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Erster Eindruck: Sony HXR-NX100 gegen JVC GY-HM 650



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Frage von pixelschubser2006:


Hier mal etwas aus der Praxis! Durch einen leichten (aber leider "ausbaufähigen") Defekt an meiner Sony sowie ein hochinteressantes Angebot eines JVC-Auslaufmodelles habe ich mich spontan entschlossen, eine JVC GY-HM 650 zu kaufen.

Meine Sony hat irgendwas an der Optik und wird, sobald der Papierkram erledigt ist, zur Reparatur gehen. Dafür brauchte ich ein Backup. Nun bin ich ja eigentlich ganz happy mit der Kamera, bin aber auf die Restposten der JVC aufmerksam geworden. Die kam heute, und nun möchte ich mal von meinen ersten Eindrücken berichten.

Die Konzepte der Kameras sind sich so ähnlich, wie zwei Henkelmänner halt sind. Die JVC kostet zwar aktuell das gleiche wie die Sony, aber eben als älteres Auslaufmodell. Aktuell liegen die Modelle dieser Baureihe bei bis zu 5000 Euro, da kann man eine Menge erwarten. Vor allem im Hinblick auf die Tatsache, daß die JVCs sich eigentlich nur durch den Entwicklungsstand unterscheiden, aber Gehäuse, Objektiv und wohl auch die Verarbeitung sind offenbar gleich. Damit kommen wir auch zu Punkt 1:

Haptik, Bedienung:

Die Bedienung der JVC ist ganz erheblich logischer und besser. Ich würde das nicht per se "professioneller" nennen, denn auch die NX100 hätte genug Tasten und Schalter. Lediglich der zusätzliche Schalter im Griff der JVC bringt mit endlich eine höhere Zoomgeschwindigkeit, wenn ich die dort angebrachte Wippe benutze. Allerdings wäre ich auch mit einer Geschwindigkeitseinstellung in der Software zufrieden gewesen. Selbst das hat Sony nicht, dafür eine teilweise wirre Bedienung des Weißabgleiches. Der ist bei der JVC nun in Ordnung. Das viel gescholtene Menü der Sony ist aber keinen Fatz schlechter als das der JVC. Im Gegenteil. Sicherlich auch gewöhnungsbedürftig: Bei der JVC muss ich einen Schalter umlegen, je nach dem ob ich per Hand oder per Motor zoomen will. Ist das Stand der Technik? Für mich ist das kein Drama, gewöhnt man sich halt dran. Aber die Sony war da halt besser.

Die Gehäuseverarbeitung der JVC ist ok, aber nicht besser als die meiner Sony. Das Suchergehäuse ist zwar schön groß, aber nicht gerade verwindungsfest. In Anbetracht des ursprünglichen Preises ein Anlass zum Stirnrunzeln. Ehrlich gesagt weiß ich aber nicht, ob z.b. die HM 660 wirklich identisch verarbeitet ist oder womöglich auch mit kräftig Metall. Hier kann nämlich die 4K-Schwester der Sony punkten: Die PXW-Z 150 liegt preislich genau dazwischen und ist in der Haptik dank Metallbody in einer anderen Liga.

Allerdings ist das Gehäuse der JVC einige Zentimeter länger, und diesen Platz für Schalter und Tasten hat JVC gut genutzt! Was in der Bedienung für mich ein Riesenvorteil ist: Das Display der JVC lässt ich auch seitlich einsehen. Beim Drehen von O-Tönen auf Stativ ein immenser Vorteil! Und der ist auch keine Preisfrage, denn Sony hat ja einige wesentlich teurere Modelle mit ähnlichem Gehäuseaufbau wie dem Display der NX100.

Überhaupt mal zu den Displays: Der Sucher der JVC ist zwar kaum größer vom Bild her. Allerdings wirkt das Bild etwas klarer und lässt sich dank wesentlich größerem Okular viel besser von mir als Brillenträger einsehen. Das Display ist bei der Sony besser. Größe ist identisch, aber das Bild wirkt angenehmer. Was bei der HM 650 auffällt: Das Bild rauscht im Sucher deutlich stärker als im normalen Display. Immerhin kann man beide gleichzeitig nutzen, was dann und wann ein Vorteil sein kann. Dramatisch besser ist allerdings im Handling, daß man bei der JVC auch im Sucherbetrieb in den Menüs herumturnen kann. Da ich häfig mit Überzieher filme, ein klarer Vorteil.

Kommen wir nun zu Optik, Lowlight und Bildqualität: Auf dem Papier nehmen sich beide nicht viel. Beide bieten alle Formate bis 1080p. Allerdings ist die Sony fest auf die "Pal-Wurzeln" eingestellt, d.h. 60Hz ist nicht. Kann man sich mit arrangieren, aber für reine Socialmedia-Produktionen würde ich 30p ooder 60p immer noch bevorzugen. Einigermaßen sauber umrechnen kann man inzwischen, aber kann ja nun nicht schaden, hier zielorientiert zu arbeiten.

Das Lowlight-Verhalten wird spannend. Die Helligkeit bei 21db Verstärkung und offener BlendeBlende im Glossar erklärt ist ziemlich gleich. Das Rauschen ist bei kürzeren Brennweiten ähnlich, am langen Ende allerdings ist die JVC drastisch schlechter. Allerdings muss man auch sehen, daß sie einen 23fach ZoomZoom im Glossar erklärt hat, bei gleichem Anfangs-Öffnungswinkel. Stellt man den ZoomZoom im Glossar erklärt der JVC auf die Mitte ein, relativiert sich das deutlich. Immerhin sinkt die Lichtstärke ja auch von 1,6 auf 3,0. Das sind in Etwa 2 Blendenstufen. Die Sony verliert hingegen 1 Stufe - von 2,8 auf 4. Wer bei moderater Helligkeit starkes Tele braucht, wird mit der JVC die besseren Bilder machen. Unterm Strich wohl Gleichstand. Allerdings holen die neueren JVC eine BlendeBlende im Glossar erklärt mehr Licht, also F13 statt F12 bei 2000 Lux. Ob das bei gleichem Rauschverhalten gilt, wird aber nicht gesagt! Wenn man sich die Phantasiedaten bei den DSLR ansieht, muss man da skeptisch sein. Geil bei der JVC: Ich habe einen dreistufigen Schalter für den Gain. In der Software kann ich für jede Stellung die Verstärkung in dB vorgeben. Für mich das perfekte Handling!

Was das Sensorkonzept betrifft: 3x 1/3" sind schon amtlich für einen Henkelmann. Es gibt nur wenige Dreichippper mit größeren Sensoren. Und die sind schweineteuer. Letztendlich muss man Lowlight, Rauschen, Lichtstärke und native Aufllösung betrachten. Außerdem bedeutet 3x... nicht 3x mehr Licht... dafür sorgen ja die dichriotischen Spiegel, das Prisma, was das Licht aufteilt. Wenn ich sehe, daß meine alte Sony definitiv nicht schlechter ist und News-TV-Kollegen mit uralten Canon XF100 mit 1x 1/3-Zoll super Ergebnisse liefern, dann muss man sich darauf konzentrieren, was am Ende rauskommt. Was allerdings auffällt: Meine Sony hat den typischen "Mittelformat"-Effekt: Bei offener BlendeBlende im Glossar erklärt wirkt das Bild spürbar plastischer. Alles in Allem ist es nachwievor der Hammer, was Sony aus den 20Mpix-Chips rausholt.

Was die JVC noch spannend macht: Diverse Netzwerk- und Streaming-Funktionen. Ich werde mir ein Setup einrichten, wo ich bei extrem zeitkritischen Nachrichten-Drehs die fertigen Clips direkt über LTE-Taschenrouter per FTP in den Sender schicke. Ich bin sicher, die Kamera wird im Laufe der Nutzung einen Großteil ihres Preises genau durch diesen Punkt wieder einspielen. Ich bin neulich auf Material sitzen geblieben, weil es nicht schnell genug beim Sender war. Das sollte nicht passieren und verbrennt richtig, richtig Geld!

So, das reicht erstmal. Gerne beantworte ich Fragen und werde weitere Beobachtungen nachliefern! Für mich hat sich die spannende Frage beantwortet, ob die JVC der bessere Kauf war als eine zweite NX100. Letzteres wäre beim Multi-Kamera-Setup schön gewesen. Allerdings müsste ich dann auch die Vorzüge der JVC verzichten. Ich hoffe nun, ich bekomme die Sony repariert und kann beide parallel nutzen.



Antwort von K.-D. Schmidt:

Aktuell liegen die Modelle dieser Baureihe bei bis zu 5000 Euro
In diesem Preisbereich liegt auch die Sony PXW X180, ebenfalls mit drahtloser Kommunikation und 3x1/3". Und die PXW X200 hat 3x1/2", allerdings für einen 1000er mehr. Damit aber noch nicht gleich "schweineteuer", zumal es die Kamera in der EDU-Version auch für 5000 Euro gibt.
Ich hatte vor Jahren auch mit der JVC GY-HM 650 geliebäugelt, mich dann aber doch für die Sony PMW 150 entschieden, da mir das Bild der JVC nicht gefiel, vor allem das Rauschverhalten. Das soll sich aber nach diversen firmware-Updates geändert haben. Jetzt filme ich mit dem Nachfolger Sony PXW X160 (ohne WLAN), der mir vom Bild, vom Rauschverhalten, von der Haptik und den Einstellmöglichkeiten sehr gut gefällt.



Antwort von pixelschubser2006:

Ich will es mal so sagen: 7000 Euro sind für einen Henkelmann verdammt viel Geld. Andererseits ist man mit 3x 1/2" auch eindeutig in der Leistungsklasse eines Schultercamcorders. Und der wäre nochmal deutlich teurer, auch in den Folgekosten. Insofern geht der Preis völlig in Ordnung, wäre nur für mich kein ideales Gerät. Ich bin nun gespannt, wie sich meine Neuanschaffung in der Praxis schlägt. Bezüglich lowlight muss ich nämlich nochmal die Möglichkeiten der HM650 ausloten, da dürfte nach Optimierungen noch was gehen. Es wird interessant.

Ach ja: Was mir noch aufgefallen war: Mit dem Einschalten des Fokus-Assistenten schaltet sich das Bild auf s/w. Soweit ich das überblicke, kann man das nicht abschalten. Aber da kann man sich dran gewöhnen. Womöglich eine Sache, die man nach einer gewissen Zeit nicht mehr anders haben will. Mit den Farbeinstellungen muss ich mich wohl oder übel auch befassen, dabei bin ich zu ungeduldig dafür. Bei meiner Sony gibt es einen Preset für Rec709, und damit ist das Thema dort für mich erledigt.

Was mich bei der Neuen wirklich etwas geärgert hat: Es war ein Netzgerät dabei, aber keine Ladeschale. Den völlig leeren Akku musste ich in der Kamera laden. Immerhin geht das mit 1A bei 12V. Für unterwegs nicht schlecht. Aber ich muss mir eh noch ein Ladegerät und einen Wechselakku beschaffen. Die sind deutlicht teuerer als die NP-Fs.









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