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Test : Canon EOS 5D Mark III

von Mo, 14.Mai 2012 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Handling
Das wahre Leben
Fazit



Wir hatten Gelegenheit die Canon EOS 5D Mark III durch unsere Testparcours zu schicken: Testlabor, Tageslichtaufnahmen, Nachtaufnahmen – wir haben die Bildprofile der Canon EOS 5D Mark III in einer Übersicht zusammengestellt und haben uns die neuen Video- und Audiofunktionen genauer angeschaut. Ist die Canon EOS 5D Mark III nun ein würdiger Nachfolger für die in Sachen Video epochale Canon EOS 5D Mark II oder nicht?

Canon EOS 5D Mark III





Handling



Bereits beim Auspacken und ersten „in die Hand nehmen“ bestätigt sich der Eindruck, den man zuvor nur von Pressefotos her kannte: Die Canon EOS 5D Mark III unterscheidet sich äußerlich kaum vom Vorgängermodel Canon EOS 5D Mark II – und das ist sehr gut so: Robustes Gehäuse auf Magnesium-Basis, die derzeit beste Ergonomie für die Handaufnahme – auch für große Hände – die wir bei DSLRs kennen, exakt und hochwertig gearbeitete Schalter und Bedienelemente.

Robustes Gehäuse – Canon EOS 5D Mark III



Man merkt der Canon EOS 5D Mark III an, über wie viel Erfahrung Canon mit dem Formfaktor DSLR verfügt. Ein edles Stück Technik, was man da in Händen hält zu einem zugegeben ebenfalls beeindruckenden Preis von 3.299,- Euro inkl. MwSt..

Mit die beste Ergonomie ihrer Klasse



Die Canon EOS 5D Mark III beschreibt man am besten mit den Neuerungen im Vergleich zum Vorgängermodel: Die Pixeldichte des Vollformat CMOS-Sensors ist mit 22,3 Megapixel im Vergleich zum Vorgänger (21,1 MP) nahezu konstant geblieben. Dass dieser Sensor trotzdem beachtlich mehr leistet, wird vor allem bei unseren Lowlighttests sichtbar, die Canon bei der Lichtempfindlichkeit an die Spitze aller uns bekannten Video-DSLRs katapultiert.

Der LCD Monitor ist auf 3,2 Zoll (zuvor 3“) gewachsen und löst nun mit 1.040.000 Bildpunkten auf (zuvor 920.000).

Zu den deutlichsten Neuerungen dürfte die auf 102.400 ISO (zuvor 25.600 ISO) hochgeschraubte Lichtempfindlichkeit, die auf 6 B/s erhöhte Serienbildfunktion (zuvor 3.9 B/s) und das neue Autofokusmodul mit 61 Sensoren (zuvor 9) zählen. Auch ein zusätzlicher Kartenslot findet sich an der Canon EOS 5D Mark III, die nun über einen CF- und einen SD-Cardslot verfügt.

Canon EOS 5D Mark III CF- und SD-Cardslot



Neu positioniert wurde der Vergrösserungs-Button – auf den ersten Blick zum Leidwesen der VDSLR-Filmer – befindet er sich nun auf der linken Seite neben dem Display und nicht mehr auf der rechten, oberen Seite, wo er für den Videogebrauch ergonomisch sinnvoller ohne umzugreifen mit dem Daumen aktiviert werden konnte. Allerdings lässt sich die für das manuelle Fokussieren so wichtige Vergrösserungsfunktion auch auf einen Schalter auf der rechten Seite (z.B. den SET Button) mit Hilfe der Custom Controls legen, was wir allen VDSLR-Filmern empfehlen.

Canon EOS 5D Mark III mit neu platziertem Lupen-Schalter



Als Recheneinheit werkelt in der Canon EOS 5D Mark III ein DIGIC V+ Prozessor (zuvor DIGIC IV), der wie auch das AF-Modul aus der Canon EOS 1DX stammt – dort allerdings als Dualcore-Prozessor für einen Durchsatz von 12 B/s sorgt.

Massiv verbessert im Vergleich zum Vorgänger wurden die Audiofunktionen. So findet sich nun ein Kopfhörerausgang an der Canon EOS 5D Mark III dessen Lautstärke angepasst werden kann. Auch werden nun Audiopegel angezeigt, die sich während der Aufnahme manuell über das Daumen- oder Zeigefingerrad pegeln lassen. Aufgezeichnet wird, wie nach dem Fimrwareupdate der Canon EOS 5D Mark II vom März 2010 in 48 kHz 16 Bit PCM. Intern wird Mono aufgezeichnet, über die 3,5 mm Klinke lässt sich ein externes Stereomikrofon anschließen.

Canon EOS 5D Mark III mit Kophöreranschluss und Stereomikrofonbuchse



Gut mitgedacht hat Canon hier bei der Funktion für leisen Betrieb im Moviemodus: Anstatt die Lautstärke über die Räder zu pegeln, was zu unangenehmen Geräuschen auf der Audiospur führen kann, lässt sich bei Aktivierung des leisen Moviemodus der Ton über den Multicontroller pegeln. Bei dieser „Joystickbedienung“ entsteht so gut wie kein Klappern am Gehäuse. Wer gleich ein externes Richtmikro nutzt, was wir stets empfehlen, spart sich hingegen die gesamte Kamerageräuschproblematik. Im Hinterkopf behalten sollte man beim Abhören der Aufnahme via Kopfhörer, dass die Geräuschreduzierung nicht an das Monitoring-Signal weitergegeben wird. Die aufgenommene Audiospur kann sich also von der abgehörten zumindest in Bezug auf die Rauschreduzierung unterscheiden.

Canon EOS 5D Mark III weiterentwickelte Tonaufnahmefunktionen



Keine andere uns bekannte Video-DSLR bietet derzeit umfassendere Audio- und Audio-Monitoringfunktionen als die Canon EOS 5D Mark III. Schön zu sehen, dass sich ein Hersteller intensiver mit dem oft vernachlässigten Kapitel Audiofunktionen beschäftigt hat.

Canon EOS 5D Mark III Tonpegeln während der Aufnahme möglich



Aufgezeichnet wird wie bisher in H.264 in einen QuickTime Container. Allerdings ist neben der interframebasierten H.264 Kodierung nun auch eine intraframebasierte hinzugekommen, die von Canon mit ALL-I (I-Frame only) bezeichnet wird und der wir bereits einen ersten Kurztest hier gewidmet und hier hinsichtlich Moirés und Nachschärfung betrachtet hatten. Die ALL-I Variante zeichnet sich vor allem durch ein reaktiveres Verhalten im Schnitt aus, benötigt dafür jedoch auch mit ca. 91 Mbit/s die dreifache Datenrate im Vergleich zur IPB Kodierung.

Canon EOS 5D Mark III Videomenü mit ALL-I und IPB Auwahl



Auf eine 8 GB Karte passen 32 Minuten 1080 / 24p Material im IPB Verfahren enkodiert. Mit dem ALL-I Codec hingegen landen wir bei 11 Minuten. Das Filesizelimit pro Filmdatei beträgt 4 GB. Danach legt die Canon EOS 5D Mark III automatisch eine neue Videodatei an, so dass ein kontinuierliche Aufnahme über die 4 GB hinaus gewährleistet bleibt. Endgültig Schluss ist dann wie gehabt bei 29 Minuten und 59 Sekunden (Videozoll)– danach muss die Aufnahme neu gestartet werden.

Zum Codec gehört auch das Thema Timecode. Zur Auswahl stehen bei der Canon EOS 5D Mark III zwei Arten von Timecodes. Record Run und Free Run. Hier nochmal kurz zur Auffrischung:. Record Run lässt den Timecode nur laufen, wenn die Aufnahme aktiviert wurde. Free Run ermöglicht einen permanenten Timecode unabhängig davon ob gerade eine Videoaufnahme stattfindet oder nicht. Bei Free Run sollte man jedoch zuvor die korrekten Zeitdaten in der Kamera eingestellt haben – denn diese können sich bei einer Umstellung auf den Free Run Timecode auswirken. Die Neuerungen beim Timecode sind ein schönes Beispiel für die kleinen, videozentrierten Verbesserungen bei der Canon EOS 5D Mark III - nicht wirklich epochal doch bei der Videoproduktion sehr nützlich.

In Sachen HDMI-Out enttäuscht die Canon EOS 5D Mark III – während die Fullframe Konkurrenz von Nikon (D800) mittlerweile die Möglichkeit bietet, den internen Codec via HDMI Out Aufzeichnung zu umgehen, behält Canon ein cleanes HD Video-Out Signal aus einem Großsensor-Gerät (zumindest bislang) der neu etablierten Cinema-EOS Produktreihe vor. Viele Canon EOS 5D Mark II Nutzer hatten auf ein cleanes HDMI-Out Signal beim Nachfolger gehofft – doch Fehlanzeige. Die Canon EOS 5D Mark III gibt zumindest bis Dato via HDMI nur 1080i mit einer Overlaygrafik wieder.

Auch beim Rolling Shutter und in Sachen Autofokus während der Videoaufnahme hat sich bei der Canon EOS 5D Mark III im Vergleich zum Vorgänger unserem Eindruck nach eher wenig verändert. Rolling Shutter lässt sich mit Reisschwenks provozieren, sollte jedoch beim normalen Arbeiten vom Stativ nur selten ein Problem darstellen. Der Kontrastautofokus im Liveviewbetrieb ist für Videoaufnahmen nach wie vor kaum zu gebrauchen - allerdings sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass man gute Autofokusfunktionen im Videobetrieb nicht unbedingt im DSLR-Segment suchen sollte (auch wenn Nikon mit seinen letzten DSLRs hier kleine Verbesserungen gezeigt hat und die GH2 in dieser Disziplin mit entsprechender Optik immer noch allein auf weiter Flur steht.)



Aus dem Messlabor



Schon die gemessene Luminanzauflösung zeigt, dass die EOS 5D Mark III nicht die Schärfe guter AVCHD-Camcorder erreicht.

Luminanzauflösung


Das ISO-Chart wird folglich auch nur mittelmäßig scharf abgebildet, jedoch zeigt es praktisch keine störenden Skalierungsartefakte mehr.

ISO-Testbild


Die Farbauflösung verläuft dagegen sogar bemerkenswert gut. Die Farben bleiben dabei in weiten Teilen nachjustiertbar.

Chrominanz-Auflösung



Das Testobjektiv bietet eine ziemlich beugungsfreie Abbildungsleistung, der offensichtlich nicht digital nachgeholfen wurde.

Objektiv-Verzeichnung



Die Kamera bietet in der Werkseinstellung schon sehr sauber getrennte Farben.

1200 Lux (Klicken für Bild in voller Auflösung)



Das Low-Light-Verhalten ist ziemlich bemerkenswert, weshalb wir an dieser Stelle gleich eine Belichtungsserie zeigen wollen.

12 LUX 3200
12 LUX 6400
12 LUX 10000
12 LUX 12800

Wie man (trotz geringer Tiefenschärfe hoffentlich sieht), werden die 12 Lux bei ISO12800 extrem hell mit vielen Farben und gleichzeitig enorm rauschfrei dargestellt. Beste Voraussetzungen um mit „Available Light“ zu arbeiten.

Das eingebaute Mikrofon rauscht dagegen eher stark, aber beschneidet die Höhen dafür fast gar nicht.

Störgeräusche





Das wahre Leben





Wie gewohnt haben wir mit der Canon EOS 5D Mark III sowohl Tageslichtaufnahmen als auch Lowlightaufnahmen am nächtlichen Potsdamer Platz gemacht. Zum Einsatz kam beide Male das relativ lichtstarke Canon EF 24-70mm 1:2,8L II USM in maximaler Weitwinkelstellung. Aufgenommen wurde stets mit 24 B/s und dem ALL-I Codec. Und wie stets auch unser Hinweis, dass für das Internet komprimierte Videos immer nur eine Annäherung an das Originalvideomaterial darstellen.

Hier unser Tageslichtschwenk bei 1/50 Sekunde Belichtungszeit, Blende f13 und ISO 100:




Hier diverse Panoramashots der Canon EOS 5D Mark III mit unterschiedlichen Bildstilen im Vergleich. Deutlich ist die unterschiedliche Schärfung der einzelnen Presets zu erkennen.

Neben unseren Standardtestshots wollten wir ebenfalls ein Gefühl dafür bekommen, wie gut sich das ALL-I Material mit Farbkorrektur und Schärfe nachbearbeiten lässt, wenn wir es mit größtmöglich reduzierter Schärfe, Kontrast und Farbsättigung (quasi EOS 5D Mark III Log) aufnehmen. Die hier gezeigte schnelle Farbkorrektur ist sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss aber sie hat einen guten Eindruck von dem zur Verfügung stehenden Spielraum für eine nachträgliche Bearbeitung des Materials bei uns hinterlassen.

Hier nun die einzelnen Bildstile im Vergleich:

Bildstil Standard:




Bildstil Neutral:




Bildstil Auto:




Bildstil Portrait:




Bildstil Landschaft:




Bildstil Monochrome:




Bildstil Anwender Def., Kontrast, Schärfe und Sättigung minimal :




Bildstil Anwender Def., farbkorrigiert und nachgeschärft:




Besonders beeindruckend fallen die Lowlightqualitäten der Canon EOS 5D Mark III aus. Hier unser Nachtshot vom Potsdamer Platz mit f2.8, 1/50, ALL-I Codec und diversen ISOs mit der Canon EF 24-70mm 1:2,8L II USM Optik:






Fazit



Die Revolution bei der Produktentwicklung im Canon EOS VDSLR-Segment - gleichbedeutend mit dem Namen Canon EOS 5D Mark II - musste beim Nachfolger Canon EOS 5D Mark III der sanften Evolution und der Etablierung des Canon Cinema EOS Segments weichen. Damit ist der Zauber der Indie-Rebel-Filmmaschine erstmal unter die Marketingräder geraten. Die Landschaft der Großsensor Filmkameras hat sich aber nunmal auch seit dem "Einschlag" der Canon EOS 5D Mark II entscheidend verändert ...

Um jedoch keine Missverständnisse aufkommen zu lassen:

Die weiterentwickelte Canon EOS 5D Mark III bleibt locker im Spitzensegment der Video-DSLRs. Verantwortlich hierfür sind Funktionen wie: Manuelle Audiopegel während der Videoaufnahme, pegelbare Kopfhörereingänge, I-Frame only Codec, Timecode-Optionen, enorme Lowlighteigenschaften, sehr gute Nachschärfmöglichkeiten und stark reduziertes Moirée.

(In unserer VDSLR-Datenbank zieht sie nach ungewichteten Kriterien sogar hauchdünn am bisherigen Spitzenreiter Panasonic GH2 vorbei – da wir jedoch die einzelnen Funktionen unterschiedlich gewichten, behält die GH2 einen errechneten Vorsprung vor der Canon EOS 5D Mark III – gefühlt sind sie auf Augenhöhe, auch wenn sie technisch eher schwer miteinander vergleichbar sind.)

Größter Kritikpunkt an der Canon EOS 5D Mark III ist der fehlende cleane HDMI-Output während der Videoaufnahme, womit ein Sprung in der Video- und Farbauflösung möglich gewesen wäre.

Mit einer UVP von 3.299 Euro ist die Canon EOS 5D Mark III um die 1.000,- Euro teurer als seinerzeit der Vorgänger Canon EOS 5D Mark II bei dessen Vorstellung. Man erhält dafür eine der besten VDSLRs, die der Markt derzeit zu bieten hat mit durchdacht weiterentwickelten Video- und Audiofunktionen.

Trotzdem bleibt die Frage, wer sich im VDSLR-Segment mit der nächsten Produktvorstellung traut, nicht nur eine sanfte Weiterentwicklung sondern den nächsten grossen Qualitätssprung zur präsentieren …


  

[19 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
le.sas    14:24 am 31.5.2012
Vielleicht mal ne gute Nachricht- Hatte eben ein kurzes Gespräch mit wem von ML - Läuft anscheinend gerade sehr gut und ist auch so gut wie sicher für die mk3...weiterlesen
Funless    22:25 am 23.5.2012
Hallo Rob, ich danke Dir für die Erläuterung bzgl. RS Verhalten, das macht dann natürlich Sinn. Und auch vielen Dank für die Mühe den Ergänzungsabsatz noch nachträglich in...weiterlesen
rob    13:43 am 23.5.2012
Hallo Funless, Danke für Dein Feedback. Wir machen grundsätzlich keine RS-Tests bei unseren Kameratests. Gelegentlich wird der Rollingshutter in Testberichten erwähnt - bei...weiterlesen
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update am 20.April 2021 - 18:02
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