Video-On-Demand-Premiere vs. Kinopremiere
Bei dem Konflikt um die Premiere neuer Filme - Kinobetreiber bestehen trotz Krise auf der Premiere neuer Filme im Kino, die Studios dagegen wollen Filme, um ein maximal großes Publikum zu erreichen, auch als Video-On-Demand-Premiere starten - ist nach den Boykottdrohungen durch mehrere große Kinoketten jetzt eine erste Einigung zwischen der weltgrößten Kinokette AMC und den Universal Studios zu verzeichnen, welche allerdings nicht nach dem Geschmack der Kinos sein dürfte.
Denn das Exklusivitätsfenster für Kinos für die Auswertung von neuen Filmen wird von 90 Tagen auf nur 17 Tage verringert, d.h. daß Universal schon nach etwas über 2 Wochen neue Filme online fürs Heimkino anbieten kann. Dieser Deal spiegelt das derzeitige Machtverhältnis wieder und wird auch in der Zeit nach Corona schwer wieder rückgängig zu machen sein. In Deutschland appellieren die Kinobetreiber deswegen an den Gesetzgeber, eine solche Verkleinerung des Auswertungsfensters zu Lasten der Kinos zu verhindern.
Die Kinos in den USA sollen erst Mitte/Ende August wieder aufmachen und werden auch dann voraussichtlich kein großes Zuschauerpotential samt Einnahmen entfalten, d.h. sie sind für die Filmstudios, die dringend auf Filmeinnahmen angewiesen sind, kein großer Faktor mehr. Um den Kinos zumindest eine gewisse Chance zu geben, von den Streaming-Einnahmen zu profitieren, wurde im Deal zwischen Universal und AMC jetzt für die VOD Online Premiere festgelegt, daß die Filme nur auf Premiumplatformen gezeigt werden dürfen zu einem entsprechenden Preis für rund 20 Dollar und nur zur Miete. Günstiger dürfen die Filme erst nach drei Monaten werden. Zudem soll AMC an den Streamingeinnahmen beteiligt werden.

Universal hatte bereits in der ersten Corona-Welle gute Erfahrungen mit Online-Filmstarts gemacht: so spielte zu Zeiten geschlossener Kinos am Höhepunkt der Coronakrise die VOD-Premiere von "Trolls World Tour" mit 100 Millionen Dollar in drei Wochen mehr Geld ein als der erste Troll-Film bei seiner Kinopremiere 2017. Für Filmstudios hatte bisher die reine Online Filmpremiere einen großen finanziellen Vorteil, denn sie müssen die Einnahmen für einen Film nicht mit den Kinos teilen. Grob geschätzt bekommen die Studios von den Einnahmen per Kinoveröffentlichung ca. 55%, per VOD aber rund 80%. Durch den neuen Deal ändert sich daran also zugunsten von AMC etwas.
Mulan startet gleich online
Doch andere Filmstudios sind an die Einigung zwischen AMC und Universal nicht gebunden - und tatsächlich hat Disney angesichts dramatischer Verluste von 4 Milliarden Euro in den letzten 3 Monaten durch seine geschlossenen Vergnügungsparks und ausgefallenen Filmstarts angekündigt, den Blockbuster "Mulan" (eine Verfilmung des gleichnamigen erfolgreichen Animationsfilms) , dessen Kinostart mehrmals verschoben wurde, ab 4. September in USA, Kanada, Neuseeland und dem Großteil von Westeuropa online in seinem neuen Streamingangebot Disney+ zu starten.

In anderen Ländern, wo Disney+ nicht verfügbar ist, aber die Kinos schon offen sind, soll er traditionell im Kino starten. "Mulan", die Live Action Version des erfolgreichen gleichnamigen Animationsfilms, soll die Abonnenten allerdings eine Extragebühr von satten 30 Dollar kosten (man kann ihn dann ansehen so oft man will) - später soll Mulan dann allen Disney+ Abonnenten ohne Aufpreis zugänglich sein. Es wird sich zeigen, wie viele Zuschauer bereit sind, diesen stolzen Preis zu berappen.
Für die Kinobetreiber allerdings ist Disney Aktion ein Affront - wäre doch gerade "Mulan" ein sicherer Sommer-Blockbuster gewesen, der das dringend benötigte Publikum wieder in die Kinos gelockt hätte. Deswegen werden in einer Protestaktion eine ganze Reihe Kinobetreiber sämtliches "Mulan"-Werbematerial an das Münchner Disney-Büro zurückschicken.

















