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Test : DJI Ronin 4D mit ProRes RAW und 3D LiDAR in der Praxis: Die Robotik-Film-Zukunft?

von Do, 4.November 2021 | 5 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Ausstattung und Setup
Stabilisierung inkl. Z-Achse
DJI LiDAR Fokus: Fokuspulling für Jedermann?
Hauttöne und Dynamikumfang
6K ProRes Raw am Macbook M1 Max (64 GB)
Fazit



Mit dem DJI Ronin 4D ist das nächste Stück Zukunfts-/(Alientechnologie?) in der slashCAM Redaktion aufgeschlagen und bringt einiges an Sprengkraft für das Pro-Kamera Segment mit: Neben interner (!) 6K ProRes Raw 60p Aufnahme (Vollformatsensor) und einer beeindruckenden Stabilisierungsleistung zeigt vor allem das neue LiDAR System inkl. LiDAR-Fokus-Waveform und Remote Bedienung/Monitoring wohin die Reise der Filmzukunft geht. Wir sind ziemlich verblüfft - definitiv auch ein Weckruf für die Mitbewerber!



Vorab hier unser Tageslichtdreh mit Caro und dem DJI Ronin 4D, bei dem zusätzlich das DJI Zenmuse X7 DL 35 mm/2,8 LS ASPH Objektiv, der DJI High-Bright Remote Monitor inkl. Cage und Ronin 4D-Griffaufnahmen, das DJI Pro SSD 1TB USB-C Speichermodul sowie unser Sachtler Flowtech 75 Stativ mit FSB 8 Kopf zum Einsatz kamen.

Schnitt und Farbkorrektur erfolgten auf dem neuen MacBook Pro 16“ M1 Max mit Final Cut Pro 10.6 – eine Kombination die sich für das ProRes RAW Material des Ronin 4D als perfekter Match herausstellte (mehr hierzu im eigenen Kapitel weiter unten).



Ausstattung und Setup



Mit dem DJI Ronin 4D System hat DJI auf bemerkenswerte Weise ganz unterschiedliche, hausinterne Kompetenzen zu einem Produkt vereint.

Was auf den ersten Blick wie ein Stück Robotik-Alientechnologie aussieht, erweist sich tatsächlich als ziemlich durchdachtes Gesamtkamerasystem mit einem Schwerpunkt auf bewegter Kamera. Aber der Reihe nach:

Der DJI Ronin 4D führt sieben zentrale Komponenten zu einem System zusammen; 1. 3-Achsen-Gimbal, 2. Steadicam, 3. Pro-Kamerasystem 4. Wireless Remote Monitoring 5. Remote Kamerabedienung 6. Objekttracking und 7. Wireless Fokuspulling.

DHI Ronin 4D + Remote Monitor = 8 Antennen


Da wir bei unseren Ronin 4D Test-Setup auch den DJI High-Bright Remote Monitor inkl. Cage mit am Start hatten, hiess es bei uns als erstes Antennen eindrehen: Insgesamt 8 Stück (vier am Ronin 4D und ebenfalls 4 am Remote Monitor).

Als sehr clever empfanden wir im Zusammenspiel zwischen Kamera und High-Bright Monitor das modulare Griffsystem: Die mit elektrischen Kontakten versehene Kameragriffe lassen sich sowohl am Ronin 4D als auch am Monitor nutzen. An der Kamera ergeben sie eine ergonomisch gut geformte, beidseitige Handaufnahme und am HighBright Monitor verwandeln sich Griffe und Monitor zu einer drahtlosen Funkschärfe.

Hierbei arbeitet der Remote-Monitor mit angenehm niedrigen Latenzen. Gut gefallen hat uns in diesem Zusammenhang das in den rechten Handgriff integrierte und mit einer magnetischen Dämpfung versehene Fokusrad, das sich sowohl an der Kamera als auch am Monitor bewährt hat.

Nachbessern darf DJI noch an der Stabilität des drahtlosen Videosignals. Wir hatten zwar keine Abbrüche aber gelegentlich sank die Auflösung am Monitor rapide und für ein kontrolliertes Fokuspulling reichte die Auflösung dann nicht mehr.

Doch dafür hat DJI für den Remote Fokus mit dem lasergestützten LiDAR System ein weiteres Ass im Ärmel, das auch bei schlechtem Videosignal teilweise noch gute, manuelle Fokussierungen erlaubt (auch hierzu im eigenen Kapitel mehr).

Herzstück des DJI Ronin 4D System stellt der Vollformat X9 Sensor dar (hier unser Test), den wir als 6K Model (8K ebenfalls verfügbar) mit einer maximalen Auflösung von 6008×3168 Pixeln zur Verfügung hatten. An (internen) Aufnahmeformaten stehen neben H.264 auch 6K ProRes Raw (HQ) max 60p sowie ProRes HQ zur Verfügung. Wer maximale Zeitlupe benötigt, kann in 4K bis zu 120 fps mit dem DJI Ronin 4D aufnehmen.

DJI Ronin 4D mit Z-Achsen-Arm aus Carbon


Was den Ronin 4D gegenüber Einhandgimbaln wie dem Ronin RS 2 bei der Stabilisierung auszeichnet, ist sein Steadicam-ähnlicher Z-Achsen Arm. Dieser muss vor dem Betrieb via Federklemme entriegelt und dann per Klick auf den “4D“ Button unterhalb des Power Buttons aktiviert werden. Wichtig für den bestmöglichen Stabilisierungsbetrieb dieses „Steadicam-Arms“ ist seine Tarierung mit montierter Optik. Hierzu befindet sich eine zentrale Justage-Schraube oberhalb des Ansatzes des Z-Arms am Kameragehäuse. Der Steadicam-Arm ist optimal tariert, wenn er sch waagerecht zum Boden befindet.

Bemerkenswert fanden wir auch das SSD-basierte Speichersystem des DJI Ronin 4D. Unser Testgerät nutze zwar proprietäre DJI SSDs – doch diese SSD-Riegel verfügen über ein normales USB-C Interface, mit dem sie sowohl an der Kamra angeschlossen werden als auch unkompliziert am Rechner gemountet werden können. Ein extra Cardreader entfällt hierbei also. Super.

Auffällig am ansonsten gut funktionierenden DJI DL 35mm F2.8 LS Objektiv war die überraschend weite Naheinstellgrenze (über die DJI keine weiteren Angaben macht). Man spürt hier die Herkunft aus dem Drohenbereich (was bei einem Close-Up von Caro allerdings zu einer leichten Unschärfe führte).

Darüber hinaus erwähnenswert – weil klarer Mehrwert gegenüber Handgimbal-DSLM-Setups – empfanden wir die motorgetriebenen ND-Filter des Ronin 4D Kamerasystems, der sich von ND 0,3 bis 2.7 über 9 Blendenstufen erstreckt.

An Akkus hatten wir die DJI-eigenen TB50 Akkus dabei, die 4.280 mAh Kapazität mitbringen. Bei unserem 2-stünigen Dreh mit Caro im On/Off Betrieb benötigten wir ca. 1 ¼ Akkuladungen – ein recht guter Wert, wenn man die Gesamtenergieleistung des Systems betrachtet.



Stabilisierung inkl. Z-Achse



Wie bereits erwähnt zeichnet vor allem die zusätzliche Z-Achsen-Stabilisierung das Ronin 4D System gegenüber anderen Handgimbal-Lösungen aus. Und tatsächlich stellt der Ronin 4D eine beachtliche Stabilisierungsleistung zur Verfügung, (die sich jedoch für manche Projekte mehr und für andere weniger gut eignet ...).

Perfekte Stabilisierung für klassische Bewegungsshots


Die zugleich beste und am einfachsten abzurufende Stabilisierungsleistung hatten wir mit dem Ronin 4D bei klassischen Bewegungsshots, bei denen wir auf gleicher Höhe mit Caro seitlich gefilmt haben. Hier arbeiten alle Stabilisierungsachsen perfekt zusammen und generieren tatsächlich den Eindruck auf Schienen zu fahren. Wir konnten hierbei so gut wie keine wippende Auf- und Ab-Bewegung feststellen, wie man sie ansonsten von Einhand-Gimbal-Systemen kennt.

Wer vor allem entsprechende Follow-Shots benötigt, erhält hier die aktuell hochwertigste Stabilisierungsleistung im Sub 10.000 Euro-Segment (Gesamtsystem) bei sehr guter Bildqualität für 4K-Ausspielungen. Und dies sowohl bei Motiven mit normaler „Gang-Geschwindigkeit“ als auch bei schneller bewegte Motiven, bei denen der Operator selbst rennen muss.

Ronin 4D – Übung bei Shots auf gleicher Höhe gefragt


Deutlich mehr Übung und auch veränderte Stabilisierungs-Einstellungen benötigt man hingegen, wenn man bei fixem Motiv versucht, einen Dolly-Shot auf einer Ebene durchzuführen. Bei aktivierter Z-Achsen-Stabilisierung läuft man hier schnell Gefahr, aus dem Stabilisierungsbereich herauszulaufen. Unser Tip hier lautet: Versucht den Shot einmal mit aktivierter Z-Stabilisierung und einmal ohne und entscheidet dann, welche Stabi-Einstellungen mehr Sinn macht. Sicherlich auch eine Frage der Übung.

Einziges echtes Manko, das wir bei der Stabilisierungsleistung des Ronin 4D-Systems ausmachen konnten, ist der für unseren Geschmack etwas zu hohe Rolling Shutter des Kamerasystems – sowohl bei 6K 24-25p als auch bei 60p.

Ronin 4D - bei schnellen Bewegungen Rolling Shutter scihtbar


Vor allem bei schnelleren Geschwindigkeiten – beispielsweise als wir die Rollschuh fahrende Caro rennend verfolgt haben - wurden Rolling-Shutter Artefakte bei der Beschleunigung aus Kurven heraus oder bei Richtungsänderungen deutlich sichtbar. Hier zeigen sich die Grenzen eines Gimbalsystems mit fest integrierter Kamera.

Unterm Strich bleibt für uns in Sachen Stabilisierungsleistung beim DJI Ronin 4D festzuhalten: Für klassische Stabilisierungsshots bietet der Ronin 4D konkurrenzlos gute Stabilisierung im Sub 10.000 Euro Segment. Wer hingegen für schnelle Action stabilisierte Shots benötigt, muss den vergleichsweise ausgeprägten Rolling Shutter in Hinterkopf behalten und fährt unter Umständen besser mit einer Kombination aus Handgimbal und DSLM.



DJI LiDAR Fokus: Fokuspulling für Jedermann?



Fast noch spannender als die Stabilisierungsfähigkeiten des Ronin 4D fanden wir sein lasergestützte LiDAR Objektverfolgungs- und Remote Fokussystem.

Im Verbund mit einer einfach aufklippbaren LiDAR-Einheit, scant der Ronin 4D alle vor sich befindlichen Objekte und stellt diese als Aufsicht auch auf dem Remote-Monitor dar (via 43.200 Messpunkte im Abstand bis zu 10m).

Dank der Kombination aus geringer Latenz, gut gedämpftem Fokusrad und eindeutiger Objektdarstellung wird das manuelle Fokusziehen so stark vereinfacht. Fokusmarkierungen werden dadurch vielfach überflüssig. Für uns auf jeden Fall ein beeindruckender Blick in die nahe Filmzukunft und für Anwendungsszenarien mit wenig Licht eine spannende Alternative.

Lidar Waveform von Caros Kopf (Aufsicht) auf dem Wireless Monitor


Dass unser LiDAR gestütztes Remote-Fokus Testsystem wie aus einem Guss wirkte, lag natürlich auch an der passenden DJI-Optik. Noch ausstehend sind bei uns Tests mit (manuellen) Fremdobjektiven und externem Fokusmotor. Sollte sich auch hierin das LiDAR System als reaktionsschnell zeigen, dürfte vor allem für Verleiher wenig gegen die Anschaffung eines Ronin 4D Systems sprechen.

Auch beim Autofokus hat DJI in unseren Augen ein recht beachtliches Debut beim Ronin 4D hingelegt. Zwar agiert das AF-System auf Grund fehlender Augenerkennung deutlich unterhalb aktueller Spitzen DSLMs wie Sony, Canon etc. aber angesichts der speziellen Implementierung funktioniert der DJI-AF bemerkenswert gut.

Für kritische Shots würden wir uns zwar nicht darauf verlassen aber dafür steht dann sowieso das manuelle Remote-Fokussiersystem inkl. LiDAR-Unterstützung zur Verfügung.



Hauttöne und Dynamikumfang



DJI proklamiert 14+ Blendenstufen für sein Zenmuse X9-System und aus der Erfahrung mit anderen 14+ Kameras tendieren wir beim Anblick diverser Hoch-Kontrast-Aufnahmen in unserem Praxis-Clip dazu, das Ronin 4D System hier mit knapp 1 Blende drunter (Praxis) einzusortieren.

Ebenfalls nicht ganz auf aktuellen DSLM-Niveau empfinden wir quh die Colorscience der Ronin 4D Kamera. Nach der RAW zu Log Konvertierung via DJI-D Log in FCPX bedarf es noch etwas Handarbeit, um zu brauchbaren Hauttönen zu gelangen.

Wir hatten für einen entsprechenden Feinschliff leider etwas zu wenig Zeit und tatsächlich handelt es sich hier auch in erster Linie um eine Zeitfrage. Wir haben ebenfalls die (noch nicht frei verfügbaren offiziellen DJI X9 LUTs ) kurz ausprobiert aber hier mit etwas zu kräftigen Magenta Tönen zu tun.

Unser Tip: Auch mit der aktuell verfügbaren DJI Rec709 LUT (für X5 und X7) kann man für schnelle Turnovers zwar arbeiten, handelt sich hier jedoch ebenfalls schnell Magenta-Probleme ein. Wir empfehlen (bis zur Veröffentlichung von passenderen LUTs) die manuelle Farbkorrektur des DJI-Materials direkt nach der RAW-LOG-Konvertierung.



6K ProRes Raw am Macbook M1 Max (64 GB)



Die Bearbeitung des 6K ProRes RAW HQ 50p Materials mit stolzen 3,43 GBit/s Datenrate fiel zufällig genau mit dem Eintreffen des neuen MacBook Pro 16“ M1 Max (64 GB) in der slashCAM Redaktion zusammen. Entsprechend gespannt waren wir auf die Performance des 6K ProRes Raw Materials auf der FCPX Timeline.

Und auch hier zeigte sich das neue MacBook Pro mit beachtlicher Performance. Wir waren in der Lage, das 3.430 Mbit/s 50p Material in voller Auflösung inkl. diverser Farbkorrekturen und RAW-LOG-Konvertierung inkl. extra Tonspur ohne dropped Frames abzuspielen. Erst als wir noch zusätzlich Titel hinzufügten, mussten wir für Echtzeitperformance die Previewauflösung reduzieren.

In der FCPX-Timeline verhielt sich das ProRes RAW Material - als Apple eigenes Format wie erwartet - völlig unauffällig und liess sich angenehm reaktiv und flüssig bearbeiten. Sollten mehr Kamerahersteller nach DJI (und wohl demnächst auch Nikon) auf ProRes Raw als internes RAW-Format für Bewegtbild setzen, dürfte ProRes RAW tatsächlich das Zeug dazu haben, ein neues, universelles Kameraformat zu werden – spannende Zeiten ...



Fazit



DJIs Ronin 4D stabilisiertes Kamerasystem punktet mit einer ganzen Reihe an Funktionen: Beste Stabilisierungsleistung seiner Klasse Dank integrierter Z-Achsen-Stabilisierung, Vollformatsensor, interne 6K (optional auch 8K) ProRes RAW und ProRes Aufnahme mit max 60 fps (120 fps bei 4K), integrierte ND-Filter, lasergestütztes (LiDAR) Remote Focus System, einfache Bedienung, clevere Speicheroptionen und ein übersichtlich strukturiertes Menü-System.

Luft nach oben sehen wir noch beim Thema Rolling Shutter (vor allem bei schnellen Bewegungen) und auch die Colorscience darf bei der offiziellen LUT-Unterstützung seitens DJI noch gerne etwas zulegen.

Vorausgesetzt das Remote Fokus System funktioniert genauso gut mit dem DJI-Wechsel-Mount, (bzw. mit manuellen Objektiven und externem Fokusmotor) dürfte der DJI Ronin 4D vor allem für Verleiher im Indie-Umfeld und für kleinere/mittelgroße Produktionen eine spannende Option darstellen.

Willkommen in der Zukunft.

Hier unser Test der Zenmuse X9 6K Kamera des DJI Ronin 4D bezügöich Sensorverhalten, Dynamik und Rolling Shutter.


  

[129 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
klusterdegenerierung    16:40 am 14.2.2022
Glaube da könnte dann das ProRes 4444 auch die bessere Option sein. Raw! Tsetsetse ;-)
Clemens Schiesko    16:15 am 14.2.2022
Doch kein ProRes Raw. RED hat wohl wieder zugeschlagen. https://www.cined.com/does-dji-see-red- ... l3yiW7DAQE
iasi    16:09 am 11.1.2022
Der mittelmäßige Rolling Shutter passt leider nicht so recht zum Kontept der 4D. Die 8k-Version könnte sich hier aber besser schlagen, wenn man sich die höheren Frameraten...weiterlesen
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update am 7.Oktober 2022 - 12:42
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