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Fokus Indie-Film : The strongest man of Berlin -- anamorphotisch gedrehtes Sportlerportrait (RED, Blackmagic, Iscorama)

von Mo, 23.April 2018


"the strongest man of Berlin" porträtiert einen ganz besonderen Kraftsportler: Wolfgang Sadowski aus Berlin-Wilmersdorf (heute 81-jährig, was man ihm nicht ansieht) setzte letztes Jahr einen neuen Europa-Rekord in seiner Klasse, als er bei den Meisterschaften in Schweden -- sein letzter Turnierauftritt -- 72 Kilogramm stemmte.

Mit dabei waren Felix S. Hoffmann und Isabella Hoffmann von den Dough Studios (Berlin) für ihre kurze, einfühlsame Dokumentation. Der Film entstand als freies, selbst finanziertes Projekt und stellt Wolfgang Sadowskis Lebensweg vor: er wuchs in den Berliner Nachkriegstrümmern auf, entdeckte schnell den Kraftsport für sich, wollte jedoch beim aufkommenden Doping nicht mitmachen und konnte daher erst deutlich später wieder bei den Wettkämpfen mithalten. 2002 wurde er Senioren-Weltmeister in Melbourne.


Gedreht wurde mit RED Helium auf einer SteadicamSteadicam im Glossar erklärt, sowie mit der Blackmagic Ursa Mini 4.6K und der Blackmagic Micro Cinema Kamera, letztere vor allem im Snorricam-Setup, also quasi als Bodycam, ausgerichtet auf den Protagonisten. Eine Besonderheit ist die anamorphotische Drehweise per Iscorama 54 Adapter -- wir haben uns ein bißchen über die Produktionshintergründe erkundigt.




Felix, Du bist über einen Zeitungsartikel auf Wolfgang Sadowski aufmerksam geworden. Wie konntet ihr ihn überzeugen, mitzumachen?

Meine Frau und ich sind sehr erfahren was Sport und Dokumentationen angeht. Mit unserem Doku Projekt Flag&Family für den Olympic Channel hatten wir bereits 16 Episoden Portraits über Olympia Sportler auf der Rolle. Nach einem kurzen Gespräch mit Wolfgang, der auch schon einige Medienanfragen erlebt hatte, war er schnell offen für unser Vorhaben. Bei Dokumentarfilmen sind Filmaufnahmen in den eigenen vier Wänden immer ein Thema, das Erklärung benötigt. Mit Professionalität und Respekt lässt sich dies aber oft schnell lösen. Gerade eine offene Kommunikation finde ich sehr wichtig.

Waren die Narration über einen Off-Text und der ruhige Schnitt von Anfang an geplant oder entstand das aus den Bildern heraus?

Beim ersten Treffen mit Wolfgang erzählte er uns von seiner harten Kindheit. Mir war sofort klar, dass seine Kindheit der Einstieg in den Film werden soll. Ohne Effekthascherei, mit ruhigen Bildern, die dem Zuschauer Zeit zum Nachdenken geben. Was Wolfgang über seine Kindheit, den 2. Weltkrieg, Berlin und Trümmerfrauen erzählte, kannte ich davor nur aus Geschichtsbüchern und hat mich sehr beeinflusst in meiner Denke.


Die Dramaturgie war vor Drehbeginn klar: Kindheit, Sport, älter werden und Weltrekord. Interviews sind für Portraits ebenfalls sehr wichtig - nichts ist langweiliger für einen Dokumentarfilm als ein vorgefertigter Text. Interviews sind für mich auch einer der spannendste Aspekte beim Dokumentarfilm.

Wie lange habt ihr euren Protagonisten mit der Kamera begleitet und wieviel Material kam dabei zusammen?

Insgesamt waren es ca. 3,5 Drehtage verteilt über 3 Monate. Je ein Drehtag in Schweden sowie bei Wolfgang zu Hause, und 1/2 Drehtag im Fitnessstudio, in der Kneipe sowie für B-Roll in der Stadt.

Ihr habt anamorphotisch gedreht, mit einem Iscorama 54 Adapter. Was waren die Gründe für diese gestalterische Entscheidung?

Ich wollte einen zeitgemäßen Look für meinen Dokumentarfilm. Gleichzeitig hatten wir natürlich ein straffes Budget. Der Adapter ermöglicht das Wechseln der BrennweiteBrennweite im Glossar erklärt - ab 35mm aufwärts konnten wir dadurch eine Reihe an Optiken verwenden. Der Iscorama ermöglicht wunderschöne Aufnahmen bei Available Light.
Außer im Fitnessstudio hatten wir kein Licht dabei.


Wie lief es mit dem Adapter-Setup vom Handling her bei den Dreharbeiten? Gab es da irgendwelche besondere Herausforderungen, bei der Schärfe, den Previews oä.?

Der Adapter ist natürlich eine Budgetlösung. Da es sich um Projektionslinsen handelt, ist der Fokusbereich ab 2m sehr gewöhnungsbedürftig. Für manche Einstellungen arbeitet man daher mit Diopter, um diesen Abstand zu reduzieren. Man gewöhnt sich allerdings schnell daran.
Schärfe ist für mich ein überbewertetes Thema. Ich mag einen roughen Look und benutze gerade deswegen Vintage-Glas und einen Iscorama.

Gedreht wurde teils auf RED Helium mit SteadicamSteadicam im Glossar erklärt, teils mit der Blackmagic Ursa Mini 4.6K sowie Micro Cinema Kamera. In welchen Auflösungen und welchen Formaten habt ihr mit den einzelnen Kameras gedreht - war RAW ein Thema?

In 3840 x 2160 wurde ausgespielt, wobei die BMMCC hochskaliert wurde. Raw war kein Thema. Ein schneller Workflow war entscheidend für ProResHQ.

Snorricam Setup


Snorricam Einstellung


Einige Einstellungen wurden mit einer "Snorricam" gedreht, also einer am Protagonisten befestigten Kamera. Wie hat das geklappt? Habt ihr dazu irgendwelche Tipps, worauf man achten sollte?

Die Snorricam war in der Show "Flag&Family" Stilelement und wurde bei jeder Folge eingesetzt. Wir hatten sehr gute Erfahrungswerte.
Man muss vor allem genau wissen, was man filmt, seinem Darsteller erklären worauf sie achten sollen. Gerade bei Wolfgang war die Herausforderung, ihn zusammen mit der Snorricam auf den Roller zu bringen, ohne ihn in seiner Bewegung einzuschränken. Hätte Wolfgang kein grünes Licht gegeben und sich zu 100% sicher gefühlt, hätten wir die Einstellung auch nicht gedreht.
Sicherheit für alle Beteiligten ist wichtiger als jedes Bild. Das sollte jedem vor dem Verwenden von Bodyrigs klar sein.

Wie ließ sich das Material der unterschiedlichen Kameras in der Post mischen? Wie sah der Workflow in der Post aus?

Wir konnten die unterschiedlichen Kameras schnell in DaVinci Studio matchen -- Adobe Premiere Schnitt & Mische, DaVinci Studio fürs Color Grading.

Vielen Dank!




Zum Film:

"the strongest man of Berlin"
by Felix S. Hoffmann
Production: Isabella Hoffmann / Dough Studios
DOP: Pierre Castillo Bernad
Colorist: Isabella Hoffmann
Vfx: Frank Rosenkränzer
Translation: Lisa Schwarz

Dough Studios | Instagram | Vimeo


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[9 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
PowerMac    14:54 am 6.5.2018
Das ist nichts lax. Das ist der Stil. Sogar schon der streng im Sinne des Stils. Manche Shots auf dem Roller waren aber zu lange für die Erwartungshaltung des Zuschauers. Der eine...weiterlesen
Christian Schmitt    10:55 am 6.5.2018
Schöner Film. Mich hat weniger das Format an sich, sonder mehr das durch den Doku-Einsatz etwas laxe Operating gestört. Oft wackelt's wo es nicht müsste, die Kopffreiheit ist...weiterlesen
030Berlin030    11:29 am 3.5.2018
Wer legt hier wen rein? :-D
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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update am 21.Mai 2018 - 15:00
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