Handling Allgemein
Bereits beim ersten in die Hand nehmen fällt die robuste und erstklassige Verarbeitung der Nikon D300s auf. Da wir gerade das Konkurrenz-Model von Canon (EOS 7D) in der Redaktion hatten, zwängt sich ein Vergleich hier förmlich auf: Subjektiv betrachtet glänzt die Nikon D300s mit einem Tick mehr an gefühlter Robustheit als die Canon EOS 7D, was auch an ihrem leicht höheren Gewicht liegen mag (840g vs 820 g). Irgendwo traut man ihr etwas mehr Nehmer-Qualitäten zu – doch wie gesagt, das sind subjektive Eindrücke. Ebenso wie die Ausformung der Griff-Ergonomie - wobei wir hier wiederum die Canon EOS 7D als etwas griff-freundlicher empfanden – gerade für große Hände. Bei den neuen Modelreihen von Nikon fällt auf, dass frühere Modelle, wie beispielsweise das slashCAM-Redaktions-Arbeitspferd Nikon D70s einen etwas breiteren Handgriff aufwiesen, was wir, wie gesagt, für größere Hände, von Vorteil empfinden. Schaut man in die aktuelle Nikon-Model-Reihe, wird man da erst wieder bei der Nikon D700 mit einer minimal größeren Dimensionierung fündig – doch ist diese nicht sonderlich video-afin, weshalb wir uns hier und heute mit der Nikon D300s beschäftigen wollen.

Die äußeren Abmessungen lassen sich ohne subjektive Wahrnehmung klar benennen:
114x147x74mm (HxBxT) bei 840 g – also recht ähnliche Abmessungen wie bei der Canon EOS 7D (110,7x148,2x73,5) bei 820 g (s. im Vergleich hierzu auch die Nikon D700 bei 123x147x77mm bei 995 g). Zusammen mit ihrem 13,1 MP CMOS-Sensor in den Abmessungen 23,6x15,8 mm reiht sich die Nikon D300s in die noch relativ junge Klasse der professionellen APS-C Kameras ein.
Das Schalter-Layout der Nikon D300s hat zwei Gesichter. Eines für Fotografie, welches in der Klasse zu den besten am Markt gehört und eines für die Video-Funktion, welches uns, insbesondere im Vergleich zur Canon EOS 7D, noch etwas verbesserungswürdig erscheint. Zunächst jedoch zum allgemeinen Handling und danach zum speziellen Video-Handling:
Die Schalter-Anordnungen, die uns bei der Nikon D300s – auch im Vergleich zur Konkurrenz - am besten gefallen haben, sind der kombinierte AE-L/AF-L & Messwahl-Druck-Drehknopf rechts vom Okkular sowie die zwei-rädrige Bedienung von Blende und Verschlußzeit im manuellen Modus.

Es macht sehr viel Sinn einen kombinierten Schalter für Belichtungsspeicher und Meßmethode (Matrix, Mittenbetont, Spot) anzubieten, weil beide Funktionen so sehr von einander abhängen und häufig schnell unterschiedlich kombiniert werden (bsp. das Umschalten von Matrixmessung auf Spot-Messung und anschließendem Belichtungsspeicher der abgenommenen Spot-Messung). Gerade für diese Tätigkeiten sind die (Finger)Wege bei der Nikon D300s sehr kurz und damit schnell ausführbar. Gleiches gilt für die Belegung von Blende und Verschlußzeit im manuellen Modus via Finger- und Daumen-Rad: Sehr gute Platzierung für schnellstmöglichen Zugriff, auch wenn das Zeigefinger-Drehrad unserem Geschmack nach ein wenig zu tief im Gehäuse platziert wurde.
Der 3“ LCD Monitor mit seinen 920.000 Pixeln gehört ebenfalls zum derzeitigen State-of-the Art und lässt sich auch bei hellerem Umgebungslicht sehr gut ablesen.
Ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der direkten Konkurrenz stellt der duale Card-Slot dar, in dem sich parallel CF-Cards und SD-Cards mit unterschiedlichen Speicher-Optionen betreiben lassen: Overflow, Backup und RAW/JPEG Splittung – gerade Letzeres sowie die Back-Up-Funktion weisen klar in Richtung professionelles Set-Up.

Wer schnell Zugriff auf bestimmte Menue-Funktionen benötigt und dabei nicht in den Tiefen des Menues wühlen möchte, hat hierfür zwei Schnell-Zugriff-Optionen: Zum einen über die Info-Taste und die hier hinterlegten Shoot-, bzw. Custom-Menue-Banks. Hiermit lassen sich -zig Kamera-Funktionen (wir haben weit über 40 gezählt) für unterschiedliche Aufnahmesituationen individuell finetunen (z.B. eine Konfiguation für Sport, eine für Studio, eine für Theater etc.). Es dürfte sich vor allem für professionelle Anwender lohnen, die über genaue Kenntnisse der Anforderung der jeweiligen Foto-Situation verfügen, hier ein wenig Zeit und Aufwand zu investieren. Belohnt werden sie mit einer bis ins kleinste Detail individuell finegetunten Kamera. Die andere Abkürzung zu häufig gebrauchten Funktionen führt über die persönliche Belegung der Funktions-taste auf der Vorderseite des Gehäuses. Diese lässt sich u.a. auch in Kombination mit einem der Dreh-Räder belegen, wodurch eine sehr weite Palette individueller Einstellungen möglich wird.

Sehr gut gefallen hat uns darüber hinaus das Auto-Fokus-System der Nikon D300s. Es bietet in dieser Kamera-Klasse das derzeit maximal machbare mit einer enormen Fülle an Meßpunkten (51 Meßfelder), die bei Bedarf ebenfalls individuell anwählbar sind und sich mit sog. Abdeckungsgruppen zu 9, 21 oder 51 kombinieren lassen - mit dieser Wolke an umgebenden Meßfeldern wird ein Höchstmaß an Autofokus-Verläßlichkeit beim Tracking bewegter Objekte garantiert – sehr beeindruckendes System. Im Vergleich zur Canon EOS 7D hatten wir das Gefühl, dass der Autofokus der Nikon D300s eine Spur zuverlässiger arbeitet: Einen Tick genauer bei maximaler Meßfeld-Zahl und auch bei individueller Ansteuerung minimal schneller: Belegen können wir dies jedoch nicht. Profis werden für Action-Fotografie zur AF-C (kontinuierlicher Autofokus) Einstellung tendieren, die in Kombination mit der Dynamic-Area Autofokus Anwahl zu den Leckerbissen des Nikon AF-Systems zählt. Hier lässt sich mit dem Multi-Selektor (Daumen) einer der 51 Autofokus-Meßpunkte auswählen und Dank schrägen Navigationswegen durch das Meßfeld auch extrem schnell. Zusammen mit den unterschiedlichen Schärfe-Analyse-Methoden (3D-Tracking) bietet die Nikon D300s damit das beste uns derzeit bekannte Autofokus-Modul für Fotografie.
Auch in Sachen Anschlüsse gibt sich die Nikon D300s keine Blöße: A/V-Out, HDMI-Out, Stereo MIC (MiniKlinke), DC, Mini-USB, ext. Flash-Sync sowie Kabel-Remote Schnittstelle bieten alles, was das anspruchsvolle Fotografen-Herz begehrt.
Das Auslöse-Geräusch der Nikon D300s fällt im Vergleich zur Canon EOS 7D, die etwas blechern klingt, satter aus. Sehr gut hat uns bei der Nikon D300s auch der Quiet-Modus gefallen, der den Spiegel erst wieder zurückschwingen lässt, sobald man den Auslöser loslässt.
Eine weitere Besonderheit, die man in dieser Kamera-Klasse ansonsten vergeblich sucht, stellt der eingebaute Intervall-Timer dar. Und hier landen wir auch wieder beim Thema Video, weil sich mit ihm ohne zusätzliche externe Steuer-Box Time-Lapse Aufnahmen realisieren lassen. Wir haben die Intervall-Schaltung ausprobiert – sie funktioniert problemlos und ermöglicht bei einem Bild pro Intervall bis zu 999 Aufnahmen.Time-Lapse-Aufnahmen gibt es im zweiten Teil dieses Reviews bei den Real-Life-Beispielen zu sehen. Wer also auf der Suche nach einer Time-Lapse-fähigen Kamera ist, sollte sich die Nikon D300s einmal genauer anschauen.
Gefehlt hat uns ein Okkular-Verschluß zur Vermeidung von Streulicht bei Langzeitaufnahmen. Auch hätten wir gerne eine Möglichkeit gesehen, Auto-ISO per dediziertem ISO-Button zu Deaktivieren (und dafür nicht den Fn-Button zu opfern).
Was sowohl bei Nikon als auch Canon nervt, ist das proprietäre RAW-Format. Anstatt sich für ein einheitliches Format zu entscheiden - und sei es Adobes DNG - kocht hier jeder Hersteller mit jedem neuen Kamera-Modell weiter sein eigenes Süppchen. Für den Anwender bedeutet dies fast immer ein Warten bis zum nächsten, aktuellen RAW-Konverter, sofern man nicht die hauseigene Viewer/Konverter-Software einsetzen möchte. Hier besteht bei Canon und Nikon eindeutig kundenorientierter Nachbesserungsbedarf.
























