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Angst um die Zukunft: wie viel Cutter-Jobs lassen sich automatisieren?



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Newsmeldung von slashCAM:



Unsere Maschinen werden immer "intelligenter" und die Rechenleistung, eine der Voraussetzungen dafür, nimmt stetig zu -- speziell trainierte Algorithmen können mittlerwei...

Hier geht es zur Newsmeldung auf den slashCAM Magazin-Seiten:
Angst um die Zukunft: wie viel Cutter-Jobs lassen sich automatisieren?




Antwort von Axel:

Mein Vater war Schriftsetzer. Jawohl, mit diesen Messingmatritzen, die in heißen Blei gedrückt wurden. Schlagzeilen (größere Fonts) wurden per Hand gelettert, sortiert waren die Buchstaben nach Alphabet in Setzkästen (mit "e" als größtem Fach), in denen in den 70ern noch Miniaturnippes dekorativ gesammelt wurde. In die modernere Zeit rettete er sich als Korrektor, denn automatische Rechtschreibprüfung gab es anfangs noch nicht.

Ich selbst begann ein Filmstudium als Fotolaborant zu finanzieren, analoge Handabzüge in der Dunkelkammer, was ich nach Abbruch des Studiums in Vollzeit machte, bis "Fotos" und "digital" quasi gleichbedeutend waren. Noch heute gibt es Leute, die Handabzüge herstellen, aber es gibt zehnmal mehr Tätowierer. Noch. Denn vermutlich ist der Print eines am Rechner erstellten Motivs auf menschlicher Haut die Zukunft.

Danach wurde ich Filmvorführer. Bereits 2000 hieß das: zu einem kleinen, experimentellen Teil digital. Miese Qualität, störanfällig, teuer. Kommt nie an eine bewährte 35mm-Kopie heran. Dachten wir. Ist heute voll automatisiert.

Der Kindertraum vom Lokführer oder Piloten? Das werden tendenziell lebende Tote-Mann-Bremsen. Wenn in den letzten Jahren größere Unfälle passierten, waren die Ursachen zu 90% "menschliches Versagen", zu 9% Materialermüdung und zu 1% ein Computerfehler (der, wie wir seit HAL wissen, letzten Endes ebenfalls auf menschliches Versagen zurückzuführen ist, denn es ist ein Programmierfehler).

Nun also Pfleger. Zukunftssicher, wie man versichert. Wirklich?


Man sagt, naja, den zwischenmenschlichen Kontakt kann eine Maschine nicht ersetzen. Das glaube ich zwar auch. Andererseits soll es schon vorgekommen sein, dass Unternehmen gerne am höchsten Kostenfaktor, dem Personal, ansetzen, wenn sie modernisieren, rationalisieren. Und in Japan gibt es den Demenzroboter Paro, ein Robbenbaby, das ohne Zweifel oft ein freundlicheres Gesicht machen kann als eine gestresste Pflegekraft. Man kombiniere den Bett-Rollstuhl-Transfer-Transformer mit der niedlichen Puppe - voi­là!

Und im Videoschnitt? Hier gibt es (unterschiedlich, je nach NLE) viel Redundanz. Für ENGENG im Glossar erklärt leuchtet jedem ein, dass man effizienter arbeiten könnte. Über die Verwendung einer Aufnahme kann bei der Aufnahme durch den Redakteur vorab-entschieden werden. Die Sendeformate sind eh genormt. Ein Cutter wird vielleicht nicht in zwei, aber spätestens in fünf Jahren nicht mehr tun, als das Ergebnis noch einmal mit menschlichen Augen zu kontrollieren, ein Pendant zur Tote-Mann-Bremse. Von Schnitt braucht er keine Ahnung mehr zu haben. Aber in allen Bereichen der AV-Medienproduktion gibt es Arbeitszeit"verschwendung", die in anderen Branchen schon lange abgeschafft worden wäre. Ich schätze, Larry Jordan hat Recht, wenn er Lohn-Cuttern empfiehlt, sich breiter aufzustellen. Um zu denen zu gehören, die die Digitalisierung beruflich überleben. Es können im Vergleich zu jetzt nur wenige sein.

Und da sind wir lediglich bei einer verschlankten Produktionskette und noch nicht beim Lieblingsthema der slashCAM-Redaktion: KI.

Die steckt meiner Meinung nach noch in den Kinderschuhen. Es wird zum Beispiel viel darüber diskutiert, ob eine Maschine Empathie lernen kann. Vielleicht nicht, vielleicht nie. Spielt aber kaum eine Rolle. Denn sie können immer besser Empathie simulieren. Es widerstrebt uns, das zu akzeptieren, aber sehr bald könnten uns Computer in unserer vorgeblich ureigenen Disziplin, der Mitmenschlichkeit, schlagen. Weil wir sie selbst weitgehend verlernt haben und statt dessen versuchen, zu funktionieren.



Antwort von domain:



Die Idee von einem Fütterungsroboter gab ja schon mal. Vielleicht wird es auch mal Arschauswischungs- und Windelanlegeroboter geben .





Antwort von Rick SSon:

Kunden könne. schon recht "unlogisch" sein in ihren Vorstellungen/Änderungswünschen. Good Luck with that, Algorythmus! 😜



Antwort von Jott:

iOS schneidet seit einer Weile ungefragt im Hintergrund kleine Filme aus den Inhalten der Fotos-App (Videos und Fotos von iPhone/iPad). Dazu werden Metadaten genutzt (GPS, Uhrzeit) sowie Gesichts- und Motiverkennung. Geschnitten wird passend zur Musik, Fotos werden zu animierten Sequenzen, Panoramashots werden zu wunderschönen Schwenks. Alles automatisiert.

Die entstehenden Sachen sind unterhaltsam und geschmackssicher genug, um bequemen Zeitgenossen das Schneiden von Urlaubsfilmen und dergleichen zu ersparen. Und die Verwandtschaft wird nicht mit zwei Stunden Mallorca gequält! :-)

Was so was angeht, ist die Zukunft schon da.



Antwort von Peppermintpost:

danke axel für deinen beitrag, was du schreibst beschreibt die situation schon sehr gut.
in unserer gesellschaft wird ja schon eine zeit lang über die vor und nachteile der computerisierung gesprochen. die immer häufiger aufpoppende diskussion um das bedingungslose grundeinkommen ist ein direktes resultat.

die meisten die von digitalisierung bzw roboterisierung sprechen projezieren diese vorstellungen ja immer in die zukunft, das ist unsinn, das hat schon vor jahrzehnten begonnen und setzt sich auch weiter fort. axel hat ja wunderbar einige berufe beschrieben, bei denen das inzwischen der fall ist. das problem mit der digitalisierung ist das viele in dem zusammenhang auch digial denken - 0/1 - an/aus. also vor der roboterisierung müssen wir uns erst fürchten wenn bei daimler kein einziger arbeiter mehr ist. das ist natürlich unsinn. roboterisierung macht ja nicht erst sinn wenn 100% der arbeitsplätze eingespart werden können, sondern auch wenn nur 10 - 20 - 30% der menschlichen arbeitskraft eingespart werden kann, und das sehen wir an allen ecken und enden.

also in unserem fall. selbst wenn wir über einen spielfilm schnitt sprechen. wenn die action sequenz weiterhin händisch geschnitten wird, aber alle unterhaltungen übernimmt die maschine, dann braucht der cutter halt nicht mehr 6 wochen um den film zu schneiden, sondern nur noch 3. auch das vernichtet ja arbeitsplätze. also dieses 0/1 denken hilft da nicht weiter.
wir werden nicht morgen alle arbeitslos sein, aber der schleichende prozess dahin hat längst begonnen und der läst sich auch nicht aufhalten.

diejenigen die die maschinen besitzen erklären uns ja immer wieder, das die letzten industriellen revolutionen immer mehr arbeitsplätze geschaffen haben und das wir uns keine sorgen machen müssen, der vergleich stimmt aber nicht. mit den letzten industrie revolutionen wurden zwar massiv arbeitsplätze eingedampft, gleichzeitig wurde es aber möglich in weitere teile der welt vorzudringen und diese ökonomisch zu erschliessen. der telegraph zum beispiel hat ja nicht nur arbeitsplätze geschaffen für die die leitungen verlegen sondern er hat es ermöglicht handel über weite teile der erde erst möglich zu machen.
die dampfmaschine hat halt nicht nur fabriken angetrieben, sondern auch schiffe und die eisenbahn. natürlich sind dadurch arbeitsplätze entstanden die es vorher noch nicht gab.
der zug ist aber bei der anstehen digitalisierung abgefahren. die welt ist erschlossen. wir produzieren weltweit, wir handeln weltweit, wenn wir nicht in den nächsten paar jahren einen bewohnten planeten in der nähe entdecken mit dem wir handeln können, dann wird diese industrielle revolution keine neuen arbeitsplätze schaffen. ich befürchte also unsere chancen stehen schlecht.

die aussage der politik das man sich heute halt selbst ständig weiter bilden muss um am ball zu bleiben, ja die ist natürlich für den übergang richtig. klar wenn ich alles in der postproduktion kann werde ich halt erst dann weg rationalisiert wenn alles automatisiert ist. aber am ende können wir halt nicht alle regisseur sein und bei daimler können auch nicht alle arbeiter plötzlich vorstandsvorsitzende sein, und auf dem weg dahin fallen halt so viele über bord, das es sowieso nicht dazu kommt weil die daimler vorher abbrennen.

unsere gesellschaft sollte so langsam aber sicher mal über einen plan b nachdenken sonst sehen wir beim nächsten G20 in hamburg keine 1000 randalierer vom schwarzen block sondern 1.000.000, tja schade um hamburg, aber auch das schafft ja arbeitsplätze.



Antwort von Alf_300:

Der Plan B heißt Retro



Antwort von Peppermintpost:


Der Plan B heißt Retro

ne retro funktioniert leider nicht, auch wenn viele konservative sich das sehnlichst wünschen, zeit läuft immer nur vorwärts niemals rückwärts. roboterisierung wird kommen, daran lässt sich nichts ändern, wir müssen uns gedanken machen wie wir damit umgehen.



Antwort von Alf_300:

Stimmt Industrie 4,.0 läßt sich nicht aufhalten, das ändert sllerungs nichts daran dass neue Märkte erschlossen werden, auch wenn es zum Schluss die alten sind.

Schau dich um

Sony presst wirder Schallplatten, da kannst Du mit CD's nicht mehr landen. weenn Du "In" sein willst.

auch dem Filmer fällt nur noch ReMake ein.



Antwort von Peppermintpost:

klar, eine retro bewegung gibt es immer und gab es auch immer. schau dir woody allen "midnight in paris" an, der erzählt genau die geschichte. aber diese retro bewegung ist doch immer nur ein minimaler bruchteil des marktes. es gibt wieder schallplatten fans, die gab es aber die ganze zeit von der cd zur mp3 durchgehend. aber der prozentsatz den die am mark einnehmen ist doch nicht der rede wert.

die pferdekutsche kommt selbst nach einem atomkrieg nicht zurück, selbst dann würden wir mit einer solar elektrischen kutsche fahren. entsprechend wird der hufschmied sicher kein beruf werden der wieder massen beschäftigt.

es wird auch im film business keinen trend zurück zum steenbeck geben, auch wenn tarentino noch 10 filme damit schneidet, und zelluloid ist auch am ende trotz chistopher nolan.

wenn kodak wirklich die angekündigte super 8 kamera bringt, die verkaufszahlen einer lumix, sony oder canon wird sie dennoch nicht einfahren.

das ist alles nur nette nostalgie, dich ich auch definitiv mag, aber statistisch findet das nicht statt. es ist prozentual vollkommen unbedeutend.



Antwort von Axel:

in unserer gesellschaft wird ja schon eine zeit lang über die vor und nachteile der computerisierung gesprochen. die immer häufiger aufpoppende diskussion um das bedingungslose grundeinkommen ist ein direktes resultat.

Am besten wäre es, wenn Automaten die modernen Sklaven würden, die es den Menschen erlauben würden, wie die Bürger des antiken Athen zu leben. Die Maschine verrichtet die Arbeit, der Mensch kann sich "Höherem" zuwenden, Bildung, Kunst, Allgemeinwohl. Das wäre eine völlig andere Gesellschaft und erforderte ein Umdenken. Am besten vorbereitet dafür sind die Selbständigen, denn sie waren schon immer "ihres Glückes Schmied". Die große Mehrheit der Arbeiter und Angestellten, teilweise dumm wie Brot, könnte schnell gefährlich werden, für sich gegenseitig und für alle. Ihr ganzes Leben hat man ihnen direkt oder indirekt vermittelt, dass Lohnarbeit die Rechtfertigung für ihr Dasein ist. Nun nicht mehr gebraucht und in die "Freiheit" entlassen. Da werden rohe Kräfte frei.



Antwort von Peppermintpost:

@Axel

genau so ist es. die modernen sklaven müssen der allgemeinheit gehören. aber da gab es ja mal einen menschen in england und mit rauschebart und der hat das schon vor 100 jahren gesagt. die maschienen gehören in die hände der arbeiter. der gedanke ist also nicht neu. durchgesetzt hat es sich allerdings noch nie.

ich glaube allerdings auch nicht das der "Pöbel" in der lage ist sich mit höherem zu beschäftigen.

da kommen also 2 dinge zusammen, die ökonomische sicherheit und die sinnfrage.

lies mal (oder vermutlich kennst du das) von Jules Verne "Die Propellerinsel" da beschreibt er ja schön was passiert wenn die menschen ökonomisch abgesichert aber ohne sinn leben.



Antwort von Auf Achse:

" ------- da beschreibt er ja schön was passiert wenn die menschen ökonomisch abgesichert aber ohne sinn leben.

Genau da wäre die Chance der Mindestsicherung. Ich sehe das optimistisch, wie viel Menschen könnten sich endlich selbst verwirklichen wenn sie die Zeit dafür finden. Wie viele neue Geschäftsideen könnten daraus entstehen?

Auf Achse



Antwort von Frank Glencairn:

Jetzt brauchen wir nur noch Roboter, die ins Kino gehen.



Antwort von Peppermintpost:

@Achse

also ich bin auch für eine grundsicherung, da bin ich natürlich bei dir, die frage ist aber, wird sich die grundsicherung in regionen abspielen wo heute ein durchschnittliches einkommen liegt oder in der region von hartz4? ich glaube jeder der darüber nachdenkt, egal ob pro oder contra grundsicherung wird eine grösse von hartz4 für realistisch halten. also haben wir das ja defakto schon, es heist halt nur anders.

wer allerdings von hartz4 lebt, der wird werder zum dichter noch zum denker und für kreative entfaltung braucht man in den meisten fällen auch ein paar werkzeuge, die man sich in der region von hartz4 definitiv nicht leisten kann.

wenn ich aber das geld erhöhe, das natürlich technisch/rechnerisch problemlos möglich wäre dann komme ich ja recht schnell in ein fahrwasser das die leute sich selbst produktionsmaschinen kaufen und einen kapitalismus auf einem kommunismuss errichten, damit gewinne ich aber nichts, ich erzeuge nur inflation und hyperinflation.
das bedeutet das konzept des grundeinkommen ist noch nicht zuende gedacht.

die grundlage der verschiedenen ökonomischen modelle egal ob bei smith, keynes, marx, colbert oder friedman ist aber immer das geld. der einzige von denen der (vermutlich) schon einen kleinen schritt weiter gedacht hat ist keynes mit seiner unterscheidung zwischen micro und makro ökonomie.

wer sich ein klein wenig mit ökonomie beschäftigt findet schnell heraus das in der makro ökonomie geld wertlos ist. im grunde genommen funktioniert makro ökonomie so ein bissel wie bei den naturvölkern, die im gegensatz zur allgemeinen vermutung nicht getauscht sondern geteilt haben. macro ökonomie ist jetzt nicht wie viele vermuten irgend eine sozialistische spinnerei, sondern ganz real wie unsere wirtschaft funktioniert. BMW ist es scheiss egal ob ihre autos bezahlt werden oder nicht, das spielt keine rolle, wichtig ist nur die autos werden produziert und irgend einer nimmt sie und benutzt sie. geld kommt in der rechnung garnicht vor. und wenn man einen bmw vom hof fährt und direkt vor dem tor mit nem hammer klein macht, ist BMW auch egal. darum gehts halt in der macro ökonomie nicht.

das system in die micro ökonomie zu übertragen ist meiner meinung nach die herausforderung. es geht nicht darum das wir alle geld haben und uns dann zu tode langweilen sondern darum das wir alle beschäftigt sind und gute laune haben, da kommt geld garnicht vor.



Antwort von Peppermintpost:

@frank

100% du hast es genau auf den punkt gebracht. es geht nicht darum ob wir die filme verkaufen können, das ist bedeutungslos, es geht darum filme zu machen.



Antwort von Axel:

Automatisierung nimmt ja bloß die Prozesse aus der Gleichung, die automatisiert werden können, und das sind nicht-kreative Prozesse. Filmemachen dagegen ist kreativ. Man könnte (und sollte vielleicht) ein Buch mit dem Titel "Filmemachen" schreiben, in dem technische Aspekte gar nicht erwähnt werden. Wird dieses Buch mit Hilfe eines Wordprocessors erstellt, ein Programm, das mit Templates arbeitet? Kommt es zum Druck? Oder ist es lediglich eine online-Publikation? Wird es überhaupt verbreitet? Der Begriff "Medien" (Vermittler) vermittelt das. Und natürlich hat es Auswirkungen auf formale Aspekte, wenn ich meine Arbeit teile. Ansonsten ist das nachrangig, denn der kreative Impuls kommt zuerst, kein Rechner kann meine Muse sein. Eine Zeile aus einem Jethro-Tull-Song kommt mir in den Sinn, "Hear her typewriter humming, cutting dreams down to size again." Automatisierung bedeutet Standardisierung.

Quintessenz des Buches wäre, dass jeder ein Filmemacher ist, weil jeder Bilder und Klänge (in sich) aufnimmt und mehr oder weniger zusammenhängende Geschichten daraus montiert. Der Gedankenstrom funktioniert so. Worte sind auch dabei, es sind Stimmen aus der Erinnerung, manche hören sie eher, manche stellen sie sich eher geschrieben vor:
http://img.freepik.com/vektoren-kostenl ... 38&ext=jpg

Automatisierung kostet Arbeitsplätze. Aber wer je seine Arbeit wechseln musste, weil Automaten ihn ersetzt haben, ist rückwirkend auch ein bisschen dankbar. Der Bleisatz beim Buchdruck war unnötig aufwändig und gesundheitsschädlich, ebenso wie die Chemie im Fotolabor (den Umweltengel für Photoshop!). Das analoge Filmvorführen hatte gewisse Ähnlichkeiten zum Lokführen und war nicht schlecht für Leute, die gerne Filme gucken, aber das kann man auch einfacher haben.

iOS schneidet seit einer Weile ungefragt im Hintergrund kleine Filme(...) Und die Verwandtschaft wird nicht mit zwei Stunden Mallorca gequält! :-)

Das kann ich toppen. Auch ich drehte früher Urlaubsfilme. Ich will Freunden zeigen, wie es im Urlaub aussah? Jede Stadt, die ich besuche, wurde als gut verdauliches Youtube-Filmchen mit großem Aufwand in Timelapse, Hyperlapse, Tiltshift, 4k sowie alternativ als erschöpfende Hintergrunddoku in Hochglanz beschrieben. Das befreit mich von der Vorstellung, selbst etwas dokumentieren zu müssen, zum Beispiel Schwärme von anderen dokumentationswütigen Touristen mit ihren Kameras und Smartphones. Kinder und Familie sind etwas anderes, aber als Fotos ohnehin wirkungsvoller, um eine Erinnerung zu bewahren. Dass es iOS gelingt, das Zeug genießbar aufzubereiten, zeigt mMn, dass Urlaubsfilmchen, allem Aufwand zum Trotz, keine besonders originelle und kreative Beschäftigung waren. Dasselbe gilt (in etwas abgeschwächter Form) für Hochzeitsfilme und Imagefilme. Siehe hierzu meinen alten Thread Kinospot von der Idee zur Abnahme in drei Stunden !?!. Originelles Erzählkino und hochklassige Dokus werden nie überwiegend automatisiert werden. Nie.



Antwort von wolfgang:

Schon wieder ein Sommerlochthema. Die Automatisierung ist doch längst da. Oder wer klebt heute noch Filmstreifen zusammen? Jeder digitale Schnittplatz kann das besser und billiger.

Das hat mehr mit Sommerloch und dem Ignorieren einer globalen digitalen Welt zu tun, als damit dass das was Neues wäre.

Und sicher berührt er auch nicht den kreativen Akt, aber der macht einen geringen Anteil aus: bei Eng kaum was, auch nicht beim großen Spielfilm.



Antwort von Axel:

Und sicher berührt er auch nicht den kreativen Akt, aber der macht einen geringen Anteil aus: bei Eng kaum was, auch nicht beim großen Spielfilm.

Das geht schon an die Ehre. Die ersten NLEs vom Typ Avid, an denen sich bis heute nichts wesentlich getan hat, nutzten ja die Möglichkeiten der Digitalisierung gar nicht voll. Dennoch berühren alle moderneren Verschlankungen der Workflows bisher noch nicht das Axiom, dass ein Film (im weitesten Sinn) im Schnitt entsteht. Bei ständig wiederkehrenden Mustern kann man auf Programmroutinen zurückgreifen, so in der Art wie Karl Kaputnik sich mit Homepage-Baukästen á la Wix oder Jimdo schnell was bastelt. Das hat auch viele Arbeitsplätze gekostet, denn diese Vorlagen lassen sich durchaus individualisieren und rechtfertigen in der Regel keine mehrere tausend Euro für einen Website-Designer (der sich, wenn er gescheit ist, selbst solche Templates vorbereitet hat, um nicht für jeden nervigen Kunden wochenlang vorm Rechner sitzen zu müssen. Sowas ist auch bei Grafikanimationen gang und gäbe).

Ein großer Spielfilm entsteht nicht so. Zumindest sollte er es nicht. Den Eindruck, es bei zeitgenössischen Blockbustern mit mit Musterhäusern vergleichbaren Industrieprodukten ohne originellen Mehrwert zu tun zu haben, habe ich trotzdem. Für mich sind die begeisterten Konsumenten solcher Waren schon jetzt nicht mehr weit entfernt von Frank Glencairns Robotern, die ins Kino gehen.



Antwort von wolfgang:

An die Ehre solls nicht gehen - aber von den zahllosen Menschen, die bei so einer Produktion mitwirken, wie viele davon sind eigentlich wirklich kreativ tätig? Sind sicher etliche - aber da gibt's trotzdem noch genug die reine Knochenjobs zu tun haben.



Antwort von muellerbild:

Ich war zehn oder gar fünfzehn Jahre interessierter Leser des Forums. Ich bin hier immer aktuell und kompetent informiert worden. Dafür herzlichen Dank.
Ich war aber auch stolz darauf, nie Mitglied gewesen zu sein, weil die Kommentare oft oder sogar meistens unterirdisches Niveau aufweisen.
Die Kommentare in diesem Thread haben jedoch einen Sinneswandel verursacht. Mit tiefem Sachverstand und dennoch großer Verständlichkeit wird die Problematik diskutiert. Da kann ich noch etwas dazu lernen, obwohl ich selbst Volkswirtschaftler bin. Mein Dank an alle Kommentatoren.
Chapeau!



Antwort von Peppermintpost:

oh ein volkswirtschaftler, geil, ich habe so viele fragen.
kannst du ein gutes forum empfehlen wo ökonomische fragen diskutriert werden wo auch leute dabei sind die ein wirkliches wissenschaftliches wissen haben und nicht nur der meinung sind das die alleinerziehende mutter und die ausländer an allem schud sind? ökonomie ist so viel spannender und wichtiger als der ganze kamera und film blödsinn. da würde ich mich sehr gerne austauschen. kann auch gerne ein englisches forum sein, die meisten ökonomen sind sich in 90% der dinge sowieso einig, da ist das nationalbewustsein relativ egal.



Antwort von Plenz:

Wenn ich mir die mediale Begeisterung über den Film "Victoria" ansehe, scheint man ja sowieso keine Cutter mehr zu benötigen.

Naja... ehrlich gesagt: nicht gerade mein Geschmack. Dieser Film zeigt perfekt, wie sinnvoll der Einsatz von Schnitten und Kamerastativen sind.



Antwort von Benutzername:


Wenn ich mir die mediale Begeisterung über den Film "Victoria" ansehe, scheint man ja sowieso keine Cutter mehr zu benötigen.

Naja... ehrlich gesagt: nicht gerade mein Geschmack.

das ist kunst, das muss so sein. dem einen gefällt es, dem anderen nicht. die idee finde ich auf jeden fall schon mal extrem lobenswert. habe den film aber noch nicht gesehen. aber ohne cutter wird es nie gehen. es geht ja auch nicht ohne drehbuchautor, obwohl es da auch schon dinge gibt, die den autoren ersetzen sollen.

http://filmschreiben.de/und-der-oscar-g ... buchautor/



Antwort von Frank Glencairn:

Ich kann diesen AI Blödsinn nicht mehr hören.
Alles was ich bisher an AI gesehen hab ist eher Künstliche Borniertheit.

Zu keinem Zeitpunkt wird AI einen Cutter ersetzen, weil die AI nicht versteht um was es geht.
AI ist Prinzip nix als ne große Datenbank mit schneller Anbindung.
Was nicht in der Datenbank ist, kennt die AI auch nicht, deshalb kann da hinten auch nix raus kommen, was nicht einer vorne rein gesteckt hat.
Das Gegenteil von Kreativität also.

AI ist nur eine Simulation von Intelligenz, sonst nix.



Antwort von Axel:

Zu keinem Zeitpunkt wird AI einen Cutter ersetzen, weil die AI nicht versteht um was es geht.

Die Frage ist, welche Art von Cutter?

In Nachrichtenreportagen sind die Formate so starr definiert, dass man glaube ich kein Cutter sein muss, um zu wissen, wie sie gestrickt sind. Wenn Informationen immer nach denselben Schemata aufbereitet sind (es gibt Variationen, siehe meinen Vergleich mit Homepage-Schablonen), benötigt ein Computer nur minimalen redaktionellen Input, um die Elemente perfekt zu verbinden. Der menschliche Cutter, der den Scheiß heute zusammenkloppen muss, ist in kreativer Hinsicht komplett unterfordert, dafür zeitlich gestresst.

Auch für andere Bereiche - etwa Firmen- und Imagevideos - gilt das, eventuell sogar verstärkt. Es könnten sogar Stockfootage oder gleich computeranimierte "schöne Bilder" in minimal angepasste Templates gezogen werden. Jeder, der Corporate Videos als Haupt-Einnahmequelle hat (oder, äh, Hochzeitsfilme 🤭) müsste ehrlicherweise zugeben, derartige "Schnittmuster" längst zumindest im Kopf zu haben. Oder er käme nie auf einen grünen Zweig.

Kunden könne. schon recht "unlogisch" sein in ihren Vorstellungen/Änderungswünschen. Good Luck with that, Algorythmus! 😜

Das glatte Schema F befriedigt letzten Endes auch diese unlogischen Kundenwünsche. Es ist so transparent und so flexibel zugleich, dass der Kunde die Änderungen in Eigenverantwortung selbst durchführen kann. Das Resultat muss nicht den Anbieter überzeugen, sondern den Kunden, und wenn der Kunde um die Möglichkeit weiß, ohne Vorkenntnisse in Videoschnitt selbst Hand anlegen zu können, wird er dies fordern: Schnitt futsch!

Der Ursprungsartikel warnt Lohn-Cutter vor der Cutterdämmerung. Nicht allzu weit hergeholt, würde ich sagen.

Eine andere Frage ist, und darauf zielt dein Einwand wohl ab, ob ein Computer erzählen kann. Und da würde ich sagen: nie.

Es gibt aus dem Stegreif zumindest zwei Hauptaspekte, die sich der reinen Logik völlig entziehen, und sie haben beide mit dem etwas nebulösen Begriff Intuition zu tun.

Erstens wäre da die "erzählerische Ökonomie", der Lieblingsbegriff eines meiner ehemaligen Dozenten. Klingt aufgeblasen, ist in konkreten Beispielen aber ganz einfach. Ein unzufriedener Arbeiter der Firma Zomtec. Jeder kennt Zomtec, Hintergrundwissen, das der Cutter mit dem Zuschauer teilt. Der Sticker auf dem Blaumann zeigt es. Er steht in einer Werkshalle - man ahnt, sie gehört zu Zomtec. Seine Miene spricht Bände. In *einem* Bild ist vieles komprimiert, und das zu erkennen und auf den Grad der Deutbarkeit durch den mitdenkenden Zuschauer zu wetten - das wird ein Algorithmus nie können. Nie.

Zweitens der vielbeschworene Subtext. Menschen sind in Wirklichkeit an eindeutiger Darstellung nicht interessiert (Pørno? Werdet ihr einwenden. Nur scheinbar!). Subtile Andeutungen sind effizienter (siehe Erzählökonomie) als rein logisch erfassbare Sequenzen. Oder: der nächste Schnitt darf und sollte alles in Frage stellen, darin besteht seine Macht. Man montiert Widersprüchliches und Vieldeutiges. Da kann bei einer Maschine, egal wieviel Komplexität man ihr einprogrammiert, nur ein ungenießbarer Eintopf rauskommen.




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