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Test : Sigma fp in der Praxis: Pocket Cinema in Vollformat? 12 Bit 4K-RAW (extern), Hauttöne, Ergonomie, uvm.

von Di, 26.November 2019 | 5 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Hauttöne
Fokus
Ergonomie, Bedienung, Monitoring
12 Bit RAW extern
Akku
Fazit



Die Sigma fp stellt aktuell die kleinste und leichteste Vollformatkamera der Welt dar. Mir ihrer 12 Bit 4K RAW-Aufnahmefunktion spiel sie jedoch - zumindest auf dem Papier - in einer Klasse mit Cine-Schwergewichten. Wir haben uns den „Power-Zwerg“ in Sachen Hauttöne, RAW-Workflows Ergonomie und Bedienung, Stromverbrauch und anderem angeschaut. Hier unsere Erfahrungen beim Praxis-Test mit der Sigma fp.



Als Auftakt hier unser Testclip mit Caro und der Sigma fp sowie dem Sigma 45mm 1:2.8 DG DN. Aufgenommen haben wir ausschließlich extern auf eine Samsung T5 SSD die wir via USB-C an der Sigma fp angeschlossen hatten. Weitere Hilfsmittel kamen wie stets nicht zum Einsatz.



Hauttöne



Schnell zu überzeugenden Hauttönen in der Postproduktion zu gelangen, zählt für uns beim Thema Hauttöne mit zu den wichtigsten Eigenschaften einer Kamera. (Nicht nur) aber insbesondere bei RAW-Material kann dies schnell zu einer Herausforderung werden - vor allem bei Kameras die - wie der Sigma fp – (noch) nicht über einen definierten LUT-Workflow verfügen.


Wir waren daher positiv überrascht, als wir das Sigma fp RAW-Material erstmalig auf der Timeline in DaVinci Resolve 16 vor uns hatten. Bereits ohne weitere Farbkorrektur gelangt man mit den Default-Einstellungen zu sehr brauchbaren Ergebnissen und hat hier für weitere Farbkorrekturen einen hervorragenden Startpunkt.


Das ist umso bemerkenswerter, als Sigma mit der fp durchaus als Newcomer in Sachen RAW und Bewegtbild betrachtet werden darf. Schön zu sehen, dass Sigma es bei der fp geschafft hat, hier schnelle Workflows gleich vom Start weg zu ermöglichen.

Wer das RAW-Material der Sigma fp per Hand perfekt feintunen möchte, dem stehen – wie es sich für ´RAW gehört – eine ganze Reihe von Decoding-Parametern in der Postproduktion zur Verfügung. Das CDNG-Material der Sigma fp stellt hier - im positiven Sinne - keine Ausnahme dar. Entsprechend lassen sich hier auch nachträglich Farbraum, Gamma, Weißabgleich, Tint, Belichtung, Nachschärfung etc, einstellen. Darüber hinaus stehen vor allem bei den RAW-Varianten mit 10 und 12 Bit reichlich Farkorrekturreserven zur Verfügung - hier kann man sich nach Lust und Laune austoben. Vor allem für Indie-Filmer dürfte sich hier ein lohnendes Betätigungsfled auftun.


Wir haben bei unserem Praxis-Test mit der Sigma fp vor allem 4K 10 und 12 Bit CDNG-Material extern auf einer Samsung T5 SSD via USB-C aufgenommen. Das Material verhielt sich in der Farbkorrektur angenehm robust und auch reaktiv. Echtzeitwiedergabe inkl. Farbkorrektur-Nodes- stellte - auch auf einem MacBook Pro 2016 - kein Problem dar. Hier zeigt sich tatsächlich auch ganz gut der Performance-Vorteil von CDNG im Vergleich zu modernen, komprimierten RAW-Formaten (- genügend Speicherplatz stets vorausgesetzt …)



Fokus



Die gute Nachricht beim Thema Fokus ist, dass die L-Mount Alliance soweit zu funktionieren scheint, dass wir bei einem kurzen Test auch das Panasonic Lumix S 24-105mm F4 in den Grundfunktionen problemlos an der Sigma fp betreiben konnten (sowie umgekehrt auch das von uns für den Praxistest der Sigma fp genutzte Sigma 45mm 1:2.8 DG DN an der Panasonic S1H).

Sigma fp und Sigma 45mm 1:2.8 DG DN


Wer eine Kamera mit verlässlichem Autofokus benötigt, ist bei der Sigma fp zumindest derzeit noch falsch. Eine AF-Funktion für Video ist zwar vorhanden aber aktuell eher noch rudimentär umgesetzt. Entsprechend haben wir unsere Test-Aufnahmen mit der Sigma fp ausschließlich mit manuellem Fokus aufgenommen.

Unsere Empfehlung beim Thema manuelles Fokussieren mit der Sigma fp lautet klar: Die Sigma fp eher umfassender als zu knapp riggen: Auf jeden Fall gehören Followfokus und eine zusätzliche, externe Sucher/Monitorfunktion klar zu einem praxisrelevanten Setup mit der Sigma fp.

Umfassendes Rigging macht bei der Sigma fp Sinn


Dies läuft zwar in gewisser Weise der hochkompakten Bauform der Sigma fp entgegen aber es gibt hierfür gute Gründe:

Wer 10 oder 12 Bit 4K RAW-Material mit der Sigma fp aufnehmen möchte, benötigt eine externe SSD. Allein hierfür lohnt sich bereits die Überlegung, die Sigma fp im Cage zu betreiben. Da die Sigma fp keinen Viewfinder besitzt, sondern lediglich ein rückseitiges 3“ Display, gehört unserer Meinung nach ein externer Viewfinder oder Monitor (insbesondere bei Vollformat-Sensoren) schon fast zwingend zum gebrauchsfertigen Setup.

Sigma fp 10 Bit 4K RAW


Hinzu kommt, dass die Sigma fp (wie die aktuellen Panasonics) leider nicht über eine Liveview-Fokusvergrösserung während der Videoaufnahme verfügt. Das kann die Fokusbestimmung gerade auch bei stärker geöffneter Blende bei Vollformat-Videoaufnahmen ohne zusätzliches Monitoring durchaus zur Herausforderung werden lassen.

Rechnet man dann noch den eher schmalen Akku hinzu, lohnt es sich auch gleich über eine externe, zusätzliche Stromversorgung nachzudenken und man erhält ein weiteres gutes Argument, die Sigma fp im Rig zu betreiben: Womit wir beim Thema Ergonomie und Bedienung angekommen wären.



Ergonomie, Bedienung, Monitoring



Der Ersteindruck der Sigma fp geht eindeutig an die bemerkenswert hochwertige Verarbeitung. Hierfür zeichnet vor allem das auf der Vorder- und Rückseite aus einer Aluminiumlegierung gearbeitete und damit vertrauenserweckend robuste Gehäuse der Sigma fp verantwortlich.


Im Gegensatz zu Kunststoff-Verbund-Gehäusen der Konkurrenz kommt die kleine Sigma fp damit fast schon „massiv“ daher. Dass Sigma hohe Verarbeitungsqualität „kann“ dürfte spätestens seit der ART Objektive-Serie von Sigma jedem Interessierten klar sein.

Ebenfalls zum Ersteindruck gehört die hochkompakte und gleichzeitig sehr leichte Bauform der Sigma fp. Natürlich müssen bei der stark miniaturisierten Bauweise der Sigma fp auch Kompromisse bei den extern auf Schalter geführten Funktionen eingegangen werden aber diese halten sich bei der Sigma fp durchaus in Grenzen – oder anders gesagt: Sigma hat bei der fp auch vieles richtig gemacht:


Was uns gut bei der Sigma fp gefallen hat, sind der große Modus-Wahlschalter (Cine und Still) auf der Kameraoberseite, die beiden Scrollräder für Zeigefinger und Daumen sowie die für den kleinen Kamerabody vergleichsweise zahlreichen Buttons (9 Buttons auf der Rückseite + Klickrad und 4 Buttons auf der Oberseite + Klickrad).

Da wir bekanntlich nie genug externe Schalter haben können, hätten wir zwar gerne noch zwei weitere Funktions-Buttns auf der Vorderseite des fp-Gehäuses gesehen, aber man kann nunmal nicht alles haben.

Waveform mit an Bord


Worüber wir uns bei Updates der Sigma fp freuen würden, wären mehr Optionen die verfügbaren Buttons mit individuellen Funktionen zu belegen. Vor allem zentrale Funktionen wie ISO und Weissabgleich, für die man derzeit das QuickSet-Menü aufrufen muss, würden wir gerne auf Buttons legen. Und hierbei dann im Gegenzug Funktionen wie „Tone“ und „Color“ - die wir für die Videopraxis weniger relevant halten - gerne von den Buttons in Menüs verlegen.

Auch für Anwender mit großen Händen (wie wir) gilt bei der Sigma fp: Für eine besser Ergonomie empfehlen wir die Sigma fp zu erweitern oder gleich komplexer aufzuriggen. Bereits die kleine Grifferweiterung (HF-11 / 67,- Euro), die wir bei unserem Praxistest hier mit der Sigma fp genutzt haben, verbessert das Handling der Sigma fp deutlich.

Sigma fp und Grifferweiterung rechts, T5 SSD links


Klar macht den Reiz der Sigma fp die Kombination aus extrem kleiner Gehäusegröße und Vollformat RAW-Aufnahme aus. Um jedoch praxisgerecht drehfertig zu sein, gilt es externe SSD, mehr Akku-Power, Viewfinder und einen Followfokus an der Sigma fp unterzubringen. Also fast schon paradoxer Weise all diejenigen Komponenten deren Weglassung die kompakte Bauweise der Sigma fp erst ermöglichen. Das coole an der Sigma fp ist, dass all dies modular möglich ist und hier seitens Sigma auch wenig Steine in den Weg gelegt werden. Indies werden hier ihre Freude haben ...


So findet sich für die externe Stromversorgung eine Kabelführug für Dummy-Akkus (Sigma DC Connector CN-21 / 20,- Euro) bereits in das Gehäuse eingearbeitet (V-Mount Akkus via IDX A-E2EOSC Adapter möglich), mehr Schraubgewinde als üblich nehmen externes Zubehör auf und Sigma selbst stellt mit dem LVF-11 einen Sucher-Lupenaufsatz (319,- Euro) zur Verfügung (den wir bei unserem Test – Stichwort: weiterer Kontaktpunkt – jedoch leider nicht zur Verfügung hatten).


Auch der Betrieb eines Monitors/EVFs am Micro-HDMI-Out der Sigma fp funktionierte bei einem kurzen Funktionstest mit dem Atomos Ninja V bei uns auf Anhieb (allerdings mit spürbarer Latenz). Wichtig ist hierbei vorab zu überlegen, ob man das HDMI Out Signal in den System-Einstellungen der Sigma als Monitor („Kontrollbild“) oder als externes Videosignal („aufgezeichnetes Bild“) definiert. Als Monitorsignal liegt nach außen hier dann eine 1080er Auflösung an - als Videosignal hingegen eine 4K-UHD Auflösung (mit max. 24p).

Wer gleichzeitig extern Raw auf eine SSD aufzeichnen will und einen Monitor an der Sigma fp betreiben möchte, kann dies ausschließlich mit dem Monitor-Signal. Routet man das 4K Signal nach außen via HDMI steht keine externe RAW-Aufzeichnung mehr via USB-C an der Sigma fp zur Verfügung. Zwar sind wir keine allzu großen Fans von Micro-HDMI Interfaces für Monitor-Setups aber das ist nunmal der Preis für hochkompakt …

Schön zu sehen, dass externes (HD-) Monitoring und externe RAW-Aufzeichnung bei der Kameragröße überhaupt parallel funktionieren.



12 Bit RAW extern



Wie bereits gesagt: Wer mit der Sigma fp 10 oder 12 Bit RAW in 4K Auflösung (CDNG) aufnehmen möchte, benötigt eine externe SSD die via USB-C an der Sigma fp angeschlossen wird. Sigma selbst spezifiziert derzeit soweit wir wissen vor allem die aktuelle Samsung T5 SSD.

Wir haben Spaßes halber auch mal eine „normale“ SATAIII SSD via SATAIII auf USB-C Adapter an die Sigma fp angeschlossen und konnten bei einem kurzen Funktionstest auch hiermit problemlos CDNG RAW aufnehmen.


Die von der Sigma fp generierten CDNG Files lassen sich problemlos in DaVinci Resolve oder auch Photoshop bearbeiten. In letzterem finden sich auch Metadaten wie Blende, Verschlusszeit, ISO, Objektivdaten (auch bei Fremdobjektiven wie dem Lumix S24-105mm F4) zusätzlich zu den WB, Tint etc. Infos korrekt hinterlegt.

Das automatische Pairing zwischen Kamera und externer SSD via USB-C funktionierte bei unserem Praxistest stets problemlos.

Hier noch ein paar File/Framegrößen der Sigma fp

4K 12 Bit Frame in CDNG = 12,6 MB
4K 10 Bit Frame in CDNG = 10,6 MB
1080er 12 Bit Frame in CDNG = 3,2 MB
4K 8 Bit H.264 ALL-I in QucikTime = ca. 400 Mbit/s

Und noch eine kleine Notiz am Rande: Sigma selbst gibt den Dynamikumfang der Sigma fp in 12 Bit CDNG mit 12.5 Blendenstufen an und liegt damit knapp auf dem Niveau einer Blackmagic Pocket Cinema Camera 4 und 6K (offiziell 13 Blendenstufen). Das entspricht auch unserer Dynamikeinschätzung.



Akku



Der interne Akku der Sigma fp leistet 8,7 Wh (7,2 V / 1200 mAh). Im Vergleich zu aktuellen DSLMs mit ihren teils 3.000 mAh+ Akkus ist das natürlich eher weniger. Dafür wiegt der Sigma Akku auch nur 50g.


Im intensiven On/Off Betrieb mit externem SSD-Recording sind wir damit knapp 1 Stunde ausgekommen. Das ist nicht sonderlich viel - allerdings muss man hier auch die Größe der Sigma fp mit berücksichtigen.

Wer einen ganzen Tag mit der Sigma fp auskommen möchte, sollte entweder reichlich Sigma fp Akkus in der Tasche dabei haben oder am besten gleich größer riggen und dann einen entsprechend dimensionierten externen Akku nutzen.



Fazit



Die Sigma fp fasziniert - keine Frage.

Ein wenig erinnert der aktuell „Hype“ um die fp an die „Mutter aller kompakten RAW Kameras“ die Pocket Cinema Camera von Blackmagic von 2013. Nur hatte diese damals noch einen Sensor in Super 16 Größe mit HD-Aufnahme und bei der Sigma fp sprechen wir von Vollformat und 4K 12 Bit RAW (auf externer SSD).

Die Sigma fp punktet in unserem Praxistest mit Out-of-the-Box bereits sehr guter Farbabstimmung bei Hauttönen, einer hochwertigen Verarbeitung und bereits mitgedachter und teilweise im Gehäuse integrierten Ausbaufunktionen. Hinzu kommen noch vollwertige Photofunktionen.

Trotz der winzigen Abmessungen stellt die Sigma fp bei der Bewegtbildproduktion für uns in erster Linie eine Kamera für die klassische, szenische Produktion dar. Geriggt mit Follow Fokus, Viewfinder/Monitor, externer Stromversorgung und externer SSD entfaltet die Sigma fp erst praxisgerecht ihre volle Performance. Und auch für den Gimbal-Betrieb sehen wir die Sigma fp gut positioniert.

Wer hingegen für Run&Gun / Handkamera eine gute Stabilisierung und entsprechende Autofokus-Funktionen für Video benötigt, ist bei der Sigma fp falsch. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Vollformat RAW-Konkurrenz im DSLM-Segment gerade erst warm zu laufen beginnt (Stichwort: ProRes Raw).

Sigma bereichert mit der fp das Vollformat Segment um eine faszinierende, hochkompakte RAW-Kamera, die viel Modularität für Indie-Filmer mitbringt. Allein dafür gebührt Sigma unser Dank - denn was wäre das Kamera-Leben ohne Faszination?


  

[59 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
iasi    17:33 am 9.12.2019
Durch Abblenden wird es nicht immer besser: https://www.lenstip.com/392.5-Lens_revi ... ation.html
iasi    17:26 am 9.12.2019
Da stellen sich 2 Fragen: Zeigt das Histogramm die Werte für natives ISO an? Hat das Clippen nicht doch auch die CAs verstärken? Belichtung nach ISO100 bedeutet eben doch bei...weiterlesen
roki100    17:14 am 9.12.2019
wie/wer war das nochmal? Seit lieb miteinander, bald ist Weihnachten ;))
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