Logo Logo
/// 

Grundlagen : Mit DV ins Kino

von So, 15.Dezember 2002 | 5 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Einleitung
 Halbes Leid

Ambitionierte Filmemacher, die schon immer von Ihrem eigenen Kinofilm geträumt haben, scheiterten meist bereits an den Kosten für eine echte 16- 35 mm Produktion. Während zur digitalen Nachbearbeitung des DV-Materials bereits ein handelsüblicher PC ausreicht, blieb die große Leinwand bisher nur finanzkräftigen Produktionsgesellschaften vorbehalten. Doch die Zeiten haben sich geändert.....

Bisher hörte man nur vereinzelt von erfolgreichen Produktionen wie „Blair Witch Project“, die auf Video produziert wurden und sich dennoch in Hollywood zum Kassenschlager entwickelten. Wer sich jedoch in der Independent-Film Ecke umsieht, fand auf den diesjährigen Festivals bereits zahlreiche Filme, die ausschließlich auf DV gedreht wurden. Und spätestens seit sich Hollywood-Liebling Steven Soderbergh (u.a.Traffic, Ocean Eleven) dazu entschlossen hat, seinen nächsten Spielfilm komplett mit handelsüblichen DV-Geräten zu produzieren scheint sich DV als billige Alternative zu kostspieligen 16- und 35mm-Produktionen zu empfehlen. Dieser Artikel versucht eine kurze Übersicht zu geben, worauf man unbedingt achten sollte und welche technischen Hilfsmittel es gibt, um eine DV-Produktion fit für die große Leinwand zu machen.

Das erste Problem ist der Format-Unterschied: Während ein DV-PAL Camcorder mit 25 Bildern pro Sekunde arbeitet, wird ein Kinofilm nur mit 24 Bildern aufgenommen. In der Regel werden beim Transfer jedoch keine Bilder ausgelassen, sondern der DV-Film wird einfach mit 24 Bildern abgespielt und erscheint dadurch ca. 4 Prozent langsamer. Dieser Geschwindigkeitsunterschied ist in der Praxis kaum wahrnehmbar und verhindert einen ersten Qualitätsverlust der Aufnahmen.




Halbes Leid



Ein größeres Problem stellt dagegen das Halbbildverfahren in der PAL-Aufzeichnung dar: Während DV ein Bild aus zwei zeitlich verschobenen Halbbildern erzeugt, werden im Kino nur Vollbilder projiziert. Dieser Unterschied ist für das menschliche Auge klar wahrnehmbar: Kinofilme nutzen für ein Vollbild die doppelte Verschlusszeit, weshalb sich auf einem Filmbild viel mehr Bewegungsunschärfe zeigt. Videoaufnahmen wirken dagegen unnatürlich scharf und zeigen an bewegten Stellen sogenannte „Kamm-Artefakte“, weil hier zwei Halbbilder -die zeitlich versetzt aufgenommen wurden- gleichzeitig dargestellt werden.

Zur Lösung dieses Problems werden verschiedene Ansätze verfolgt: Manche Filmemacher achten darauf, dass der DV-Camcorder die Aufnahme im sogenannten „Progressive-Mode“ unterstützt. Darunter versteht man die Möglichkeit Video nicht mit Halb- sondern mit echten Vollbilden aufzuzeichnen. Leider unterstützen nur wenige semiprofessionelle Modelle diesen Modus, wobei selbst hier die Ergebnisse nicht wirklich überzeugen können. Entweder kann die Belichtungszeit nicht unter 1/50 s eingestellt werden oder die aufgezeichnete Auflösung wird deutlich reduziert. Abhilfe könnte der angekündigte AG-DVX100 3-Chip Camcorder von Panasonic schaffen. Dieser besitzt speziell für den „Progessive-Mode“ entwickelte Bildwandler (CCDs) und erlaubt sogar die Vollbildaufnahme mit 24 Bildern pro Sekunde. Mit einem anvisierten Preis von 3.500,- US$ dürfte dieser Camcorder daher für semiprofessionelle Anwender mit Spielfilmambitionen in Zukunft das Non-plus-ultra darstellen.


Der andere Weg


5 Seiten:
Einleitung / Halbes Leid
Der andere Weg
Gewollte Unschärfe
Die Königsdisziplin / Wie sieht´s aus?
  


Weitere Artikel:


Grundlagen: POL- und ND-Filter (ND Hard-, Soft-Edge und Full) im 4K-Vergleich Do, 7.Januar 2016
Im zweiten Teil unseres Filter-Workshops schauen wir uns diverse Basis-Filter genauer an. Wie funktionieren ND und Pol-Filter (linear und zirkular)? Hierzu haben wir die Panasonic GH4 mit Kompendium und dem neuen Veydra Miniprime 12mm bestückt und stellen bei den ND-Filtern Soft- und Hard-Edge Verläufe vor und vergleichen sie gegen das ungefilterte Bild sowie gegen einen durchgängigen ND-Filter. Auch POL-Filter sind mit von der Partie …(Sponsored by SAE)
Grundlagen: Diffusionsfilter: Glimmer Glas, Pro Mist, Diffusion FX u.a. im 4K-Vergleich Mo, 9.November 2015
Mit steigender Videoauflösung erhalten Diffusionsfilter eine neue Relevanz. Wir wollten wissen: Wie verändert welcher Diffusionfilter (an einer Sony FS7) das 4K-Bild mit besonderem Augenmerk auf Licht und Haut? Wir schauen uns die gebräuchlichsten Diffusions-Filter im Vergleich an und geben eine Einführung in deren Funktionsweise.(Sponsored by SAE)
Grundlagen: Drehen für den Schnitt Di, 16.September 2003
Wer aus selbst aufgenommenen Bildern im Schnitt ein sinnvolles Ganzes rekonstruieren möchte, lernt schnell, worauf beim Drehen zu achten ist – ausser genug Batterien und Kassetten dabeizuhaben. Hier ein kleiner Ratgeber.
Fokus Indie-Film: Fußballer-Portrait Ausherzspiel - auf der Suche nach cinematischer Stimmung mit kleinen Mitteln Do, 28.Juli 2022
Fokus Indie-Film: Windstill - von der HFF direkt auf die große Leinwand Mi, 17.November 2021
Fokus Indie-Film: Mini-Doku-Serie JUGENDLAND - Produzent C. Heymann über Authentizität und Technik Do, 11.März 2021
Fokus Indie-Film: Cyberpunk 2077 Phoenix Program -- Actionkamera ist eine Kunst für sich Mo, 22.Februar 2021
Fokus Indie-Film: Horror/Mystery Kurzfilm Blinder Himmel -- (fast) alles aus einer Hand Mi, 13.Januar 2021
Tips: 5 Licht-Tricks für ein gelungenes Interview Mo, 17.August 2020
Fokus Indie-Film: From North to South - Dreherfahrungen mit der Sony A7S II entlang eines Längengrades Di, 4.August 2020
Fokus Indie-Film: Märchen statt Realismus - Interview zur Entstehung von O Beautiful Night (Regie / Kamera) Di, 18.Juni 2019


[nach oben]


[nach oben]















Artikel-Übersicht



Artikel-Kategorien:



update am 16.August 2022 - 17:39
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*