Test Sony Vegas Pro 8 – Der Universalist

Sony Vegas Pro 8 – Der Universalist

Sony Vegas galt ja schon immer als Schweizer Taschenmesser des Videoschnitts. Mit der achten Version bekam das Programm ein weiteres Mal neue Features auf den Weg. Wir wollten mal sehen, ob da überhaupt noch ein Feature-Wunsch offen bleibt.

// 13:44 Mi, 24. Okt 2007von

Sony Vegas galt ja schon immer als Schweizer Taschenmesser des Videoschnitts. Mit der achten Version bekam das Programm ein weiteres Mal neue Features auf den Weg. Wir wollten mal sehen, ob da überhaupt noch ein Feature-Wunsch offen bleibt.





Unser letzter Blick auf Vegas 7 ist ja noch nicht allzu lange her. Wer die alte Version des Programms noch nicht kennt, sollte sich daher vielleicht zuerst unseren letzten Testbericht zu Gemüte führen, da dieser Artikel in erster Linie auf die Neuerungen des Programms eingeht.



Schon beim Namen gibt es wieder eine Änderung. Hieß die letzte Version noch Vegas+DVD, so wurde die neue Version in Vegas Pro 8 umtituliert. Aber keine Angst, DVD-Architect Pro 4.5 ist weiterhin im Lieferumfang enthalten (jedoch nicht Schwerpunkt dieses Tests).



An der Oberfläche hat hat sich nicht viel verändert.
An der Oberfläche hat hat sich nicht viel verändert.




AVCHD-Öffnung

Vegas 8 importiert nun auch offensichtlich AVCHD-Files von Panasonic (zumindest die Clips einer SD1 konnten bei uns anstandslos eingelesen und abgespielt werden). Pragmatisch und verständlich zugleich: Denn eine strikte Import-Verweigerung würde letztendlich dem „Standard“ AVCHD schaden, was ja auch nicht im Sinne von Sony sein kann. P2 und DVCPRO mit seinen Derivaten wird allerdings nicht unterstützt, so weit geht die Liebe für die Konkurrenz dann doch nicht. Dafür funktionierte der Clip-Import der neuen XDCAM PMW-EX1 bereits problemlos, wodurch sich Vegas Pro 8 bereits heute als guter Kompagnon für Interessenten dieser Kamera empfiehlt.





Mehr als nur Titel

Der neue ProType-Titeler erschließt für ein Schnittprogramm neue Dimensionen. Denn neben üblichen Texteffekten wie Roll- oder Kriechtexten sind hier auch Typoanimationen möglich. D.h. einzelne Buchstaben können nun ins Bild fliegen, heranwachsen oder sonstwie mit Keyframes animiert werden. Damit Anfänger hier nicht überfordert werden, stehen eine Reihe von Presets aus Bewegungspfaden und Minianamiationen zur Verfügung. Die Einstellung einzelner Parameter erfolgt dabei teilweise über halbtransparente Fenster, die stark an Apples Motion erinnern. Überhaupt versteckt sich hinter dem ProType-Titler eigentlich schon eine kleine Vektorgrafik-Compositing-Engine. Vielleicht darf man hier in naher Zukunft sogar noch mehr erwarten?



Mit ProType lassen auch ausgefallenere Typoanimationen erstellen.
Mit ProType lassen auch ausgefallenere Typoanimationen erstellen.






Tiefe Farben

Mit der neuen 32 Bit-Float Farbverarbeitung setzt sich Vegas 8 von vielen Konkurrenten deutlich in Richtung Profi-Editing ab. Denn nur bei diesem Farbmodus bleiben Korrektur-Nuancen auch über mehrere Layer erhalten. Wer beispielsweise einen Clip mit einem Effekt so weit aufhellt, dass in den Höhen keine Zeichnung mehr vorhanden ist, kann diese Zeichnung dennoch wieder gewinnen, wenn er im Master-Effekt die Helligkeit wieder etwas zurück nimmt. Bei 8 Bit-Programmen sind diese geclippten Bereiche dagegen für immer (und für alle weiteren Layer) verloren.


Die Kehrseite der Medaille ist jedoch der enorme Rechenaufwand. Denn 32 Bit-Float-Berechnungen benötigen schon von Speicherdurchsatz vier mal so viel Rechenleistung. Auf unserem Testsystem mit Intel QX6700 (vier Kerne mit 2,67 Mhz) schafften wir bei einer einfachen Curves-Korrektur mit XDCAM-Material im 8 Bit-Modus bei höchster Qualität ungefähr 10 Bilder pro Sekunde. Im 32 Bit-Modus verringerte sich dieser Wert auf auf 0,5 Bilder pro Sekunde, also ein ca. ein zwanzigstel. Praktisch ist allerdings dass sich im Projekt fließend zwischen beiden Modi umschalten lässt. So kann man in 8 Bit editieren und die Farbkorrektur dann in 32 Bit machen. Oder auch nur abschließend in 32 Bit über Nacht rendern. Zusammen mit den ebenfalls auffallend potenten Compositing-Eigenschaften (u.a. Überlagerungsfunktionen, SubLayer-Gliederung und Bezier-Masken mit Keyframes) eignet sich Vegas damit als erstes Programm unter 1000 Euro zum Color-Grading ohne Kompromisse, auch wenn die Interaktivität aufgrund des Rechenaufwandes deutlich leidet.





Mixer im Alternativ-Kleid

Obwohl Vegas schon bisher im Audio-Bereich äußerst stark war, gab es offensichtlich noch Raum für Verbesserungen: So wurde nun auch noch der Audio-Mixer aufgebohrt, über den man nun bequem Zugriff auf alle Effekte sowie Animationsparameter hat. Auch Bus-Subgruppen lassen sich hier bequem und übersichtlich abmischen.



Wer virtuelle Mischpulte mag, findet jetzt auch ein besonders gelungenes in Vegas.
Wer virtuelle Mischpulte mag, findet jetzt auch ein besonders gelungenes in Vegas.


Allerdings geht ein Mix mit der Maus an einem virtuellen Mischpult prinzipbedingt deutlich unbequemer vor sich, als mit echten Hardware-Fadern. Denn bei letzteren lassen sich auch mehrere Kanalzüge auf einmal steuern. Wer jedoch bisher einen professionellen Software-Mixer vermisst hat, wird das neue Vegas Feature mit offenen Händen empfangen. Alle anderen können beinahe selbstredend auch externe Controller mit Vegas einsetzen. Zum Beispiel den günstigen Behringer BF2000 oder auch den Mackie Control Universal.





Große Kleinigkeiten

Auch weitere „Kleinigkeiten“ erhöhen die Produktivität bei Vegas enorm. Dank HDV- (und XDCAM-) Smartrendering müssen unveränderte Clip-Bestandteile nicht neu gerendert werden. Für den Schnitt auf Laptops gefällt die bildschirmfüllende Vorschau mit nur einem Display. Und wer häufig Events filmt freut sich über das integrierte Multicam-Editing.





Anfänger erwünscht

Anfänger, die sich noch nicht besonders gut mit dem Programm auskennen, können sich zu vielen Funktionen direkt Mini-Tutorials anzeigen lassen. Diese führen dann interaktiv und „live“ direkt im Programm Schritt für Schritt in die gewünschten Funktionen ein. Man lernt also direkt im Programm und jeder Schritt wird direkt in Vegas ausgeführt. Effektiver kann man ein Programm eigentlich nicht lernen. Ziemlich cool.





Performance

Gegenüber dem HDV-Performance-Spitzenreiter Edius von Canopus sieht Vegas nach wie vor alt aus. Schon bei einer komplexen Farbkorrektur auf einem Clip konnten wir keine Vollbild-Vorschau mit bester Qualität und 25 FPS erzielen. Dies war schon immer so und ist wahrscheinlich auf die penible Rechengenauigkeit von Vegas zurückzuführen. Wer beim HDV-Schnitt das wirklich softe, interaktive Schnittgefühl mit butterweichem Scrubben bei perfekter Vorschau sucht, wird bei der Konkurrenz eher fündig. Dies ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt, den wir gegenüber Vegas ernsthaft äußern können. Viele Anwender behelfen sich damit, die Vorschauqualität etwas zurückzuschrauben. Dann lässt sich auch hier „fließend“ arbeiten. Bei AVCHD ist der Rückstand von Vegas übrigens bei weitem nicht so gravierend. Hier ließ sich mit dem Programm fast auf dem selben Geschwindigkeitsniveau schneiden, wie mit der schnellsten Konkurrenz von Pinnacle.


Das Programm lief bei uns ohne einen einzigen Absturz während des dreitägigen Testzeitraums stabil und zeigte dabei auch unter Vista keinerlei negative Auffälligkeiten.






Fazit

Mit Vegas Pro 8 hat Sony es geschafft ein wirklich rundes Editing-Paket abzuliefern, das -bis auf die durchschnittliche Performance- keine echten Schwächen zeigt. Natürlich werden alteingesessene Cutter sich nur schwer mit der Bedienung des Programms anfreunden können, aber wer sich auf die Programmphilosophie einlässt bekommt hier momentan schlichtweg das bestausgestatteste Schnittprogramm unter 1000 Euro geboten. Praktisch alle sinnvollen Funktionen (auch im Audio- und Compositing-Bereich), die man sich bei einem Schnittprogramm wünschen kann, sind bei Vegas 8 unter einer Haube zu finden und wurden sowohl schlüssig als auch stabil integriert. Durch den neuen 32-Bit Farbraum bietet das Programm dazu Qualitätsreserven, die man auch weitaus teureren Paketen nicht immer findet. Dieser Funktionsfülle können auch wir uns nicht entziehen: Bei Vegas 8 handelt es sich um einen klaren Kauftipp für jeden der einen günstigen Tausendsassa sucht und nicht mit Pansonic-Profiformaten in Berührung kommt.


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