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Arbeitet ihr komplett alleine oder im Team?



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Frage von Gore:


So, ihr lieben Leute. Jetzt habe ich mal so eine richtige (Wieder)anfängerfrage. Ich kenne es aus meiner damaligen Ausbildung zum MGBT, dass man immer im Team arbeitet. Aber in den letzten Jahren ist ja das Videojockeytum mehr und mehr aufgekommen. Die Technik hat sich in den letzten zehn Jahren auch immens verändert, möchte ich mal behaupten.

Meine Frage an euch ist also: Arbeitet ihr alleine oder in einem Team? Falls in einem Team: Welche Position habt ihr im Team?

Meine Frage ist keinesfalls als Scherz gemeint. Ich bin ja nicht mehr in der Medienszene drin und weiß nicht, welche verschiedenen Arbeitsformen es heute so gibt. Und weil ihr Jungs ja bereits seit vielen Jahren aktiv unterwegs seid, würde mich wirklich interessieren, wie euer Medienalltag so aussieht und was sich auch bei euch verändert hat (oder eben gleichgeblieben ist).

Ich danke euch schon mal. :)



Antwort von Pianist:

Ich mache das mit dem "Ein-Mann-Team" seit 25 Jahren. Ich habe meine Geschichte im Kopf, überlege mir schon während des Drehens die passenden Textbausteine, weiß daher genau, was ich für überleitende Aufnahmen benötige, kann den Leuten genau die passenden Fragen stellen und darauf achten, dass sie mir möglichst geradlinige kompakte Antworten geben. So habe ich schon immer ein strammes Drehverhältnis und bin auch in der Nachbearbeitung ziemlich schnell. Natürlich muss man in den Themen so weit drinstecken, dass man erkennt, wenn die Leute Unfug erzählen, also zum Beispiel einen falschen Begriff nennen, oder ihre Aussage ungewollt ins Gegenteil verkehren. Aber deshalb schicken die Auftraggeber ja mich und keinen anderen... :-)

Daher pflege ich immer zu sagen: Ich werde nicht dafür bezahlt, eine Kamera bedienen zu können. Wie ich das regele, ist meinen Auftraggebern egal, die wollen nur schöne Filme haben, die eine klare inhaltliche Botschaft haben. Und meine Verwendbarkeitsquote liegt bei annähernd 100 Prozent. Ich hatte noch nie den Fall, dass ich irgendwas nicht nehmen konnte, weil was unscharf war, oder falsch belichtet, falscher WeißabgleichWeißabgleich im Glossar erklärt oder fehlender Ton. Und das auch schon in Zeiten, wo man nur einen Schwarzweiß-Sucher hatte. Wenn man alles alleine macht, ist man durchgehend konzentiert, kann sich nicht auf andere verlassen, anderen aber auch nicht die Schuld geben, wenn was schiefläuft. Also macht man es gleich richtig.

Was mir aber immer wichtig war: Die Sachen sollen nicht aussehen wie alleine gedreht. Also wird in Innenräumen immer vernünftig geleuchtet, und bei O-Tönen kommt die Kamera aufs Stativ, ich richte das Bild ein und gehe dann auf die linke oder rechte Seite der Kamera, um den Ton zu angeln. Dabei muss ich nur aufpassen, dass mir die Leute nicht aus der Schärfe rauslaufen, aber das hat immer geklappt. Allerdings passt das auch zum Stil meiner Filme. Wenn ich wollen würde, dass die Leute mir in einer beweglichen Situation etwas erzählen, würde ich mit Anstecker und Drahtlossender arbeiten, das kommt aber extrem selten vor.

Das Einzige, was ich nicht alleine mache, sind Umfragen. Das geht nur zu zweit. Und ganz vereinzelt kommt es eben wirklich mal vor, dass ich sage, für den betreffenden Einsatz benötige ich einen Ton- oder Lichtmann. Dann heuere ich eben einen an.

Für mich ist das eine gute und bewährte Verfahrensweise, aber ich kann auch jeden verstehen, der lieber auf klassische Arbeitsteilung setzt. Dann hat man allerdings sehr viel mehr Organisationsbedarf und unter dem Strich eine weitaus ungünstigere Kostenstruktur.

Matthias



Antwort von TheGadgetFilms:

Ich halte es wie Ferdinand Piëch: Vieles ist heutzutage nur im Alleingang möglich, da man sich nicht verlassen kann.
Mir ist in meinen 25 Jahren Beruf nur ein einziger Mensch untergekommen, der zuverlässig ist. In Hamburg ist es besonders schlimm. Da wollen Kameramänner 1500 Euro am Tag haben, und ich muss ihnen am Set erklären, wie man Log richtig belichtet, weil sie es nicht nötig haben,sich die Kamera voher mal anzugucken...
Dann gibt es Produktionsfirmen (den Namen nenne ich gerne per PN), die einen beauftragen einen Kurzfilm zu planen, und alle seine Schauspieler für Umme zu überreden, nur um dann eine Woche vor dem Dreh keine Lust mehr zu haben.
Dann gibt es da noch Tonmenschen, die bei 500 Euro Tagesgage ( 6Std) um Punkt 12 auf ihre 30min Mittagspause bestehen...

Seitdem mache ich alles alleine,wenn es nur geht. 99% der Leute sind mehr damit beschäftigt dass sie gut aussehen und jedem erzählen, wie geil sie sind. Fähige Leute die auch nicht alle 5 Min eine Kaffeepause brauchen, findet man sogut wie gar nicht mehr. Ich bin da sehr enttäuscht und zugleich froh, dass zumindest meine Eltern fähig waren, mich zu erziehen.








Antwort von Pianist:

Absolute Zuverlässigkeit ist doch aber oberstes Gebot. Wie können sich denn Leute im Geschäft halten, wenn sie unzuverlässig sind? Das macht man doch an sich genau ein Mal, und dann nie wieder...

Also: Ganz so schlecht sind meine Erfahrungen nicht. Die Leute, mit denen ich gelegentlich zusammenarbeite, sind genau so zuverlässig wie ich. Bei mir hat es sich eben nur einfach als gut funktionierendes Konzept herausgestellt, im Wesentlichen alles alleine zu machen. Ich mache ja sogar meine Buchhaltung und meinen Jahresabschluss selbst, weil ich der Meinung bin, dass man als Selbständiger seine Zahlen im Griff haben muss.

Matthias



Antwort von Frank Glencairn:

Matthias macht ja mehr ENGENG im Glossar erklärt, während ich eher im szenischen Bereich zuhause bin, und da geht ohne Team eigentlich nix.
Natürlich kann man das mit Gewalt auch alleine machen, aber für das Ergebnis ist das eher suboptimal, weil es extrem ineffizient ist, und entweder die Kosten erhöht (mehr Drehtage) oder vieles aus Kostengründen dann eben erst gar nicht stattfindet. Wenn du also z.B. selbst 2 Stunden mit dem Aufbau des Krans, oder mit Gear Ausladen und Ton verkabeln etc. verbringst, statt mit der Regie den nächsten Shot durchzugehen, fehlt dir die Zeit am Ende.

Normal hab ich mindestens einen AC1 (Focuspuller), je nach Größe des Projekts mindestens einen der beim Licht hilft, wenn nötig Grip, zwei am Ton - das ist quasi die Mindestausstattung für das Camera/Audio Department. Hinzu kommen natürlich die anderen Departments wie H&M , Garderobe etc, und das übliche für die Regie.

Ich hab mein core Team über die Jahre gebildet und die Spreu vom Weizen getrennt - auf diese Leute kann ich mich absolut verlassen.



Antwort von Pianist:

Ich ging jetzt davon aus, dass wir ohnehin nur über Projekte reden, bei denen es grundsätzlich möglich ist, sie alleine zu realisieren. Das geht bei meiner Art von Filmen, aber das geht natürlich nicht bei szenischen Sachen. Da würde auch hoffentlich niemand auf eine solche Idee kommen...

Matthias



Antwort von pillepalle:

Das Thema ist einfach sehr individuell und ein EB-Mann, ein Hochzeitsfilmer, oder jemand der szenisch arbeitet, werden dementsprechend auch ganz andere Arbeitsweisen haben.

Ich arbeite ja noch nicht lange, nur als Freier und hatte bisher noch keine wirklich großen Jobs mit großer Crew. Aber ich sehe ja schon bei der Anfrage worum es sich handelt und wieviel Arbeit es sein wird. Dementsprechend plane und kläre ich auch die Crewgröße vorab und lege selber (bis auf Ausnahmen) das Arbeitstempo fest. Genauso die Pausen die gemacht werden.

Kleine Sachen mit geringem Budget mache ich natürlich auch alleine. Da setze ich mir aber auch selber Grenzen was den Aufwand anbelangt. Mehr als eine oder zwei kleine Leuchten auf Alustativen gibt's dann auch nicht, geschweige denn nehme ich Grip Equipment, Molton/Sound Blankets, oder ähnliches mit. Das bleibt dann alles sehr überschaubar und wenig aufwendig.

Für alles was darüber hinaus geht nehme ich mindestens eine zweite Person (im Wesentlichen für den Ton) mit. Schon alleine das wichtigste Ton Equipment passt bei mir nicht mal in einen 50l Rucksack. Und wenn ein aufwendigeres Licht nötig ist noch jemanden für's Licht, oder als Grip. Die Zeiten wo ich versucht habe alles alleine zu machen habe ich guten Gewissens hinter mir gelassen :) Klar, dann bekommt man auch mal eine Anfrage nicht, weil man nicht der billigste ist, aber das ist mir lieber als einen Job zu machen bei dem ich den ganzen Tag non-stop rotiere und alle anderen am Set, mangels Aufgaben, Smalltalk halten. Da muss wohl jeder seine eigenen Grenzen ziehen.

Man kann einem Kunden aber leicht die Vorteile einer Crew verständlich machen. Man arbeitet schneller und konzentrierter und am Ende ist es gar nicht so viel teurer, dafür aber professioneller. Es bekommt ja nicht jeder das gleiche Honorar. Also wird eine 3 Mann Crew auch nicht dreimal so teuer sein, wie eine 1 Mann Crew. Dafür aber wesentlich effizienter. Vorausgesetzt die Leute wissen was sie tun (also nicht nur ungelernte Aushilfen mitnehmen).

Im Filmbereich ist das natürlich etwas schwerer, aber wenn möglich versuche ich die Leute mit denen ich zusammenarbeite vorher kennen zu lernen. Und wenn die Zusammenarbeit gut funktioniert, arbeitet man auch immer wieder mit den gleichen Leuten zusammen. Da wo das nicht möglich ist, hat man natürlich immer ein gewisses Risiko. Aber eine schlechte Erfahrung gehört eben auch mal dazu. Es gibt dafür ja auch viele gute.

VG



Antwort von Frank Glencairn:

pillepalle hat geschrieben:
Klar, dann bekommt man auch mal eine Anfrage nicht, weil man nicht der billigste ist, aber das ist mir lieber als einen Job zu machen bei dem ich den ganzen Tag non-stop rotiere und alle anderen am Set, mangels Aufgaben, Smalltalk halten. Da muss wohl jeder seine eigenen Grenzen ziehen.
Meiner Erfahrung nach ist das langfristig auch die bessere Lösung als mit Preisdrückern und Billigheimern zu arbeiten.
Dem was am Ende raus kommt, sieht man die Geiz Mentalität meistens an, und du bekommst damit kein vernünftiges Demomaterial, was dir bessere Gigs bescheren würde - das ist dann eine Spirale nach unten.



Antwort von pillepalle:

@ Frank

Ja. das kann man auf einen einfachen und kurzen Satz reduzieren. Was nichts kostet, ist auch nichts Wert. Und wie Du schon ganz richtig sagst, die Spirale geht dann meist nur nach unten.

VG



Antwort von Jott:

Zuverlässige Leute zu finden (also keine Poser, die sich ständig mit irgendwelchen Stories spreizen und positionieren wollen) ist wirklich ein Drama. Fachliches Können ohne Getue, dazu noch angenehmes Auftreten und Sozialkompetenz Kunden gegenüber - kaum aufzutreiben. In einer Großstadt. Die "schwarze Liste" an No-Go-Leuten ist erheblich länger als "weiße".

Mich nervt immer schon der Besuch beim Lichtverleiher, wo nur angegammelte zottelige Typen rumlungern, die das wohl für eine zwingende "Ich-bin-beim-Film"-Uniform halten. Schlimm. Rant over.



Antwort von TheGadgetFilms:

Jo die schwarze Liste musste ich auch wieder rauskramen ;)
Erfahrungsgemäß würde ich niemanden mit Instagram Account einstellen, hahaha.



Antwort von Mediamind:

Für Hochzeiten habe ich bisher alleine gearbeitet. Das ist aber ohne Zukunft. Seit letzem Jahr habe ich eine Assistentin, die allerdings nur grundlegendes Wissen mitbringt. Mal schauen, wie gut das klappt...








Antwort von Gore:

Wow, ich danke euch vielmals für eure Beiträge! Ich finde es echt interessant, was ihr alle so schreibt. Die Ein-Mann-Methoden und die Arbeitsweisen im Team finde ich gleichermaßen interessant. Daher würde ich mich auch über Beiträge weiterer Jungs freuen.

Ich kann ja nur darüber erzählen, was ich in der Ausbildung erlebt habe. Kurze Zeit nach meiner Ausbildung habe ich auch versucht, mit Leuten zu arbeiten und ein festes Team zu bilden. Doch die betreffenden Leute, die ich im Sinn hatte, waren dann am Ende doch ängstlich, weil sie z.B. noch kleine Kinder hatten und lieber einen festen, sicheren Job angenommen haben (was ich auch verstehen kann). Die meisten anderen Leute kamen für mich nicht in Frage, weil sie Schnacker waren oder einfach unzuverlässig waren oder leider auch charakterliche Defizite hatten, was die Arbeit im Team immens erschwert hätte oder gar unmöglich gemacht hätte.

Bei Dir, Matthias, finde ich es echt beeindruckend, dass Du alles alleine machst und dann noch eine Verwertbarkeitsquote von nahezu 100% hinlegst. Respekt!

Ich habe ursprünglich auch ENGENG im Glossar erklärt gelernt. Dort haben wir von Anfang an im Team gearbeitet. Und selbst in meiner Ausbildung hat sich bereits herauskristallisiert, mit wem man gut zusammen arbeiten konnte und mit wem die Chemie einfach nicht passte. Dies hat man dann auch immer deutlich am Endergebnis gesehen. Mit den Leuten, mit denen es gut klappte, hat man dann auch immer wieder zusammen gearbeitet. So haben sich die Teams dann eingeschliffen. Wäre ich heute noch dabei oder würde ich heute irgendwo wieder einsteigen, würde ich auch ein Team bevorzugen. In einem gut eingeschliffenen Team hat es einfach Spaß gemacht zu arbeiten und alles lief Hand in Hand.

TheGadgetFilms, bei Dir musste ich schmunzeln, als Du von den Tonleuten geschrieben hast, die pünktlich um 12 Uhr Mittag machen wollten. Bei uns war es damals nicht so schlimm. Aber die Jungs wollten damals immer alle Nase lang eine Zigarette rauchen. Nach jeder Einstellungen und nach jedem Abbauen mussten die Jungs immer rauchen, bevor es weiterging. Für mich als Nichtraucher natürlich nervig, weil wir so auch viel Zeit verloren haben.

Wenn wir irgendwelche "Projekte" hatten, ließen sich die Jungs (die z.T. eh schon gammelig herumliefen) auch immer "Stressbärte" wachsen. Aus irgendeinem mir unbekannten Grund haben sich die Jungs während der Projekte nie rasiert und kamen immer ungepflegter zu den Dreharbeiten. Eine Kollegin, die den Ton angeln sollte, kam einmal bereits betrunken zum Dreh. Ein anderer hatte während eines anderen Projekts immer noch Restalkohol vom Vortag im Blut. Einer der ungepflegten, gammeligen Kollegen meinte dann aber, den Spruch "Call me Mediengestalter, baby!" bringen zu müssen, um sich gut "verkaufen" zu können. Naja, dies waren unter anderem meine bescheidenen Erfahrungen.

Wenn ich heute wieder einsteigen würde, würde ich realistischerweise als Assistent in einem "Department" anfangen und mich dann hocharbeiten. Ich wäre mir auch keinesfalls zu schade, mit Arbeiten zu beginnen, die die anderen nicht so gerne machen würden. Ein (Wieder)anfang ist ein (Wieder)anfang. Man muss nun einmal realistisch bleiben und wieder klein anfangen. Nun bin ich ja eher so der Computertyp. Mich würde z.B. viel mehr der Schnitt, statt die Arbeit am "Set" interessieren. Generell finde ich die Postproduction, wie z.B. Schnitt, Colour Grading, Compositings und CGI viel interessanter als die Dreharbeiten selbst.

Ich freue mich aber auf jeden Fall, dass ihr mich an euren Erfahrungen teilhaben lasst und freue ich über weitere Beiträge. :)



Antwort von Jan:

Das ist wohl auch eine Frage der Zeit, die man sich als Solist setzen darf. Umso professioneller das ganze wird, umso schwieriger wird das dann auch als Solist. Wenn ich genügend Zeit hatte, kann man sich auch allein um Licht, Ton und Kamera kümmern. Wenn man dann aber richtige Fachleute dabei hat, wird das ein Solist selten gleich gut hinbekommen. Wir hatten einmal einen Gaffer dabei, der auch bei Filmen von Roland Emmerich mitgewirkt hat. Der macht Dinge, von denen manche Kameramänner noch nichts gehört haben (Beispielsweise wie kann man mit wenig Material unter einer schwieriger Licht-Situation mit wenig Zeit viel rausholen). Eine Freundin von mir hat auch einige Jahre im Bereich Maske (Make-up Artist) in L.A. gearbeitet, solche Profis sind meist schon ziemlich gut.

Ich war bei den meisten Drehs eher der Assistent oder auch Lehrling genannt. Wenn genug Zeit zu vorbereiten da war und sich bei einer Aufnahmesituation nichts groß verändert hat, dann auch mal allein als Kameramann, Lichtsetzer und Tonmann, beim Ton dann aber mit Funkmikrofonen, weil so viele Hände habe ich auch nicht.



Antwort von Jalue:

Ich habe ganz klassisch im EB-Bereich angefangen und bin dann Videojournalist geworden. Nun ist der „klassische“ Videojournalist allerdings ein Auslaufmodell, einfach weil die geforderte Produktionstiefe massiv angestiegen ist. Vor 15 Jahren reichte grob gesagt ein Drittel-Zoll-Camcorder plus Handmikro und Kopflicht, der Job war mit dem Bildschnitt + Tonvormischung beendet, den Rest erledigte der Sender. Die Zäsur kam mit Onlinevideo …:

Inzwischen soll man mehrere Kameratypen vorhalten, zwei Audiofunkstrecken sind Standard und Motion Design-Fähigkeiten hoch erwünscht, plus vertiefte Kenntnisse über die spezifische Gestaltung von Social-Videoformaten. Bei Bedarf sollen man auch noch Textmeldungen zum Film verfassen, Fotos mitliefern, Live-Streams aufsetzen …

Es liegt in der Natur der Sache, dass kein Mensch das alles gleichermaßen perfekt beherrscht, was auch Kunden/Arbeitgebern langsam dämmert. Jedenfalls beobachte ich, dass sich -quasi schleichend- eine neue Art der Arbeitsteilung durchsetzt: Da gibt es zum einen die FieldField im Glossar erklärt Teams, die Material zuliefern: Das können Einmannteams, klassische EB-Teams oder auch filmende Fotografen sein. Zum anderen gibt es ein redaktionelles Back End, wo Schnittredakteure, Motion Designer, Tontechniker etc. sitzen, die aus dem Material Beiträge fabrizieren.

Man könnte auch sagen: Die Produktionsstrukturen von Online-Redaktionen verschmelzen mit denen von TV-Sendern.

In der Folge hat sich mein Tätigkeitsfeld quasi „dreigeteilt“. Als klassischer Videojournalist/
Videoproducer werde ich fast nur noch von Firmenkunden gebucht. Im journalistischen Bereich werde ich als (schneidender) Kameramann eingekauft oder als Schnittredakteur.

Das geht zwar, hat aber Implikationen:

-Man muss blitzschnell die (sozialen) Rollen wechseln können, ist man doch an einem Tag "Techniker" und am nächsten plötzlich „redaktioneller Entscheider“, oft genug Seite an Seite mit dem Kollegen, der/die einem gestern noch Dreh-Anweisungen gegeben hat. Das kann für die Beteiligten einigermaßen verwirrend sein.

-Für den Veejay, der als „schneidender Kameramann“ zu arbeiten beginnt, gelten plötzlich Standards, die von EB-Teams gesetzt werden, anders gesagt: Mit rostigem Kleinwagen und filmender Knipse losziehen, ist dann nicht mehr. Entsprechend hoch sind die Anfangsinvestitionen – wahlweise lässt man sich erst einmal fest anstellen.



Antwort von Pianist:

Fakt ist doch aber: Arbeit ist genug da, die Anforderungen steigen, gute Leute haben gut zu tun und verdienen gutes Geld. Also alles in Ordnung.

Matthias



Antwort von j.t.jefferson:

4 Leute festangestellt.
Sonst wäre es wegen Scheinselbstständigkeit schwer geworden.
Beleuchter, Assistent, Kameramann und Cutter. Die aber auch in anderen Bereichen einsetzbar sind. Alles Leute bei denen Zuverlässigkeit kein Problem war.



Antwort von Cinemator:

Ich bin leider nicht teamfähig und arbeite in meinem kommerziellen Bereich (langweilige Imagefilme) fast nur allein, habe aber meist einen Helfer zum Schleppen dabei. Soweit eingeplant buche ich Sprecher, Präsenter, Tonmann etc. natürlich extern. Ich biete quasi den gesamten Workflow für die Unternehmenskommunikation (Konzept, Text, Kamera, Schnitt etc.) aus einer Hand. Das hat zur Folge, dass ich allein nur an kleinere Unternehmen herankomme, bin mit denen aber ziemlich happy. Die sind nämlich nicht beratungsresistent. Spreche auch nur direkt mit den Entscheidern, möglichst keine untergeordneten Chargen. Allerdings folgen aus so kleinen Jobs wiederum kaum Ruhm, Ehre und dementsprechend ein kleinerer Cash Flow auf dem Konto. In der Gesamtsicht bin ich damit sehr zufrieden und habe Spaß an meinen Aufträgen. Möchte nichts anderes.



Antwort von Pianist:

Das klingt doch super! Man muss ja auch nicht ständig für Großkonzerne arbeiten, viel zu anstrengend... :-)



Antwort von Cinemator:

Ja, Pianist, anfangs viel es mir schwer für kleinere Kunden zu arbeiten, weil ich eigentlich vom klassischen Markenartikel komme. Aber mittlerweile erkenne ich alle Vorteile. Vor allem die kurzen, schnellen Entscheidungswege und die Abwesenheit von Stress und Bedenkenträgern, die meist ganz am Ende um die Ecke gewackelt kommen.



Antwort von Gore:

In einer kleinen (Immobilien)firma habe ich bis letztes Jahr auch noch gearbeitet. Der Geschäftsführer und seine Freundin (die dort auch Geschäftsführerin ist) wollten nun endlich Videos haben, um sich und ihre kleine Firma zu präsentieren. Geld wollten sie dafür aber nicht ausgeben. Medienleute wollten sie damit auch nicht beauftragen. Zu teuer. Das könne man schließlich selber machen. Also hat die Chefin ihre private, 3000 Euro teure, vollformatige Fotokamera von Zuhause mitgebracht, kam mit den Videoeinstellungen gar nicht zurecht und hat ihrem Freund das Ding in die Hand gedrückt. Dieser nahm sich dann selbst in seinem unaufgeräumten Büro auf. Was aus den Aufnahmen/Videos geworden ist, weiß ich bis heute nicht. Tja, so kann es auch gehen.

Cinemator, wie ist es generell mit den kleinen Firmen? Knausern die eher? Oder kannst Du Deine Preise dort immer durchsetzen?

Pianist hat geschrieben:
Fakt ist doch aber: Arbeit ist genug da, die Anforderungen steigen, gute Leute haben gut zu tun und verdienen gutes Geld. Also alles in Ordnung.

Matthias
Interessant wäre es auch, in welchen Bereichen man (immer noch oder sogar immer mehr) solide Kunden hat, die die Preise nicht drücken. Das Gegenteil, nämlich wo nichts zu holen ist, wäre auch mal interessant zu erfahren.

Mich persönlich würde es reizen, im Team mit Musikern/Bands zu arbeiten. Doch wenn ich an die vielen Musiker denke, die kaum Kohle haben, frage ich mich, wie sie vernünftig gemachte Musikvideos bezahlen können - ganz zu schweigen davon, wenn hier und dort noch kleine CGI-Arbeiten ins Musikvideo eingebaut werden sollen. Leider habe ich keine aktuellen Infos darüber, wie es in der Musikvideoszene aussieht. Daher kenne ich die dortigen (sicherlich sehr individuellen) Preise nicht.








Antwort von pillepalle:

Hat zwar weniger damit zu tun ob man im Team arbeitet oder nicht, dafür ist es eine ganz gute Zusammenstellung an Erfahrungen und Tips.



VG



Antwort von Frank Glencairn:

Gore hat geschrieben:

Doch wenn ich an die vielen Musiker denke, die kaum Kohle haben, frage ich mich, wie sie vernünftig gemachte Musikvideos bezahlen können - ganz zu schweigen davon, wenn hier und dort noch kleine CGI-Arbeiten ins Musikvideo eingebaut werden sollen. Leider habe ich keine aktuellen Infos darüber, wie es in der Musikvideoszene aussieht. Daher kenne ich die dortigen (sicherlich sehr individuellen) Preise nicht.
Das ist ein weites Spektrum von no-budget bis zu egal-was-es-kostet.
Generell sind die Preise aber in den letzten Jahren gefallen.
In den 90er Jahren waren Budgets von 20.000 - 30.000 normal (natürlich nicht für die lokale Dorfband) - nach oben hin offen.



Antwort von Mantas:

Gore hat geschrieben:

Mich persönlich würde es reizen, im Team mit Musikern/Bands zu arbeiten. Doch wenn ich an die vielen Musiker denke, die kaum Kohle haben, frage ich mich, wie sie vernünftig gemachte Musikvideos bezahlen können - ganz zu schweigen davon, wenn hier und dort noch kleine CGI-Arbeiten ins Musikvideo eingebaut werden sollen. Leider habe ich keine aktuellen Infos darüber, wie es in der Musikvideoszene aussieht. Daher kenne ich die dortigen (sicherlich sehr individuellen) Preise nicht.
Die guten Videos bei kleinen Bands sind meistens Freundschaftsdeals, wovon beide was, im besten Fall, haben



Antwort von TheGadgetFilms:

Ich sehe den Vorteil im "Alleine Arbeiten" auch gerade jetzt zu Coronazeiten.
Große Firmen haben ja laufende Kosten, Mitarbeiter, Miete usw., das alles muss bezahlt werden, auch wenn keine Aufträge da sind.
Ich biete mich als Freiberufler an, und hole mir dann immer ein Team dazu. Passend für den jeweiligen Dreh (jeder hat ja seine Stärken und Schwächen)
Natürlich ist es manchmal nervig, selbst mit den Kunden zu reden, und da keine Zwischenperson zu haben.
Aber viel Bürokratie fällt halt weg, vieles ist auf dem kleinen Dienstweg machbar,und letztendlich verdiene ich das was ich will/brauche, und der Kunde muss nicht mehr ausgeben,weil meine Sekretärin auch bezahlt werden will.



Antwort von Frank Glencairn:

TheGadgetFilms hat geschrieben:

Ich biete mich als Freiberufler an, und hole mir dann immer ein Team dazu. Passend für den jeweiligen Dreh
Das ist eigentlich der Standard, und hat nix mit ner one-man-show zu tun.
Ich hab auch keine Angestellten, arbeite aber so gut wie nie allein.



Antwort von dosaris:

TheGadgetFilms hat geschrieben:
...
Ich biete mich als Freiberufler an, und hole mir dann immer ein Team dazu. Passend für den jeweiligen Dreh (jeder hat ja seine Stärken und Schwächen)
dann stehst Du immer vor dem Problem, zeitlich passend die richtigen people zu finden.
Woher bekommst Du die?

Plus die ganze Logistik dazu.
Da bleibt für einen Solisten kaum Kapazität übrig, den set selber zu koordinieren?!?



Antwort von TheGadgetFilms:

Das geht eigentlich mit der Zeit- ich hab n paar die zb Kamera oder Ton machen, wenn einer nicht kann, nehme ich den anderen.
Viele kenne ich durchs Studium noch, ansonsten schalte ich Anzeigen.
Anfangs habe ich noch Kollegen und Freunden diese Jobs angeboten, allerdings kam dann wieder diese Zuverlässigkeitsnummer...

Wenn ich zb nen Kameramann habe,kann ich mich ganz aufs Arbeiten (Regie) und Set konzentrieren.
Die Logistik hält sich tatsächlich in Grenzen bei einem kleinen Team. Vorteil für mich sehe ich darin, dass ich viel mehr anbieten kann-ist es zb ein rein grafisches Projekt, nehme ich mir einen Grafiker, der das auch kann, anstatt das selber zu schneiden oder (m)einen (festen) Cutter damit zu beauftragen, der das vielleicht nicht so schnell und gut kann.
Aber ich verstehe voll was du meinst, wenn ich morgen nen Job reinbekomme und eine Firma mit festen Mitarbeitern hätte, wäre das wohl wesentlich einfacher zu realisieren.



Antwort von Frank Glencairn:

dosaris hat geschrieben:

dann stehst Du immer vor dem Problem, zeitlich passend die richtigen people zu finden.


Plus die ganze Logistik dazu.
Da bleibt für einen Solisten kaum Kapazität übrig, den set selber zu koordinieren?!?
In welchem Paralleluniversum?

Das ist quasi das kleine 1 x 1 jeder Produktion, und wird jedes mal routinemäßig abgewickelt.
dosaris hat geschrieben:

Woher bekommst Du die?
Im Ernst? Wie lange arbeitest du schon in der Branche?




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