Die TV Serien-Revolution - warum nicht in Deutschland?

Ein anonymer deutscher Kenner der Materie gibt in diesem extrem ausführlichen 32-seitigen PDF einen interessanten Überblick über die Entwicklung der amerikanischen Serien-Revolution und der Situation in der Fernsehlandschaft hierzulande und versucht dabei auch die Frage zu beantworten, ob bzw. wann auch in Deutschland endlich statt der üblichen Serien-Hausmannskost so phantastische Serien zu erwarten sind, wie die in den USA in denn letzten Jahren (Game of Thrones, Breaking Bad, Six Feet Under, Sopranos, Rome, The Shield, Dexter, The Wire, Mad Men, Girls, Lost,...). Serien, die das Kino in Sachen Kreativität und Geschichtenerzählen längst überholt haben, und ein Magnet für dessen Talente sind, unter anderem in Boardwalk Empire (Martin Scorsese, Steve Buscemi) und House of Cards (David Fincher, Kevin Spacey).


Angezogen werden sie unter anderem von kreativen Freiheiten, die es in Hollywoods Studiosystem so nicht gibt, versinnbildlicht durch zum Beispiel dieses schöne Zitat eines Senderverantwortlichen: "Sie wurden für viel Geld angeheuert, um eine 10 Serie zu entwerfen, weil wir davon überzeugt sind, daß Sie etwas Einmaliges zu sagen haben. Wenn wir die Kompetenz hätten, selbst eine Serie zu entwerfen, hätten wir Sie nicht einstellen müssen. Insofern werden wir den Teufel tun, Ihnen in ihre kreativen Entscheidungen reinzureden.". Der Traum eines jeden Regisseurs/Drehbuchschreibers - auch hierzulande.



Was waren überhaupt die Voraussetzungen für den US-Serien-Boom und wie finanzieren sich diese überhaupt? Viele der besten Serien sind oftmals erst einmal gar keine Publikumserfolge - das Geld kommt erst durch internationale Verkäufe, DVDs und weiterem Lizenzierungen zurück. Und ein Sender wie HBO leistet sich eine Serie auch einfach mal, weil sie gut für den Ruf ist, etwa die von Kritikern hochgelobte Serie "The Wire".


Ein besonderes Merkmal der neuen Generation von Serien ist deren "horizontale" Integration, also der Storyentwicklung über mehrere Folgen und sogar Staffeln hinweg - im Vergleich zu der "Monster-of-the-week" Struktur der traditionellen Serien (wie zB. Krimiserien), die keinerlei Fortentwicklung der Charaktere oder Hintergrundstory bieten, und bei denen jede Folge für sich geschlossen dasteht.



Wie der Autor darlegt, ist jedoch die Situation in Deutschland denkbar schlecht für innovative Formate: die Fixierung auf die Quote und die Tatsache, dass sich das an komplexen Serien interessierte Publikum schon größtenteils vom Fernsehen abgewandt hat. Das Programm (der privaten wie (unnötigerweise) der öffentlich-rechtlichen Sender) bestimmen die 33% unkonzentrierten Vielseher, die mit einem Pensum von über 8 Stunden Fernsehen pro Tag (!) über 80% des TV-Konsums ausmachen und so über die Quote das Programm bestimmen. Die Zukunft für gutes Fernsehen liegt in Deutschland wohl deshalb nicht im Fernsehen, sondern im Netz.


Ähnliche News //
Umfrage
    Generative Video-KI: Hast du ein Abo?







    Ergebnis ansehen

slashCAM nutzt Cookies zur Optimierung des Angebots, auch Cookies Dritter. Die Speicherung von Cookies kann in den Browsereinstellungen unterbunden werden. Mehr Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung. Mehr Infos Verstanden!
RSS Suche YouTube Facebook Twitter slashCAM-Slash