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Test : Fujifilm X-T4 in der Praxis: Videostabilisierung, Autofokus, Ergonomie und Fazit … Teil 2

von Fr, 17.April 2020 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


(Auto)Fokus
Videostabilisierung
Ergonomie und Bedienung
Fazit



Im zweiten Teil unseres Fujifilm X-T4 Tests schauen wir uns die Videostabilisierung, das (Auto)fokus-System sowie die Ergonomie und die Bedienung der X-T4 genauer an. Mit Teils überraschenden Ergebnissen. Und natürlich haben wir auch ein Fazit zu unserem Praxistest der Fujifilm X-T4 im Angebot …



Vorab nochmal unser kurzer Testclip mit Caro und der Fujifilm X-T4:

Fujifilm X-T4 Test: Skintones, Stabilization, F-LOG vs LUT, Autofocus, Ninja V-Recording ...



Hier der erste Teil unseres Fujifilm X-T4 Tests.



(Auto)Fokus



Bereits die Fujifilm X-T3 verfügte über ein gutes AF-System im Videobetrieb und die X-T4 schließt hierzu lückenlos auf. Bemerkenswert fanden wir bei der Fujifilm X-T3 sowie auch beim X-T4 Nachfolger, über welche Distanzen das AF-System noch in der Lage ist, Gesichter und Augen zu erkennen.


Das einzige uns bekannte über vergleichbare Distanzen arbeitende AF-System werkelt derzeit in den Sony Alphas und stellt die aktuelle Distanz-Referenz bei den Autofokussystemen mit Gesichtserkennung bei Video dar.

Bei Videoaufnahmen mit zugeschalteter Gesichts- und Augenerkennung sollte man sich allerdings nicht von dem teilweise recht wild flackernden und bewegenden Gesichts- und Augen-Overlays/Positionsrahmen der Fujifilm X-T4 ablenken lassen. Trotz eher nervösem „Overlaykino“ haftet die Gesichts- und Augenerkennung ausgesprochen gut und dies mit diversen Fujinons. Wir haben den Gesichts-AF neben dem XF 16-80mm 1:4 R OIS auch kurz mit dem hochkompakten XC 35mm 1:2 mit vergleichbar guten Ergebnissen getestet.

Kleiner Tip: Wer mit Gesichtserkennungs-AF arbeitet und mehrere Gesichter vor der Kamera hat, sollte die „Gesichtsauswahl-Funktion“ der X-T4 aktiviert haben. Damit lässt sich via Joystick-Klick nach links/rechts das jeweilige Gesicht auswählen. Gerne gesehen hätten wir in diesem Zusammenhang eine Tracking-Lock-Funktion mit der sich das Gesichtstracking auf ein Gesicht „locken“ lässt.

Gute AF-Abdeckung auch am Bildrand


Insgesamt würden wir die derzeitige Performance das Video-AF-System der X-T4 zusammen mit Canon und Sony zu den besten AF-Systemen Markt zählen – Canon und Sony attestieren wir hier noch einen knappen Vorsprung, aber Fujifilm folgt hier knapp dahinter – ziemlich beeindruckend.

Für uns ergibt sich damit auch eine klare Empfehlung der Fujifilm X-T4 als Gimbal-Kamera. Sie qualifiziert sich hierfür vor allem durch den seitlich ausklappbaren Monitor, den in Sachen Schärfetiefe recht flexiblen S35 Sensor, den sehr guten Autofokus und das vergleichsweise geringe Gewicht (607g inkl. Akku von uns gemessen).

Zum Thema Fokus gehört auch das manuelle Fokussierverhalten bei der X-T4. Lobenswerter Weise gehört Fujfilm zu einem der wenigen Herstellern, bei deren DSLMs man auch während der Videoaufnahme (im MF-Betrieb) die Suchervergrösserung dazuschalten kann - eine Funktion die wir bei aktuellen Canon, Nikon und Panasonic DSLMs vermissen und die für viele Videoanwender zu den essentiellen Fokus-Funktionen zählt (die ansonsten nur via externen Monitor nachgerüstet werden kann).

Doch auch bei dem insgesamt auf beachtlich hohem Niveau angesiedeltem Fokus-System der Fujifilm X-T4 sehen wir noch Raum für Verbesserungen: So lässt sich der manuelle Fokus-by-Wire zwar linear schalten aber es fehlen Optionen für die Eingabe des Drehwinkels.


Derzeit scheint der Drehwinkel je nach Objektiv zu variieren. Außerdem vermissen wir bei der X-T4 einen manuellen Override-Modus beim kontinuierlichen Video-AF.

Unter dem Strich gehört das Fokussier-System der Fujifilm X-T4 mit zu den besten derzeit am Markt verfügbaren. Chapeau an Fujifilm.



Videostabilisierung



Zu den wichtigsten Neuerungen der Fujifilm X-T4 gegenüber dem X-T3 Vorgänger dürfte die jetzt integrierte Sensorstabilisierung der X-T4 zählen. Diese verfügt im Videobetrieb über insgesamt 3 Modi: IBIS/OIS (ohne Crop), IBIS/OIS +DIS (1.1x Crop) sowie in einem separaten Menü noch über einen Boost-Modus (speziell für statische Aufnahmen aus der Hand, den wir nicht getestet haben).


Das Stabilisierungssystem der X-T4 hat bei unserem Praxistest mit Caro zunächst einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Teilweise hatten wir gut stabilisierte Aufnahmen und teilweise hatten wir Testaufnahmen mit nicht ganz nachvollziehbaren, kleinen Rucklern dabei.

Wir haben uns daher nach unseren Testaufnahmen mit Caro nochmal Zeit genommen, der Sache auf den Grund zu gehen und sind fündig geworden. Als wir ein Objektiv an der X-T4 ohne OIS genutzt haben, hatten wir deutlich weniger Nachruckler bei eingeschalteter Sensorstabilisierung. Damit können wir jetzt mit recht hoher Sicherheit sagen, dass zumindest bei unserem Vorserienmodel der X-T4 das Zusammenspiel zwischen der Sensor- und der Objektivstabilisierung des Fujinon XF 16-80mm 1:4 R OIS noch Potential für Verbesserung besitzt.


Die Sensorstabilisierung der X-T4 arbeitet insbesondere mit nicht stabilisierten Objektiven auf angenehm hohem Niveau. All diejenigen, die also mit Objektiven ohne OIS filmen, können sich auf eine deutliche Stabilisierungs-Steigerung durch die Sensorstabilisierung der X-T4 freuen.

Wer hingegen mit OIS-Fujinons unterwegs ist und das Optimum an Stabilisierung benötigt, sollte zumindest die finale Firmware der X-T4 abwarten und dann die jeweilige Objektiv-Kamera-Kombination checken.

Wir sind schon gespannt darauf, wie die Serienversion der Fujifilm X-T4 sich hier schlagen wird. Das Fundament für eine hochwertige Stabilisierungsleistung hat Fujifilm mit der guten Sensorstabilisieriung der X-T4 auf jeden Fall schonmal gelegt.



Ergonomie und Bedienung



Fujifilm folgt beim Look& Feel der X-T4 dem bewährten Konzept der X-T3 mit einem recht stilsicheren Retrodesign, das mit sehr guter Verarbeitung bei gleichzeitig clever moderner Bedienung punktet.


Als Befürworter möglichst vieler extern auf Schalter geführter Funktionen, finden wir zwar an den großen „Retro-"Drehrädern für ISO, Verschlußzeit und Belichtungskompensation durchaus gefallen, sehen jedoch andererseits auch, was hier alles an weiteren externen Schaltern hätte Platz finden können … Da für schnelle Bedienung jedoch auch Zeigefinger und Daumenräder zur Verfügung stehen, geht der Retro-Look nur bedingt zu Lasten der Bedienbarkeit.

Im Hinterkopf sollte man behalten, dass das vergleichsweise flache Retro-Design der X-T4 eher kleinen Händen entgegen kommt - die gilt insbesondere für die minimal gehaltene Handausformung auf der rechten Seite. Fujifilm bietet mit dem optionalen, vertikalen Batteriegriff VG-XT4 hier eine größere Auflagefläche an (für die X-T3 hatten Fremdhersteller hier auch zusätzliche Griffe zur Verfügung gestellt. Wir empfehlen den Betrieb im Cage der auch das Griffproblem löst) s. hierzu weiter unten mehr.


Als clever empfinden wir darüber hinaus auch die grundsätzliche Umschaltung der X-T4 in entweder Foto- oder Filmbetrieb mit entsprechend angepasste Menüsystem, das dann nur die jeweilig relevanten Funktionen zur Verfügung stellt und die bewußt auf leisen Filmbetrieb ausgelegten Bedienoptionen. Hinzu kommt, dass sich viele der X-T4 Schalter mit eigenen Funktionen belegen lassen (Fokus-Peaking konnten wir jedoch nicht auf einen externen Schalter legen).

Und apropos Menü: Die Fujifilm Menüs der X-T3 und X-T4 gehören für uns zu den übersichtlichsten und am besten organisierten Menü-Systemen überhaupt. Vorbildlich empfinden wir hier insbesondere das Video-Modus-Menü mit seiner übersichtlichen Aufteilung von Auflösung, Frame- und Datenrate.


Für Filmer ebenfalls zu den wichtigen Ausstattungsmerkmalen dürften die dualen SD-Cardslots, der seitlich ausklappbare Monitor sowie die gute Sucherqualität inkl. gelungener Info-Gruppierung am Bildrand außerhalb des Motivs zählen.

Weniger gut gefallen hat uns Fujifilms Entscheidung, den Mini-Klinken Stecker für den Kopfhörer-Anschluss wegzulassen sowie das Aufnahmelimit von max. 30 Minuten.


Der Fujifilm X-T4 liegt nun ein Adapter von USB-C auf Miniklinke für den Kopfhörer-Betrieb bei. Ein Kopfhörer lässt sich also weiterhin mit Miniklinke an der X-T4 nutzen. Ein Adapter bedeutet jedoch ein weiteres Teil, das man schnell verlieren oder auch übersehen kann.

Für die X-T4 empfehlen wir aus unterschiedlichen Gründen den Betrieb im Cage. Zum einen lassen sich hier besser HDMI-Klemmen für den sehr kleinen Micro-HDMI Anschluss der X-T4 anbringen, zum anderen erhält man individuell anpassbare (und ergonomisch stärker ausgeformte) Griffoptionen und schließlich können entsprechend konstruierte Cages auch den On/Off Button der X-T4 besser vor versehentlicher Betätigung schützen.

Bei uns hatte sich die X-T4 zweimal beim Transport versehentlich angeschaltet - der On/Off Button darf daher für unseren Geschmack noch etwas besser gesichert werden. Und da wir gerade beim Thema „Wunschkonzert“ sind. Das i-Tüpfelchen für den Videobetrieb wäre für uns noch ein XLR-Adapter via Blitzschuh wie ihn Sony und Panasonic für ihre DSLMs zur Verfügung stellen.



Fazit



Mit der X-T4 spendiert Fujifilm der X-T3 ein bemerkenswert cleveres Update. Die Stärken der Fujifilm X-T4 ergeben damit eine recht beeindruckende Liste: Sehr gute Hauttonwiedergabe (inkl. „stylisher“ Farbprofile), interne 4K 10 Bit 4:2:0 LOG Aufzeichnung bis max. 50/60 fps, gute Postpro-LUT-Unterstützung, gute Akkulaufzeit, sehr guter Autofokus inkl. Augenerkennung, gute Sensorstabilisierung, zwei SD-Cardslots, videofreundlicher Klappmonitor und das Ganze auf angenehm hohem Verarbeitungsniveau.

Da sich sowohl die Hauttonreproduktion als auch die Video-Signalverarbeitung des Vorgängers X-T3 bereits auf recht hohem Niveau bewegten, dürfte es kaum ins Gewicht fallen, dass Fujifilm bei der X-T4 den gleichen 26 MP APS-C Sensor wie beim Vorgänger verbaut.

Unsere Kritikpunkte fallen entsprechend auch eher schmal aus: Der USB-C auf Miniklinken Adapter als Ersatz für die Kopfhörerbuchse finden wir weniger gelungen und bei der Abstimmung zwischen OIS und IBIS darf die Serienversion der Fujifilm X-T4 gerne noch etwas nachlegen.

Konkurrenz im videoafinen DSLM-Bereich sehen wir für die X-T4 aktuell dann auch vor allem in Form von Vollformat-DSLMs. Mit einer UVP. von 1.799,- bewegt sich die X-T4 preislich selbstbewußt im gleichen Segment wie Nikon Z6 und Sony Alpha 7III - diese bieten jedoch (noch) keine interne 10 Bit Log-Aufnahme …

Wer die allgemeinen Vorteile von Vollformat (Lichtstärke, Freistellungspotential, etc.) nicht benötigt, erhält mit der Fujifilm X-T4 ein beeindruckend „rundes“ 4K 10 Bit LOG-System.

P.S. Ein Labortest der Fujifilm X-T4 folgt, sobald das Serienmodell vorliegt.


  

[25 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
pillepalle    03:55 am 20.4.2020
@ Kaermafreund Ich benutze 'ne Nikon Z6, aber ich würde mich generell bei keiner Kamera in so einer Situation auf den AF verlassen, wenn es irgendwie wichtig ist. Bei Aufnahmen...weiterlesen
Kamerafreund    19:51 am 19.4.2020
Welche Kamera nutzt du denn mit af? Das mit der Längeren Brennweite macht an sich Sinn, Das Problem ist nur, dass ich mich dann wahrscheinlich selbst Filme. Um von Person A nach B...weiterlesen
pillepalle    15:49 am 19.4.2020
Ich würde bei zwei Kameras und einem Operator die Totale voreinstellen und an der längeren Brennweite selber fokussieren und die Ausschnitte verändern. Dann klappt's auch mit...weiterlesen
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update am 1.Juni 2020 - 08:02
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