Also hier kommt die nächste Knallermeldung: Autodesk Smoke for Mac 2013 kostet nur noch 3500 Dollar. Bevor wir über das neue Wunderdingens von der NAB berichten, wollen wir kurz etwas erläuternd in der Historie kramen, damit auch jeder hier mitbekommt, was das bedeutet.
Die Produktpalette von Autodesk ist alles andere als leicht zu durchschauen. Im Bereich Editing/Compositing befinden sich viele Programme, die eigentlich aus der selben Engine rund um ehemalige Discreet Logic Produkte hervorgegangen sind. So gibt/gab es Flame, Flare, Flint, Inferno und Smoke bereits auf den ehemaligen MIPS-SGI-Workstations und diese Produkte stellten zeitweise DIE Compositing/Editing-Plattform für visuelle Effekte im gehobenen Media-Bereich dar.
Allerdings auch zu entsprechenden Preisen: Laut Wikipedia kostete 1995 eine Flame-Lizenz ca. 175,000 US-Dollar oder rund 450,000 US-Dollar, wenn man die passende SGI-Workstation dazu haben wollte. Flint war die abgespeckte Version von Flame, für kleinere Studios, Inferno eine größere Version für Hollywood-Filme. Flare wurde als Software-Only-Version ebenfalls leicht abgespeckt. Und Flint war unseres Wissens nochmal abgespeckter.

Flame kam seinerzeit in vielen Hollywood Blockbustern federführend zum Einsatz, unter anderem in Titanic und Armageddon. Autodesk kaufte 1999 Disceet Logic mit dessen Produkten auf und führt die Produktlinie seitdem weiter.
Der Erfolg um Flame uns seine Abkömmlinge war ursprünglich stark an SGI gebunden, die jedoch den Workstation-Markt schließlich komplett an Intel/AMD verloren. Und bei den Betriebssystemen an Windows, Linux und Mac.
Auch wenn Veteranen dies so wahrscheinlich nicht formulieren würden, basierte der Erfolg von SGI-Hardware in erster Linie darauf, eher einfach CPU-Power mit sehr hoher GPU-Power zu bündeln, die zu SGIs Glanzzeiten noch extrem teuer war. Mit dem Aufstieg von Nvidia und AMD-ATI wurde solche Performance jedoch auch auf PCs verfügbar. Und im laufe der Zeit durch immer bessere Bussysteme wie zuletzt PCI-Express auch mit genügend Bandbreite nutzbar.
§PIC2L§ Was nun von Flame und Co. blieb, war eine Menge Know-How wie man die GPU fürs Editing und Compositing im Echtzeitbereich sehr effektiv einsetzten kann. Ein Thema, an das sich die „kleineren Schnittsysteme“ von Adobe, Apple und Sony gerade erst heranwagen. Autdesk setzte im April 2006 schließlich auf Linux, das SGI IRIX nicht unähnlich war. Seinerzeit bewarb das Unternehmen diesen Schritt damit, dass 3D-Compositings unter Linux/Nvidia mit einem Schlag 20x schneller als bei SGI-Workstations wurden.
2010 reagierte Autodesk dann für seinen hochpreisigen Kundenstamm mit Flame Premium, einer Linux-Suite die aus Smoke (Editing), Flame (Compositing) and Lustre (Color Grading) besteht und ziemlich beeindruckende GPU-Echtzeit-Effekte bietet. Bei Ankündigung zum Preis von 125.000 Dollar.
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Ebenso versuchte sich Autodesk seitdem am Mac-Markt mit einer OSX-Smoke-Version für ca. 10.000 Dollar. Dazu muss gesagt werden, dass auch Smoke Compositing-Funktionen und Color Grading-Funktionen aus den anderen Produkten besaß, nur eben nicht alles für alle, wie in Flame Premium.
Seitdem Apple mit Shake den Markt für professionelle Compositing-Systeme erschüttert hatte (um danach fast komplett aus dem Markt auszutreten) und das selbe Spiel noch einmal im Color Grading-Segment mit Color gemacht haben, ist der High-End-Markt jedoch in enormer Bewegung.
So überraschte im letzten Jahr DaVinci aus dem absoluten Grading-Profimarkt mit seinen GPU-Software-Versionen für 1.000 Dollar und gerade erst wurde der Smoke-Konkurrent IFX Piranha ebenfalls zum Kampfpreis von 1.000 Dollar angekündigt.
Und genau hier stehen wir jetzt: Smoke für den Mac bekommt noch mehr Funktionen von seinen Hollywood- und Werbebranchen- erprobten Geschwistern und wird dabei noch deutlich günstiger. Als All-In-One Applikation, die keinen Roundtrip mehr benötigt steht Smoke 2013 damit in direkter Konkurrenz zu Adobes Production Premium.
§PIC3L§Die Schlüsselfeatures von Smoke sind dabei: Ein Track-basierter Editing Workflow, der von einem Node-Basierten Effekt-Stack (ConnectFX) unterstützt wird und viele Flame-Tools mitbringt. Man muss also in der Timeline nicht in ein Compositing-Programm oder in eine Grading Suite wechseln, es ist alles integriert. Die mitgelieferten Effekte umfassen einen echten 3D-Compositor, den Color Warper für Grading und Color Matching, den Master Keyer sowie einen echten 3D-Stereo Workflow. Per Media-Hub sollen auch übliche, semiprofessionelle Formate direkt unterstützt werden. Dazu soll Smoke explizit auf iMac und MacBook Pro laufen, solange ein potentes Speichersystem via Thunderbold angedockt ist. Was uns etwas stutzig macht, ist die fehlende Erwähnung der großen Mac Pros, für die sich Smoke sicherlich noch viel besser eignen würde. Das lässt Raum für Spekulationen um die Zukunft der Apple Workstations. Wer weiß, vielleicht muss Autodesk nach SGI hier bald schon wieder umsatteln. Aber das dürfte dank Linux im Fall der Fälle kein allzugroßes Problem darstellen. Ein reales Problem ist allerdings der Lieferzeitpunkt: Erst im Herbst soll man Smoke 2013 für den Mac erstehen können. Aber eines steht mit dieser Ankündigung definitiv schon heute fest: 2012 wird die Videobearbeitungsszene wirklich tiefgreifend verändern.
Ach und während wir dies schreiben, ist hier schon ein erster Hand-On-Artikel online gegangen. Und man kann sich bei Autodesk in eine Liste eintragen, um benachrichtigt zu werden, wenn im Juni 2012 eine Trial Vor-Version zum Download freigegeben wird.
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