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Erfahrungsberichte : Atomos Neon 24 - 4K HDR-Grading Display-Recorder

von Mi, 19.Mai 2021 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Tablet-Monitor Baukasten
Ohne iOS kein Zutritt?
Bildqualität
Fazit



Atomos ist ja in erster Linie unter Filmern für seine portablen Display Recorder (u.a. Shogun und Ninja) bekannt. Schon seit längerem versucht die Firma jedoch auch mit HDR-Vorschaumonitoren Fuß zu fassen. Der Neon 24 ist ein solches Gerät, mit dem wir einmal ein paar Eindrücke für euch sammeln konnten...



Tablet-Monitor Baukasten



Nach dem Auspacken staunt man gleich mehrmals nicht schlecht. Zuerst glaubt man mit dem Neon 24 ein riesiges dickes Tablet in den Händen zu halten. Hat man die zugehörigen Füße montiert, so lässt sich dieses gediegen und ansehnlich auf dem Arbeitstisch platzieren.



Leider ist dabei nicht nur der Standwinkel der Bildschirmfläche durch die Stellfüße fest vorgegeben. Auch die Höhe des Bildschirms ist nicht veränderbar, weshalb so mancher Käufer sich vielleicht nach einem geeigneten Podest für ein "höheres" Bild sehnt. Glücklicherweise verfügt der Neon 24 auch über eine genormte VESA Mount (100x100), womit sich professionelle Monitorbefestigungen von Drittherstellern nutzen lassen.

Für den nächsten AHA-Effekt sorgt die Master Control Unit (MCU). Hierbei handelt es sich um ein Gerät, dass stark an einen Ninja Recoder ohne Display erinnert. Hierin dürfte sich ein Großteil der Steuerungselektronik für das Display befinden. Vor der Inbetriebnahme muss man die MCU an den Neon andocken. Auf die MCU wird anschließend das mitgelieferte AtomX SDI-Expansionsmodul gesteckt, das dem Monitor zusätzliche SDI-Anschlüsse verleiht:



Der SSD-Slot der MCU kann für internes Recording genutzt werden. Als Codecs stehen hier Apples ProRes sowie Avids DNxHD/HR bereit - jedoch überraschenderweise kein ProRes RAW. Der Akku-Einschub darf laut Anleitung nicht mit einem Akku benutzt werden. Der Stromverbrauch des Neon 24 dürfe dabei mit einem Akku sowieso kaum zu stemmen sein, was schon das zugehörige Netzteil deutlich signalisiert:



Es ist mit ungefähr 27 cm x 13 cm x 5 cm und fast 2,5 kg Gewicht ein ziemlicher Brummer, der natürlich strategisch wenig sichtbar in Monitornähe platziert sein will. Das proprietäre Anschlusskabel zwischen Monitor und Netzteil ist dabei ca. 1,5m lang, ans Stromnetz geht das Netzteil mit einer typischen Kaltgeräte-Steckerbuchse. Monitor wie Netzteil besitzen zahlreiche Einlass-Gewinde (sogar mit Lock Pin-Aufnahme, ARRI-kompatibel), womit sich beide im Studio-Umfeld auch praktisch "riggen" lassen:





Hörbarer Lüfter



Hat man den leicht versenkten Einschalter gefunden, heult als erstes einmal kurz der Lüfter auf und lässt keine Zweifel aufkommen, dass der Monitor hiermit auch bei extremer Helligkeit gut gekühlt werden kann. Und auch danach bleibt während des Betriebes der Kühler immer deutlich wahrnehmbar, was für HDR-Grading-Monitore jedoch nicht untypisch ist.



Ohne iOS kein Zutritt?



Nach dem Einschalten will der Monitor natürlich eingestellt werden und da wartet die nächste Überraschung. Denn ohne zugehörige App lässt sich der Monitor nicht bedienen. Dabei geht es nicht nur um seltene Parameter, sondern schon der Wechsel des Signal-Eingangs ist ohne App nicht möglich, da der Monitor wirklich keinen einzigen externen Bedienungs-Knopf besitzt. Unverständlich finden wir in diesem Zusammenhang, dass es die zugehörige App tatsächlich nur für iOS-Geräte gibt. Zur Benutzung des Neon ist daher ein iPhone oder iPad nahezu obligatorisch!

Allerdings nicht ganz. Alternativ soll man auch das Loupedeck Live (für ca. 250 Euro) als Monitorsteuerung nutzen können. Und für den Sommer plant Atomos auch noch eine separate Monitor-Steuereinheit namens Atomos Button Bar Remote Control Unit. Warum Atomos dagegen nicht einfach eine simple App für Mac/PC sowie Android anbietet ist uns schleierhaft. Aber schon seit Apples Monitorstandfuß für 1.000 Dollar schwant uns, dass wir in Zukunft einen Monitor nicht mehr als "vollständiges Gerät" begreifen sollten.



Die App in der Praxis



Für die App muss sich der Monitor übrigens mit dem Smartphone über Bluetooth pairen. Und leider ging bei uns das Pairing gelegentlich über Nacht verloren, so dass man manchmal am nächsten Tag den Monitor vor der Benutzung erneut pairen musste.

Nun könnte man denken, dass man die App ja sowieso nur einmal benötigt, um den Monitor an den Schnittplatz anzupassen. Bei uns bekamen wir jedoch einmal beim Umschalten der Auflösung eine Fehlermeldung, die sich anschließend ohne die App nicht mehr aus der Vorschau entfernen ließ.



Und auch sonst mussten wir immer wieder zum iPhone greifen, um Änderungen im Setup (wie z.B. Farbraum-Einstellungen) vorzunehmen, da der Monitor diese nicht automatisch (z.B. aus einer Resolve Timeline) übernehmen kann.

Positiv ist im Gegenzug anzumerken, dass einem eine solche App die typischerweise grottenschlechten Monitor-Menüs erspart, durch die man sich bei vielen anderen Herstellern quälen muss. In der Neon App ist fast jeder wichtige Parameter maximal drei Touch Klicks entfernt und die meisten Funktionen sind genau dort, wo man sie erwartet. Ein Handbuch zur Bedienung ist in diesem Fall tatsächlich überflüssig (solange man der englischen Sprache mächtig ist). Und sofern man den SSD-Recorder des Neon 24 nutzen will, ist man natürlich sowieso permanent auf die App angewiesen.

Die Bedienung über die App gefällt uns dabei sogar teilweise noch besser als die Menüs auf den "originalen" Atomos 5- und 7-Zoll Recordern. Und zwar schlichtweg weil die Menüs unter iOS nicht über der Monitor Vorschau liegen. Man muss also nicht dauernd "ins Bild" tippen, sondern kann bequem Features wie False-Color oder Peaking ein- und ausschalten, ohne seine Aufmerksamkeit vom Monitorbild zu nehmen. Sogar bei der Display-Lupe funktioniert dieses Konzept. So kann man in einem Untermenü den Bildschirmausschnitt auf einer Art virtuellem Mousepad verschieben.



Vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee, diese Fernsteuerungs-App auch für die Shogun- und Ninja-Modelle anzubieten. Wir haben jedenfalls durchaus an dieser alternativen Atomos-Bedienung gefallen gefunden.



Bildqualität



Ist der Monitor schließlich auf- und eingestellt, fühlt man sich auf den ersten Blick sofort beeindruckt. Die Farben wirken satt und gleichzeitig exakt ohne zu überlaufen und die Helligkeit bietet dank HDR so viele Reserven, dass es einfach eine Freude ist, mit diesem Monitor zu arbeiten - gerade auch in Nicht-HDR-Formaten. Und fehlte für diesen Test der direkte Vergleich zu anderen professionellen Grading-Monitoren, aber auch die Entspiegelung und das Blickwinkelstabilität sind in unseren Augen erstklassig.

Der Monitor unterstützt die volle 17:9 4K DCI Auflösung mit 4096 x 2160 Punkten in echten 10 Bit mit bis zu 60 Hz. Durch Local Dimming mit 512 Zonen sollen 1200 Nits im Peak (und 1000 Nits im Fullscreen) erreicht werden, was wir subjektiv als visuell plausibel einschätzen. Allerdings kann der Neon 24 laut Datenblatt diese 1000 Nits nur bei Umgebungstemperaturen bis ca. 25 Grad durchgängig halten.

Gegenüber typischen Grading-Monitoren bietet der Neon 24 noch einige Besonderheiten. Da er auch als Kamera-Preview-Monitor fungieren kann, kennt er von Haus aus eine breite Auswahl an typischen Cine-Gamma-Kurven (Sony SLog / SLog2 / SLog3, Canon CLog / CLog2 / Clog3, Arri Log CEI160 / LogCEI200 / LogCEI250 / LogCEI320 / LogCEI400 / LogCEI500 / LogCEI640 / LogCEI800 / LogCEI1000 / LogCEI1280 / LogCEI1600, Panasonic Vlog, JVC JLog1, Red LogFilm / Log3G10 / Log3G12, FujiFilm Flog, PQ (HDR10), HLG, Nikon N-Log)

Und auch die entsprechende Farbraum-Auswahl fällt für Filmanwendungen entsprechend üppig aus (BT2020, DCI P3, DCI P3 65, Sony SGamut / SGamut3 / SGamut3.cine / Canon Cinema / DCI P3 / DCI P3+ / BT2020, Panasonic V Gamut, Arri Alexa Wide Gamut, Rec709, JVC LS300, Red DragonColor / DragonColor2 / RedColor2 / RedColor3 / RedColor4 / RedWideGamut). Dazu lassen sich für die Vorschau eigene 3D-LUTs importieren und anwenden.

Nicht zuletzt kann der Monitor im laufenden Betrieb für eine HDR-Output-Konvertierung eingesetzt werden, weil er ja auch HDMI 2.0- sowie 12G-SDI-Ausgänge besitzt. Die Konvertierung erfolgt dabei automatisiert von Log/HDR nach HLG, PQ oder Dolby Vision.



Fazit



Der Atomos Neon 24 ist definitiv kein Spielzeug, sondern ein ernstzunehmender Grading-Monitor mit einigen exklusiven Features. Dies manifestiert sich allerdings auch in einem entsprechenden Preis von ca. 7.000 Euro inkl. MwSt. Dass man für die Bedienung fast zwingend ein zusätzliches Apple-Gadget benötigt ist unverständlich. Dafür wird man im Gegenzug mit einer fast einzigartig komfortablen Monitor-Bedienung belohnt.

Die Bildqualität des Neon 24 ist subjektiv tadellos, jedoch wird sich sicherlich kein professioneller Anwender einen HDR-Grading-Monitor für 7.000 Euro anschaffen, ohne selbst einen kritischen Testblick darauf geworfen zu haben. Außerdem sollte jeder potentielle Käufer den Monitor auch mal probehören, ob der Lüfter-Sound im persönlichen Toleranzbereich liegt. Schließlich verbringt man als Cutter/Grader in der Regel viele Stunden am Tag in unmittelbarer Nähe eines solchen Geräts...



  

[20 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
pillepalle    15:24 am 26.5.2021
Wen's interessiert... so sieht die neue Button Bar Remote zum Neon aus. https://youtu.be/gb_Kjwd2emM VG
pillepalle    05:08 am 21.5.2021
Ich finde ja etwas schräg das die 17" und 24" Version verschiedene Panels benutzt. Das vom 17er soll eher wie das vom Sumo sein (8bit+frc) und das Display vom 24er ist ein echtes...weiterlesen
Paralkar    04:01 am 21.5.2021
@ slahscam Wie ist es mit Halo Effekte bei nem HDR BIld, hatte vor nem Jahr mal gehört, das die n ziemliches Problem sind bei den Neons? Kann man den Monitor mit 12 Volt...weiterlesen
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update am 13.Juni 2021 - 15:02
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