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Editorials : YouTube, Gema und die Telekom

von Do, 2.Juni 2011


Man mag ja von Google und seinem angeschlossenen Videoangebot halten was man will, aber grundsätzlich finden wir die Möglichkeit einfach Videos für jedermann ins Netz zu stellen großartig. Und das finden wohl viele andere auch, denn YouTube ist groß, genau genommen fast unüberschaubar groß geworden.

Wohl eben deswegen wachsen in letzter einige Zeit frühe Holpersteine in Deutschland mittlerweile zu richtigen Hürden, die einem die Lust am Service deutlich verleiden können. Das fängt bei der GEMA an, die mittlerweile derart viele Clips für deutsche Zuschauer sperren lässt, dass man sich oft schon an Zensur in diktatorisch geführten Ländern erinnert fühlt. So kann schon ein laufendes Radio mit einem minderbekannten Hit im Hintergrund eines DoItYourself-Videos ausreichen, dass der komplette Clip in Deutschland aus lizenzrechtlichen Gründen nicht mehr sichtbar ist.

Was die GEMA dabei gerne übersieht: Viele Stars nutzen selber YouTube dazu, auf ihren Webseiten eigene Videos für die Fans zur Verfügung zu stellen. Ausländische Künstler bekommen dabei meist gar nicht mit, dass ihre Promo in Deutschland überhaupt nicht "empfangbar" ist.



Wer sich beispielsweise auf der Seite von Ben Folds seine Videos ansehen will, fühlt sich gelinde gesagt veräppelt. (Dies ist nur ein willkürliches Beispiel, die Liste der betroffenen Künstler ist fast endlos). Ob sich ausländische Künstler wirklich so ihre deutsche Interessenvertretung für die eigenen Musikschutzrechte vorstellen wage ich stark zu bezweifeln. Auf jeden Fall will die GEMA hier offensichtlich allein wegen der Größe von Youtube keinesfalls klein beigeben. Kleinere Videoportale scheinen dagegen nicht im auf dem Radar der GEMA zu sein.

Doch auch anderen mishagt die Größe von YouTube offensichtlich. Selbst wenn die Telekom dies nicht öffentlich bestätigt hat, spricht vieles dafür, dass der Youtube-Verkehr auf dem Telekom Backbone künstlich ausgebremst wird. Immer mehr Nutzer beklagen sich, dass beim YouTube-Kucken oft der Puffer leerläuft, während andere Portale am selben Anschluss mit deutlich höherer DatenrateDatenrate im Glossar erklärt problemlos streamen können. Auch über Proxys lässt sich Youtube in der Regel an einem Telekom-Anschluss flüssig ansehen. Scheinbar sogar über den eigenen der Telekom.

Nicht nur Schleme denken sich vielleicht böserweise dabei, dass die Telekom wohl hier mittelfristig ihre Hand aufhalten will, um für datenintensive Services extra zu kassieren. Sei es vom Kunden oder direkt von Google/Youtube. Dass dies alles erst einmal an YouTube ausprobiert wird, ist wohl die Last des Marktführers.

YouTube wird davon nicht untergehen, aber GEMA und Telekom sammeln mit solchen Aktionen definitiv keine Sympathie-Punkte. Ich bin schon seit längerem bei der GEMA ausgetreten und mein nächster DSL-Anschluss wird aufgrund solcher Praktiken auch definitiv kein T-Logo mehr tragen...


  

[53 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Frank B.    17:57 am 17.6.2011
Da sind wir längst schon wieder bzw. immer noch, es wird nur anders genannt und es manifestiert sich etwas anders. Wobei das dann doch mehr in eine philosophische Diskussion...weiterlesen
stefangs    15:16 am 17.6.2011
allerdings, da gab es leibeigentum. dahin moechte ich nicht mehr zurueck! aber klar, durch die digitalisierung ist das ganze rechtekonstrukt extrem rigide, kompliziert und...weiterlesen
Alf_300    14:36 am 17.6.2011
@Stegangs Mit der ersten Million hats nicht geklappt drum fang ich grad mit der Zweiten an ;-(
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