Logo Logo
///  >

Test : Nikon D800

von So, 8.Juli 2012 | 4 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Einleitung
 Handling / Technische Daten

Mit der Nikon D800 hat Nikon ein Vollformat Pixelmonster mit 36,3 Megapixeln vorgestellt, das im Fotografie-Bereich am Auflösungsniveau von Mittelformatkameras kratzt. Doch auch bei den Videofunktionen hat die Nikon D800 viel zu bieten. Wie viel genau versucht unser Test zu klären …

Nikon D800





Handling / Technische Daten



Im Vergleich zum Vorgängermodel Nikon D700 stellt die Nikon D800 in gewisser Weise eine Abkehr vom bisherigen Innenverhältnis zwischen den Flaggschiffkameras (Nikon D3:D700 zu Nikon D4:D800) dar. Konnte man zuvor etwas lapidar von der Nikon D700 als der „kleinen Nikon D3“ sprechen, präsentiert sich die Nikon D800 auffallend abweichend zum grossen Bruder ausgerichtet. Während bei der Nikon D700 der gleiche Sensor wie bei der Nikon D3 am Start war, unterscheiden sich die Sensoren der Nikon D800 und der Nikon D4 in Lowlightfähigkeit, Auflösung, Signalverarbeitung und damit letztlich auch bei der Videoaufzeichnung merklich voneinander. Aber der Reihe nach …

Nikon D800 Magnesiumgehäuse



Gleich geblieben ist das äußerst robuste Magnesiumgehäuse der Nr. 2 im aktuellen Nikon DSLR-Portfolio. Mit ca. 1000g in Betriebsbereitschaft ist die Nikon D800 kein Leichtgewicht und unterstreicht durch Größe und Gewicht bereits ihre ernsthaften Ambitionen. Vermeintlich schwere Kameragehäuse entpuppen sich häufig beim Betrieb mit lichtstarken (und damit ebenfalls schweren) Optiken als letztlich gut ausbalancierte Gesamtsysteme. Die Nikon D800 bildet im Verbund mit unserer Testoptik Nikkor AF-S 24-70 mm 1:2,8G ED hier keine Ausnahme.

Handaufnahme könnte größer ausgeformt sein



Die Nikon D800 liegt satt in der Hand, wenn auch die Ausformung des Handkeils für unseren Geschmack etwas größer hätte ausfallen können. Große Hände mit längeren Fingern stossen beim Umschließen des Gehäuses etwas zu schnell an die Kameravorderseite.

Die Fertigungsqualität der Nikon D800 ist auf gewohnt hohem Niveau und das Layout der Schalter folgt dem von der Nikon D4 bereits bekannten, modernisierten Bedienkonzept mit den links vom rückwärtigen Display positionierten getrennten Vergrösserungstasten (Plus und Minus auf eigener Taste=sehr gut), einer dedizierten Videoaufnahmetaste neben dem Auslöser und dem kombinierten Druckknopf/-schalter auf der Gehäusevorderseite links vom Objektiv für die Autofokus-Meßfeldsteuerung. Im Gegensatz zur Nikon D4 besitzt die Nikon D800 hingegen noch die alt bekannte AE-L/AF-L Taste für die Speicherung von Belichtungs- oder Autofokusmesswerten.

Nikon D800 Duale Cardslots



Aufgezeichnet wird auf SD, SDHC- und SDXC-Speicherkarten sowie auf Compact Flash Karten. Es stehen also zwei unterschiedliche Kartenslots zur Verfügung, die mit unterschiedlichen Speicherstrategien (Reserve, Sicherunkskopie, RAW/JPEG etc.) konfiguriert werden können.

Über den Sinn oder Unsinn von 36,3 Megapixeln lässt sich vortrefflich streiten, doch dies ändert nichts daran, dass dies recht beeindruckende Werte sind, die beim endlosen Hineinzoomen in Bilder auch real sichtbar werden. Verantwortlich dafür ist der komplett neu im Nikon Portfolio befindliche 36,3 MP CMOS Sensor, der maximale Bildgrößen von 7360 x 4912 Pixel ermöglicht – zum Vergleich: Ein P 40+ Digitalrückteil von Phase One bringt es auf 7320 x 5484 Pixel. Willkommen im Mittelformat.

Nikon D800 36,3 MP CMOS Sensor



Wer tatsächlich die volle Auflösung der Nikon D800 nutzen möchte, benötigt einerseits Optiken, die der hohen Auflösung/Pixeldichte gerecht werden und sollte andererseits, wenn es nicht in erster Linie um Ausschnittsvergrösserungen geht, überlegen, welche maximalen Druckgrößen tatsächlich produziert werden. Unterhalb von zwei Meter Prints dürfte der Unterschied zwischen 36 und bsp. 16 MP nicht wirklich sichtbar sein. Wer jedoch bereits für seine fotografischen Projekte im gemäßigten Mittelformat unterwegs ist, der könnte tatsächlich mit der Nikon D800 eine im Vergleich recht günstige und zudem mobile Alternative finden und wird sich auch nicht von der heftigen RAW-Filegröße (max. 74,4 MB pro Bild für 14 Bit RAW, FX) stören lassen.

Dass der 36,3 MP CMOS Sensor nicht in erster Linie auf Sport- Event und Pressefotografie ausgerichtet ist, sondern vielmehr auf die Bereiche Studio und Landschaft erscheint uns bei einer Serienbildgeschwindigkeit von 4 B/s recht deutlich zu sein. Wer jetzt allerdings auch einen deutlich lichtschwächeren Sensor als bei der Nikon D4 erwartet, wird von der Nikon D800 positiv überrascht werden. Ja, der Sensor ist etwas weniger lichtstark als der D4-Sensor - aber es hat uns überrascht, wie minimal der Unterschied ausfällt. Auch im Vergleich zum direkten Konkurrenten Canon EOS 5D Mark III arbeitet die Nikon D800 in Sachen Lowlight auf ungefähr gleichem Niveau. Mehr hierzu in den beiden folgenden Kapiteln.

Abschließend noch ein Wort in Sachen Silent Modus der Nikon D800 auch wenn es zum Bereich Foto und weniger zum Filmen gehört. Der Silent Modus der Nikon D800 ist quasi genauso laut wie der normale Modus (Ok, vielleicht miniminimal, leiser, aber deutlich zu wenig). Hier darf Nikon noch etwas nachlegen – bei der Canon EOS 5D Mark III funktioniert der Silent Modus hingegen ziemlich gut. Doch nun zum Video …

Nikon D800 mit cleanem HDMI-Out



Für den Videogebrauch finden sich bei der Nikon D800 erstmalig im Vergleich zu den Vorgängern ein Kopfhöreranschluss für das Audiomonitoring sowie ein feinstufiger manueller Audiopegel (der allerdings wie bei der Nikon D4 vor der Aufnahme eingestellt werden muss). Somit lässt sich via externem Mikro ein brauchbarer Pegel aus der Nikon D800 herausholen, auch wenn wir persönlich eine komplette Verlagerung der Audioaufnahme nach außen mit externem Recording, wenn möglich, immer noch vorziehen.

Das Video-Highlight bei der Nikon D800 stellt - ebenso wie bei der Nikon D4 – der cleane HDMI-Output dar. Das HD 8 Bit 4:2:0 Signal bietet eine Umgehung des H.264 Codecs an und eignet sich damit für all diejenigen, die das letzte Quentchen Detail aus ihrer Video-DSLR herausholen möchten oder gleich in einen schnittfähigen Codec aufzeichnen müssen. Einen schnitt-optimierten Codec bietet zwar sogar die Konkurrenz von Canon gleich mit onboard an. Dafür mangelt es der Canon EOS 5D Mark III an einem cleanen HDMI-Out.

Hier die unterschiedlichen Video-Outputs der Nikon D800 am HDMI Out:




Internes VideoformatHDMI-Out Signal mit eingelegter SpeicherkarteHDMI-Out Signal ohne eingelegter SpeicherkarteHDMI-Out Signal mit paralleler Aufzeichnung auf interner Speicherkarte
    
1080 30p1080 60i 8 Bit 4:2:01080 60i 8 Bit 4:2:2720 60p 8 Bit 4:2:0
1080 24p1080 24p 8 Bit 4:2:01080 24p 8 Bit 4:2:2720 60p 8 Bit 4:2:0
1080 25p1080 25p 8 Bit 4:2:01080 25p 8 Bit 4:2:2720 50p 8 Bit 4:2:0
720 60p720 60p 8 Bit 4:2:0720 60p 8 Bit 4:2:2480p 8 Bit 4:2:0
720 50p720 50p 8 Bit 4:2:0720 50p 8 Bit 4:2:2576p 8 Bit 4:2:0
720 30p720 60p 8 Bit 4:2:0720 60p 8 Bit 4:2:2720 60p 8 Bit 4:2:0
720 25p720 50p 8 Bit 4:2:0720 50p 8 Bit 4:2:2720 50p 8 Bit 4:2:0


Video wird bei der Nikon D800 - wie bereits kurz angeschnitten und von der Nikon D4 und anderen Nikons bekannt - als High@L4.0, H.264/MPEG-4 AVC mit maximal 24 Mbit/s in einen QuickTime Container aufgezeichnet. Die maximale Aufnahmezeit liegt bei 29 Minuten 59 Sekunden. Audio nimmt die Nikon D800 als 16 Bit PCM mit 48 kHz auf.

Die Videoqualität liegt hierbei auf dem höchsten Niveau, das wir jemals mit einer Nikon VDSLR aufgezeichnet haben. Sie erreicht bei der Auflösung die Werte der Panasonic GH2 und zieht in dieser Disziplin an allen Canon VDSLRs vorbei. Allerdings finden sich auch Moirée und chromatische Aberrationen im Videomaterial – mehr hierzu in Testlabor – Kapitel. Trotzdem an dieser Stelle ein Bravo an Nikon für eine sehr gute Videoqualität auf Augenhöhe der Konkurrenz.

Zum Abschluss dieses Kapitels noch eine Notiz am Rande: Bei unseren Tageslichtaufnahmen hatten wir mit recht viel Umgebungslicht zu kämpfen und empfanden das mit mit ca. 921.000 Bildpunkten gut auflösende 8 cm Display der Nikon D800 einen Tick reflexionsreicher als Displays vergleichbarer VDSLRs. Wer viel bei Sonne dreht, sollte hier geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen.

Der Autofokus im Liveviewmodus hat uns hingegen, wie bei fast allen derzeitigen Nikon VDSLRs, recht gut gefallen. Er ist zwar immer noch ein ganzes Stück von Autofokussystemen entfernt die speziell auf Video ausgelegt sind (wie bei Camcordern oder der Panasonic GH2 mit entsprechender Video-Optik) – aber im Vergleich zum restlichen V-DSLR Feld bietet Nikon derzeit den gelungensten Liveview-Autofokus.

Wer am DX-Modus der Nikon D800 in Bezug auf die Videofunktion interessiert ist, darf sich auf einen entsprechenden Ergänzungstest später im Jahr freuen.

Aus dem Testlabor


4 Seiten:
Einleitung / Handling / Technische Daten
Aus dem Testlabor
Das wahre Leben
Fazit
  

[41 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Mr Jo    14:08 am 16.8.2012
Habe bis jetzt keinerlei Abschalten erlebt - bezugnehmend auf das angesprochene Rauschen bei höheren ISO-Werten: In meinem Film (http://vimeo.com/43799197) habe ich tw. mit ISO...weiterlesen
Bodis.tv    10:49 am 10.8.2012
Hatte bis jetzt noch keine Probleme. Grade am Wochenende wieder ein Konzert mit 2 Std gefilmt ohne Probleme.
TheDrummer    09:47 am 10.8.2012
alle in Urlaub oder was? :) …oder übersehen? - deswegen hole ich die Frage nach der Sensor-Abschaltung nochmal hervor…
[ Alle Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


Test: Nikon Z9 in der Praxis: Nonstop 8K 10 Bit Aufnahme, N-Log, internes ProRes, Hauttöne, 120p... Fr, 24.Dezember 2021
Mit seiner Z9 Flaggschiffkamera hat Nikon für ziemlichen Wirbel in der Videocommunity gesorgt und tatsächlich reiben auch wir uns leicht verwundert die Augen ob der technischen Leckerbissen, die Nikon hier seiner Z9 spendiert hat: Interne 10 Bit ProRes Log Aufnahme bis 4K 60p, interne 8K 10 Bit N-Log Aufnahme (demnächst sogar in RAW), verbesserte AF-Funktionen, duale CFexpress Kartenslots, neues Hitzemanagement uvm. Wie gut schlägt sich die Nikon Z9 also in der Video-Praxis?
Test: Canon EOS R3 Sensor Test - 6K Large Format RAW für 6K! Di, 21.Dezember 2021
Kurz vor Weihnachten konnten wir endlich auch einmal die Canon EOS R3 durch unser Testlabor schicken, weil wir kurzfristig eine finale Version der Kamera in die Hände bekamen. Also, was bietet das aktuell größte EOS R Modell für Filmer?
Test: Sony A7 IV Sensor-Test - heimlicher S35-Spezialist? Mo, 13.Dezember 2021
Die neue Sony A7 IV bietet interne 10 Bit 4:2:2 S-Log-Aufzeichnung für Filmer. Bekommt man hier nun eine A7S III für 2/3 des Preises?
Test: Rode Wirelesss Go II - die beste 2-Kanal-Funkstrecke für Indies inkl. Pro-Funktionen? Mo, 29.November 2021
Mit der digitalen Wireless Go II Funkstrecke hat Rode seiner Einsteiger-Funkstrecke eine 2-Kanal Option an die Seite gestellt, die neben der bekannten Nutzung als drahtloses Clip-On Mikro oder Lavalier-System jetzt auch über eine interne (Backup) Aufnahmefunktion, einen erweiterten Funktionsradius und die Option den Empfänger via USB-C auch an mobilen Geräten als Audio-Streaming-Lösung zu betreiben …
Test: Canon EOS R3 im Praxistest: 12 Bit 6K RAW 50p, Hauttöne, LOG/LUT, Stabilisierung, DJI RS2 uvm … Fr, 24.September 2021
Test: Canon EOS R3: Aufnahmezeiten und Hitzelimits bei 6K 12 Bit 25p/50p RAW und 4K All-I 50p Fr, 17.September 2021
Test: EOS R5 und Ninja V+: Canon vs ProRes RAW in der Praxis: Belichtung, Hauttöne, Postpro Do, 2.September 2021
Test: Canon EOS R5 ohne Hitzelimit bei 8K 25p und 5K 50p ProRes RAW mit dem ATOMOS Ninja V+ ? Mo, 23.August 2021
Test: Die Nikon Z 6II im Lesertest - 3x ProRes RAW in der Praxis Mi, 18.August 2021
Test: Vergleich: Sony A1 vs Canon EOS R5 in der Praxis - welche Highend Video-DSLM wofür? Fr, 25.Juni 2021
Test: Sony A1 in der Praxis: Die beste Vollformat DSLM für Foto und Video? 8K 10 Bit, 4K 120p, Hauttöne uvm. Mi, 9.Juni 2021
Test: Panasonic GH5 II - zweite (R)evolution? Mo, 31.Mai 2021


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:



update am 26.Januar 2022 - 15:42
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*