Frage von dvuser:Hallo
Ich spiele gerade mit dem Gedanken, mir eine neue DV-Cam zuzulegen. Da ich im speziellen Hochzeiten, aber auch Industrievideo filme, sollte es eine Schulterkamera sein.(Zur Zeit habe ich eine Canon XM-1, super Qualität, aber leider nicht zu Schultern)
Im speziellen interessiere ich mich für 2 Geräte:
Entweder die Canon XL1-S mit all ihren Nachteilen wie z.B Kopflastigkeit
oder die Sony VX 9000E, die man teilweise (gebraucht) schon sehr "günstig" bekommt.
Meine Frage: Kann man die beiden Kameras Bezüglich der Bildqualität miteinander vergleichen oder spielt die VX9000E in einer ganz anderen Liga?
Antwort von Bogey:
Hi!
Da hast Du eine schwierige Entscheidung vor Dir... Vor einem Jahr stand ich genau vor der gleichen Entscheidung und habe mich für die XL-1 entschieden.
Zu Deiner Frage: Die Bildqualität ist absolut vergleichbar. Beide Kameras machen verdammt gute Bilder. Ich wüßte nicht, warum die vx9000 in einer anderen Liga spielen sollte... Schließlich sind die Preise für die Kameras vergleichbar. Ich habe mal mit der VX9000 gearbeitet und es könnte sein, daß sie eine etwas bessere Farbtrennung als die XL-1 hat. Kann aber auch Einbildung sein oder einfach am knackigen Motiv gelegen haben.
Vorteil bei der Sony ist auf jeden Fall der S/W-Sucher und die serienmäßigen XLR-Tonanschlüsse. So wirklich gut auf der Schulter liegen tut sie allerdings auch nicht. Dazu ist sie einfach zu leicht. Auch wenn die XL-1 etwas gewöhnungsbedürftig ist, was die Schulterstütze angeht, so kann man nach kurzer Zeit erstaunlich gut damit arbeiten.
Absolutes Manko der vx9000 ist allerdings die Optik! Du hast keine Möglichkeit, sie zu wechseln, und glaub mir: Die weitwinkligste Einstellung ist nicht wirklich weitwinklig! Einzige Option sind Vorsatzlinsen.
Die 16x Standard Optik der XL-1s ist zwar auch nicht viel weitwinkliger, aber die XL-1s ermöglicht Wechseloptiken. Es gibt sogar eine manuelle Fujinon-Optik dafür!!!
Wenn Du professionell arbeiten möchtest und Dein Geschäft gut läuft, so daß Du von Zeit zu Zeit etwas Geld für zusätzliches Equipment erübrigen kannst, solltest Du Dir auf jeden Fall die XL-1s kaufen. Mit ihr bist Du für alle Fälle gerüstet, auch wenn Du zu Beginn den Farbsucher verfluchen wirst.
Gruß, Bogey
Antwort von gerd:
Hi!
Habe mit mehrfach mit einer geliehenen XL1 (nicht S) gearbeitet. Der Farbsucher ist der letzte Mist. Man kann kaum beurteilen ob das Bild scharf ist. Wenn du die Kamera vernünftig nutzen möchtest wäre es meiner meinung nach sinnvoll, sich einen guten S/W Sucher zuzulegen. Allerdings kostet dieser einiges.
Antwort von Rasmus:
Hi,
noch ein paar kurze Anmerkungen:
Die 9000er basiert tatsächlich auf der 1000er. Sie hat auch keine XLR-Anschlüsse. Gegenüber der 1000er jedoch ein erheblich weiter gehendes Menü zu manuellen Einstellungen.
Die DSR 200 (Vorgängerin der DSR 250) hat die erwähnten professionellen XLR-Eingänge, ist jedoch technisch mit der 9000er identisch, wenn man vergißt, das sie ausschließlich auf DV-Cam aufzeichnet.
Natürlich ist die 9000er nicht mehr Stand der Technik, jedoch sind die tatsächlichen Vorteile nicht so gewaltig. Die Bildqualität ist fast nicht zu unterscheiden, jedoch die Lichtstärke der 2000er ist deutlich besser. Ansonsten würde ich selbst eine 'alte' 9000er immer noch einer 2000er vorziehen, allein wegen der Handhabung.
Nochmal zur zur DSR 250: Gegenüber der von mir erwähnten JVC hat sie folgende Vorteile:
Verwendung großer Cassetten, zusätzlich zum s/w Sucher ausklapbares Farb-Display, wahlweise DV oder DV-Cam Aufzeichnung
Die Nachteile:
Wie der Vorgänger keine Wechseloptik, keine Verwendung von Standard-Akkus, nur 1/4" Zoll CCD's, geringere Bildqualität und laut einiger Beiträge in amerikanischen Foren bei vielen Kameras erhebliche Tonprobleme (Konstruktionsbedingt). Obendrauf kostet sie noch 1/4 mehr als die JVC.
Natürlich muß man berücksichtigen, das das gesamte Zubehör (Stativ, Filter etc.) erheblich teurer als bei Semi-Profi Geräten ist. Dies gilt jedoch auch für die DSR 250.
Weiter viel Spaß bei der Entscheidung
Rasmus
Antwort von Rolf Müller:
Hallo,
bin eben zufällig in dieses Forum geraten und habe den thread quer gelesen.
Nur eine Anmerkung: Die Sony VX 9000 basiert n i c h t auf der aktuellen Sony VX 2000, sondern auf deren Vorgängerin, der VX 1000. Diese Kamera war zwar zu ihrer Zeit auch Klassenbeste in der Bildqualität, ist aber deutlich lichtschwächer als die VX 2000.
Die VX 9000 ist nicht mehr Stand der Technik, sie wird seit zwei oder drei Jahren nicht mehr gebaut. Nachfolgerin der VX 9000 ist die Sony DSR 250, eine Schulterkamera, die im Kern die Technik der VX 2000 enthält, allerdings mit professionellen Anschlüssen und Bedienelementen, leider jedoch ohne Wechseloptik.
Bei eBay gingen in den vergangenen drei Monaten zwei dieser DSR 250 deutlich unter 5.000 Euro weg, im Dezember eine für damals 8.500 Mark. Sie wird allerdings sehr selten angeboten, weil es bisher kaum Gebrauchtgeräte auf dem Markt gibt.
Die VX 9000 würde ich auf keinen Fall kaufen, das ist Technik von gestern. Und im Elektronik-Bereich ist bekanntlich oft schon die aktuelle Technik veraltet.
Zu den Canon-Kameras kann ich aus eigener Anschauung nichts sagen. Ich kenne jedoch Profi-Kameraleute, die der XL1 S vor der Sony den Vorrang geben, umgekehrt aber auch.
Herzliche Grüße
Rolf Müller
Antwort von dvuser:
Hallo alle miteinander.
Erstmal vielen Dank für Eure zahlreichen und produktiven Auskünfte.Hätte mir gedacht, daß ich wirklich professionelle Tips bekomme.
Ich habe mir gestern die neue PC-Video gekauft, 3 Camcorder, nämlich der Sony VX 2000, Canon XL-1 S und der Panasonic MV-MX miteinander verglichen wurden.
Lt. diesem Test ist ie Sony in Sachen Bildschärfe, Farbtrennung und Autofokus der eindeutige Testsieger.
Auch die Panasonic - Cam schneidet sehr gut ab.
Was mich ein wenig erschreckte, war das Ergebnis der Canon. Sie bekam zwar annähernd so viele Punkte wie die beiden Anderen, aber kritisiert wurde der angeblich äußerst unruhige Autofokus, der sehr leicht zu pumpen beginnen soll, sowie ein unschärferes Bild mit leicht verwaschenen Farbübergängen.
Für die Canon spricht der hervorragende Bildstabilisator, mit dem man beinahe Steady-Cam ähnliche Kamerafahrten hinbekommt.
Also würde man sich auf diesen Testbericht blind verlassen (was ich eigentlich nie mache)müßte man sich eigentlich für die Sony entscheiden. (zudem diese auch noch um gute 1000 Euro günstiger ist).
Doch für mich spricht hier einiges dagegen:
1.) Unbedingt Schulterkamera.
2.) Ich möchte mich nicht über kleine Knöpfchen durch sämtliche Menüs hanteln, um die Blende, Weißabgleich usw. einzustellen.
3.) Die Sony mag ja eine Bessere Bildqualität haben (was ja wohl eines der Wichtigsten Punkte ist), aber ich möchte mir gar nicht die Reaktion des Kunden vorstellen, wenn ich mit einem Camcorder aufkreuze, der sich rein äußerlich nicht viel vom Weihnachtsgeschenk seines 14-jährigen Sprösslings unterscheidet.
Und ich möchte es wirklich vermeiden, die erste halbe Stunde des Auftrages damit zu vergeuden, den Unterschied zw. einer Kamera vom Aldi und meiner tollen 3-Chip Kamera mit einer Videofrequenz von 5,5 MHz, usw. zu erläutern.
Also bleibt für mich immer noch die Entscheidung zu. der Sony VX 9000E (die ja angeblich die selbe Technik einsetzt wie die VX2000) und der Canon XL1-S.
Die JVC, welche Ramsus erwähnte kenne ich noch nicht, aber da werde ich mich nun gleich mal schlau machen.....:-)
Also nochmal vielen Dank Euch Allen
mfg Chris ("dvuser")
Antwort von Rasmus:
So,
um Deine Verwirrung vollständig zu machen möchte ich hier auch noch mal meinen Senf dazu geben:
Meiner Meinung nach spricht für die Canon einzig un allein das bessere Objektiv.
Ich selbst habe 4 Jahre mit der 9000er gearbeitet (ist übrigens zu verkaufen, siehe mein Angebot in der Gebrauchtbörse vom 19. Dezember). Gerade im Schulterbetrieb auch noch über einen längeren Zeitraum ist die 9000er die bessere Wahl. Hinzu kommt ein nicht zu unterschätzender Aspekt den Kunden gegenüber, nämlich der 'Profi-Look'.
Von der Bildqualität her stimmt im Prinzip, was meine Vorredner gesagt haben: Die 9000er hat eine geringfügig bessere Bildqualität (Farbtrennung und Auflösung). Das ist auch in vielen Tests nachzulesen.
Nun der Grund für den Verkauf meiner Ausrüstung: In dieser Preisklasse bekommst Du nämlich auch schon eine JVC GY-DV 500 (jvc-pro.de). Dieser Professionelle DV-Schultercamcorder kostet z. B. bei der Firma MSS (mss-medien.de) incl. 14fach Fujinon Optik mal eben DM 9.490,-- zzgl. MwSt. Dieses Gerät ist nun wirklich eine andere Liga, mit absolut überagender Lichtstärke und Bildqualität über alle Bereiche. Der einzige DV-Profi-Camcorder, der diese Kamera übertrift, ist die SONY DSR 500 WSP (bzw. der nachfolger), allerdings mit einem Preis von ca. DM 30.000,-- ohne Optik außer Konkurenz.
Solltest Du noch fragen haben, melde Dich
Gruß Rasmus
Antwort von Bogey:
Hi!
Zugegeben, der Farbsucher ist wirklich nicht das gelbe vom Ei, aber andererseits reicht er in den meisten Fällen aus, um die Schärfe zu beurteilen. In kritischen Situationen schließt man eh einen externen Kontrollmonitor an, und wenns mal schnell gehen muß, dann hast Du direkt an der Optik einen Autofokus Knopf der sehr zuverlässig ist.
Mit der Farb- und Helligkeitsabbildung ist das auch so 'ne Sache. Die ist beim LCD natürlich immer vom Betrachtungswinkel abhängig. Aber auch das ist nach einer kurzen Eingewöhnungsphase kein Problem, denn wenn man sich an die Kamera gewöhnt hat, hat das Auge immer die gleiche Position an der Augenmuschel.
Zur Blendenüberprüfung hat die XL-1 übrigens ein ziemlich gutes Feature (weiß leider nicht mehr, ob die VX9000 das auch hat, glaube aber nicht): Auch wenn Du im manuellen Mode bist, kannst Du Dir oben im Sucher einen Balken Einblenden lassen. Ein Marker auf dem Balken symbolisiert den Belichtungszustand. Ist der Marker in der Mitte des Balkens, hast Du 'richtig' belichtet, so wie die Blendenautomatik belichten würde. Weicht der Balken nach links, hast Du unterbelichtet, weicht er nach rechts ab, belichtest Du über.
So hast Du immer im Blick, was die (ziemlich ausgewogene) Blendenautomatik zu der entsprechenden Situation sagt, kannst aber selber entscheiden, ob du über- oder unterbelichten willst.
Auch wenn der Sucher (leider) keinem Profi-Standard entspricht, so ist es doch auch von Vorteil, vor Ort die Farbtemperatur ohne ext. Monitor dank Farbsucher überprüfen zu können, denn eine Grad-Kelvin Anzeige wie bei Profikameras haben beide Kameras leider nicht.
Gruß,
Bogey
P.S. Wenn Du weitere Fragen hast, frag einfach.
Antwort von dvuser:
Hi Bogey
Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich tendiere ebenfalls eher zur XL 1. Unsicher bin ich nur wegen dem Farbsucher. Ist die Auflösung eigentlich ausreichend, um Festzustellen, ob das Bild nun wirklich scharf ist? Außerdem würde mich interessieren, wie
er es sich mit der Farb- und Helligkeitsdarstellung hält. Kann man sich da einigermassen darauf verlassen?
Grüsse dvuser