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Test : Canopus Edius DVX Review

von Mo, 6.Februar 2006 | 5 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Die Installation
Die Software
Kleinigkeiten
Echtzeit-Power
Fazit



Bevor wir mit dem Test loslegen, ist es vielleicht hilfreich, sich darüber im Klaren zu werden, welche Rolle die DVX im Produktdschungel von Canopus spielt. Ausgestattet mit analogen SD-Ausgängen (FBAS, Hoside, Cinch-Audio) aber ohne Eingänge erinnert die Karte am ehesten an die frühere Canopus Raptor-RT. Wer zusätzlich noch analoge Eingänge benötigt kann diese über einen Konverter wie den ADVC 55 oder den ADVC 110 nachrüsten. Da die DVX über eine sechspolige Firewire-Buchse verfügt, benötigen diese Konverter zum Anschluss kein separates Netzteil. Wer einen professionellen Vorschaumonitor anschließen will, kann für rund 140 Euro auch noch zusätzliche Komponenten-Ausgänge erwerben. Im Gegensatz zu den größeren Modellen begnügt sich die Karte übrigens mit einem normalen PCI-Steckplatz. Ein spezielles Mainboard für PCI-X ist nicht nötig.

Ausgeliefert wird die DVX mit der Vollversion von Edius Pro 3.5 und einem Echtzeitplugin für Adobes Premiere. Außerdem werden noch Spezial-Plugins für After Effects, Photoshop und andere Applikationen mitgeliefert, um das Bild aus diesen Programmen direkt am Vorschau-Monitor darstellen zu können. Gegenüber dem Preis für die Software-Only-Version von Edius Pro , bekommt man die DVX-Hardware dabei rechnerisch fast geschenkt (momentaner Paketpreis ca. 500 Euro).

Die Canopus DVX bietet alle wichtigen SD-Video-Ausgänge, in erster Linie für einen Vorschaumonitor.






Die Installation



Die Installation der Karte verläuft gegenüber früheren Produkten eigentlich recht reibungslos. Nur ein paar Englisch-Kenntnisse sind hierfür noch notwendig. Denn während das Programm mittlerweile auch eine deutsche Oberfläche und ein deutsches Handbuch vorweisen kann, ist die Installation sowie das zugehörige Installationshandbuch nach wie vor in Englisch gehalten. Außerdem landen die nötigen Treiber und Applikationen nicht in einem Rutsch auf der Festplatte, sondern erfordern die ständige Interaktion mit dem Anwender. Echte Probleme bei der Installation traten jedoch nicht auf und das System war nach knapp 20 Minuten einsatzfähig. Leider bleibt es dies dann ohne Aktivierung nur auch nur ca. 30 Tage. Ob Aktivierung wirklich die beste Lösung ist, gegen Raubkopierer vorzugehen, glauben wir persönlich nicht. Vielmehr sehen wir in der Produktaktivierung eine Gängelung der ehrlichen Käufer. Denn Erfahrungsgemäß kommt es dabei immer wieder zu Problemen, die Raubkopierer nicht durchleiden müssen. Immerhin scheint sich das Programm nicht wie Adobe ungefragt in geschützten Bereichen des Systems breit zu machen.




Die Software





Das mitgelieferte Edius 3.5 Pro hat sich mittlerweile zu einer runden Schnittlösung entwickelt, die sich auch nicht hinter deutlich teureren Lösungen verstecken muss. Die Oberfläche ist bewusst funktional gehalten und lässt sich in großen Teilen an den eigenen Arbeitsstil anpassen. Letztendlich sind es gerade die kleinen Details, die Edius gegenüber anderen Schnittlösungen glänzen lassen: So gibt es beispielsweise in den Vorschaufenstern optional einen eingeblendeten Timecode mit Peak-Meter und auch der Audioton hört sich beim langsamen Anfahren einer Bildposition an, als ob er direkt von einer Bandmaschine kommen würde. Die mitgelieferten Effekte decken praktisch alle Bereiche ab, die man für den kreativen Schnitt benötigt. Es gibt zwar nicht so viele Effekte wie unter Premiere und Co, dafür ist jeder Effekt voll echtzeitfähig. Einzigartig: Selbst bei laufendem Video kann man an der Parametern herumdrehen und die Wirkung eines Effektes beurteilen, ohne dass das System ins Stocken gerät.
Ebenfalls durchdacht: Wenn man beispielsweise bei einem Bild im Bild Effekt die Farben eines darunterliegenden Clips korrigiert, so wird für die Korrektur der Clip in voller Größe gezeigt.

Die Oberfläche von Edius DVX ist funktional und braucht etwas Einarbeitungszeit. Dafür wird man mit satter Leistung belohnt.



Auch die neuen Überlagerungsfunktionen sind wirklich sinnvoll und helfen schnell, um Filmen einen bestimmten Look zu verpassen. Andere Videoprogramme bieten diese Funktion nur selten, bei Adobe sind die Überblendmodi sogar mit dem Pro-Versionssprung ganz verschwunden.
Leider sind diese Überblendmodi bei Edius als separate Filter ausgelegt. Dadurch kann man diese nicht schnell durchprobieren, sondern muss immer wieder den alten Filter löschen, bevor man einen neuen auf den Clip legt. Eine Auswahl mit einem Klick (oder besser mit dem Mausrad, wie in Adobe Photoshop) würde den Workflow hier noch einmal deutlich beschleunigen.



Kleinigkeiten



Dies führt uns zu einem der wenigen echten Kritikpunkte: Eine komplett freie Kombination der einzelnen Plugins ist nicht immer möglich. Denn auch in der aktuellen Version kann man nur über Umwege eine Farbkorrektur nach einem Chroma-Key anzuwenden. Ebenso wenig ist es möglich einen Keyer mit dem ausgesprochen flexiblen 3D-Picture-In-Picture-Effekt zu kombinieren. Denn diese Effekte sind nicht als einfache Videofilter ausgeführt sondern bilden eine separaten Filterliste.
Leider gibt es auch noch keinen durchgehenden Keyframe-Support. Einzelne Parameter über die Zeit zu verändern funktioniert nur bei wenigen Effekten.

Kleinigkeit: Im Effektfenster gibt es kein 16:9. In der zeitgleichen Echtzeitvorschau aber schon.



Dazu gesellen sich noch kleine Ungereimtheiten in der Oberfläche: Der 3D-PIP kennt zum Beispiel keine 16:9-Darstellung in den Filtereinstellungen und staucht das Bild entsprechend. Das ist aber insofern unproblematisch, da man die Vorschau auch live im Preview-Fenster bzw. am Vorschaumonitor im richtigen Seitenverhältnis probe sehen kann.

Doch solche Kleinigkeiten sind schnell verziehen, wenn man die bemerkenswerte Stabilität des Programmes zu spüren bekommt. Denn Abstürze gab es im gesamten Testzeitraum schlichtweg nicht.



Echtzeit-Power



Das Herzstück der Software ist die auflösungsunabhängige Echtzeit-Renderengine: So lassen sich MPEG-2, DV und unkomprimierte Videoclips mit verschiedenen Auflösungen und Bildraten in der Timeline ohne Rendering mischen und editieren. Ein Umrechnen ist nicht erforderlich.
Wer nur DV schneidet, dürfte auf aktuellen Systemen kaum mehr an die grenzen des Systems stoßen: Unser Testsystem (siehe unten) konnte 5 DV Spuren mit diversen Effekten ruckelfrei abspielen und war damit immer noch nichts ausgelastet. Wer mehr Spuren einsetzt, benutzt in der Regel sowieso eher ein Compositing-System.
Doch wir wollten die Karte an ihre Leistungsgrenze bringen: Denn obwohl die DVX eigentlich als reines DV-Schnittsystem ausgelegt ist, zeigt Sie selbst bei der HDV-Bearbeitung ein unglaubliches Verhalten: Sie erlaubt auf der Timeline die Arbeit mit HDV-Material. Solange das Projekt selbst auf SD-DV eingestellt ist, skaliert sie das HDV-Signal in Echtzeit herunter uns stellt es auf dem externen PAL-Vorschaumonitor dar. Selbst ohne den Canopus HQ-Codec konnten wir so zwei HDV-Videoströme in Echtzeit abspielen und auf einem externen Monitor in SD begutachten. Man kann auf diesem Weg mit SD-Auflösung schneiden, und später das Projekt in HD rendern lassen. Ideal für alle, die momentan schon einen HDV-Camcorder besitzen und sich noch keinen hochauflösenden Vorschaumonitor leisten wollen.

:HDV-Titel in Echtzeit? Auch das ist für die Edius DVX kein Problem.




Fazit



Auch wenn die Karte preislich eher im Amateur-Markt angesiedelt ist, merkt man schon nach kurzen Zeit: Bei der DVX handelt es sich keinesfalls um ein Spielzeug. Bis auf geringe Ungereimtheiten in der Bedienung und der Oberfläche stellt die Canopus Edius DVX eine Hardware-/Softwarelösung dar, die sich gewaschen hat. Die Echtzeitleistung des Systems ist konkurrenzlos und die Stabilität einfach bemerkenswert. Und auch für HDV-Filmer, die noch keinen geeigneten Vorschaumonotor besitzen bietet die Karte einen optimalen und günstigen Schnitt-Kompromiss, den Canopus seltsamerweise gar nicht aktiv bewirbt. Bei diesem Produkt spürt man förmlich die jahrelange Erfahrung von kombinierter Hard- und Software-Entwicklung: Die Edius DVX bietet eine reife Leistung, im wahrsten Sinne des Wortes.



Das Testsystem

Unser Testsystem bestand aus einem Intel Pentium 4 Extreme Edition 840 Prozessor auf einem D955XBK-Mainboard mit 1 GB DualChannel DDR2-RAM. Dieser spezielle Prozessor zeichnet sich dadurch aus, dass dank Hyperthreading dem System 4 virtuelle Prozessorkerne zur Verfügung stehen. Normale Pentium D-Prozessoren besitzen kein Hyperthreading und bieten daher nur zwei (immerhin echte) Prozessorkerne. Doch obwohl Canopus offensichtlich der Meister im Ausnützen reiner CPU-Power ist, war der Zugewinn durch Hyperthreading nur marginal. Im Gegenteil kam es uns sogar vor, als ob durch Hyperthreading kleine Ruckler erzeugt wurden, die beim Schnitt unangenehm auffielen. Ein virtueller Prozessor ist eben kein echter. Wir werden dieses Phänomen noch näher untersuchen und demnächst mehr darüber berichten.
Für diesen Test haben wir daher unseren Rechner auf das Niveau eines typischen Mittelklasse-PCs heruntergeschraubt (Kein Hyperthreading, Dual-Prozessor mit 2x3,2 Ghz, 1GB Ram), was ungefähr der Leistungsniveau eines PCs entsprechen dürfte, den man momentan für 1000 Euro bei jedem Media-Markt/Saturn oder sonstigen Kistenschieber bekommt.


  

[15 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Anonymous    11:14 am 7.9.2006
Mir ist eins noch nicht ganz klar: die Karte beschleunigt auch HDV Schnitt? tut sie das auch unter Premiere (mit HDV Plugin)?
Anonymous    20:03 am 2.3.2006
Weil ich vor ca. 3 Jahren mit der Schnittsoftware Ulead Media Studio 6 "groß geworden" bin und diese mit der EZDV Schnittkarte von Canopus benutzt habe, ergibt sich folgende...weiterlesen
Anonymous    14:27 am 9.2.2006
Du kannst wohl aber mit der DVX genauso wie mit der Storm 2 ein DV-Projekt anlegen, dann m2t-Material laden. Von der DVX/Storm 2 wird dann HDV für die Schnittvorschau am Monitor...weiterlesen
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