UPDATE 20.03 16:58
Amazon hat sich nun ebenfalls angeschlossen und wird bis auf weiteres Prime Videos mit verminderter Bitrate streamen.
UPDATE 20.03 10:55
Jetzt hat auch YouTube angekündigt, für zunächst 30 Tage die Übertragungsqualität (und damit den Datenverkehr) seiner Videos EU-weit zu reduzieren, um Überlastungen des Internets zu verhindern.
UPDATE 19.03 19:55
Netflix hat angekündigt, sein Datenvolumen zunächst für 30 Tage um ca. 25% in Europa zu drosseln, um die Netze in der Coronavirus-Krise zu entlasten. Videos sollen laut Netflix trotzdem in "guter Qualität" zu sehen sein und bei unveränderter Auflösung.
Einen logischen Effekt haben die zunehmenden Quarantänemassnahmen bzw. Social Distancing Empfehlungen in den verschiedenen Ländern: das soziale ebenso wie das berufliche Leben verlegt sich zunehmend ins Netz. Wer zuhause ist und im Home Office arbeiteten muss, ist ebenso viel auf das Netz angewiesen wie fast alle am Abend zu Unterhaltung, wenn Aktivitäten wie Kino, Theater und Kneipenbesuche ausfallen.
Dann wird mehr gesurft im Netz, mehr telefoniert und mehr Filme geschaut. Letzteres ist natürlich - wie jeder Filmer weiß - der Datenfresser Nummer 1, nichts verbraucht so viele Daten wie bewegte Bilder, seien es HD oder sogar 4K Filme, welche per Netflix, YouTube, Amazon oder einen anderen Dienst gestreamt werden, oder Videokonferenzen, die zusätzlich auch noch Upload-Kapazität beanspruchen.
In der Schweiz zum Beispiel hat das Netz der Swisscom, der größten Telekomfirma des Landes, schon in den vergangenen Tagen nicht gut auf den zusätzlichen Verkehr reagiert: so kam es im Swisscom-Netz sowohl bei Anrufen über Mobil- und Festnetz immer wieder zu Unterbrechungen. Der Grund dafür war laut Swisscom die enorm gesteigerte Belastung der Infrastruktur. Es wurden dreimal mehr Anrufe über das Mobilfunknetz verzeichnet als an normalen Tagen. Auch im Festnetz sei das Volumen massiv gestiegen. Und auch in den Datennetzen zeigen sich Engpässe - dort gibt es zwar noch Reserven, zur punktuellen Überlastung kann es aber trotzdem kommen.

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Auch in Spanien, das über ein hochentwickeltes Datennetz verfügt, wird angesichts einer 40%igen Erhöhung des Internetverkehrs schon zum Datensparen aufgerufen - die Ratschläge dort lauten zur Bürozeit möglichst die Kapazität für die Arbeitenden zu reservieren und auf Videostreaming oder Online-Videospiele zur Unterhaltung während dieser Zeit zu verzichten. Auch das Runterladen großer Dateien sollte nur in notwendigen Fällen oder zu Off-Zeiten erfolgen.
Empfohlen wird, eher das Festnetztelefon als des Handy zu nutzen und virtuelle Arbeitssitzungen ohne durchgehende Live-Videoschaltungen zu bestreiten - Microsofts Kollaborationssoftware Teams war in dieser Woche schon teilweise überlastet, ebenso kann es zu Problemen mit ähnlichen Programmen z.B. auch zur Videotelefonie kommen - auch die jeweiligen Server kommen irgendwann an ihre Grenze.
Und wie ist die Lage in Deutschland?
Die deutsche Telekom dagegen sieht weiterer Auslastung optimistisch entgegen und sieht sich gewappnet, da Notfallpläne schon seit Januar aktiviert sind. Bisher hält sich der Anstieg des Internet-Traffics in Grenzen: der größte deutsche Internetknotenpunkt DE-CIX in Frankfurt, vermeldet aktuell zwar eine Zunahme des Datenverkehrs binnen einer Woche um 10 Prozent unter anderem durch vermehrte Videokonferenzen und Videochats.
Aber selbst wenn sich das in allernächster Zeit noch steigern sollte, wenn strengere Quarantänemassnahmen ergriffen werden, um den Verlauf der Coronavirus-Pandemie zu verlangsamen, sollte die Internet-Infrastruktur dem gewachsen sein: die Kapazität von maximal 54.1 Terabit/s des DE-CIX in Frankfurt ist momentan nur mit 6,3 TBit/s ausgeschöpft - es sind also noch massenhaft Reserven vorhanden. Wenn überhaupt, dann sollte es in Deutschland nur zu temporären Engpässen auf den letzten Metern kommen, wenn sich mehrere Haushalte eine solche Leitung teilen.
Sollte es aber tatsächlich zu Einschränkungen beim Videostreaming aufgrund verstopfter Leitungen kommen oder zu gezielten Blockaden, um die Funktionsfähigkeit des Netzes zu bewahren, gibt es ja immerhin eine Alternative, die kein Bandbreitenprobleme hat: das klassische Fernsehen per Satelliten oder per terrestrischer Ausstrahlung.