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Interviews : Wie wurden die Clips gemacht? -- Platz 1 des Shot-transit Wettbewerbs / Ronny

von Do, 7.April 2011


Bei der Preisübergabe hatten wir die Gelegenheit, uns ein bißchen mit den Gewinnern des Wettbewerbs zu unterhalten, hier geht es also weiter mit einem etwas erweiterten Interview zum Clip auf Platz 1:


Ronny
von Philipp Scholz und Florian Gregor

Ronny




Wie seid ihr auf die Grundidee der Geschichte gekommen?

Die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs haben von Anfang an die Idee mitgeformt. Wir haben nach etwas gesucht, was natürlich nur an einem Ort spielen darf, aber trotzdem eine Geschichte erzählt. Das unschöne Erwachen nach einer durchzechten Nacht und der Versuch, die gestrigen Ereignisse zu rekonstruieren, erschien uns passend dafür. Naja, der eine oder andere kennt das vielleicht. Die Idee, die Geschichte durch die Mailboxansage zu erzählen, kam allerdings erst später, als Florian und ich uns überlegt haben, wie man noch ein bisschen mehr "Pepp" in die Geschichte bekommt. Ursprünglich hatten wir auch noch mehr Sätze drin -- sie sollte ihm noch andere Geschichten erzählen, die sie erlebt haben, aber wir haben dann gemerkt, das wird zuviel.


Wie habt Ihr die Schärfeverlagerung(en) in die Story eingebaut? (Oder habt Ihr die Story auf der Shottransition aufgebaut..?)

Die Schärfenverlagerungen zeigen dem Zuschauer das, was auch unser Protagonist sieht, bzw. fokussiert. Normalerweise würde man einfach einen Schnitt auf diese Gegenstände machen.


Welche Technik habt Ihr verwendet?

Zuerst haben wir versucht, den Film mit unserer Panasonic HVX 200 zu drehen. Der Schärfenbereich war aber so groß, dass der gewünschte Effekt nicht richtig rüberkam. Also musste die Canon 60D unseres Hauptdarstellers herhalten. Wir hatten eine 50mm Festbrennweite davor, die eine recht offene BlendeBlende im Glossar erklärt hatte und den gewünschten Effekt erziehlte. Ansonsten hatten wir noch zwei Lampen - einen Baustrahler, der unser Tageslicht simulierte, und ein kleines Lightpanel Kopflicht von vorne.


Wie seid Ihr an die Schauspieler gekommen?

Das war eine der größten Aufgaben. Wir selbst hatten die Wettbewerbsankündigung erst etwa eine Woche vor Schluss gelesem, und die Darsteller haben entsprechend erst zwei Tage vor dem Dreh erfahren, daß sie da mitmachen müssen. Basti (Axel) ist ein guter Kumpel, der ironischerweise Kameraassistent/Focuspuller ist. Er hatte früher schon einmal eine kleine Rolle in unserem Kurzfilm "Clint" und erwies sich schon damals als Naturtalent.
Tommec (Ronny) ist auch ein Kumpel, der zum Zeitpunkt des Drehs leider ziemlich bartlos war. Normalerweise ist sein Bart doppelt so lang, gekrönt von einem Kaiser Wilhelm II. Zwirbelbart. Seinen Text konnte er trotz fehlender Schauspielerfahrung auf Anhieb... Leider hatte er nur eine halbe Stunde Zeit, und zwar Sonntag Abend um 8.
Lena (Stimme von Marie) ist eine gute Freundin mit einer tollen Stimme. Zuerst war sie ein wenig skeptisch, dann jedoch sehr angetan.


Wie habt Ihr technisch die Shottransition (so exakt) hinbekommen?

Die Schärfenverlagerungen waren eine der größten Schwierigkeiten. Die Freude nach dem Kamerawechsel und der damit gewonnenen Tiefenunschärfe, wurde durch das Handling der 50mm Canon Optik getrübt. Da die Optik Autofokus optimiert ist, waren die Abstände am Fokusring minimal. Ein Abstand von ca. 10 cm im Bild war für mich Millimeterarbeit an der Optik. Und dazu muß man noch den Schauspieler im Auge behalten, um das Timing auf das Spiel abzustimmen.


Hattet ihr die Schärfepunkte auf der Optik markiert?

Ja, drei kleine Lassoband-Schnipsel hatten wir aufgeklebt. Wenn die nicht ganz genau deckend aneinanderlagen, war es gleich unscharf...


Was war das Kniffligste beim Dreh bzw. der Umsetzung der Idee?

Das Kniffligste war das Timing zwischen dem Mailboxtext, den wir erst später mit Lena aufnehmen konnten, dem Spiel unseres Hauptdarstellers und die damit einhergehenden Schärfenverlagerungen.
Dabei sind uns auch beinahe die Brausetabletten ausgegangen, die ohnehin schon schwer waren an einem Sonntag aufzutreiben. Daraufhin haben wir versucht, sie zu vierteln, aber dann gab es keinen Sprudeleffekt mehr... Nach ca. 30 Versuchen war der Spot im Kasten und Gott sei Dank alles scharf.


Wo habt Ihr denn gedreht?

Zuhause. Irgendwann kam die Frage auf, wo das ganze denn nun stattfinden sollte, und da wurde uns schnell klar, am meisten Platz ist bei mir im Wohnzimmer. Aber da steht natürlich kein Bett -- das mußten wir dann ändern. Also Couch raustragen, restliche Möbel raustragen, Bett reintragen. Die Wohnung sah recht wild aus, und ich weiß nicht, was sich die Nachbarn gedacht haben -- das ganze Wohnzimmer hell erleuchtet, in der Mitte ein riesiges Bett mit einer Kamera darauf gerichtet, und das ganze abends um 8, auch wenn as aussieht als wär es morgens.

Vor das Bett kam dann ein kleines Tischchen, um die ganzen Requisiten darauf zu stellen, das Glas und so, aber das Verhältnis zwischen der Tischhöhe und dem Bett stimmte nicht. Leider mußte alles sehr weit unten sein, weil man sonst im Hintergrund das Fenster gesehen hätte -- es war ja stockduster draußen, aber die Handlung spielt Vormittags. Deswegen mußten wir die Matratze vom Bett nehmen, so daß die Darsteller auf dem nackten Holzrollrost liegen mußten, was nach fünf Sekunden schon echt weh getan hat.


Und in Sachen Nachbearbeitung?

Schnitt gab es ja keinen, bei der Post war es eigentlich nur der Ton, der schwierig war. Wir mussten den Film komplett nachvertonen, da wir ja die Frauenstimme erst danach aufnehmen konnten. Deshalb hatten wir beim Dreh den Text selbst reingelesen für das Timing. Der Hauptdarsteller mußte also nachträglich nochmal seinen Text einsprechen, und auch die Geräusche wie Glas absetzen und Rascheln des Kassenbons wurden Foley-mäßig nochmal aufgenommen und in Premiere druntergelegt, sodaß kein Ton normal beim Dreh entstanden ist.


Fandet Ihr die Einschränkungen beim Wettbewerb eher hinderlich oder war es ein Ansporn, innerhalb der vorgegebenen Grenzen (feste Einstellung, Shottransition, 1 Minute max) etwas hinzubekommen?

Ich fand die Vorgaben sehr anspornend. Normalerweise gibt es bei Wettbewerben höchstens eine Zeitbegrenzung und drei Gegenstände, die man einbauen muss (o.ä.). Doch noch ein paar Schritte weiter zu gehen und einen Filmwettbewerb mit der Einschränkung zu machen, dass man die Kamera nicht bewegen darf, fand ich super. Man hat bei allen Einreichungen gesehen, wie kreativ die Filmemacher an diese Aufgabe herangegangen sind.


Glückliche Gewinner bei der Preisübergabe mit Nela Pertl von Panasonic




Und was habt Ihr nun mit der Kamera vor?

Das größte wäre unser nächstes, eigenes Kurzfilm-Projekt, das sich allerdings noch in der Drehbuchentwicklung befindet -- im Sommer wollen wir drehen. Aber unsere anderen, laufenden Sachen wie Imagefilme oder Musikvideos werden wir natürlich auch mit der Kamera machen. Wir haben auch extra schon eine Tasche dafür gekauft, und einen Novoflex-Adapter auf Minolta-Otiken... Technisch planen wir die Aufnahme über SDISDI im Glossar erklärt mit Flashrecorder zu machen, da sind wir schon gespannt, ob man einen Unterschied sieht gegenüber der Aufnahme auf SD-Karte.


Habt Ihr eigentlich Film studiert?

Wir haben uns mehrere Male beworben, aber nie eine Zusage bekommen. Irgendwann haben wir dann gesagt: lassen wir es, und machen das ganze jetzt independent. Und bis jetzt können wir uns nicht beschweren, unser letzter Kurzfilm, die (Anti-)Raucherkomödie Clint, lief auf 102 Festivals weltweit und hat über 30 Preise bekommen. Der Film war auch eine Spontan-Schussaktion mit kleinem Team -- meine Eltern spielen mit, das Schwein von Phlips Mutter steht aufm Tisch.. Wir hätten nie gedacht, daß da was draus wird, und plötzlich meldete sich ein Festival nach dem anderen. Dadurch haben wir es jetzt auch geschafft, eine Förderung für unseren nächsten Film zu bekommen.


Dann wünschen wir alles Gute für den nächsten Film und viel Spaß mit der Kamera!


in Kürze folgen die nächsten drei Interviews...


    

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update am 17.August 2017 - 15:00
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