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Test : AJA CION - 4K Cine Kamera mit Super 35mm Sensor

von Do, 11.Juni 2015 | 5 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Schnittstellen
Aus dem Messlabor
Das wahre Leben und Skintones
Fazit



Die CION von AJA gehört zum aktuellen Dreigespann professioneller, 4K-fähiger, Super 35 Sensor Kameras im Preissegment zwischen 5 - 10.000 Euro das uns die letzten Monate in Atem gehalten hat und aus: Sony FS7, Blackmagic URSA und eben der CION von AJA besteht. FS7 und URSA hatten wir bereits zum Test bei uns... Was also bringt der späte Gast CION zur 4K-Party mit, der jetzt mit einem spektakulären Kampfpreis von 4.999,- Dollar antritt? Wo liegen die Stärken der CION und wo ihre Schwächen? Inkl. Skintone-Clips …

Schickes Teil – die CION von AJA



Rewind:

Es ist gerade mal ein Jahr her, dass AJA die CION zur NAB 2014 vorgestellt hat. Bis zu dem Zeitpunkt gab es an 4K-fähigen, ausgewachsenen (mehrfach SDI In/Outs, Genlock etc.) Cine-Kameras unterhalb von 30.000 Euro eigentlich nur die Sony F55 und dagegen nahmen sich die ursprünglichen knapp 9.000,- Dollar für die CION wie ein Versehen aus. Zeitgleich kam Blackmagic mit der 4K-fähigen Ursa heraus, die preislich nochmals deutlich tiefer ansetzte und spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte auch bei Sony DEFCON 1 geherrscht haben. Sony schlug dann im Herbst 2014 zur IBC mit der FS7 - für viele unerwartet „hart“ - sprich: Ohne Rücksicht auf Verluste im eigenen Pro-Segment (F5 u.a.) zurück und kommt seitdem kaum mit dem Abarbeiten der FS7 Vorbestellungen nach. Blackmagic reagiert mit zur NAB 2015 neu vorgestellten Sensoren und AJA hat der CION soeben einen gewaltigen Preisnachlass auf 4.999,- Dollar spendiert.

Die CION stellt AJAs ersten Ausflug in das Kamerasegment dar und dazu auch noch in das mittlerweile besonders hart umkämpfte 4K-Cine-Segment und allein dafür gebührt AJA unser Respekt. Doch genug des Vorgeplänkels – Was bringt die CION als später Gast zu 4K-Party mit?



Technische Daten / Bedienung



Obwohl die CION von AJA ein robustes Metallgehäuse mit massivem PL-Mount mit sich bringt, darf man sie mit 2,9 kg (ohne oberen Handgriff) zu den Kameraleichtgewichten zählen. Verantwortlich hierfür zeichnet eine hochfeste Magnesiumlegierung wie man sie von DSLR-Gehäusen her kennt. Beim ersten In-die Hand-nehmen fallen entsprechend die solide Konstruktion und der nicht nur optisch sondern auch haptisch gelungene obere Handgriff sowie die hohe Modularität der CION auf.

Die CION von AJA - In/Outs in Hülle und Fülle



Das modulare Konzept schlägt sich sowohl in einem reduzierten Schalterlayout mit wenigen, externen Schaltern (dazu später mehr) als auch in reichlich In- und Outputs sowie üppigen zusätzlichen Montagemöglichkeiten in Form von im Kamerabody integrierten Cheeseplates nieder.

Massiv gefertigtes Zubehör für die CION – hier hintere Baseplate



So waren bei unserem Testpaket der CION sowohl die beiden AJA Basisplatten (vorne und hinten) sowie die ENG Platinenadpater für die VCT-14 Aufnahmen (ebenfalls für vorne und hinten) Teil des Lieferumfangs. Darüber hinaus kamen noch die beiden unterschiedlichen AJA Verlängerungsarme für die Arri-Rossette, externe Viewfinder-Bracket sowie natürlich ein externer Viewfinder selbst zum Einsatz. Alle AJA Komponenten sind sehr massiv ausgelegt und dürften auch stärkeren Belastungen am Set problemlos standhalten. Einziger Kritikpunkt hier ist der hintere Part der VCT14-Aufnahme - der könnte noch etwas Materialstärke vertragen und auch weniger scharfkantig ausfallen - ein Detail.

Jede einzelne Komponente kann bei der CION gesondert montiert werden und bietet damit bereits mit hauseigenem Zubehör von AJA jede Menge Möglichkeiten zum individuellen Aufriggen. Da alle Aufnahmen auf Standards basieren, spricht auch nichts dagegen, die AJA mit bereits vorhandenem Zubehör auszustatten, soweit vorhanden und es ergonomisch sinnvoll ist. Halt wir also fest: Bei der Konstruktion der CION hat AJA bereits umfassend an Modularität gedacht und das gefällt uns. Im Hinterkopf sollte man jedoch auch behalten, dass man für eine drehfertige CION neben den AJA SSDs (AJA-Paks) zumindest auch Baseplates, Viewfinderbracket, einen EVF und natürlich Batterien (V-Mount oder Anton Bauer) am Start haben sollte (Akku-Adapterplatte und Handgriff sind im Standard mit dabei) oder eben noch entsprechend investieren muss.

Pak-Dock von AJA mit USB 3.0 und Thunderbolt – ebenfalls extrem massiv gefertigt



Bei den AJA Paks handelt es sich um SSDs in einem stabilen Metallgehäuse, die von der Robustheit an militärisches Gerät erinnern (ebenso wie der AJA Cardreader) und jeden noch so ruppigen Dreh überstehen dürften. Allerdings würden wir hier gerne auch eine Option sehen, SSDs „of the shelf“ nutzen zu können, wenn es mal nicht ganz so robust sein muss. Vergleich man die AJA SSDs (ca. 2,3 Euro/GB netto) mit CFAST 2.0 (ca. 3,7 Euro/GB netto) kann man die Speichermedien für die CION fast schon als günstig bezeichnen – liessen sich normale SSDs nutzen (bsp. Samsung 500GB EVO SSD) wäre man hingegen bei ca. 37 Cent/GB.

Der AJA Cardreader (Pak-Dock) verfügt sowohl über USB 3 als auch Thunderbolt Anschlüsse und ermöglicht damit angenehm zügige Filetransfers. Wer gerade mal kein Pak-Dock zur Verfügung hat, kann die Videofiles der CION auch über die verbaute 10/100/1000 Ethernet-Schnittstelle von der Kamera laden. Der Netzwerkanschluss der CION stellt eine Besonderheit der Kamera dar. Hiermit lassen sich mehrere Kameras in Netzwerke integrieren und über ein Webinterface fernsteuern: Für komplexe Studio-Setups eine hilfreiche Option und eine Art Alleinstellungsmerkmal der CION.

Die CION von AJA hier mit Cineroid Viewfinder



Unsere Test-CION kam mit zwei Anton Bauer Dionic HC AKKUs inkl. dem schlanken Doppelcharger von Bauer und lieferte damit eine verlässliche Echtzeit-Batteriestandsanzeige. Mit den Bauer Akkus war ein Kamerabetrieb über mehrere Stunden möglich, obwohl wir ebenfalls den externen Viewfinder via D-Tab an die CION betrieben haben und die max. 91 Wh der Dionics nicht gerade zu den üppigen Batterieladungen zählen.

Das Herzstück der CION stellt ihr Super35mm 4K Sensor dar, bei dem es sich um den CMV12000 von Cmosis handeln dürfte, der ebenfalls in der URSA von BMD (noch) seinen Dienst verrichtet und vor allem auf Grund seiner Global Shutter Fähigkeit geschätzt wird – auch wenn er nicht als Wunder in Sachen Dynamikumfang gilt.

Wer glaubt nun ein vergleichbares Bild wie in der URSA vorzufinden, unterschätzt wie stark das jeweilige Debayering und die anschließende Signalverarbeitung noch Einfluß auf das Videobild haben: Das Bild der AJA CION weist ganz eigene Charakteristiken auf (und unterscheidet sich damit deutlich von dem der URSA) – doch hierzu in den Kapiteln „Das wahre Leben & Skintones“ und „Testlabor“ dann mehr.

Die CION ist in erster Linie eine ProRes Kamera und dies verwundert auch nicht weiter, wenn man sich die starke Ausrichtung von AJAs Produktprofil hinsichtlich ProRes betrachtet. Nichtsdestotrotz lässt sich auch RAW via externen Recorder im Verbund mit der AJA aufzeichnen und dies mit bis zu 120 fps bei 4K wenn man die CION bsp. an die Kona 4K aus gleichem Hause via 4 x 3G SDI hängt. Wer nicht ganz so viele fps benötigt erhält mit externen Rekordern bis zu 60 fps in 4k RAW.

Intern steht in 4K maximal ProRes 4444 bis zu 30 B/s zur Verfügung. Die 4K-Formate in 50 oder 60p werden intern in max ProRes 422HQ aufgezeichnet.

Wir haben unsere Hautton-Clips sowie die anderen Tageslichtaufnahmen im Praxis-Kapitel in ProRes 4444 aufgezeichnet und hatten auch bei kontrastreichen Motiven trotz des 4K 4:2:0 Chroma-Subsampling des Sensors genügend Spielraum, um bei nicht geklippten Highlights ausreichend Gradation in das Bild in der Post zurückzubringen.

Gamma Normal Expanded lautet unsere grundsätzliche Empfehlung bei der CION



In Sachen Gamma-Funktion stehen bei der CION insgesamt 4 Gamma-Modi zur Verfügung: Normal Gamma, Normal Expanded Gamma, Video und Disabled Gamma (keine Gamma Funktion). Eine echte Log-Gamma Funktion ist derzeit noch nicht darunter. Die besten Ergebnisse haben wir mit der Normal Expanded Gamma Funktion erzielt, die eine sanfte Kontrastminderung mit sich führt.

Wer größtmögliche Kontrolle über das Bild haben möchte, dem empfehlen wir grundsätzlich bei der CION mit Normal Expanded Gamma aufzunehmen.

Hier die CION Aufnahmeformate in der Übersicht:



Die Menüstruktur der CION ist sehr einfach gehalten und wird über ein klickbares Kontrollrad, fünf Menütasten und dem kleinen, seitlich eingelassenen Monitor bedient. Unsere Meinung zur Menünavigation der CION ist etwas zwiespältig: Einerseits begrüßen wir gerade auch bei Cine-Kameras reduzierte, einfache Menüs – andererseits empfinden wir die Aktivierung der einzelnen Menüpunkte über das Klickwheel zumindest gewöhnungsbedürftig und die Tatsache, dass man nicht die Gesamtmenüstruktur oder den gesamten Inhalt von Untermenüs zu sehen bekommt sondern jeweils nur einen Menüpunkt nicht optimal umgesetzt: Hier besteht noch Verbesserungspotential.

Schlanke Menüführung AJA CION mit wenig Überblick



Gut gefallen hat uns hingegen die Durchreichung des Kamerastatus an das SDI-Monitor-Out Signal, so dass im EVF alle relevanten Statusinfos stets parat waren. Apropos EVF: Bei der Wahl eines EVFs für die CION sollte man unbedingt auf einen guten, im EVF integrierten Waveformmonitor achten, weil die CION zumindest bislang nur ein Histogramm mitbringt. Uns hat das Histogramm bei unseren Testaufnahmen zwar gereicht, weil wir recht konservativ ETTR belichtet haben (hierzu später mehr) – doch für genauere Belichtungskontrolle halten wir einen Waveformmonitor für unerlässlich.

Die CION verfügt über zwei D-TAB Buchsen – hier versorgt eine den Cineroid EVF



Die Kühlung der CION arbeitet aktiv mit einem Lüfter und funktionierte während unserer Testaufnahmen problemlos. Allerdings ist der Lüfter im Stand-By seltsamer Weise deutlicher zu hören als während der Aufnahme. Völlig lautlos arbeitet die CION nicht. Da man jedoch in der Regel mit einer von der Kamera entfernten Mikrofonierung arbeiten dürfte, stellt dies kein Problem dar.

Die CION verfügt über 2 Audio-XLR-Eingänge, die sich in Line/Mic und 48V (Phantomspannung) schalten lassen. Die Audiopegel werden auf der linken Kameraseite über zwei versenkbare Drehregler gepegelt. Wir haben kurz in ein Paar XLR-Richtmikros hineingehört. Die Audioverstärkung arbeitet – wie bei AJA zu erwarten – auf gutem Niveau.

Auf der Schulter hat uns die CION gut gefallen. Das eingearbeitete Schulterpad liegt gut auf. Allerdings sollte man beim Arbeiten mit schweren (PL)-Optiken darauf achten, Gewicht nach hinten zu verteilen, weil die CION sonst (wie die meisten Kameras) zu frontlastig wird. Das bedeutet Batteriepacks und Drahtlosempfänger für Ton nach hinten packen. Für mehrstündiges mobiles Arbeiten empfehlen wir hier allerdings eine entsprechende Baseplate mit langem Verschiebebereich, um die optimale Schulterkonfiguration zu finden. In diesem Zusammenhang vielleicht auch wichtig zu erwähnen, dass die CION über zwei Lanc-Buchsen verfügt, mit deren Hilfe sich auch Remotefunktionen – zumindest jedoch Start/Stop auch in einen Handgriff legen lassen.

Und apropos PL-Mount: Wer die CION für Canon EF, Nikon G, B4 (2/3“) oder Panavision formschlüssig umbauen möchte, findet bei MTF die entsprechenden Umbaulösungen (inkl. Blendenkontrolle für Nikon G und Canon EF-Optiken (Elektronische Canon EF Optiken müssen allerdings mit der MTF Effect Unit für die elek. Blendensteerung gekoppelt werden).

formschlüssiger Canon EF-Mount für die CION von MTF



Die Preise liegen zwischen 400-500 £ für die hier genannten Mounts. Wir hatten bereits gute Erfahrungen mit der Qualität von MTF-Adaptern bei unserem Samyang Objektivworkshop gemacht. MTF baut komplett in Metal und auf gutem Niveau.



Schnittstellen



AJA verfügt über reichhaltige Erfahrung in Sachen hochwertiger Schnittstellen und dies kommt der CION massiv zu Gute. Uns fällt derzeit keine Kamera ein, die über mehr In/Outs verfügt, als die CION. Die integrierte Ethernet-Schnittstelle, die XLR-Eingänge, die SDI-Monitoring-Out Signale und die beiden Lanc-Schnittstellen hatten wir bereits erwähnt.

Hier die kompletten IN/Outs der AJA CION nochmal aufgelistet:

4 x 3G-SDI-Hauptausgänge (4 BNC-Anschlüsse, 3G/1,485 Gbps)
2 x 3G-SDI-Monitorausgänge (1 BNC-Anschluss an der Vorderseite, 1 BNC-Anschluss an der Rückseite, 3G/1,485 Gbps)
2 x HDMI-Ausgänge (1 HDMI-Anschluss (v1.3, Typ A) an der Vorderseite, 1 HDMI-Anschluss (v1.4, Typ A) an der Rückseite)
2 x D-Tab für die Stromverteilung für Zubehör
2 x Lanc für Fernsteuerungen (2,5mm Klinke)
2 x XLR
1x Ethernet (10/100/1000)
1x Genlock
1x Timecode
1x Thunderbolt
1x Kopfhörer (3,5mm Klinke)

Bemerkenswert ist hier die schiere Fülle an SDI-Outs, die zweifache Lanc-Option, die integrierte Ethernet-Schnittstelle für das Webinterface sowie die Thunderbolt Schnittstelle über die 4K RAW mit 30 B/s ausgegeben werden kann. In Sachen Output-Funktionen ist die CION damit überdurchschnittlich ausgestattet.



Aus dem Messlabor



Wir hätten nicht erwartet, dass uns die AJA CION im Testlabor länger beschäftigt. Doch in der Kamera spielen sich doch einige Dinge anders ab, als erwartet. Das fängt bereits bei der Schärfemessung und dem Codec an: Denn ProRes 4:4:4 in 4K macht eigentlich keinen Sinn: Der Sensor kann mit seinem Bayer Pattern in 4K-Auflösung ja eigentlich nur 4:1:1 bzw. 4:2:0 Chroma-Subsampling liefern, da ja nicht für jeden Pixel ein echter RGB-Wert zur Verfügung steht. Speichert man nun in ProRes 4:4:4, so müssen diese Pixelwerte schon irgendwie hinzu-interpoliert sein. Und somit speichert man überflüssig viel Informationen ab, die man eigentlich auch in der Postproduktion “hinzuerfinden” könnte (wie übrigens auch bei der URSA).

Diese Umwandlung von Bayer Senseln nach RGB-Pixel-Werten passiert beim internen Debayering der CION. Und auch hier macht die Kamera einiges anders, als die meisten Konkurrenten. Sehen wir uns hierfür einmal unser typisches Schärfechart an:

Die AJA CION im 4K-Schärfetest



Erst einmal fällt auf, dass feinste Details von der CION nicht wiedergegeben werden. Diese werden jedoch nicht breit gefiltert, sondern verschwinden eher unter einer Art Raster. Die Umsetzung der Bayer-Sensel in RGB Werte, also das Debayering erfolgt dabei nach einer Art Dithering. So werden schon bei genauem Hinsehen einzelne Rasterpunkte deutlich sichtbar, die auf die Bayer-Struktur des Sensors zurückzuführen sind.

Gegen grundsätzliches Aliasing hilft dieses Verfahren nur bedingt, da in feinen Bildmustern ebenfalls unruhige Flächen entstehen, jedoch vermeidet man niederfrequente, falschfarbige Flächen. Die Sony FS7 löst im Vergleich höher auf, zeigt allerdings auch mehr Aliasing und Moiré. Ob dieses Dithering der CION besser Aussieht als das typische Debayering bleibt Geschmacksfrage. Auf jeden Fall erinnert die Pixelstruktur mehr an Filmkorn, als das klassische Debayering und es gibt Hinweise darauf, dass durch Dithering auch der subjektiv wahrgenommene Dynamic Range zunimmt. Doch bevor diese Interpretation esoterische Züge annimmt, wollen wir uns die AJA CION einmal bei 1200 LUX ansehen:

Die AJA CION bei 1200 Lux



Erst einmal ist anzumerken, dass der Weißabgleich mit dem 5600K Preset nicht ganz 100% passt. Darüber hinaus fällt die Dynamik der Kamera nicht ausgesprochen hoch aus. Die Stirn unseres Puppenkopfes ist bereits ohne Zeichnung, jedoch sind die Augen noch unterbelichtet und die Schatten (u.a. in Bereichen der Schalplatte) versinken schon strukturlos in komplettem schwarz. Insgesamt so ziemlich genau das, was wir vom CMOSIS Sensor erwartet haben. Feinste Details fehlen, jedoch unterstreicht dies eher noch einen cinematischen Grundeindruck des Bildes.

Bei wenig Licht wird die Sache noch einmal interessanter. Da uns für die PL-Mount “nur” ein Zeiss CP.2 25mm mit T2.1 zur Verfügung stand, mussten wir schon etwas hochdrehen, um überhaupt ein brauchbares Bild bei 12 Lux hinzubekommen:

Die AJA CION bei 12 LUX EI1000, 1/25 Sek, T2,1, 3200K



Zwar wird unser Bild bei dem maximal möglichen EI1000, einer Belichtungszeit von 1/25 Sek, und Blende T2.1 nicht sonderlich hell, jedoch fällt besonders positiv auf, dass das Rauschen sehr fein und gleichmäßig bleibt. Fixed Pattern Noise, der bei der Blackmagic 4K mit dem gleichen Sensor besonders auffällt ist uns bei der CION fast gar nicht begegnet.

Abschließend lässt sich zur Bildqualität sagen, dass die AJA CION aus dem CMOSIS Sensor wohl das beste herausholt, was aktuell möglich erscheint. Tatsächlich darf man wörtlich nehmen, wie sie beworben wird: “Minimize your Post” ist durchaus so zu begreifen, dass die CION schöne, cinematische Bilder “out of the Box” produziert. Der weitere Gestaltungsspielraum ist dagegen relativ eng, weil die Grenzen der Dynamik des Sensors schon 10 Bit ProRes 4:4:4 kaum ausreizen können.



Das wahre Leben und Skintones



AJAs CION in Berlin



Intern speichert die CION derzeit ausschließlich ProRes – entsprechend gespannt waren wir auf das Kamerabild, wie es aus der CION ohne Farbkorrektur herauskommt und wie sich das Debayering der CION in der realen Welt verhält. Um ein besseres Verständnis für die interne Farbabstimmung der CION zu erhalten, eröffnen wir diesmal das Praxiskapitel mit einem Hautton-Clip.

Die CION geriggt für den Skintone-Test



Alle Clips wurden in UHD-Auflösung mit 25p aufgenommen. Hierbei kam das Zeiss CP.2 85mm bei einer T8 im Berliner Tageslicht zum Einsatz. Bearbeitet wurden die Clips in DaVinci Resolve auf einem aktuellen Mac Pro 8-Core.

Wir haben den Hauttonvergleich mit zwei unterschiedlichen Gammafunktionen aufgenommen: Einmal mit dem von uns grundsätzlich bevorzugten „Gamma Normal Expanded“ und einmal mit „Video“. Die „Gamma Normal Expanded“ Aufnahme haben wir einmal ohne Farbkorrektur und einmal mit der Anpassung an die Xrite Farbtafel in Resolve ausgespielt.

AJA CION mit sehr guter Farbabstimmung Out-of-the-Box



Wir sind von der Hauttonreproduktion der CION ziemlich beeindruckt. Solange man ein Auge auf die Highlights hat und hier eher zurückhaltend belichtet, wird man mit exzellenten Skintones belohnt – und dies bereits Out-of-the-Box. Hinzu kommt eine minimale Grainstruktur im Bild die sehr gut mit der Colorscience der CION harmoniert und damit einen für unser Empfinden recht cinematischen Eindruck hinterlässt.

Hier die CION Hauttonclips im Vergleich:




Die einzelnen Gammafunktionen haben wir uns auch nochmal in einer kontrastreicheren Umgebung angeschaut. Auch hierbei haben wir darauf geachtet, dass wir keine clippenden Highligts (s. Wolken) produzieren und anschließend wieder Gradation ins Bild zurückgebracht:




Zum Schluß noch ein schnellerer Schwenk – ebenfalls in 4K und in Gamma Normal Expanded aufgenommen:






Fazit



Bei einer Cine-Kamera erwartet man gemeinhin Log-Funktionen mit einem Dynamikumfang bis zum Abwinken, Datenberge an RAW Recordings und ein damit einhergehender hoher zeitlicher und finanzieller Aufwand in der Postproduktion. Und auch wenn sich dieses Bild derzeit mit den aktuellen 12-Bit ProRes Formaten zu verändern scheint - die CION von AJA entzieht sich der Zwangsehe von „Cine“ & „Raw“ und geht hier einen eigenen Weg mit ProRes 4444 Encodings.

In diesem Zusammenhang kommt uns unsere letzte slashCAM-Umfrage hinsichtlich des Wunschcodecs beim nächsten Kamerakauf in den Sinn: Eine deutliche Mehrheit wünscht sich ProRes Recording an Bord der nächsten Kamera.

AJA hat bei der CION mit ihrer sehr guten Skintonewiedergabe Out-Of-the-Box seinen Schwerpunkt bei der internen Farbabstimmung gesetzt und ermöglicht damit im Verbund mit ProRes schnelle Workflows. Dies kann je nach Produktion ein nicht unwesentliches Kriterium sein. Mit ihrem an Filmkorn erinnernden Debayering bietet die CION bei entsprechend aufmerksamer Highlight-Belichtung einen unkomplizierten Weg hin zu cinematischen Bildern ohne großen Grading-Aufwand.

Zusammen mit ihrem leichten und dennoch robusten Gehäuse, ihrer Netzwerkfähigkeit, den vielen In/Out Optionen und einen Preis um die 5.000,- Euro positioniert sich die CION im Verbund aktueller 4K-fähiger Cine Kameras ziemlich einzigartig und sollte als Filmtool entsprechend bewertet und eingesetzt werden.

Doch AJA steht mit der CION erst am Anfang einer Kameraentwicklung und klar ist auch noch Luft nach oben bei der CION vorhanden. Für künftige Updates würden wir uns definiertere, echte Log-Funktionen, ein übersichtlicheres Menü, internes Waveformmonitoring und zumindest eine Option für leicht komprimiertes, internes RAW wünschen. Auch darf die CION noch bei der Lowlightfähigkeit zulegen.

Die zukünftigen Schlachten werden im S35-Cinebereich bis 10.000 Euro unserer Meinung nach in den Bereichen Dynamik, Farbwiedergabe und High-ISO geschlagen. Die nächste S35 Sensorgeneration steht hierfür bereits in den Startlöchern und wird die Latte für Cine-Kameras nochmals höher hängen.

AJA hat mit der CION einen ersten Schritt getan, um an diesem Wettlauf erfolgreich teilzunehmen - weitere werden folgen. Wir sind jetzt schon mächtig gespannt darauf, wie AJA die Erfahrungen mit der CION für deren künftige Entwicklung nutzen wird.

Dank an 25p für´s Aushelfen mit Equipment für die Hautton-Aufname.


AJA CIONim Vergleich mit:

Listenpreis: 5700 €
Markteinführung: Mai 2015
Sensorgrößen-Klasse:
Super35 / APS-C
Mount: PL-Mount

Platz 25 Wechseloptik-Camcorder / Cinema Kamera Bestenliste
RED SCARLET-W
Listenpreis: 19000 €
Sensorgrößen-Klasse: Super35 / APS-C
Panasonic VariCam LT
Listenpreis: 18000 €
Super35 / APS-C

  

[20 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Angry_C    16:11 am 15.6.2015
Das Problem bei den Cmosis Sensoren ist, dass sie keine zusätzlichen Schwarzpixel für den Schwarzabgleich besitzen. Daher ist überhaupt erst ein so aufwändiger Noisepattern...weiterlesen
rudi    15:44 am 15.6.2015
Doch, es soll auch eine Mini 4K geben, die wahrscheinlich den CMOSIS-"Pattern-Generator" an Board hat ;) Aber anders gedreht: Jeder Sensor hat IMHO eine spezielle Noise-Pattern...weiterlesen
Angry_C    15:34 am 15.6.2015
BMD wird sich hüten, den Noisepattern Sensor von Cmosis in die Mini zu bauen. Der war übrigens schon immer kacke, nicht erst seit der URSA. Deshalb ja nun auch der...weiterlesen
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