer Mini-Actioncam, welche als direkte Antwort auf Insta360s GO Actioncamreihe gelesen werden konnte, die erstmals 2019 auf den Markt kam. Weiter ging es mit dem als "DJI Killer" vermarkteten Insta360 Flow als Konkurrenz zu DJIs Smartphone-Gimbal Osmo und dann der Actioncam Insta360 Ace Pro, die Ende 2023 als Gegenentwurf zur DJI Osmo Action 4 veröffentlicht wurde. Im Juli 2025 erfolgte dann mit der Osmo 360 von DJI die Attacke auf Insta360s zentrales Alleinstellungsmerkmal als Marktführer bei 360°-Kameras, der einen Preiskampf zur Folge hatte.



DJI Osmo 360
DJI Osmo 360




Das ganze gipfelt nun im Gegenangriff von Insta360 auf DJIs Kerngeschäft, den Drohnenmarkt, mit der Antigravity A1, die als 360°-Drohne ein völlig neues Flug- und Aufnahme-Konzept implementiert, das DJI erst jetzt, einige Monate nach dem Start der A1 mit der Avata 360 kontert. Die nächste Runde steht auch schon vor der Tür, wenn demnächst Insta360 eine modulare Gimbal-Kamera mit dualem Kameramodul namens Luna und DJI die Osmo Pocket 4 vorstellen werden, dessen Pro-Variante ebenfalls zwei Sensoren aufweisen soll.



Insta 360 Luna
Insta 360 Luna

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