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Interviews : Berlinale Nachlese -- Video-DSLR Produktionen (Highway, Sleepless Knights)

von Di, 28.Februar 2012 | 3 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Highway -- neues nepalesisches Kino
  Sleepless Knights

Unter den vielen digital gedrehten Filmen im diesjährigen Berlinale-Programm fanden sich natürlich auch einige Produktionen, bei denen mit einer Video-DSLR gefilmt wurde. Bei zwei von ihnen -- beide mit der Canon 5D gedreht -- konnten wir per Mail nachfragen, wie und warum...






Highway -- neues nepalesisches Kino



In der Panorama-Sektion zu sehen war das nepalesische Roadmovie Highway von Deepak Rauniyar. Ein Reisebus, der aus dem Osten des Landes zur Hauptstadt fährt, wird darin immer wieder von Streiks und Staus aufgehalten. Da viele der Passagiere dringend ihr Ziel erreichen müssen, versuchen sie verschiedene Strategien zu entwickeln, die Sperren zu umgehen... Der Film wurde zT. über Kickstarter finanziert.

Highway trailer (official) (1st) (universal)



Stimmt es, daß dies der erste nepalesische Film ist, der auf der Berlinale gezeigt wird?

Deepak Rauniyar: Ja, leider ist es so. Wir Nepalesen machen Filme seit etwa 46 Jahren, und zwar ca. 100 pro Jahr. Aber Highway ist der erste Spielfilm, der es auf ein hochkarätiges Festival geschafft hat (wie Berlin, Sundance, Toronto, Venedig oder Cannes).

Der Film ist mit einer Canon 5D gedreht -- warum?

Ein Hauptgrund war finanzieller Art. Die Filmtechnik-Verleiher in Nepal, die Kameras wie die Red oder SI2K haben, bieten Paketpreise für Dreh- und Postproduktionstage an. Wenn man mit ihren Kameras dreht, muß man das Material auch bei ihnen schneiden, weil der Workflow komplex ist und man gewisse technische Anforderungen hat. Das hätte das Budget für den Film deutlich höher getrieben und ich dachte, bei meinem ersten Film muß ich das nicht gleich so machen.

Außerdem wollte ich die verbreitete Annahme hier in der nepalesischen Filmindustrie herausfordern, daß ein guter Film automatisch mit einer großen Kamera gemacht werden muß. Die hiesige Filmförderung gibt große Summen an Filmemacher, damit sie auf 35mm drehen. Das hat mir als Filmkritiker immer schon nicht gefallen.



Wie sah das technische Setup aus?

Ich hatte zwei 5D Kameras mit einigen Optiken aus der L-Serie sowie ein paar Sigma-Optiken. Wir haben den Film im Dogma-Style gedreht, ohne so Sachen wie Dolly, Kran oder Steadicam. Für den Ton hatte ich einen portablen 8-Kanal Mixer und einen Marantz Recorder.

Was war besonders daran, mit der 5D zu drehen?

Abgesehen von dem günstigeren Mietpreis die Tatsache, daß sie nicht wie eine Filmkamera aussieht! Das war sehr günstig für mich, um unauffällig drehen zu können. Wir haben in Highway ja großteils im Doku-Stil gedreht -- bevor die Leute gemerkt haben, daß wir drehen, waren wir schon weg. Sonst wäre es ziemlich schwer für mich gewesen, immer die Drehorte vorher räumen zu lassen...

Hattet ihr eine Drehgenehmigung oder wurde das als Guerilla-Projekt gedreht?

Ich hatte eine offizielle Erlaubnis, zu drehen. Aber an vielen Orten haben wir trotzdem incognito gearbeitet.

Die Dialoge sind großteils improvisiert, richtig?

Ja, es ist alles improvisiert. Als ich aufwuchs, hat man mir ständig gesagt, was ich zu tun hatte und was nicht. Auch unsere Lehrer in der Schule wurden wütend, wenn wir Fragen stellten. Wir sind umgeben von Tabus, in der Regel haben wir nicht die Möglichkeit, uns frei auszudrücken. Als ich mit dem Filmemachen begann, beschloss ich daher, meinen Schauspielern nichts vorzuschreiben. Statt dessen ermutige ich sie, nicht nur ihre Dialoge frei zu wählen, sondern auch wie sie sich bewegen und geben. Für Highway haben wir davor jedoch mit ihnen Schauspiel-Workshops abgehalten. Wir hatten eine gemischte Truppe aus hauptsächlich Laien bzw. unerfahrenen Schauspielern sowie einigen Profis. Am Set habe ich ihnen dann sehr genau erklärt, wie die Szene anfängt, wie sie enden soll, und welche Entwicklung wir uns dazwischen wünschen. Den Rest habe ich ihnen überlassen, außer sie hatten irgendwelche Probleme.



Du hast auf Kickstarter erfolgreich über 30.000 Dollar für die Fertigstellung des Film gesammelt. Wie hast Du die Vorfinanzierung zusammenbekommen, und was weißt Du über die Leute, die dich auf Kickstarter unterstützt haben?

Die Startfinanzierung für den Film bekam ich von dem Ärzte-Ehepaar Drs. Sameer und Lonim Dixit, die sich für ein "neues" nepalesisches Filmschaffen engagieren. Auf Kickstarter bekam ich natürlich Hilfe von Freunden und Bekannten, die entweder mich selbst oder meine Co-Produzenten Joslyn Barnes und Danny Glover von Louverture Films kannten. Aber es waren auch viele dabei, die aus verschiedensten Teilen der Welt kamen und keine Verbindung zu mir oder zu Nepal hatten.
Ohne die Unterstützung von Louverture Films, und besonders von Joslyn Barnes, die ich über Kontakte kennengelernt habe, hätte ich den Film übrigens nie fertig bekommen. Sie war eine große Hilfe und hat auch die Kickstarter-Kampagne angeregt, als ich kein Geld mehr hatte...

Worauf wurde denn der Film geschnitten, und gab es dabei irgendwelche Schwierigkeiten?

Mit Final Cut Pro 7, die FarbkorrekturFarbkorrektur im Glossar erklärt wurde mit Nucoda Film Master gemacht. Natürlich waren wir da etwas eingeschränkt, weil wir kein RAW-Material hatten, aber eigentlich gab es keine größeren Probleme.



Infos zum Film:

HIGHWAY
Nepal/USA 2011

Regie: Deepak Rauniyar
Produktion: Deepak Rauniyar, Joslyn Barnes, Danny Glover (Louverture Films)
Buch: Abinash Bikram Shah, Deepak Rauniyar, nach einer Story von Deepak Rauniyar, Kedar Sharma, Khagendra Lamichhane
Kamera: Apal Singh, Jyoti Keshar Simha
Format: DCP, Farbe
Länge: 80 Minuten
Sprache: Nepalesisch

Facebook-Seite zum Film




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