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Test : Tonqualität vs. Preis - 5 Mikros im DSLM-Setup Vergleich (Teil 1, 0 bis 250 Euro)

von Mo, 19.Oktober 2020 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


0,- Euro: Kamerainternes Stereomikrofon Panasonic S1H und Canon EOS R6
100,- Euro: Sennheiser MKE 200
250,- Euro: Rode VideoMic NTG



Wir haben uns die topaktuellen Mikros Sennheiser MKE 200, Rode VideoMic NTG, Rode NTG5 sowie als Referenz unser Sennheiser MKH-416 angehört und wollten wissen, welche Tonqualität man in den Preisklassen 0, 100, 250, 500 und 1.000 Euro erhält, wenn man die Mikros an hochwertigen DSLM-Setups betreibt.

Als DLSM haben wir die Panasonic S1H genutzt, weil sie die mit Abstand flexibelste und auch hochwertigste Tonabteilung aller uns bekannten, aktuellen DLSMs zur Verfügung stellt.

Panasonic S1H Body


Vom bereits sehr guten internen Stereomikrofon über unterschiedliche Pre-Gain Audiostufen, Timecode IN/Out (BNC Adapterkabel) bis hin zum Betrieb von XLR-Mikros via Panasonic XLR-Blitzschuhadapter (DMW-XLR1)bietet die Panasonic S1H eine umfassende Audiounterstützung auf professionellem Niveau. Der XLR-Adapter kam hier auch bei den XLR-Mikros Rode NTG5 und Sennheiser MKH 416 inkl. Phantomspeisung zum Einsatz.

Im Hinterkopf sollte man bei diesem Mikro-Vergleich behalten, dass wir hier keine Audio-Labor-Analyse betreiben, sondern die einzelnen Mikros an einer DSLM „praxisbezogen“ so gut es geht vergleichbar in den Räumen der slashCAM Redaktion ausgepegelt und aufgenommen haben.

An dedizierten Audio-Fieldrecordern sind sicherlich nochmal exaktere Vergleiche möglich aber wir wollten hier bewußt Setups für kleinere Teams mit einer DSLM testen und letztlich eine Tendenz zur Verfügung stellen. Hört man sich die Aufnahmen an, werden die Unterschiede in den Preisklassen recht deutlich.

Bis auf eine leichte Pegel-Angleichung haben wir die Aufnahmen original belassen.



0,- Euro: Kamerainternes Stereomikrofon Panasonic S1H und Canon EOS R6



Die Panasonic S1H ist in Sachen integriertes Audiomikrofon eher weniger repräsentativ für das DSLM-Segment, denn sie verfügt über ein bemerkenswert hochwertiges Stereomikrofon, das sich vor allem durch einen sehr geringen Rauschpegel auszeichnet.


Als Fall-Back Option lässt sich also durchaus auch damit arbeiten – insbesondere, wenn lediglich ein Scratch-Track aufgenommen werden soll. Hört man sich die Off-Axis Aufnahme an, wird jedoch auch schnell klar, dass kamerainterne Mikros in der Regel eine sehr breite räumliche Abdeckung besitzen, was auch baubedingt einleuchtend ist, da ihnen das Interferenzrohr von Richtrohrmikrofonen fehlt.

Man erhält also viel Raumklang mit dazu, wenn man mit dem integrierten Stereomikro aufnimmt. Dies sollte man grundsätzlich im Hinterkopf behalten, wenn man denn mit kamerainternen Mikros aufnehmen muss.

Um ein etwas typischeres Bild von der internen Mikro-Qualität von aktuellen Vollformat-DSLMs zu erhalten, haben wir auch noch das interne Stereo-Mikro der Canon EOS R6 dazugenommen.

Stereomikrofon Panasonic S1H und Canon EOS R6 Klangeindruck

Beim internen Mikro der S1H findet sich – wie zu erwarten - verstärkt Raumklang wieder, der schnell hallig wirken kann, selbst in Räumen, die über Dämpfung wie Teppich, Bücherregale etc. verfügen. On und Off-Axis Klang unterscheiden sich nur wenig.

Dafür befindet sich der Noiselevel des internen Stereo-Mikros der S1H auf vorbildlich niedrigem Niveau.

Das interne Stereo-Mikrofon der Canon EOS R6 hat mit recht ausgeprägtem Grundrauschen zu kämpfen. Als Fall-Back Audio würden wir es nicht einsetzen. Gut gefallen hat uns jedoch die sehr gut ablesbare Audio-Anzeige der Canon (die deutlich besser gestaltet ist als beispielsweise jene der Sony A7SIII – aber das ist ein anderes Thema).

Panasonic S1H: Internes Stereomikrofon (On-Axis):

Panasonic S1H: Internes Stereomikrofon (Off-Axis):

Canon EOS R6: Internes Stereomikrofon (On-Axis):





100,- Euro: Sennheiser MKE 200



Das Sennheiser MKE 200 Mikrofon stellt zugleich das neueste, das kompakteste und auch das günstigste Mikro in diesem Vergleich dar - die UVP. liegt bei 99, Euro inkl. MwSt.


Dafür erhält man neben dem mit integriertem Windschutz und Körperschalldämpfung versehenen MKE 200 Mikro selbst, zwei Miniklinken Anschlusskabel (TRS und TRSS für den Anschluss an DSLR/DSLMs und mobile Geräte) sowie einen Fellwindschutz (MZH 200) und einen verschließbaren Aufbewahrungsbeutel.

Der Clou am Sennheiser MKE 200 liegt vor allem in seiner kompakten und zugleich cleveren Konstruktion. Mit seiner vorgeladenen Kondensatorkapsel wird es komplett Akku-/ Batteriefrei betrieben (2-10V Versorgungsspannung müssen via Miniklinke geliefert werden) und wiegt dabei gerade mal 48g. Zusätzlich bringt es konstruktionsbedingt eine Art eigenen Windkorb sowie eine Schwinghalterung mit.


Mit Abmessungen von 69 x 60 x 39 mm ist es nicht nur das leichteste sondern auch das kompakteste Mikro in diesem Vergleich. Auch wer vor allem sucherbasiert arbeitet, sollte das MKE 200 gut nutzen können, weil das Spiralkabel (sicher an der Buchse verschraubt) vorn geführt wird und das Mikro selbst auch nicht nach hinten übersteht.

Als Richtcharakteristik verfügt es über eine Superniere und entfaltet damit deutlich mehr Richtwirkung als die integrierten On-Board Kamera-Mikros. Der Übertragungsbereich liegt be 40-20.000Hz, die Empfindlichkeit gibt Sennheiser mit 33 dB V / Pa an. Der Rauschpegel liegt bei 20 dB-A

Audio-Wunder sollte man bei einem 99,- Euro Mikro jedoch nicht erwarten. Aber wer auf der Suche nach einem kompakten „Immer-Drauf“ Mikro für seine DSLM, Handy, etc, ist, das eine bessere Richtwirkung sowie besseren Windschutz als die integrierten Kamera-Mikros liefert und zudem keinen Akku benötigt, sollte sich das MKE 200 einmal genauer anschauen/anhören.

Sennheiser MKE 200 Klangeindruck

Das Sennheiser MKE 200 ist spürbar gerichteter als das kamerainterne Mikro der S1H und nimmt damit auch deutlich weniger Raumklang auf. Der Vergleich zwischen On- und Off-Axis beim MKE 200 fällt entsprechend viel deutlicher aus. Erstaunlich, was Sennheiser hier auf so kleinem Raum zu Stand bringt. In Sachen Noise muss sich das kleine MKE200 jedoch dem internen Mikro der S1H geschlagen geben. Der Noiselevel des MKE 200 liegt höher.

Das dürfte weniger am Sennheiser als am recht hochwertigen internen Mikro der S1H liegen. Wir haben deshalb das Sennheiser MKE200 auch kurz mal On-Axis mit der Canon EOS R6 aufgenommen. Hier erhält man bereits deutlich bessere Klangqualität im Vergleich zum internen Mikro der Canon EOS R6.

Richtig beeindruckt hat uns das Sennheiser im Verbund mit Smartphone und Tablets via TRSS Anschluss - hier arbeitet es tatsächlich nochmal deutlich rauscharmer als an den DSLMs und stellt einen deutlichen Qualitätssprung dar.

Sennheiser MKE 200 + Panasonic S1H (On-Axis):

Sennheiser MKE 200 + Panasonic S1H (Off-Axis):

Sennheiser MKE 200 + Canon EOS R6 (On-Axis):





250,- Euro: Rode VideoMic NTG



Für ca. 250,- Euro erhält man mit dem Rode VideoMic NTG ein extrem vielseitiges Mikrofon, das mit seinem integrierten Lithium Ionen Akku nicht nur als Kondensator Richtrohrmikrofon sondern via USB-C Anschluß auch als USB-Mikro am Rechner für Videokonferenzanwendungen genutzt werden kann.


Wir hatten es in der slashCAM Redaktion bereits mehrfach erfolgreich sowohl an Windows als auch an Mac Rechnern mit Skype für Videokonferenzen im Einsatz. Darüber hinaus lässt sich der Miniklinken-Anschluss nicht nur als Audio-Out für das Mikrosignal an der Kamera sondern auch als Kopfhörer Output während des USB-C Setups am Rechner nutzen.

Das Rode VideoMic NTG bringt zahlreiche intelligente Zusatzfunktionen mit: So lässt sich neben einem 20dB Pad auch eine Safety-Channel Funktion mit abgesenktem Pegel aktivieren, ein Warnlicht zeigt Übersteuerungen an und via Auto-Sensing-Funktion werden TRS TRSS sowie der Kamerastatus (On/Off) erkannt, um den Akku zu schonen.

Mit einem Gewicht von 94g und Abmessungen von 21,6x171 mm gehört es zu den kompakten Richtrohrmikrofonen. Die Richtcharakteristik des Rode VideoMic NTG ist als Superniere ausgelegt. Der Frequenzgang liegt bei 20-20.000 Hz und die Empfindlichkeit wird mit -26 dB re 1V/Pa (50mV @ 94dB SPL) angegeben. Der Ersatzgeräuschpegel liegt bei 15 dB-A.


Wie gut Rode für Filmemacher mitdenkt, sieht man auch an technischen Details wie der Montage-Platte für die Blitzaufnahme, auf der sich das VideoMic NTG nochmal verschieben lässt - wichtig für all diejenigen, die sucherbasiert bei der Videoaufnahme arbeiten wollen.

Eine größere Vielseitigkeit als beim Rode VideoMic NTG dürfte schwer zu finden sein und dies bei gleichzeitig bemerkenswert guter Audio-Qualität.

Im Hinterkopf sollte man jedoch behalten, dass der integrierte Akku stets geladen gehalten werden will (Rode gibt eine 30-Stunden Betriebszeit für den Akku bei 3 Stunden Ladezeit an). Zudem ist der Akku fest verbaut und kann auch nicht vom User gewechselt werden. Darüber hinaus handelt es sich beim Rode VideoMic NTG um ein „digitales Produkt“ mit quasi eigenem „Betriebssystem“ und das bedeutet, dass es Firmware-Updates zu beachten und zu installieren gilt.

Wir hatten das Rode Videomic NTG auch bereits im Außeneinsatz im Verbund mit der Sony A7S III dabei. Bei Außendrehs mit viel Seitenschall von Verkehr und anderen Schallquellen kommt diese Mikrofonklasse allerdings auch recht schnell an ihre Grenzen (gilt auch für das MKE200). Bei entsprechenden Szenarios würden wir eher zu Lavaliers tendierend und das Rode auf der DSLM für Atmos einsetzen (doch hierzu ein anderes Mal mehr ...)

Bemerkenswert finden wir die 10-jährige Garantie die Rode nach dem Registrieren des VideoMic NTG gewährt.

Für uns auf Grund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten klar das Mikrofon mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis in dieser Aufstellung.

Rode VideoMic NTG Klangeindruck

Das Rode VideoMic NTG überzeugt mit guten Allround-Eigenschaften - und hier allem mit seinem niedrigen Rauschlevel, guter Sprachverständlichkeit und moderater Richtwirkung. Höherwertigere Mikrofone minimieren den Raumklang allerdings nochmal mehr.

Dank integrierter Gain-Kontrolle lässt sich die kamerainterne Audio-Verstärkung im Minimal-Bereich für bestmögliche Verstärkerleistung am Mikro belassen.

Rode VideoMic NTG + Panasonic S1H (On-Axis):

Rode VideoMic NTG + Panasonic S1H (Off-Axis):


Soweit Teil 1 unserer kleinen Mikro-Einordnung. Demnächst geht es weiter mit dem Rode NTG5 und dem Sennheiser MKH 416 am XLR-Adapter der Panasonic und unserem Fazit ...


  

[33 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
klusterdegenerierung    07:51 am 25.10.2020
Wow, das nenne ich mal ein upgrade. Das Fuji nervt ja nicht nur mit dem übersteuern, sondern hört sich auch noch so an, als hätte man vorne eine Staubsaugerdüse vorm Mic. Das...weiterlesen
Jörg    07:18 am 25.10.2020
Der Wind hat aufgefrischt... Extern vs InternSennheiser.zip
Jörg    17:11 am 24.10.2020
Das Micro ist eingetroffen. Erster Eindruck, ohne Starkwind: Tag und Nacht zum internen, der ruhige Wind wird gut geschluckt, wo das interne schon kracht, allerdings wird der...weiterlesen
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update am 23.November 2020 - 18:21
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