Seit Januar gab es Gerüchte, dass Nikon in China Viltrox wegen eines Streits um die Lizenzierung von Z-Mount-Autofokusobjektiven verklagt, jetzt scheinen noch weitere Hersteller betroffen zu sein: Sirui und Meike haben jetzt in China ihre Z-Mount Objektive nach Klagen von Nikon vom Markt genommen.
Am 3. März war der erste Verhandlungstag vor Gericht in Shanghai zwischen Nikon und Viltrox, jetzt wird nach verschiedenen Spekulationen auch klar, worum sich der Rechtsstreit dreht: Nikons aktuelle Klage zielt auf Autofokus-Objektive von Drittherstellern und fordert ein Verkaufsverbot für sie.
Nikon wirft Viltrox vor, urheberrechtlich geschützte Technologien (insbesondere elektronische Protokolle zur Kommunikation für den Autofokus zwischen Kamera und Objektiv) genutzt zu haben, während Nikons Patente noch in der Anmeldephase waren. Nikon fordert nun deswegen von Viltrox Entschädigungszahlungen für diese Verkäufe und Lizenzgebühren für zukünftige Verkäufe.

Nicht nur Viltrox
Laut Berichten aus chinesischen sozialen Netzwerken hat Nikon nicht nur Viltrox verklagt, sondern im Vorfeld auch rechtliche Warnschreiben an fast alle chinesischen Dritthersteller von Z-Mount-Autofokus-Objektiven verschickt. Viele dieser Hersteller sollen sich derzeit in Verhandlungen mit Nikon befinden.
Sirui und Meike haben bereits als Reaktion auf Nikons Klage ihre Z-Mount-Autofokusobjektive vorerst vom chinesischen Markt genommen - vermutlich um den Ausgang der Verhandlungen abzuwarten. Es ist zu erwarten, dass noch weitere Hersteller von unlizenzierten Nikon-Z Objektiven wie etwa Yongnuo, TTArtisan, Laowa, Samyang und 7Artisans dem Beispiel von Sirui und Meike folgen werden.

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Grösseres Objektiv-Angebot dank Drittherstellern
Wie schon von uns vermutet zielt Nikon also - im Gegensatz zu Canon, das Drittanbieter mit Unterlassungserklärungen komplett vom eigenen RF-Mount aussperrte - nicht auf ein Verbot der Z-Mount-Autofokusobjektive von Drittherstellern, sondern um die Zahlung von Lizenzgebühren - so wie es u.a. bereits Sigma, Tamron, Voigtländer und ZEISS tun. Das ist sinnvoll, da diese Objektive (die Nikon zum Teil so gar nicht selber im Portfolio hat) das Optik-Angebot und somit die Attraktivität von Nikons Z-Mount System erhöhen.
Nikon hat das in einem Statement in folgende Worte gefasst: „Nikon hat stets mit offiziell lizenzierten Partnerunternehmen zusammengearbeitet, um das Z-Mount-Ökosystem zu erweitern. Wir fördern den technologischen Fortschritt durch gesunden Wettbewerb und unterstützen die Verwendung von Objektiven von Drittanbietern, die von Nikon lizenziert sind.“

Kleine Auswahl und höhere Preise?
Es wird befürchtet, dass Nikon nicht einfach allen Drittherstellern die Möglichkeit gibt, ihre Produkte pauschal zu lizenzieren, sondern genau auswählen wird, welche Objektive weiterhin verkauft werden dürfen. Nikon könnte so etwa günstige Konkurrenzprodukte ausschließen, die den eigenen Originalobjektiven zu gefährlich werden.
Für Nikon-Z-Nutzer würde das bedeuten, dass die goldenen Zeiten einer großen Menge an günstigen, chinesischen Autofokus-Alternativen vorerst vorbei wären - zumindest bis die neuen Spielregeln (und Lizenzgebühren) geklärt sind. Noch aber scheinen alle Nikon-Z Autofokus-Objektive von Drittherstellern außerhalb von China erhältlich zu sein und es bleibt somit abzuwarten, wann sich die Klagen in China auch weltweit auswirken.


















