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Fokus Indie-Film : Horror/Mystery Kurzfilm Blinder Himmel -- (fast) alles aus einer Hand

von Mi, 13.Januar 2021 | 3 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

 Einleitung
 Vorbereitung, Dreh und Musik

In unserer Behind-the-scenes Reihe nehmen wir diesmal die Enstehung eines Low-Budget Horror/Mystery Kurzfilms unter die Lupe. "Blinder Himmel" handelt von einer jungen Frau, die ein Jahr nach einem Autounfall plötzlich eine Erscheinung am Himmel bemerkt, die sie zu verfolgen scheint, und spielt -- ungewöhnlich für das Genre -- bei Tag. Trotz recht viel VFX setzt der Film bis auf die Schlüsselszenen auf einen eher stillen Gruselfaktor.

Den Film hat Markus Baumeister selbst finanziert und weitgehend im Alleingang gemacht -- mit seiner eigenen Filmproduktionsfirma dreht er beruflich ua. Image- und Werbefilme, doch auch in der Freizeit lässt ihn das Thema Film offensichtlich nicht los. Wir haben ihn zu den unterschiedlichen Arbeitsschritten und VFX-Szenen befragt, natürlich auch zur eingesetzten Technik, zum Online-Casting und vieles mehr. Nicht zuletzt hat uns natürlich interessiert, wie der Dreh mit der lokalen Feuerwehr ablief.







Vorbereitung, Dreh und Musik



Was ist für Dich der Reiz des Horror-Genres - als Filmemacher und als Zuschauer?

Ich mag vor allem Filme mit übernatürlichen, mysterischen oder fantastischen Themen. Horrorfilme sind da oft eine gute Anlaufstelle. Ich bin aber von dem was ich schaue sehr breit aufgestellt. Ich habe sogar die Twilight Filme gesehen... die ja irgendwie auch wieder Horror sind. :-D

Im typischen Gruselfilm ist es ja meist Nacht - warum hast Du Dich für einen Horrorfilm entschieden, der am hellichten Tag spielt, und mit welchen filmischen Mitteln hast Du die Horrorstimmung erzeugt?

Ich mochte den Film "It Follows" sowie den Ur-Halloween. Auch dort sieht man das Böse sehr lange im Hellen. Ich glaube, dass so der Zuschauer immer allzeit bereit sein muss. Bei klassischen Horrorfilmen ist es so, dass der Zuschauer weiß, "ah - es wird Nacht oder der Held betritt einen dunklen Raum... jetzt passiert gleich was". Bei meinem Film weiß man nie... wann erscheint die Gestalt... wann bleibt sie verborgen. Ich wollte vor allem einen ruhigen Film drehen, mit langen Kameraeinstellungen, sodass der Zuschauer Zeit hat, im Bild zu suchen - wo ist der Mann oder lauert irgendwo Gefahr?



Wie baut man eine Spannung auf, die über den ganzen Film hält?

Der Film hat ja nicht nur Spannung durch das Thema "Horror". Rein von der Laufzeit her sind das ja nur wenige Minuten. Auch andere Dinge sind wichtig - wie läuft ihr Date, wie kam es zu dem Unfall und was hat es mit den Anfällen zu tun? Es passiert also relativ viel in dem Film. Dadurch bleibt man denke ich gut am Ball und lernt so auch die Figur kennen, was schlussendlich dann auch dafür sorgt, dass man mit ihr mitfiebert.

Wie wichtig war die spezielle Musik? Hast Du die in Auftrag gegeben? Wie war das Zusammenspiel von Musik, Drehbuch, speziellen Szenen und dem Schnitt für maximale Wirkung?

Die Musik kam von Marco Herbert.
Ich hatte schon vorher mit ihm zusammen gearbeitet. Er macht oft klassische Horror-Scores. Ich wollte jedoch etwas mehr in den Synthie / 80er Sound. Das war auch für ihn eine neue Herausforderung, aber hat am Ende super funktoniert.
Ich schneide den Film dabei erst einmal fertig und unterlege ihn mit "Mood" Musik, damit Rhythmus usw. schon einmal stimmt. Das schicke ich dann Marco und der tauscht die Musik dann mit seiner aus. Wir haben an Schnitt und Musik parallel gearbeitet. Was ja oft ein Unding ist, eigentlich kommt die Musik erst am Schluss. Aber da wir den Film in Blöcke aufgeteilt haben, konnte ich so mitten im Film noch was ändern, ohne dass er dann hinten Probleme bekommt.

Du hast das Drehbuch selbst geschrieben, die Regie geführt und auch produziert: Wie sehr denkt man beim Schreiben schon die Umsetzbarkeit mit (bezüglich Drehorte, Aufwand, Finanzierbarkeit etc)?

Ich denke, die oberste Regel bei Kurzfilmen ist, dass man für das Drehbuch nur die Ressourcen verwendet, die man zur Verfügung hat. Das heisst, ich schreibe nicht erst das Drehbuch und suche dann nach dem Drehort. Sondern ich habe meist einen Drehort und überlege mir: "Was kann ich hier passieren lassen?" Genauso auch bei Kamera und VFX, die ich auch bei meinen Filmen immer selber mache. Ich weiß, welches Equipment ich habe und wo meine Skills bei den VFX liegen. So kann ich beim Schreiben das schon so einbauen, dass es auch umsetzbar ist.

Deine Darsteller hast du per Online-Casting gefunden (schon lange vor Corona) – wie läuft sowas ab?

Ich habe bei Facebook und CrewUnited Ausschreibungen erstellt über die Rollen, die ich suche. Dann melden sich meist sehr viele Leute. Für "Blinder Himmel" haben sich insgesamt über 300 Schauspieler beworben. Meist schicken die ja schon ein Reel und Fotos mit. Dann mache ich für jede Rolle meine "Top 3" und mit denen telefoniere ich und rede über das Projekt. Wenn die Chemie stimmt, bekommen die Leute dann 2 Szenen aus dem Buch, welche sie bei sich zu Hause einmal vor ihrer Kamera/Handy vorspielen und mir schicken. Daraus hab ich dann final entschieden und so Lea Knoff und Torben Neupert besetzt.



Wie lang war dann der Dreh, wie groß das Team?

Wir hatten 8 Hauptdrehtage und ein paar zusätzliche, wo ich noch mal eine Totale oder Detailaufnahmen nachgeholt habe. Das Team ist immer sehr klein. Die Schauspieler, die in der Szene dran sind, ein Tonangler und ich. Für den Autocrash hatte ich noch eine Make-Up Artistin und an zwei Tagen hat mal ein Kumpel beim Tragen geholfen.

Du scheinst viel Unterstützung für den Dreh in Deiner Gemeinde bekommen zu haben -- musstest Du da viel rumfragen oder war gleich Interesse da? Und wie konntest Du die Feuerwehr zur Zusammenarbeit überzeugen für die Unfallszene? Wie lief dieser Dreh ab? Wo kamen die Crash-Autos her?

Die Unterstützung kam vor allem bei den Locations. Man kennt sich hier und ist auch nicht so argwöhnisch, wenn ein "Filmteam" vorbei kommt - eher neugierig. Das heisst, man kann hier mit nett fragen und nem Kasten Bier noch viel erreichen. Die Feuerwehr hatte ich bei einem anderen Dreh kennen gelernt. Die haben sich die Autos einfach aus ihrem Fundus für Feuerübungen genommen. Die Autos waren allerdings noch relativ heile zu Drehbeginn; die Feuerwehr hat die dann so mit ihrem Werkzeug bearbeitet, dass sie aussehen wie frisch zusammen gestossen.
Gedreht haben wir auf einem Fahrübungsgelände und auch das Entsorgen hat alles die Feuerwehr übernommen. Das war schon sehr cool und hat mega geholfen.

Vorher...



... und nachher im Film



Kameratechnik, VFX und Kinopremiere


3 Seiten:
Einleitung / Vorbereitung, Dreh und Musik
Kameratechnik, VFX und Kinopremiere
  

[11 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
teichomad    10:48 am 9.3.2021
Das Atmen am Anfang ist schon arg asynchron.
Darth Schneider    09:44 am 15.1.2021
Ich finde übrigens Blinder Himmel ist wirklich toll gemacht, spannende Story, sehr gut gespielt und nicht zuletzt sehr stimmungsvolle Aufnahmen, auch sehr gute Effekte....Und die...weiterlesen
-paleface-    09:14 am 15.1.2021
Danke für euer Feedback. Ich versuch mal auf ein paar Dinge einzugehen. MAKING OF: Ja....ich hätte auch selber gerne eins :( Aber war einfach keine Manpower da. Am ersten...weiterlesen
[ Alle Kommentare ganz lesen]

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