RAW-Video, Open Gate?
Schaut man sich im Netz um, kann schnell der Eindruck entstehen, dass Kameras ohne Open Gate und RAW-Recording mit einem schweren Mangel versehen wären – doch nicht alles was der Aufmerksamkeits-Ökonomie entspringt, ist deshalb auch alleinig wahr.
Wie so oft ist die Realität etwas vielschichtiger und die jeweilige Kamerawahl sollte sich vor allem am eigenen Bedarf orientieren. Will heissen:
Wer vor allem mit szenischen Projekten unterwegs ist wie bsp. Spielfilm, Werbung oder teilweise auch Musikvideo und einen entsprechend komplexen Workflow bei der Postproduktion am Start hat, kann von RAW-Aufzeichnung durchaus profitieren. (Ob man dies dann mit einer DSLM filmt oder eher mit einer Cine-Kamera, ist dann nochmal eine andere, zusätzliche Entscheidung).
Wer hingegen schnelle Turnovers benötigt - eher Interviews, Reportage, Doku, Hochzeiten, Events etc. dreht, und entsprechend effiziente Codecs benötigt, kann unserer Meinung nach recht entspannt auf RAW verzichten und hat für komplexere Postproduktion immer noch 10 Bit Log – im Fall der Sony A7 V S-Log3 zur Auswahl (das sich auch im Cine EI / flexible ISO Modus aufnehmen lässt.)
Für schnelle Turnovers empfehlen wir sowieso eher von Log-Profilen Abstand zu nehmen und bsp. das qualitative hochwertige S-Cinetone Bildprofil zu nutzen.
Ähnliches gilt für das aktuelle Lieblings-Hype-Thema „Open Gate“.
Wer vor allem mit Anamorphoten dreht oder für besonders schnelle Turnovers für Dual Use (16:9 und 9:16 Deliveries) ein Open Gate Format benötigt, der kann von Open Gate durchaus profitieren. Doch wer nur gelegentlich 9:16 abliefern muss und hier die Zeit hat, den Shot entsprechend zu framen, dürfte eher selten von Open Gate profitieren.
Grundsätzlich sehen wir die Sony A7 V bei der Bewegtbildproduktion weniger in der szenischen Kurzform als vielmehr bei der Longform – also bei Event und im Jornalistisch/Dokumentarischen sowie beim hybriden Wildlife/Sport angesiedelt.
Wie stets gilt es also abzuwägen, welches Anwendungsszenario für die eigene filmische Arbeit zutrifft.
Fazit
Vor unserem Praxistest der Sony A7 V waren wir tatsächlich etwas skeptisch, nachdem wir das Datenblatt gelesen hatten und sie etwas voreilig unter „solide Mittelklasse DSLM“ verbucht haben - doch weit gefehlt.
Die Sony A7 V entpuppte sich als echtes Arbeitstier für professionelle Filmer und Hybrid-User, denn zu ihren Stärken zählen: Herausragende AF-Performance, klassenbeste Akkulaufzeit, 4K 50/60p ohne Hitzelimits, herausragende Fokus-Monitoring-Tools, hohe Individualisierbakeit inkl. sehr gutem Schalterlayout (auch für Hybrid-User), duale USB-C Slots für breite Anwendungsszenarien, duale Cardslots (inkl. dualen SD-Card-Slots für Video), sehr gute Stabilisierung inkl. Gyro-Datenaufzeichnnug, einfach zu gradendes S-Log3 inkl. S-Cinetone Profil und die beste am Markt befindliche Monitorkonstruktion.
Oder etwas provokanter formuliert: Wer kein 8K oder 4K 100p Fullsensorreadout häufig benötigt, kann die A1 und die FX3 locker durch die A7 V ersetzen – zumindest steht sie diesen Pro-Kameras im Sony-Lineup in Sachen Workhorse-Charakter kaum nach. Wir sehen die Sony A7V hervorragend aufgestellt für Projekte rund um dokumentarisches, journalistisches Arbeiten wo schnelle Turnovers gefragt sind wie Interviews, Dokus, Berichterstattung, aber ebenso für Events mit langen Laufzeiten und wo ein guter AF ausschlaggebend ist wie Hochzeiten, Sportveranstaltungen und nicht zuletzt auch gute Fotofunktionen von Nutzen sind (Wildlife, Outdooraction etc.)
Doch auch die Sony A7V lässt sich noch verbessern. Im Gegensatz zum Rest des Internets fehlt uns hier jedoch weniger interne Raw-Aufzeichnung oder Open Gate als vielmehr eine Shutterangle und False Color Funktion.
Unterm Strich liefert Sony mit der A7V ein beeindruckend effizientes Werkzeug für Bewegtbildschaffende und Hybrid-Nutzer ab, das den Begriff „Allrounder“ auf ein völlig neues Niveau hebt.
Klare Empfehlung von unserer Seite.



















