Editorials : Die passende Kamera - Eine Frage der Risikobewertung?:
Themen schraeg
Wissen
Codecs· Einführungen· Lexika
Hardware
Camcorder· Cinema-Kamera· Computer· DVD· Video-DSLR· Zubehör
Software
3D· Compositing· Download· DVD· Effekte· Farbkorrektur· Player· Tools· Videoschnitt
Filmpraxis
Beleuchtung· Drehbuch· Filmen· Filmlook· Keying· Montage· Regie· Sound· Tips
DV-Film
Festivals· Filme
Sonstiges
Hersteller· Reviews· Technik
///  >

Editorials : Die passende Kamera - Eine Frage der Risikobewertung?

von Fr, 17.Februar 2017


Wir berichteten gerade wieder einmal darüber, welche Kameras bei den Oscar-Nominierungen 2017 zum Einsatz kamen. Und wie auch in den letzten Jahren sticht dabei die klare Dominanz von ARRI ins Auge. Doch vielleicht ist die Auswahl der Kamera in Hollywood gar nicht unbedingt von der Bildqualität getrieben...

Unter IT-Einkäufern in Unternehmen kursierte in den neunziger Jahres der FUD-Spruch “Nobody ever got fired for choosing IBM", der danach zu einer Metapher für Risiko-Entscheidungen wurde. Und ähnlich dürfte es sich bei praktisch jeder größeren Filmproduktion verhalten. Man stelle sich einen aufwendiges und dementsprechend teures Filmset vor. Der Kameramann schwört darauf, dass er mit seiner Blackmagic Cinema Kamera oder einer Sony A7s mit einem Atomos-Recorder eine vergleichbare Bildqualität wie eine ARRI Alexa hinbekommt. Wenn der Dreh tatsächlich so klappt wie gewünscht, hat er viel riskiert jedoch wenig gewonnen.

Wenn bei der Aufnahme dagegen irgendetwas schief geht, dann ist in diesem Fall die Schuldzuweisung klar: Es ist offensichtlich die falsche Entscheidung des Kameramanns für das falsche Equipment gewesen. Hätte dagegen der Kameramann eine ARRI gewählt (die für diesen Einsatzzweck wohl als das unumstrittene Werkzeug der Wahl gilt) dann steht er dagegen auf der sicheren Seite. Denn wenn mit der ARRI etwas schief geht, so steht seine Entscheidung für die unbestrittene Film- und Kino-Kamera dennoch nicht in Frage. Kein Produzent würde sagen: “Du bist gefeuert, weil du eine ARRI-Kamera für unseren Filmdreh haben wolltest und uns deine Kamerawahl nun einen Drehtag gekostet hat.” Bei einer Blackmagic, Sony Alpha oder vielleicht sogar noch einer RED-Kamera könnte diese Geschichte dagegen anders aussehen bzw. ausgehen.

Das Risiko für einen Kameramann ist schlichtweg zu groß, bei einer teuren Produktion mit einer “unetablierten” Kamera zu arbeiten. Und dabei geht es eben nicht um das Ausfallrisiko der Kamera selbst (das vielleicht gar nicht so unterschiedlich hoch ist), sondern vielmehr das Risiko für eine “falsche” Entscheidung geradestehen zu müssen.

Je größer die Produktion, desto größer ist der potentielle Schaden durch einen Kameraausfall, während die Kosten für die Kamera-Miete immer irrelevanter werden, je teurer eine Produktion insgesamt ist. Wer hier mit einer unkonventionellen Kamera arbeitet, übernimmt folglich ein höheres Risiko, als er müsste. Und in der Regel wird jeder vernünftige Kameramann versuchen, seinen Verantwortungsbereich möglichst klein zu halten.

Und dies könnte vielleicht der ganz banale Grund dafür sein, dass man bei sehr großen Produktionen fast blind zu einer ARRI-Kamera greift. Nobody ever got fired for choosing ARRI.

Mit dieser Vermutung sollten wir vielleicht auch noch kurz den den Bogen zur viel beschworenen “digitalen Demokratisierung der Filmproduktion” spannen. Tatsächlich dürfte ein guter Kameramann aus einer Blackmagic URSA Mini 4,6K Bilder hervorbringen, die 99 Prozent aller Zuschauer als ebenso makellos einschätzen wie die Bilder einer ARRI oder einer RED-Kamera. Und wahrscheinlich dürften sich sogar noch 98 Prozent aller Zuseher von guten Aufnahmen mit einer GH4 oder Alpha 6300 nicht vom eigentlichen Filmgeschehen aufgrund der Aufnahmequalität ablenken lassen. Denn selbst diese Kameras sind mittlerweile für den Otto-Normal-Seher in der Bildqualität eigentlich “gut genug”. Jedoch macht der Einsatz solcher Kameras nur Sinn, wenn das Team dann auch mal auf das Abkühlen warten kann, wenn die Sony A6300 mal wieder überhitzt ist. Einfach gesagt: Der Kostenvorteil einer günstigen Kamera kann nur bei günstigen und eher unkonventionellen Produktionen greifen. Aber dort ist der gewonnene Vorteil durch gesparte Kosten dann natürlich in der Regel auch ein relevanter Faktor, ob das Projekt überhaupt umgesetzt werden kann...


    

[43 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Olaf Kringel    1:33    20.2.2017
TonBild    19:33    19.2.2017
...weiterlesen
Olaf Kringel    15:18    19.2.2017
...weiterlesen
[ Alle Kommentare lesen]

Weitere Artikel:

Editorials: 4K-Kameras: Da geht noch mehr! Mo, 22.Februar 2016
4K ist bei den Filmern angekommen und 2016 dürfte praktisch kein neues Top-Gerät ohne dieses Format auf den Markt kommen. Doch die aktuelle Technik bei 4K-Kameras lässt noch Luft nach oben...
Editorials: Wird die Apertus Axiom der nächste Gamechanger? Mi, 8.Oktober 2014
Jetzt hat Apertus mit der Axiom nicht nur das Zeug, sondern auch das Geld um den Kamera-Markt zu bewegen. Wir träumen schon mal voraus...
Essays: Kamera-Trends für 2017 Fr, 7.April 2017
Das Jahr hat ja mit der Panasonic GH5 und der Blackmagic URSA Mini Pro schon aufregend angefangen. Doch was soll denn da eigentlich noch im Rest des Jahres passieren?
Praxistest: Canon EOS C700 - Handling, Testlabor und Fazit - Teil 2 Mo, 27.März 2017
Praxistest: Canon EOS C700 - Skintones, Dual Pixel AF, Slowmotion u.a. - Teil 1 Di, 21.März 2017
Test: Blackmagic URSA Mini Pro - Angekommen... Mi, 15.März 2017
Praxistest: Kinefinity 6K: Handling und Skintones - RED Konkurrenz aus China Fr, 10.März 2017
Test: Kinefinity Terra 6K - Viel RAW für wenig Geld? Do, 23.Februar 2017
Praxis: Ursa Mini 4.6K korrekt belichten: Zebra, False Color… Di, 25.Oktober 2016
News: RED Helium Epic-W 8K & Weapon 8K: Hintergründe, Preise, Upgrades, techn. Daten, Demo-Clps u.a. Di, 4.Oktober 2016
Praxistest: ARRI AMIRA - DOK Referenzdesign? Di, 23.August 2016
Ausprobiert: Ein kurzer Blick auf das neue URSA Mini OS Di, 16.August 2016


[nach oben]


[nach oben]
















passende Forenbeiträge zum Thema
Cinema-Kamera:
Metabones Firmware Upgrade bringt Support für Cinema EOS Lens und GH5
Frage zu PC Setup und Archivierung/Datenmanagement RED Scarlet-W Footage,
welchen Gimbal zur Red Scarlet-W? DJI Ronin / Ronin M / Ronin MX?
Canon Firmware Updates für EOS C700, C100, C100 DAF, XC10 u.a.
Frage zur Canon EOS C500
Canon C300 mkII - Color Banding ?!
Hilfe: VHS Digitalisieren mit Aja Kona LHe oder Canopus ADVC300 auf einem M
mehr Beiträge zum Thema Cinema-Kamera




update am 23.April 2017 - 16:54
ist ein Projekt der channelunit GmbH
*Datenschutzhinweis*