| Test : Sonic Foundry Vegas Video 4 von Holger Scheel Mi, 30.April 2003 | 6 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen
SonicFoundry, sonst eher bekannt als Audiosoftware-Hersteller, will auch im Videobereich ganz vorne mitmischen. Schon die Version 3 des Schnittsystems Vegas fand viele Anhänger, mit Version 4 will SonicFoundry nun endgültig Premiere und Co. den Rang ablaufen.
Bisher:
Doch von vorne: Entstanden ist Vegas aus einer Audiosoftware, genauer gesagt aus einer Harddiscrecording-Software namens Vegas Audio. Als der Hersteller SonicFoundry sein System in Richtung Video weiterentwickelte, übernahm er viele Bedienkonzepte aus dem Audio- in den Videobereich. Dazu gehörte z.B die Einbindung der PlugIns, die sowohl auf einen einzelnen Clip als auch auf eine Spur angewendet werden können. Gerade bei Filtern, die auf ein komplettes Projekt wirken sollen, eine große Arbeitserleichterung. Eher witzig wirkt dagegen der “Volume-Regler” jeder Videospur, der analog zu seinem Audio-Kollegen den Videopegel verändert. Auch der PlugIn-Standard DirectX wurde beibehalten, leider entwickelten bis vor kurzen nur wenige Hersteller ihre Erweiterungen in diesem Format. Ausnahme war, neben SonicFoundry selbst, die Firma Pixelan, die ihre SpiceRacks auch für Vegas anbot. Viele kleine Entwickler nahmen sich daher des Problems an und so gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Erweiterungen, die fast ausschliesslich Freeware sind. Aus dem Audiobereich bekannt war die Anforderung der hohen Rechengenauigkeit, werden doch heutzutage auch für CD-Produktionen vorrangig 24bit/96kHz–Systeme eingesetzt. Vegas setzt diese Tradition im Videobereich fort, alle Effekte arbeiten mit SubPixelRendering und Grafiken können auch mit höherer Auflösung als 720x576 verarbeitet werden. Die große Stärke von Vegas ist seit jeher, neben dem sehr intuitiven Workflow, die gute Windowsintegration. Obwohl innerhalb der Software der hauseigenen DV-Codec benutzt wird, sind die entstehenden .avis OpenDML-kompatibel und können auf jedem Windows-Rechner wiedergegeben werden. Ein Playback-Codec o.ä. ist dafür nicht nötig.
Endlich: Trimmen und Ripple-Editing
Mit der Version 4 bügelte SonicFoundry die letzten großen Kritikpunkte aus, allen voran das fehlende Trimmen. Damit wird jetzt gleich der ganze Nummernblock belegt: 7 und 9 für Clip linke/rechts, 4 und 6 für +- 5 Frames, 1 und 3 für +-1 Frame und 0 für Schnittvorschau. Da zum Trimmen kein neuer Modus a`la Avid geöffnet wird, sondern alles direkt in der Timline passiert, geht diese Arbeitsweise sehr schnell. Hat man sich einmal dran gewöhnt, fragt man sich schnell, warum das nicht alle so machen. Zweiter großer Wunsch war die Verbesserung des Ripple-Editing. Diese Möglichkeit, Clips direkt in der Timeline durch einfaches anfassen und ziehen zu editieren, ist besonders bei Premiere oder MediaStudio-Umsteigern beliebt. Möglich ist jetzt z.B. das Kürzen mit automatischen Einrücken der folgenden Clips (Auto-Ripple), sowie die Auswahl der daran beteiligten Spuren, Busse oder Regionen.
 | | Trim&Ripple in der Timeline |
Beibehalten hat SonicFoundry dabei das Ein-Monitor-Konzept. Eigentlich nur konsequent, denn alles, was im Preview-Fenster zu sehen ist, kann auch über Firewire ausgegeben werden (Das gilt übrigens auch für alle Echtzeiteffekte und ihre Einstellungen, genügend Rechnerleistung vorrausgesetzt). Wer beim Trimmen oder Ripplen nicht auf die gleichzeitige Darstellung beider Clips verzichten will, kann sie über “Alt” “gesquezed” anzeigen, hier hätten wir uns allerdings zumindest optional auch eine formatrichtige Darstellung gewünscht. Leider ebenfalls geblieben ist der gewöhnungsbedürftige Umgang mit Grafiken. So erkennt Vegas beim Import weder das Pixelseitenverhältnis automatisch (standardmäßig 1:1 anstatt 1:1.67 wie bei DV) noch gibt es eine Möglichkeit, den Farbraum (RGB oder 601) beim Import anzugeben. Zur Anpassung muss daher ein (erfreulicherweise vordefinierter) Videofilter bemüht werden (ComputerRGB->StudioRGB), das Seitenverhätnis lässt sich nachträglich in den Dateieigenschaften ändern. Fairerweise muss man hier aber sagen: Die Konkurrenz a´la Premiere oder MSP bietet diese Möglichkeiten erst gar nicht, insofern ist man froh, dass Vegas sie überhaupt hat. Der Bild-Export ist ebenfalls umständlich: Per Knopfdruck gibt es quasi einen Screenshot des Vorschaufensters, leider nur als jpg oder unkomprimiert in die Windows-Zwischenablage. Allerdings hat diese Lösung auch einen Vorteil: Aus der Zwischenablage kann jede Windows-Anwendung eine Datei erstellen, egal, ob Vegas das Dateiformat kennt oder nicht.
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