Eckpunkte einer neuen Filmförderung: mehr Kreativität, weniger Bürokratie?

// 11:16 So, 19. Feb 2023von

Auf dem Deutschen Produzententag 2023 stellte Kulturstaatsministerin Claudia Roth sehr ambitionierte, aber auch etwas vage Eckpunkte für eine Reform der Filmförderung vor - ihr Ziel sei es, bis Ende diesen Jahres die notwendigen Gesetzesvorhaben auf den Weg zu bringen, um die Förderung effizienter, schneller und ganzheitlicher zu machen.

Eckpunkte einer neuen Filmförderung: mehr Kreativität, weniger Bürokratie?


Das gegenwärtige Fördersystem, über welches Bund und Länder fast 600 Millionen Euro an Fördermitteln im Jahr verteilen, passe nicht mehr zur sich stark veränderden Filmlandschaft (Stichwort Streaming) und sei auch mit seinen vielen Richtlinien zu komplex und träge, um produktive Kreativität zu ermöglichen. In acht Punkten fasste die Ministerin das geplante Vorhaben zusammen:



- So soll die Entwicklungsförderung modernisiert werden, um den "creative drain" zu stoppen und Innovationsgeist und Risikobereitschaft zu stärken. Eine zeitgemäße Entwicklungs- und Produktionsförderung für kreativen Content über die unterschiedlichen filmischen Formen hinweg soll geschaffen werden.



- Dokumentar-, Kurz-, Nachwuchs- und künstlerische Filme bräuchten ihre eigene passgenaue Förderung, da diese Filme nicht an der Marktlogik ausgerichtet sein müssen, sondern neue Formen filmischen Erzählens ausprobieren, dokumentieren und experimentieren sollen.



- Die Anreizförderung für den Film soll verbessert werden nach dem Vorbild des österreichischem Fördermodells. Neben der Standortförderung sollte es nach Auffassung der Ministerin eine Referenzförderung geben, die künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg früher belohnt. Auch eine Steueranreizförderung für die deutsche und internationale Film- und Serienproduktion sollte evaluiert werden, um unabhängige Produktionsfirmen besser zu unterstützen.


Mehr Verantwortung sollen dabei Verwerter, insbesondere die internationalen Streaming-Anbieter, übernehmen, damit das Fördersystem erflgreich wird. Intensiv soll die Einführung einer Investitionsverpflichtung geprüft werden - Streamingplattformen etwa sollten verpflichtet werden, einen bestimmten Teil ihrer in Deutschland erwirtschafteten Umsätze wieder hierzulande zu reinvestieren.



- Die FFA soll zu einer Filmagentur ausgebaut werden, die alle filmpolitischen Aufgaben der Bundesförderungen übernehmen kann. So könnten Verfahren beschleunigt werden und eine bessere Abstimmung zwischen wirtschaftlichen und künstlerischen Aspekten erzielt werden, wobei die kulturelle Dimension der Förderung erhalten bleiben soll.



- Die Förderinstrumente sollten auf Bundes- und Landesebene stärker miteinander verzahnt werden. So könne die Filmförderstruktur zwischen Bund und Ländern erheblich verschlankt und die Anzahl der beteiligten Förderungen pro Filmprojekt deutlich reduziert werden. Bund und Länder müssten sich dafür über gemeinsame Grundsätze der Filmförderung verständigen; denkbar wäre laut Roth beispielsweise eine Mindestförderquote für die Bundesförderung, die Filmprojekten eine erste, relevante Finanzierungsbasis ermöglicht. Genaueres müsse allerdings mit den Ländern verhandelt werden. Dabei müsse auch die Beteiligung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks an der Filmförderung thematisiert werden.


Durch eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern soll auch die Nachwuchsförderung verstärkt werden.



- Um die Sichbarkeit deutscher Filme zu erhöhen, sollte mit der Reform auch die Struktur der Verleihunternehmen in Deutschland gestärkt werden. Dazu sei auch ein Nachdenken über Sperrfristen nötig - Roth schwebt hier eine straffere und einfachere Fristenregelung vor, die vorrangig das Kinofenster sichert und sich danach noch stärker als bisher für individuelle Abreden und Branchenvereinbarungen öffnet. Außerdem soll die Kinoförderung stärker automatisiert werden, um den Kinos mehr Planungssicherheit zu verschaffen und die Förderung zu vereinfachen.



- Empfänger öffentlicher Mittel sollten sich im Gegenzug ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen ua. im Hinblick auf Diversität vor und hinter der Kamera, Nachhaltigkeit und Geschlechtergerechtigkeit (etwa gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Green Shooting).



- Schließlich bedeute der KulturPass für 18-Jährige, der in diesem Jahr eingeführt wird, eine indirekte Förderung für den Filmbereich. Für verschiedene Kulturangebote sollen alle jungen Menschen, die in diesem Jahr 18 Jahre alt werden und in Deutschland leben, 200 Euro erhalten. Das Beispiel Frankreich zeige, dass Kinos davon besonders profitierten.



Die Eckpunkte mit ihren "wegweisenden Impulsen" wurden von der deutschen Filmbranche (Produzentenallianz, AG DOK, Deutsche Filmakademie sowie Produzentenverbandes) geradezu überschwenglich aufgenommen. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es sich dabei um eine - wenn auch detaillierte - Absichtserklärung handelt. Die große Herausforderung der genauen Umsetzung steht ja noch aus. Wie ein lesenswerter Kommentar in der Süddeutschen Zeitung (leider nur für Abonnenten) betont, lauern in den Reformvorhaben mehrere Fallstricke. Laut Roth solle beispielsweise die Filmförderung "künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreiche Filme" ermöglichen, jedoch sei die Vermischung von Kunst und Kommerz genau eines der Probleme des bisherigen Fördermodells. Denn erstens erfüllen nur wenige Filme beide Anforderungen, und zweitens läßt sich nie mit Sicherheit vorhersagen, wie erfolgreich ein Film sein wird.


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