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Test : Blackmagic Video Assist 12G HDR 7-Zoll Recorder/Monitor mit RAW-Aufzeichnung

von Do, 26.März 2020 | 4 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Ausstattung
Aufzeichnung und Formate
Bedienung und Menüstruktur
Audio und Messgeräte
Marktposition
Fazit



Vor einem halben Jahr wurde er auf der IBC 2019 angekündigt, nun ist er endlich lieferbar: Der Blackmagic Video Assist 12G HDR 7 ist eine mobile Monitoring- und Aufzeichnungslösung mit einem sehr hellen Wide Color Gamut (WCG) 2500-Nit Touch-Display. Doch das Display ist nicht einzige Unterschied zu den dunkleren Vorgängermodellen. Im Gegensatz zum "alten" Blackmagic Video Assist 4K zeichnet das neue Modell nun über 12G-SDI- und HDMI-2.0-Anschlüsse mit bis zu 2160p/60 in Apple ProRes, Avid DNx und Blackmagic RAW auf.



Im aktuell einzigen Sonderfall der Panasonic EVA1 beherrscht der Video Assist sogar die Aufzeichnung und die Wiedergabe mit 5,7K-RAW mit bis zu 30p, doch dazu später mehr.



Ausstattung



Der Blackmagic Video Assist 12G HDR 7" kommt in dem gleichen hochwertigen Aluminium-Gehäuse wie die früheren Modelle. Auch die jeweils drei 1/4“-Gewindebohrungen an der Ober- und Unterseite sind weiter vorhanden und bieten damit flexible Montagemöglichkeiten an anderen Gerätschaften, ohne dass man ein zusätzliches Gehäuse für diesen Recorder-Monitor benötigt.

Als Stromlieferant können bis zu zwei im laufenden Betrieb austauschbare Akkus der Sony L-Serie (die nicht mitgeliefert werden) dienen. Für den Netzbetrieb findet sich ein 12V-DC-Netzteil im Lieferumfang. Das aktive Batteriemanagement greift immer auf den Akku mit der geringeren Ladung zurück bis dieser fast leer ist und wechselt dann automatisch auf den Akku mit der höheren Ladung. Der aktiv genutzte Akku wird dabei in der Menüleiste deutlich sichtbar angezeigt. Dadurch kann der zuerst entladene Akku im laufenden Betrieb durch einen frischen Akku ersetzt werden. Wir hatten zwei große No-Name Akkus (NP-F960 Clone mit 7800mAh) im Betrieb, von denen jeder rund 120 Minuten Laufzeit bei voller Display-Helligkeit im gemischten Betrieb (Aufzeichnung, Vorschau, Wiedergabe) liefern konnte. Allerdings warnte jeder Akku schon nach 75 Minuten, dass er fast leer sei, hielt dann aber noch einmal fast 45 Minuten durch. Blackmagic hat hier also einen sehr großen Sicherheitspuffer implementiert, der jedoch sicherlich von Akkutyp zu Akkutyp unterschiedlich ausfallen dürfte.

Auffallend fanden wir, wie schnell der Video Assist nach dem Einschalten hochfährt. Bereits nach weniger als drei Sekunden steht das Vorschaubild und der Recorder ist aufzeichungsbereit. Der Einschaltknopf liegt dabei minimal versenkt gegen versehentliches Ausschalten im Gehäuse. Auch das "haptische Timing" für die notwendige Reaktion gefällt uns persönlich etwas besser als am Atomos, bei dem man immer eine gefühlte Ewigkeit drücken muss, bevor sich der Recorder ein- oder ausschaltet.

Der Video Assist 7 besitzt einen Lüfter, der dauernd läuft, aber uns dabei subjektiv nicht besonders störend auffiel. Blackmagic weist jedoch darauf hin, dass sich das Display bei voller Helligkeit (2500 nit) bei hohen Umgebungstemperaturen so weit aufheizen kann, dass der Lüfter dies nicht mehr ausreichend kühlen kann (und dann die Helligkeit aus Sicherheitsgründen heruntergeregelt wird). Wir haben es bei aktuell normalen Zimmertemperaturen um 23 Grad nicht geschafft dieses Verhalten zu provozieren. Allerdings war der Lüfter bei einem voll überbelichteten Motiv mit 2500 Nits nach einer Stunde geringfügig lauter und das Gehäuse hatte sich deutlich aufgewärmt. Dennoch blieb der Lüfter für einen Display Monitor immer noch annehmbar leise. Mag sein, dass der Recorder im Hochsommer bei prallem Sonnenschein ans Limit kommen kann, aber unser extremes Motiv mit voller Überbelichtung in der Dauervorschau bei 2500 Nits ist ja ebenfalls ein Extrem, das so in der Praxis nicht vorkommen dürfte.



Aufzeichnung und Formate



Im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten von Atomos zeichnet der Video Assist auf bis zu 2 SD-Karten und sogar externe USB-C Drives auf. Zwar klingt dies auf den ersten Blick nach sehr günstigen Speichermedien, jedoch benötigt man für die RAW Aufzeichnung (oder DNx /ProRes mit geringer Kompression) sehr schnelle Speichervarianten mit Schreibgeschwindigkeiten bis über 200 MB/s. In solchen Geschwindigkeitsregionen kommt man mit regulären SATA-SSDs in der Regel deutlich günstiger weg. Dafür können SD-Karten und USB-C Drives meist ohne weitere Zusatzhardware von vielen PCs und Macs direkt gelesen werden. Für eine SATA-SSD ist dagegen immer noch ein spezieller Reader oder ein ungenutzter SATA-Anschluss vonnöten.



Besonders vermisst haben wir die Möglichkeit eines Backup-Recordings, also die parallele Aufzeichnung des selben Signals parallel auf zwei Speichermedien. Aktuell unterstützt der Video Assist nur Continuous Recording. Hierbei wird ohne Auslassen eines Frames auf die jeweils andere Karte (oder ein USB-C Laufwerk) weitergeschrieben, ohne die Aufnahme zu unterbrechen. Sicherlich auch praktisch, jedoch wäre ein duales Backup-RAW-Recording -nicht nur in dieser Preisklasse- ein wohl einzigartiges Feature.

Wie bereits erwähnt kann der View Assist 7 HDR in drei Formaten aufzeichnen: Apple ProRes, Avid DNx und Blackmagic RAW. Bei allen Formaten kennt der Recoder viele üblichen Qualitäts- und Kompressionseinstellungen. Nur ProRes 4444-Formate könnte man vermissen, jedoch sind diese bei einer YUV4:2:2 Übertragung via SDI oder HDMI auch nicht unbedingt sinnvoll zu nutzen. Im Gegensatz zu Atomos bietet Blackmagic zudem in keinem Format mehr als 60 fps. Ausnahme können besondere RAW Formate einer Kamera darstellen. Die EVA kann in RAW z.B. bis zu 240 fps im speziellen HD-Modus 2K Crop&Mix mit VFR aufzeichnen.

Zur Vorschau können im Recoder gleich übliche LUTs genutzt werden, von denen die wichtigsten bereits vorinstalliert sind. Für die Panasonic EVA1 (die ja als BRAW Kamera unterstützt wird) findet sich hier bereits die entsprechende Varicam V-Log -V709 LUT. Wer es wünscht kann übrigens auch gleich bei der Aufzeichnung eine LUT in das Signal "einbacken".



Bedienung und Menüstruktur



Die integrierten Menüs finden wir schlüssig strukturiert und intuitiv zu bedienen. Wir haben an keiner Stelle eine zusätzliche Anleitung vermisst, auch wenn es digital ein fast 100 seitiges PDF u.a. auch in deutscher Sprache gibt.



Allerdings kann es sich durchaus lohnen, das Handbuch einmal näher anzusehen, da es doch einige Funktionen gibt, die sich vielleicht nicht jedem automatisch erschließen. Oder die (noch) nicht implementiert sind. So haben wir zu bemängeln, dass für eine 6K RAW Aufzeichnung eine zweifache Monitor-Vergrößerung zu wenig ist, um feinste Details sicher zu fokussieren. Laut Handbuch soll es auch eine 4x Vergrößerung geben jedoch konnten wir diese mit der EVA1 nicht aktivieren.

Die Menüs sind nicht tief verschachtelt und das Design wirkt sehr klar und etwas weniger verspielt als bei Atomos. Da der Bildschirm beim großen 7-Zoll Modell 1920 x 1200 Pixel darstellt, bleibt die obere Menüleiste immer sichtbar, ohne dass das Vorschaubild bei einer 16:9-Ansicht davon überlappt wird. Die untere Menüleiste muss dagegen für eine volle Bildvorschau mit einer Geste weggewischt werden. Wir würden uns noch eine verkleinerte Vollbildansicht wünschen, in der beide Menüleisten sichtbar sein können ohne das Bild zu überlappen. Auch die einstellbaren Frame Guides dunkeln die Ränder nur ab. Hier fänden wir optional ein komplettes Ausblenden außerhalb der Frame Guides eine nützliche Option.

Der Blackmagic Video Assist 7 HDR bringt ansonsten ein komplettes Set an den üblichen Belichtungs- und Schärfefhilfen wie Zebra, False Color oder Focus Peaking mit, die sich an die eigenen Präferenzen anpassen lassen. Nach unseren Maßstäben funktionieren diese Tools tadellos.

Auch die Wiedergabe der Clips ist direkt im Monitor (sogar mit Vergrößerung) möglich. Beim 7-Zoll Modell kann man die Clips durch eine seitliche Wischgeste scrubben. Vermisst haben wir die Möglichkeit, im Gerät aufgezeichnete Clips auch wieder löschen zu können. Wahrscheinlich will Blackmagic hiermit eine starke Fragmentierung des Speichermediums verhindern.



Audio und Messgeräte



In Summe kann der Video Assist bis zu 16 Audio-Kanäle über SDI "empfangen" und aufzeichnen und über HDMI sind technisch bis zu 8 Kanäle möglich. Zum Anschluss von Mikrofonen verfügt das Video Assist 7"-Modell über zwei analoge Mini-XLR-Audioeingänge mit Phantomspeisung bei Samplingraten bis zu 192 kHz mit 16 oder 24 Bit Abtastung. Die Aussteuerung ist dabei bequem über das Display möglich und die Pegel können auch während der Aufnahme in der unteren Menüleiste überwacht werden.

Als praktisch empfanden wir, dass der View Assist auch über einen internen Lautsprecher verfügt. Damit ließen sich Clips auch schnell ohne Kopfhörer kontrollieren. Beispielsweise ob die Audiodatei bei der Aufnahme "mitkam". Dafür kann der Lautsprecher natürlich auch rückkoppeln, wenn man vergessen haben sollte, diesen vor einer Aufnahme wieder herunterzuregeln.



Auch die übrigen "Messgeräte" machen einen soliden Eindruck. Waverform, Parade Vektorskop und Histogramm werden mit hohen Wiederholraten dargestellt und können jetzt auch bildschirmfüllend über dem Vorschaubild als Overlay eingeblendet werden. Praktisch: Erkennt der View Assist in den Metadaten der genutzten Kamera die Farbräume (oder beispielsweise HDR), passt er die Skalen bzw. die Beschriftung der Messegeräte automatisch an. Allerdings werden alle Messwerte nur einfarbig dargestellt, weshalb in der RGB-Parade alle Abschnitte die gleiche Farbe haben und der Waveform-Monitor spreizt sich ebenfalls nicht in Farbbereiche auf.



Marktposition



Sieht man sich auf dem Markt um, so sticht als größter Konkurrent der Atomos Shogun 7 ins Auge. Dieser kostet mit einer UVP von 1545 Euro (inkl. USt.) ein Drittel mehr, bietet dafür aber bei ähnlicher Hardware Ausstattung noch ein paar spezielle Funktionen wie Dolby Vision-Echtzeitausgabe oder einen integrierten 4 Kanal HD-Live Switcher. Außerdem beherrscht er noch höhere HD-Frameraten bis zu 240p. Im Gegenzug ist der neue View Assist bei den nutzbaren Speichermedien flexibler (2 x SD und 1 x USB-C vs. 1 x SATA) und bietet bereits integrierte Mini XLR-Buchsen, während bei Atomos ein proprietäres XLR-Breakout Kabel noch separat für über 100 Euro erworben werden muss).

Der für uns relevanteste Unterschied ist jedoch die RAW-Unterstützung der beiden Recorder. Jeder Hersteller favorisiert dabei selbstredend das eigene Format. Also Atomos ProRes RAW und Blackmagic BRAW. Atomos hat in den letzten Jahren hier nahezu im Alleingang auf viele Kamerahersteller eingewirkt, ihren Modellen doch eine externe RAW-Ausgabe zu spendieren. Dies hat zur Folge, dass die Liste der unterstützen Geräte bei Atomos bereits viel größer ist. Blackmagic verfolgt die Idee zur BRAW-Aufzeichung von externen Kameras offiziell erst seit der Vorstellung der neuen Video Assist Recorder. Und unterstützt wohl auch deswegen aktuell nur zwei Kameras: Die Canon EOS C300 Mark II und die Panasonic AU‑EVA1.



Fazit



Sehr heller Bildschirm, aktuelle Konnektivität und das alles zu einem attraktiven Preis - da kann man wenig meckern. Ob man letztlich trotzdem zur Konkurrenz von Atomos greift hängt tatsächlich davon ab, ob man einen Einsatzzweck für die speziellen Features hat, die nur einer der beiden Hersteller bietet. Für den Blackmagic Video Assist 7 HDR sind dies SD-Karten- und USB-C Recording sowie die bereits integrierten Mini-XLR-Anschlüsse. Für Atomos sind es Dolby Vision, der HD-Live Switcher sowie die HD-Slow-Motion Möglichkeiten. Für viele potentielle Anwender dürfte jedoch vor allem der gebotene RAW-Dialekt ausschlaggebend sein, weshalb wir uns die Kombination mit einer Panasonic EVA1 in einem kommenden Artikel noch genauer ansehen wollen (und werden).


  

[17 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
kameradennis    20:29 am 29.3.2020
Nicht ganz. Bei der EVA1 gehen 1080p in BRAW bei 240fps.
klusterdegenerierung    11:25 am 29.3.2020
Kann das Teil Tatsächlich nur bis 60fps aufnahemen? Dann wäre das für alle Slowmo Filmer wohl nix. Schade denn der Preis ist heiß. :-)
iasi    19:50 am 28.3.2020
Wenn das Teil eh als Monitor genutzt wird ... Aber natürlich hast du recht, denn mittlerweile kann man komprimiertes Raw selbst mit 6k auf eine Speicherkarte schaufeln...weiterlesen
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update am 1.Juni 2020 - 08:02
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