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Fokus Indie-Film : Horror/Mystery Kurzfilm Blinder Himmel -- (fast) alles aus einer Hand

von Mi, 13.Januar 2021 | 3 Seiten | diesen Artikel auf einer Seite lesen

  Einleitung
  Vorbereitung, Dreh und Musik
  Kameratechnik, VFX und Kinopremiere



Kameratechnik, VFX und Kinopremiere



Mit welcher Kamera und welchen Optiken hast Du gefilmt, und in welchem Aufnahmeformat?

Ich hatte die Ur - Ursa Mini 4.6k sowie für die Fahraufnahmen die GH5. Für zwei Shots kam noch eine Phantom 4 Pro dazu. Als Optik habe ich fast ausschliesslich das Tamron 24-70 G2 genommen. Ich hatte zwar noch jede Mende anderer Linsen im Gepäck, aber das ist meiner Meinung die beste Linse, wenn es schnell gehen soll.
Mit der Ursa hab ich alles in CDNG 1:3 aufgenommen und mit der GH5 in Vlog 100Mbit.

Kam besondere Technik beim Dreh zum Einsatz? Wie groß war der technische Aufwand der Szenen bezüglich Licht, Ausstattung, Maske usw.?

Für die Ursa hatte ich eine Devin-Graham Glidecam mit Weste. Die kam z.B. bei der Bus-Händchenhaltszene zum Einsatz oder zu Beginn im Garten. Ansonsten war die Kamera auf dem Stativ, auf der Schulter oder auf nem Kessler Cineslider.
"Blinder Himmel" ist zu 90% mit natürlichem Licht gedreht worden. Lediglich in der Nachtszene hab ich eine Lampe aufgestellt. Das liegt vor allem daran, dass ich keine Hand mehr frei hatte, die noch ne Lampe hätte halten können. Ich hatte zwar immer Lampen im Kofferraum, aber einfach keine Zeit, sie aufzubauen, auch wenn ich mir bei manchen Szenen schon etwas Licht gewünscht hätte. Viele der Fahrten von Lea hab ich zudem im Stand gedreht und dann mit Greenscreen oder auch mit einem Beamer das Fahren "simuliert". Stichwort: Poor Man's Process.

Mit welchem Programm hast Du geschnitten? Mit welchem gegradet?

Den Schnitt und auch das Colorgrading hab ich alles mit Davinci Resolve gemacht. Ansonsten kam noch After Effects und Fusion für die Comps zum Einsatz sowie C4D und Maya für den "Mann" am Himmel. Den Soundmix hab ich dann in Premiere gemacht... Warum ich mich dazu entschlossen habe... keine Ahnung. War jedenfalls dumm :-D

Wieviel der besonderen Stimmung hast Du vom Look her in der Postproduktion erzeugt?

Sehr viel würde ich behaupten. Ich hab versucht das Material so analog wie möglich erscheinen zu lassen. Es sollte sich ein wenig an den 80ern orientieren.

Manche der computergenerierten Spezialeffekte sind verborgen, manche offensichtlich: was waren von den VFX-Effekten her gesehen die aufwändigsten Szenen?

Am aufwendigsten war definitv der fliegende Mann. Nicht, weil es per se aufwendig ist, sondern eher weil da viele Techniken drin sind, die für mich Neuland waren. Zu Beginn wollte ich den Darsteller nur vor einem Greenscreen filmen und dann am Himmel einfügen. Aber das war für mich zu unflexibel.
Also bin ich mit dem Darsteller in ein Studio gefahren, die ihn eingescannt haben. Nun hatte ich ein 3D Mesh mit über 30 Millionen Polygonen. Das hab ich dann reduziert auf gut 2 Millionen (was immer noch viel zu viel ist). Dann hab ich die Vorlage geriggt, animiert, beleuchtet und gerendert.



Der Autocrash der z.B. 100% CGI ist, war gar nicht so aufwendig. Da hab ich ein langes Wochenende dran gesessen. Auch das digitale Make-Up des Mannes und die leeren Augen von Lea in den Naheinstellungen war weniger das Problem. Sowas hab ich in der Vergangenheit schon öfters gemacht und wusste daher, dass es funktioniert.



Gab es ein Storyboard für den gesamten Film oder nur für VFX-Szenen?

Ich bin sehr gut vorbereitet vor meinen Drehs. Ich überlasse so wenig, wie es nur geht, dem Zufall und mache daher so gut wie immer Storyboards und einen Drehplan.

Ist die letzte "Verfolgungsszene" im Auto komplett vor Greenscreen entstanden oder nur zum Teil? Wie wurde das umgesetzt damit es real wirkt?

Es ist ein großer Mix aus allem geworden. Zum Teil bin ich selber Auto gefahren. Dann war wieder Lea am Steuer. Dann war Lea am Steuer vor Greenscreen. Wir hatten ein einsames Stück Straße mit etwa 100m Strecke, an dem wir uns austoben konnten. Dort waren wir auch eine Woche vor Dreh schon einmal und haben quasi alles als Trockenübung geprobt. So konnten wir die ganze Schlusssequenz an einem Tag abdrehen.



Den fertigen Film hast du dann sogar im Kino gezeigt, inklusive einer Live-Performance des Soundtracks - war das nur für geladene Gäste oder offen für alle, mit Ticketverkauf? Wie klappte es mit der Anieferung des DCPs?

Die Premiere war nur für geladene Gäste. Wir haben einen Saal mit 300 Sitzen bekommen, aber da es Corona-Auflagen gab, durften wir max. 100 Leute einladen. Ursprünglich sollte der Film noch an weiteren Tagen dort gezeigt werden. Allerdings wurden dann nach und nach alle Kinos geschlossen und wir entschieden uns, den Film zu Halloween auf YouTube zu veröffentlichen.

Für den Film wurden zwei DCPs erstellt, eines vom Hauptfilm selber und eines vom VFX Reel, welches wir bei unserer Präsentation im Kino auch zeigten. Das DCP vom Hauptfilm wurde von einem Bekannten, der ein kleines Programm-Kino hat, erstellt und das VFX Reel vom Premieren Kino dann selber. Rein bildlich haben sich die beiden Versionen nicht unterschieden, jedoch war die vom Premieren-Kino erstellte Version beim Ton "fetter". Warum weiß ich leider nicht.


... Markus, vielen Dank für die Infos!


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Blinder Himmel

In den Hauptrollen - Lea Knoff, Torben Neupert, Stefan Selno
Regie / Kamera / Drehbuch - Markus Baumeister
Ton - Daniel Pütz
Musik - Marco Herbert
SFX Make-Up - Melanie Dräger
VFX - Das Zeichen

MSE Film


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Du hast auch einen Film gedreht und würdest ihn gern auf slashCAM vorstellen?

Dann schick uns einen Vimeo- oder YouTube-Link mit ein Paar Stichworten zur Produktion (an film at slashcam.de) – wir freuen uns auf spannende, verrückte, kreative, technisch interessante Projekte.


Einleitung / Vorbereitung, Dreh und Musik


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[10 Leserkommentare] [Kommentar schreiben]   Letzte Kommentare:
Darth Schneider    09:44 am 15.1.2021
Ich finde übrigens Blinder Himmel ist wirklich toll gemacht, spannende Story, sehr gut gespielt und nicht zuletzt sehr stimmungsvolle Aufnahmen, auch sehr gute Effekte....Und die...weiterlesen
-paleface-    09:14 am 15.1.2021
Danke für euer Feedback. Ich versuch mal auf ein paar Dinge einzugehen. MAKING OF: Ja....ich hätte auch selber gerne eins :( Aber war einfach keine Manpower da. Am ersten...weiterlesen
Darth Schneider    06:49 am 15.1.2021
Also bei Making Ofs von Kinofilmen und so sieht man eigentlich gar keine Kameras ohne gleich mehrere Filter vor dem Objektiv. Also ganz klares nein, alles kriegt man mit...weiterlesen
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update am 23.Januar 2021 - 15:02
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