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Grundlagen : Full Data Video Level Studio Swing? Wenn der Pegel nicht mehr stimmt...

von Di, 27.Juli 2021 | 3 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Einleitung
 Habe ich ein Problem mit dem Videopegel?
 Was ist denn der Pegel?
 Digitale Grenzen

Beim Wechsel der analogen Videoformate in das digitale Zeitalter gab es bei der Konvertierung mehrere zentrale Themen. Neben der Framerate, Auflösung und dem Deinterlacing konnte man besonders oft über falsche Videopegel stolpern, was unter anderem bei uns zu Holger Scheels viel zitiertem slashCAM-Klassiker " Der Canopus Unterschied" führte.

Wer jetzt seinen Augen nicht traut: DOCH wirklich! Dieser Artikel ist mittlerweile fast 20 Jahre alt! Und er ist tatsächlich derart in Vergessenheit geraten, dass viele jüngere Anwender heute Begriffe wie Full-/Studio-Swing und/oder Video-/Data Levels wirklich noch nie gehört haben. Und der Idealzustand wäre natürlich auch, dass man sich damit nicht mehr abgeben muss, denn die analogen Zeiten liegen ja weit genug zurück.

Doch in der Praxis kann man auch heute noch immer über derartige, analoge Relikte stolpern, weshalb wir diese "Pegel-Geschichte" noch etwas in Erinnerung halten wollen.



Habe ich ein Problem mit dem Videopegel?



Dass man ein Pegel Problem hat bemerkt man in der Regel, wenn man die eigene Ausspielung auf einem fremden Wiedergabegerät sieht und dort die Kontraste merklich anders aussehen als am eigenen Schnittsystem. Das kann ebenso in einem Kino wie auch einfach nur bei Youtube der Fall sein. Entweder wirkt das Bild irgendwie verwaschen und kontrastlos oder extrem kontrastreich ohne Details in den Schatten und/oder mit überstrahlenden hellen Flächen. Auf jeden Fall so auffällig anders, dass es sich nicht nur durch eine leichte Gamma-Abweichung erklären lässt...



Was ist denn der Pegel?



Der Pegel (engl. Level) beschreibt die Stärke eines Videosignals an einer Stelle im Bild, wobei die dunkelste mögliche Stelle 0 Prozent und die hellste mögliche Stelle 100 Prozent entsprechen soll. Klingt erstmal einfach, doch der Teufel steckt im Wort "soll". Denn es gibt zum Beispiel Kameras die auch 109% Prozent Videopegel aufzeichnen können, also weißer als weiß (sog. Super-White). Und auch der Blacklevel, also der Punkt, der absolutes Schwarz beschreiben soll ist grundsätzlich "fließend" und muss vom Hersteller irgendwo im Rauschen des Sensors gewählt werden.



Digitale Grenzen



Bei einer digitalen Aufzeichnung gibt es jedoch grundsätzlich sehr klar definierte Grenzen für das Signal. Bei einer 8 Bit Aufzeichnung entspricht das kleinstmögliche Signal dem Wert 0 und das größtmögliche (hellste) Signal dem Wert 255. Darum wäre es einfach nur schlüssig bei der Speicherung 0 für den dunkelsten Punkt (Black-Level) und 255 für den hellstmöglichen Punkt (White-Level) zu definieren.

Da digitales Video jedoch einen entsprechenden analogen Vorgänger hatte hat man -einfach gesprochen- noch ein paar Reserven im Signal vorhalten wollen und bei vielen 8 Bit Formaten den Wert 16 als 0% Black-Level und den Wert 235 als 100% White-Level definiert. Damit konnten einige Kameras bei der digitalen Speicherung wie bereits erwähnt sogar leicht übersteuert aufzeichnen (109% entspricht dem digitalen 8 Bit Wert 255).

Da mit der Zeit aber auch Fernseher digital wurden mussten sich diese ebenfalls an die analogen Wandlungs-Normen halten. Erkennt ein Fernseher ein digitales Videosignal, so stellt dieser sein "schwärzestes Schwarz" bei einem 8 Bit Wert von 16 dar. Werte unter 16 werden also nicht mehr dunkler dargestellt.

Ganz anders jedoch ein Display am PC (oder wenn der Fernseher glaubt, ein PC-Signal zu erkennen). Hier ist die digitale Null der dunkelste Punkt und digital 16 ist schon sichtbar heller. Für das weitere Verständnis (und der Einfachheit weiter in 8 Bit) sieht die Situation also folgendermaßen aus:

Am Computermonitor entspricht Schwarz der 0 und am Fernseher 16.
Weiß ist am Computermonitor 255 und am Fernseher 235.

Für diese zwei digitalen "Kontrast-Räume" haben sich im Laufe der Zeit viele unterschiedliche Begriffe etabliert:

0-255 (8 Bit) oder 0-1023 (10 Bit) steht für Full/Data Level, Full Swing, extended Range oder -7-109 IRE

16-235 (8 Bit) oder 64-940 (10 Bit) steht für Video Level, Studio Swing, legal Range, 0-100 IRE



Der Mix macht´s (problematisch) / Metadaten machen den Unterschied


3 Seiten:
Einleitung / Habe ich ein Problem mit dem Videopegel? / Was ist denn der Pegel? / Digitale Grenzen
Der Mix macht´s (problematisch) / Metadaten machen den Unterschied
Und was bedeutet das für mich konkret?
  

[7 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Rick SSon    18:40 am 9.8.2021
Genau das ist auch meine Erfahrung. Richtig schlimm wirds mit HDR.Wobei VLC meist recht ähnlich aussieht wie "im web", während Quicktime bei mir immer dunkler aussieht, bzw....weiterlesen
K-Billy    12:25 am 1.8.2021
Ich bin "so ein" junger Filmer, der die Begriffe noch nie wirklich gehört hat, geschweige denn wusste, was sie bedeuten (man ist da schon mal irgendwo drüber gestolpert, aber...weiterlesen
Jott    18:52 am 27.7.2021
„ i know, aber 16-235 ist schon echt wenig wenn ich auf 8bit drehe“ Wenn jemand kein Problem mit 8Bit hat, dann die Sender. 16-235 einfach optimal belichten und gut ist...weiterlesen
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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