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Editorials : Was wäre, wenn Nikon ...?

von Fr, 9.August 2013


Beim Stöbern im Source Code von Magic Lantern mussten wir schon teilweise sehr staunen, welche Funktionalität Canon in seinen Kameras bereits verbaut hat. Und die sauberen Ergebnisse der RAW-Videos sprechen eine eben so deutliche Sprache: Eine 4/5K-Fullframe-Kamera für 2.000 Euro wäre für Canon ohne Probleme schon heute zu produzieren. Eine 6D bräuchte beispielsweise einzig noch ein schnelleres Speicherinterface um sofort eine Killerkonkurrenz zu Blackmagic, RED, Sony oder sogar ARRI zu werden. Die Kompression könnte extern erfolgen oder ein schneller USB 3.0 Stick würde die Daten RAW wegspeichern. Alternativ könnte auch eine SSD via USB 3.0 angedockt werden, wenn es nicht sogar E-SATA sein dürfte. Skalierungs-Artefakte gibt es nicht, weil eben gar nicht skaliert wird, sondern einfach nur der benötigte Teil des Sensors 1:1 ausgelesen wird. Als Zubehör könnte man noch externe Recorder mit entsprechender Kompression verhökern, oder an Dritthersteller lizensieren. Debayering und alles, was sonst Prozessorleistung frisst kommt in der Post. Eben wie bei RED oder ARRI.

Dass der Sensor in so einem Fall überhitzt, scheint ein Mythos zu sein. Für die Liveview wird er ja ebenfalls im Dauerbetrieb ausgelesen und Magic Lantern brachte in dieser Hinsicht bis dato keine Auffälligkeiten an den Tag. Kritische Hitze entsteht wohl eher durch 4K-Echtzeit-Kompression, die man ja bequem auslagern könnte.

Warum holt sich Canon also nicht den ganzen Kuchen? Weil sie sehen, dass sie in kleinen Schritten mit der C-Serie viel mehr verdienen können, als mit einem derart zerstörerischen Paukenschlag. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht das sicherlich Sinn.

Und Blackmagic? Die zeigen gerade, wie man für wenig Geld das technisch Mögliche an den Mann bringen kann. Allerdings gab ihnen der Markt bisher keinen Zugriff auf große Sensoren. Bei den Stückzahlen für Cinema Cameras dürfte eine Sensor Eigenentwicklung schlichtweg finanziell nicht rentabel sein. Und Dritthersteller sind bei großen Sensoren ebenfalls karg bestückt. Immerhin kommt Blackmagic bei 4K bald nahe an Super35mm Sensorgrößen heran.

Aber warum greift Nikon nicht an? Nur einmal angenommen, Nikon würde einen 4K-RAW-Output per USB3.0 oder ESATA an eine seiner DSLRs packen. Der zusätzliche Programmieraufwand für das Durchreichen der reinen RAW-Daten geht gegen Null, wenn man sich nicht jedes DMA-Register erst mühsam per Reverse Engineering erhacken muss (wie es bei Magic Lantern der Fall ist).

Auch wenn uns Hersteller wie Sony RAW-Video mit einem wirklich stolzen Aufpreis verkaufen, stellt diese Form des Filmens eigentlich den technisch einfachsten Weg für ein Kameradesign dar. Schlichtweg, weil man sich jede Kompressionsintelligenz komplett spart und alles in die Postproduktion verlagert wird. Den Praxisbeweis führt uns gerade Magic Lantern vor die staunenden Augen.

Also, wie sähe der Markt auf einmal aus, wenn Nikon einfach seine 4K/5K oder 6K-Sensordaten via USB3.0/E-SATA ausgeben könnte? Nikon würde sowohl Canons C-Serie sowie Blackmagics gesamtes Cinema-Kamera Segment mit einem Schlag herausfordern! Selbst ARRI und RED dürften bei einem solchen Schachzug schlucken. Als Argumente kämen bereits vorhandene DSLR-Funktionen wie Autofokus oder Belichtungshilfen hinzu. Und als Sahnehäubchen könnte man vielleicht doch noch eine leichte 10 Bit-log Kompression darauf packen, doch das wäre dann schon ein kleiner Hardware-Aufwand.

Nikon selbst hätte hierbei selber nichts zu verlieren (z.B. anderen Business-Segmente die es zu schützen gilt). Außer den zusätzlichen Hardwarekosten für die schnelle Schnittstelle. Da fragen wir uns natürlich, ob Nikon die Magic Lantern Entwicklung aufmerksam verfolgt und diesen Schritt evtl. schon vorbereitet. Aus dem Bauch heraus würden wir eher sagen: Nein. Leider.

Andererseits werden solche Möglichkeiten in ein paar Jahren auch von den üblichen Verdächtigen in diesem Preisbereich angeboten werden. Die Frage ist nur, ob Nikon jetzt seine Chance nutzen will, in diesem Markt auch ein Wörtchen mitzureden. Die Herzen vieler Indy-Filmer wären Nikon mit so einem Schritt sicher und Zubehörhersteller wie Softwareschmieden würden sicherlich mit entsprechenden Tools aufspringen. Denn Im Gegensatz zu Magic Lantern wäre dies ein Markt mit dem Segen des Herstellers und einer entsprechenden Planungssicherheit: RAW-Recoder, Konverter-Tools, Importer- und GPU-Debayer-Plugins. All das könnte Nikon mit einer schnellen Schnittstelle an einer DSLR anstoßen.

Also Nikon, wie schaut´s aus?


  

[16 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Natalie    09:50 am 16.8.2013
ähh pieeeeep
alibaba    13:35 am 15.8.2013
muahaha die entscheidende frage ist was passiert danach, um einen schritt voraus zu sein . vllt weiß es kasparov.
nachtaktiv    00:16 am 15.8.2013
eins ?
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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