Logo Logo
///  >

Praxis : Ursa Mini 4.6K korrekt belichten: Zebra, False Color…

von Di, 25.Oktober 2016 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 ETTR vs False Color



ETTR vs False Color



Im Gespräch mit DOPs und Color-Artists kristallisieren sich immer wieder zwei ganz unterschiedliche Ansichten Pro&Contra ETTR heraus: Die einen wollen das rauschärmste Material und dies bedeutet die maximal mögliche Sättigung des Sensors: also ETTR, bzw, ETTR-nahe Belichtung. Dies dürfte die weitaus größere Gruppe sein.

: ETTR oder auf 18% grau belichten? Hier URSA Mini 4.6K auf 18 % grau

Die Empfehlungen bei der Ursa Mini 4.6K liegen hier meistens in einer Spanne zwischen 85 und 95% IRE (Zebra-Levels) auf den Highlights (Ausreisser wie glänzende Metalloberflächen ausgenommen). Neben dem dadurch insgesamt minimiertem Rauschen fällt als angenehmes Nebenprodukt bei der Ursa 4.6K die Minimierung von Fixed-Pattern Noise in Lowlight oder dunklen Bildanteilen in Extremsituation an (wobei man hier sagen muss, dass die Ursa Mini 4.6K Fixed Pattern Noise vergleichsweise gut unter Kontrolle hat).

ETTR Belichtung mit f2.8 nach Korrektur



ETTR Belichtung mit f2.8 vor Korrektur



Hier das dazugehörige Histogramm



Das dazugehörige Waveform nach Korrektur zeigt minimierten Noise



Es gibt aber auch die Fraktion, die sich explizit gegen ETTR ausspricht und lieber eine an den Hauttönen / Hauptmotiv orientierte Belichtung (an Stelle von Highlight-orientiert) bevorzugt.

Werkzeuge der Wahl wären bei der Ursa Mini 4.6 K hier die Anwendung der Falsecolor-Empfehlung (pink = kaukasische Hauttöne), bzw. externer Belichtungsmesser (und optional Graukarte). Das Hauptargument hier liegt in Bezug auf den finalen Film als Ganzes auf einer von Szene zu Szene konstanteren Belichtung der wesentlichen Bildmotive und damit eines durchgehend homogeneren Looks.

False Color Belichtung mit f8 nach Korrektur



False Color Belichtung mit f8 vor Korrektur



Hier das dazugehörige Histogramm für False Color auf Skintone



Das dazugehörige Waveform nach Korrektur zeigt erwartungsgemäß mehr Noise als bei ETTR



Die Argumente von beiden Seiten lassen sich unserer Meinung nach gut nachvollziehen. Eine wichtige Klärung bringt hier in der Regel eine Vorab-Besprechung mit Beteiligung von Regie, DOPs und Postproduktion über den angestrebten finalen Look und die dazu am besten passende Belichtungsstrategie.

Dies ist umso wichtiger, als Kameras wie die Ursa Mini 4.6K einen so hohen Dynamikumfang mitbringen, dass sich ETTR und False Color Belichtungen in der Praxis auch mal um bis zu 3 vollen Blenden unterscheiden können und dies merkliche Auswirkungen auf die Farbwiedergabe hat. Umgekehrt kann ETTR bei hohen Motivkontrasten auch zu Unterbelichtungen bei den Mitten führen.

ETTR-Belichtungen farb-, rauschkonsistent etc. anzugleichen kann in der Postproduktion deutlich zeitaufwendiger sein – das Ergebnis dafür qualitativ hochwertiger (wenn der Signal-Rauschabstand das primäre Qualitätskriterium darstellt). Entsprechend sollte man sein Budget (und seine Ansprüche) ausrichten.

Wer hingegen nicht die Zeit oder die Mittel für eine aufwendigere Farbkorrektur hat oder einfach an möglichst schnellen Turnarounds interessiert ist und trotzdem nicht auf RAW / LOG verzichten möchte, der dürfte mit der Anwendung der Blackmagic eigenen LUTs z.B. der BMD 4.6K Film to REC709 am schnellsten zu brauchbaren Looks kommen, wenn auf die entsprechende LUT hin belichtet wurde. Und dies ermöglicht bei entsprechenden Motiven am unkompliziertesten eine Belichtung via False Color auf Skintones.

Und hierzu abschließend sollte auch jedem klar sein, dass es sich bei der Belichtung um einen kreativen Prozess handelt. Es gibt hier kein richtig oder falsch, sondern nur eine für die Bilderzählung adequate oder weniger passendere Belichtung. Die hier genannten Methoden sind nicht in Stein gemeisselt – am besten hat man mehrere Parat und versteht ihre Funktionsweise für das Gesamtbild. So lassen sich dann aus unterschiedlichen Informationen Rückschlüsse für die Gestaltung der Szene ziehen und umsetzen: Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf „Gestaltung“ - Belichtung ist ein kreativer Akt – auch wenn technisches Wissen an dessen Anfang steht.

Histogramm / Belichtungsumfang der URSA Mini 4.6K
Daumenregeln Belichtung Ursa Mini 4.6K inkl. ETTR vs False Color


5 Seiten:
Einleitung / False Color
Zebra / Externer Belichtungsmesser
Histogramm / Belichtungsumfang der URSA Mini 4.6K
ETTR vs False Color
Daumenregeln Belichtung Ursa Mini 4.6K inkl. ETTR vs False Color
  

[14 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
wolfgang    00:43 am 29.10.2016
Ok, danke. Noch einen schönen Urlaub. Klingt für mich in Summe recht ähnlich zur FS7.
rob    09:40 am 28.10.2016
Hallo Wolfgang, - nur mal knapp aus dem Kurzurlaub heraus: Es stehen bei der Ursa Mini 4.6 K mehr als 6 Blendendstufen nach oben und nach unten zur Verfügung (zumindest, wenn...weiterlesen
wolfgang    08:43 am 27.10.2016
Einverstanden, das ist ja gängige Praxis, vermindert Rauschen und weist den Tieftönern mehr Tonwerte zu. Nur würde mich eben im Fall der URSA noch interessieren, wieviele...weiterlesen
[ Alle Kommentare ganz lesen]

Weitere Artikel:


Praxis: Hands-On: DJI Quadrocopter Inspire 2 + X7 und Interview mit Top-Pilot Ferdinand Wolf Mi, 29.November 2017
DJI hatte zum Drohnenworkshop nach Italien geladen: Für ein Hands-On mit der neuen Inspire 2 sowie der neuen raw-fähigen S35 Kamera: X7. Wir hatten selbst Gelegenheit, die neue Inspire 2 testweise zu fliegen und mit der X7 zu filmen. Neben viel Tech-Talk zur X7 und Inspire 2 geht es im Interview auch um Einsteigerfragen ins Drohnenfliegen, Europäische Fluggenehmigungen im Vergleich u.v.m.
Test: Panasonics Vollformat BS1H in der Praxis - die aktuell beste Box-Kamera? Mo, 11.Oktober 2021
Wir hatten vorab Gelegenheit zu einem ersten kurzen Dreh mit der neuen Panasonic Vollformat Box Camera BS1H und haben unterschiedliche Setups aufgeriggt: Mit diversen Cages und Griffen im kompakten Hand-Setup sowie am Ronin DJI RS2 inkl. Atomos Ninja V+ und SDI (!) Monitoring. Hier unsere ersten Aufnahmen und Erfahrungen mit der extrem modularen Panasonic BS1H.
News: Erste Spezifikationen (und Spekulationen) zum kommenden ARRI 4K S35 Sensor Do, 30.September 2021
In einem Interview sind erste Details zu ARRIs kommendem 4K S35 Sensor erwähnt worden, die ein paar Schlüsse zu ARRIs erstem grundsätzlich neuen Sensel-Design seit über 10 Jahren zulassen. Wir wagen dazu ein paar Spekulationen...
Test: RED KOMODO 6K in der Praxis: Autofokus, Gimbalshots, Hauttöne, 6K RAW, Zeitlupe ... Fr, 20.August 2021
Mit der RED KOMODO hat RED seine bislang kompakteste und zugleich günstigste raw-fähige Cine-Kamera vorgestellt. Wir wollten wissen, wie sich die erste RED mit Global Shutter und Autofokus in der Praxis inkl. Gimbal-Shots schlägt und haben einige Überraschungen erlebt …
Test: RED KOMODO 6K - Das Dynamik-Verhalten des Global Shutters Fr, 13.August 2021
Test: Der Sensor der Sony A1 - Rolling Shutter und Debayering Fr, 7.Mai 2021
Test: Blackmagic Pocket Cinema Camera 6K Pro in der Praxis - lohnendes Update? Fr, 19.März 2021
Test: Der Sensor der Sony FX3 - Rolling Shutter und Debayering Di, 23.Februar 2021
Test: Wie gut ist Canons Speedbooster EF-EOS R 0.71x an der EOS C70? Mo, 18.Januar 2021
Test: Der Sensor der Canon EOS C70 - Rolling Shutter und Debayering Do, 17.Dezember 2020
Test: Sony Cinema Line FX6 - 4K Sensor Qualität inkl. Dynamik und Rolling Shutter Mo, 14.Dezember 2020
Test: Blackmagic Ursa Mini Pro 12K - wie schlägt sich das „Auflösungsmonster“ in der Praxis? Di, 8.Dezember 2020


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:



update am 17.Oktober 2021 - 18:02
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*