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Test : Videovorschau in 4K - Blackmagic DeckLink 4K Extreme 12G

von Mo, 2.Dezember 2019 | 3 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Was kann HDMI über die GPU?
Sonstiges
Fazit



Nachdem wir ja schon vor ein paar Tagen einmal grundsätzlich dargestellt hatten, welchen Stellenwert eine Videoschnittkarte früher und heute hat(te), wollen wir uns in dieser Artikel einmal konkret eine Blackmagic Decklink 4K Extreme ansehen. Der Grund, warum unsere Auswahl auf die Decklink 4K Extreme fiel ist naheliegend: Es gibt weder von Blackmagic noch von einem anderen Hersteller eine günstigere Capture- und Wiedergabe Karte, die 4K mit 60p über HDMI unterstützt.



Dies ist a) verwunderlich, da 4K/60p über HDMI technisch praktisch jede aktuelle Grafikkarte beherrscht und b) am Markt vorbei produziert, da die Monitore mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis am Markt fast ausschließlich über HDMI angesteuert werden können. Mit fast 1.000 Euro unverbindlicher Preisempfehlung ist die Decklink 4K Extreme jedoch schon alleine fast so teuer wie eine Spitzen-Grafikkarte oder ein sehr potenter Vorschau-Monitor.

Tatsächlich scheint Blackmagic auch kein echtes Interesse daran zu haben noch eine günstige HDMI-Lösung mit 4K60p anzubieten. Die bislang sehr günstige 4K30p-HDMI Lösung Intensity Pro 4K für knapp 200 Euro ist schon fast fünf Jahre auf dem Markt, ohne dass seitdem ein Nachfolger mit 4K60p vorgestellt wurde.

Stattdessen hat sich Blackmagic Design (wie bereits viele Konkurrenten vor ihnen) vor kurzem entschlossen sein Schnittprogramm Resolve auch für normale Grafikkarten zu öffnen und eine native 4K60p Vorschau über die HDMI/Display-Port Ausgänge der Grafikkarte zur Verfügung zu stellen. Mit den Decklink-Karten fokussiert man sich in Zukunft dann wohl weiter auf professionelle SDI Anschlussmöglichkeiten, die man vor allem im gehobenen Studio-Umfeld vorfindet. Wir haben diesen Verdacht auch erst während unseres Test gewonnen, in dem wir einmal untersuchen wollten, welche Vorteile der Einsatz einer dedizierten Videoschnittkarte eigentlich noch hat. Denn hardwaretechnisch spricht praktisch nicht mehr viel für eine Decklink HDMI-Lösung.



Was kann HDMI über die GPU?



Um es kurz zu machen: Fast alles. Eine zugleich verbaute Nvidia GTX 2080 Ti unterstützte bei der Ansteuerung eines zweiten Displays auch alle heute relevanten Display Modi. D.h. RGB und YUV in Full und Studio Swing mit 8 Bit oder 10 Bit Ausgabe. Wir testeten unter Resolve auch die Wiedergabe von nativen 24p und 50p-Formaten an einem Eizo Foris FX2431 und einem LG MU67 als zweites Display.

Aktuelle Grafikkarten können Monitore mit allen gängigen Produktions-Frequenzen sogar in YUV nativ ansteuern.



Und staunten nicht schlecht, dass die Vorschau von der Übertragung mit der Decklink nicht zu unterscheiden war. Zumindest erwarteten wir ein paar Mikroruckler bei der Wiedergabe über die Nvidia Grafikkarte. Allerdings waren nicht einmal diese zu provozieren, solange man das zweite Display über die Nvidia exakt auf die Wiedergabefrequenz der Timeline eingestellte. Und sogar wenn man sich dieses Finetuning ersparte funktionierte die 24p Wiedergabe sogar auf einem 60 Hz Display fast ohne Mikroruckler.

Aus Interesse haben wir anschließend auch noch eine AMD-GPU (Vega 56) eingebaut um zu sehen, wie es sich hier verhält. Und auch hier war es problemlos möglich das zweite Display unter Windows mit YUV oder RGB in Full und Studio Swing bei 8 Bit oder 10 Bit Ausgabe zu betreiben. Eventuelle Pulldown-Ruckler waren mit dem AMD Modell genauso wenig zu sehen.



10 Bit sind nicht gleich 10 Bit



Dennoch gab es bei genauerem Hinsehen dann doch noch einen sichtbaren Unterschied zu entdecken. Denn auch wenn das Display über AMD oder Nvidia mit 10 Bit angesprochen wurde, stellte Resolve seine Vorschau darüber nur mit 8 Bit dar. Tatsächlich waren in einem synthetischen Graustufen-Verlauf nur dann keine Stufen in der Vorschau zu entdecken, wenn der Monitor über Resolve über die Decklink Karte mit 10Bit angesprochen wurde. Ein kurzer Test am Mac ergab übrigens das gleiche Ergebnis: 8 Bit Stufen im Graufverlauf, auch wenn das Display im 10 Bit Modus angesteuert wurde. Exportiert man dagegen die Timeline als 10 Bit MOV, so wird diese von macOS-Player am Desktop auch ohne die 8 Bit-Stufen wiedergegeben.

Nun ist dies jedoch tatsächlich "nur" ein Software-Problem. Wenn Blackmagic wollte, könnte auch eine 10 Bit Wiedergabe über die GPU in Resolve funktionieren. Was natürlich den Einsatz einer Decklink 4K Extreme für die meisten Anwender völlig obsolet machen würde.



Capturing



Resolve kann übrigens mit der Decklink Extreme 4K nicht einmal 4K Material capturen sondern ist beim Capturing auf FullHD/2K-Formate limitiert. Das ist nicht so tragisch, weil man ja auch Blackmagics Media Express für die 4K-Aufzeichnung nutzen kann. Allerdings funktionierte in Resolve wohl aus diesem Grund auch das LiveGrading nur bis 2K/HD. Was uns doch etwas verwunderte. Eine Erklärung könnte sein, dass man mit einem 4K-Input eventuell Resolve-Scopes der kostenlosen Version als Messinstrumente nutzen könnte und damit dann Produkte wie das eigene SmartScope/Ultrascope überflüssig machen könnte. Auch der mitgelieferte Blackmagic LiveKeyer scheint übrigens nur bis FullHD zu funktionieren, jedoch fehlte uns hierfür ein geeignetes Setup um diese Funktion näher anzusehen.



Sonstiges



Die PCIe-Karte benötigt einen zusätzlichen, internen 6 poligen Stromanschluss und bringt einen eigenen Lüfter mit. Letzterer röhrt zwar bei weitem nicht so laut, wie der Lüfter der ersten Intensity 4K, allerdings summt er auch nicht völlig unmerklich vor sich hin. Wer den Rechner in der Nähe des Arbeitsplatzes hat, sollte sich der zusätzlichen Lärmquelle bewusst sein.

Länger beschäftigt hat uns noch eine Besonderheit: Wir haben die Karte zuerst nur unter Resolve getestet und uns anschließend gewundert, dass die Karte zwar unter Resolve reibungslos funktioniert, im Zusammenspiel mit anderen Applikationen nicht erkannt wurde. Ja nicht einmal vom eigenen Desktop Video Setup:



Der Grund lag darin, dass wir regelmäßig im Autostart-Ordner unnötige Applikationen deaktivieren. Dabei hatten wir auch routinemäßig den DesktopVideoUpdater, den BMDStreamingServer und den Blackmagic Software Updater deaktiviert. Und eines dieser drei Programme startet scheinbar einen Dienst, der eine Erkennung der Decklink-Karten erst außerhalb von Resolve ermöglicht. Lässt man diese Programme beim Autostart aktiv, so wird die Karte auch problemlos gefunden und funktioniert dann auch unter Premiere und Co.



Unter Adobe Premiere Pro 2020 verhielt sich die Blackmagic DeckLink 4K Extreme 12G dabei komplett wie gewünscht. Die Vorschau erfolgt subjektiv so reaktiv wie unter Resolve und auch einzig über die Decklink gelang es einen Grauverlauf ohne Stufen in 10 Bit auf einem Vorschaumonitor anzuzeigen.

Unter After Effects hatte die Decklink zudem einen weiteren Vorteil: Hier zerriss gelegentliches Tearing bzw. Judder das Vorschaubild über die Grafikkarte, während das Bild einwand- und ruckelfrei über die Decklink ausgegeben werden konnte.



Fazit



Wer SDI und/oder korrekte 10 Bit Ausgabe bei der Videovorschau sucht, der hat nach wie vor einen Grund zu einer Videoschnittkarte wie der Decklink 4K Extreme 12 G zu greifen. Letzteres ist allerdings nur noch ein Vorteil, weil die Hersteller der Schnittprogramme die bestehenden Möglichkeiten aktueller Grafikkarten einfach brach liegen lassen. Für After Effects gilt dies besonders, da hier die externe Monitor-Vorschau über die Grafikkarte manchmal Tearing- bzw. Judder-Artefakte aufweist. Weiters waren wir etwas verwundert, dass LiveKey und LiveGrading mit der Blackmagic DeckLink 4K Extreme 12G in 4K nicht unterstützt werden.


  

[10 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
carstenkurz    02:46 am 4.12.2019
Bei HDMI und Displayport ist der Audiotakt grundsätzlich mit dem Videotakt verkoppelt. Egal ob Decklink oder ATI/Nvidia GPU. - Carsten
Frank B.    14:45 am 3.12.2019
Mal ein Statement eines Amateurs, der überhaupt keine Ahnung hat. Wenn es keine Videoausgabekarten bräuchte, gäbe es sicher keine. ;)
Frank Glencairn    14:29 am 3.12.2019
Oh ja, an die Perception kann ich mich auch noch erinnern, wir hatten damals glaub ich 4 oder 5 im Einsatz.
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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update am 5.Dezember 2019 - 16:15
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