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Berichterstattung : 3D auf der IFA 2010

von Do, 9.September 2010 | 5 Seiten (Artikel auf einer Seite)


Panasonic
Sony
3D TV
Inhalte
Zukunft
3D subjektiv
Und sonst?
4K



Nachdem es sich letztes Jahr schon angekündigt hatte, war 3D dieses Jahr DAS unübersehbar große Thema auf der IFA 2010 in Berlin: kein Unterhaltungselektronikhersteller, der nicht besonders auf seine 3D-Produkte hingewiesen hätte, und bei den beiden großen Entertainment-Technologie-Konzernen Sony und Panasonic war 3D das zentrale Thema der jeweiligen Messeauftritte in Form von Live in 3D gefilmt und präsentierten Shows.





Panasonic





Panasonic setzte seinen neuen 3D Camcorder HDC-SDT750 in Szene und konnte vermitteln, dass er ganz ansehnliches 3D produzieren kann - allerdings nur im Bereich von 1-4 Meter - potentielle Käufer sollten sich klar darüber sein, dass sie kein universelles 3D wie Panoramaufnahmen mit Tiefeneffekt damit filmen können, sondern eher 3D Szenen in einem zimmergroßen Raum. Auf- aber sicher nicht zufällig bei der Präsentation war in diesem Zusammenhang, daß die Camcorder fest installiert waren. Interessierte konnten also nicht frei mit ihnen durch die Messegegend filmen, sondern sich lediglich in den Bildausschnitt stellen.



Zu beachten: für die Aufnahmen benötigt man viel Licht, da durch die Vorsatzlinse und das Shutterverfahen viel Helligkeit geschluckt wird. Die neue Semi-Profi 3D-Cam AG-3DA1 wurde als Kamera zur Übertragung der Live-Show auf Panasonics 3D TVs genutzt, ohne weiter in den Vordergrund gerückt zu werden – sie wird wohl auf der IBC zentraler präsentiert werden.
Panasonic stellte übrigens analog zur Linse der SDT750 eine 3D-Vorsatzlinse für die Lumix Photo-Kameraserie "G Micro System" vor, die quasi als Doppelobjektiv funktioniert und Side-by-Side Stereophotos erzeugt.




Sony


Auch bei Sony diente eine Liveshow als Demonstration für die eigene 3D-Technik: auf einer riesigen 3D LED Displaywand (7 Meter Diagonale) mit Polartechnik wurde die Show dargestellt und außerdem die ganze professionelle 3D Produktionsstrecke selbst als funktionaler Showcase für den 3D Workflow mittels Sony Technik vorgeführt, was wie ein Probelauf zur IBC 2010 wirkte. Von mit professionellen Sony Kameras bestückten 3D Rigs über die Live Audioabmischung bis hin zur stereoskopischen Bildkontrolle mit stereoskopischer Echtzeit-Steuerung der Kameras und Bildkontrolle des Tiefeneindrucks reichte Sonys Angebot.



Konkrete Ankündigungen von Single Body 3D-Camcordern stehen bislang sowohl von Sony Consumer als auch Professional aus -- Sonys auf zwei EX3s basierender Prototyp einer 3D-Cam oder die Einzel-Objektiv 3D Cam mit 240fps waren laut Sony Pro Deutschland lediglich eine Technologiedemonstration, die nicht in Serie gehen werden. Deutlich mehr Interesse besteht seitens des Herstellers am Markt für professionelle 3D Produktionen, die per Mirror-Rig vollkommene Kontrolle über alle 3D Parameter (also auch die Stereobasis, den Abstand der Sichtachsen der Kameras, der bei Single Body 3D Cams nicht verändert werden kann) verlangen. So waren auf der IFA auch "nur" 3D-Rig Setups mit zwei Sony HDC-P1 POV-Kameras oder mit zwei EX3-Modellen zu sehen.

Zwei EX3 Modelle im 3D Rig


[Nachtrag: Nun zeigt Sony Pro im Rahmen der IBC erneut einen Single Body 3D-Camcorder-Prototypen -- ob dies ebenfalls eine "Wir könnten das auch"-Präsentation ist oder eine ernst gemeinte Absichtserklärung bleibt abzuwarten.]
Nachwievor offen bleibt auch, ob Sony auf der Consumerschiene der SDT750 von Panasonic etwas entgegensetzen wird.




3D TV


Bei allen Messeauftritten hat sich gezeigt, dass das Shutterverfahren Standard für 3D TVs und Beamer geworden ist. Im Zusammenspiel mit einer Shutterbrille ermöglicht das Verfahren, durch eine einfache Erhöhung der Bildwiederholungsfrequenz 3D in Full HD (im Gegensatz zu den mit Polarisierung arbeitenden Geräten) zu zeigen. Nachteilig bleiben jedoch die klobigeren und viel teureren Brillen (weil sie Batterien und aktive Technik beinhalten müssen), deren Steuerung zudem auch noch herstellerabhängig ist, was zur Folge hat, dass die über 100 Euro teuren Brillen nicht zu den TV Geräten anderer Hersteller kompatibel sind. Zudem braucht man ja mehrere von diesen, will man mit Freunden zusammen 3D sehen -- ein Vergnügen, das teuer wird. Polarbrillen dagegen arbeiten mit einfachen Filterfolien und sind damit universal einsetzbar.






Inhalte



Und obwohl die Technikhersteller ihre neue Generation von Geräten mittels des 3D-Arguments absetzen wollen, fehlt noch ein Hauptargument, um potentielle Käufer zu überzeugen: Inhalte. Bisher sind nur 3 Blu-ray 3D Discs frei auf dem Markt erhältlich - weitere aktuelle und attraktive Hollywood 3D Filme sind durch exklusive Verträge der Hersteller mit den jeweiligen Filmstudios mit jeweils einem Player eines Hersteller gebündelt (u.a. "Monsters vs. Aliens" mit TVs von Samsung, "Coraline" und "Ice Age 3" mit Panasonic Plasma TVs – und demnächst auch noch „Avatar“, mehr dazu nei heise online) und stehen also den Käufern von Geräten anderer Fabrikate vorerst nicht zur Verfügung - ein scheinbar kluger Zug der Hersteller der dem eigenen Geschäft zwar nutzen soll, der gesamten Sache aber schadet - vom mit dem eigenen Gerät gebundelten Film abgesehn, bleibt der MArkt so trotz zunehmender 3D-Titel künstlich klein gehalten bei exakt 3 frei erhältlichen Titeln, ohne dass sich Besserung abzeichnet - jeder neu herauskommende titel wird gleich wieder exklusiv gebundelt. Und auch das Angebot von 3D Inhalten per Satellit bzw. IPTV rollt erst ganz langsam an.




Zukunft



Ein Problem für die Zukunft von s3D können auch die vielen schlecht gemachten oder nur nachträglich für s3D aufbereiteten Filme darstellen – sei es im Kino oder Zuhause. Zu oft von schlecht gemachtem 3D (mehr dazu in unserem bald erscheinenden Grundlagenartikel) enttäuschte Zuschauer werden keine 3D-Filmticket- bzw. Geräte-Käufer...

Auch wenn sich in Deutschland schon 40.000 Käufer für 3D-TVs entschieden haben, gibt es noch gute Gründe, um abzuwarten - auch bis die Preise der notwendigen Geräte niedriger sind, und 3D Fähigkeit einfach so als Option mit aktuellen Geräten mitgeliefert wird. Und bis sich die Gerätehersteller auf einen Standard für Brillen geeinigt haben und diese preisgünstiger geworden sind. Drittanbieter wie Xpand und Monster Cable haben zwar schon universelle Shutterbrillen angekündigt, die auf allen Systemen laufen sollen und universell kompatibel sind, aber auch mindestens ebenso teuer wie die offiziellen Herstellerbrillen.




3D subjektiv



Und auch der räumliche Sichteindruck der verschiedenen Geräte ist einfach nicht so überwältigend, wie die Hersteller ihn anpreisen: je nach Gerät und präsentiertem Inhalt schwankt der 3D Eindruck zwischen schnell übelkeitserregend (aufgrund von Ghosting oder einem der diversen, schwer zu entdeckenden möglichen Fehler bei der stereoskopischen Aufnahme bzw. Aufbereitung) und recht gut. Manchmal (je nach Setup) stört auch die systemimmanente Dunkelheit der Bilder – technikbedingt fällt ein Teil des Lichts (beim Shutter- ebenso wie beim Polarisationsverfahren) der Filterung eines jeden zweiten Bildes für jedes Auge zum Opfer. Beeindruckend sind die Bilder eigentlich vor allem von 3D-Beamern, was wohl an der kontrollierten Sichtsituation (aussenrum dunkel) und vor allem der Bildgröße liegt. Die widersprüchlichen Informationen von stereoskopischem 3D in einem kleinen Fenster in einem echten 3D Raum (das Umfeld) fällt dabei weg und es bleibt nur ein großes Bild, das einen großen Teil des Sichtfeldes ausfüllt und tatsächlich recht immersiv ist.




Und sonst?



- Die schon seit Jahren als Prototypen (u.a. von Philips) vorgeführten autostereoskopischen Displays sind zwar nett und brillenlos anzuschauen, aber von der Marktreife immer noch viele Jahre entfernt – die Nachteile der eingesetzten lentikularen Technik wie die starke Blickwinkelabhängigkeit sind noch ungelöst. Eingesetzt wird sie nur bei den Displays billiger 3D-Cam-Modellen und 3D-Bilderrahmen in einer vereinfachten Version – der Brillenzwang für 3D bleibt also auf längere Sicht bestehen.
- Von FullHD 3D Projektoren wurden von mehreren Herstellern (Mitsubishi, Samsung, Sharp und Sony ) vor allem Prototypen gezeigt, die zwar vom räumlichen Eindruck des Bildes her überzeugender als 3D-TVs sind, aber auch in einer ganz anderen Preisklasse spielen.
- Eine Ahnung von dem Zauber echt holographischer Darstellung vermittelte ein experimentelles 360° Display von Sony (Prinzessin Leia ließ grüßen), das es tatsächlich erlaubte, ein bewegtes Bild von alles Seiten zu betrachten.



- Sony stellte außerdem eine selbstentwickelte Technik vor, mit deren Hilfe aus Panorama-Aufnahmen zB eines Spielfelds mit drei Kameras 3D-Ansichten synthetisiert werden können, ganz nach Sony´s 3D Postproduktionsstrategie.
- Die Sony 3D Offensive wird zusätzlich zur 3D-Spiele ausführenden Playstation noch mit einem 3D Vaio Notebook rund gemacht, der mit einem 16.4 Zoll FullHD Display mit 240 Hz Wiederholungsrate im Zusammenspiel mit einer Shutterbrille 3D darstellen kann.
- Aiptek zeigte mit dem 3D i2 Pocket-Camcorder einen nur rund 200 Euro teuren Minicamcorder, der 3D aufnehmen kann – in allerdings dementsprechender Qualität.




4K



Zwar nicht 3D aber auch sehr beeindruckend: Panasonics 152 Inch (3,8 m) 4K2K (4096x2160) Display, dessen Bilder eine bisher ungesehene Schärfe und Detailreichtum zeigen, den man selbst erlebt haben sollte. Eine unumwundene neue Bildqualität, die auf einen Schlag zumindest uns zu überzeugen wusste, und nicht die Probleme aufweist mit denen sich das stereoskopische 3D noch herumschlagen muss.


  

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